Kultur wieder sichtbar machen

Kulturamt, Theater, Stadtbibliothek und Museen starten Kampagne

Heute startet eine breite Öffentlichkeitskampagne, die auf die aktuelle Notsituation von Freiburger Kultureinrichtungen und -initiativen aufmerksam machen will. Denn diese sitzen mit Theater-, Tanz- und Konzertprogrammen, mit Kabarettabenden, Ausstellungen oder geplanten Lesungen quasi in den Startlöchern, dürfen ihre Türen aber nach wie vor nicht für Besucherinnen und Besucher öffnen. Die Aktion steht unter dem Motto "Kultur_Los!"

"Wer werden wir gewesen sein?", lautet die zentrale Frage, die dieser Tage auf Plakaten und Bannern in der Innenstadt prangt – etwa am Rathausbalkon oder an den Fassaden des städtischen Theaters, Konzerthauses oder der Stadtbibliothek. Wer werden wir gewesen sein – ohne die Kulturveranstaltungen, die sonst unseren Alltag auflockern, uns bereichern und zum Nachdenken bringen? Das fragen Kulturamt, Stadtbibliothek, Städtische Museen Freiburg und Theater Freiburg in Bezug auf die gähnende Abwesenheit aktiven kulturellen Lebens in Freiburg.

Zwei Männer stehen hinter einem Banner auf einem Balkon
Oberbürgermeister Martin Horn und Erster Bürgermeister Ulrich von Kirchbach vor dem Banner der Imagekampagne am Rathausbalkon. (Foto: Patrick Seeger/Stadt Freiburg)

Die Kampagne richtet ihren Blick jedoch auch stadtweit auf die vielen Einrichtungen der freien Szene. "Die Tragödien und Existenzkämpfe dort bekommen wir direkt mit", berichtet Clementine Herzog vom Kulturamt, die die Kampagne vom Kulturamt aus mit betreut. "Es gibt viele Kulturschaffende, die gar nicht mehr ausüben können, was ihr Anliegen ist, und nicht wissen, womit sie ihr Geld verdienen sollen." Auf die Lockerungen im vergangenen Sommer hätten viele zwar sehr kreativ reagiert, "aber davon abgesehen herrschen seit einem Jahr Lockdown und Beschränkungen, eine Öffnungsperspektive ist nicht in Sicht. Alles auf null gesetzt, totale Tristesse – man kann es nicht anders sagen".

"In den Startlöchern"

Die Idee der Imagekampagne ist im Zuge des zweiten Lockdowns für die Kultur im Dezember 2020 entstanden, denn: "Allen gemeinsam war der Wunsch, sichtbar zu bleiben", erzählt die Kulturamtsmitarbeiterin. "Zu zeigen: Es gibt uns noch, auch wenn wir die Türen zu unseren Häusern nicht öffnen können." Auf der zentralen Website www.kulturlos.org können sich ab sofort Kultureinrichtungen präsentieren, außerdem geht die Kampagne mit weiteren Aktionen auf Facebook und Instagram an den Start.

Zusammengeschrieben verweist der Titel "Kultur_Los!" auf die Abwesenheit von Kultur. Er versteht sich ebenso als Aufforderung loszulegen. "Wir wollen zum Ausdruck bringen, dass die Kultur nicht stirbt, sondern in den Startlöchern steht", so die Initiatorinnen und Initiatoren in einer gemeinsamen Pressemitteilung. Darüber hinaus steht "Los" für die Möglichkeit, mit einem Los bei der Tombola auf der Website mitzumachen. Zu gewinnen gibt es exklusive coronakonforme Einblicke in Einrichtungen, Tickets für die Zukunft, Bücher und Kataloge oder auch attraktive Erinnerungen zu vergangenen Veranstaltungen.

Mehr als Brot und Spiele

Das Ziel ist, positive Signale zu senden: "Kunst und Kultur stehen für ein Lebensgefühl", bringt es Kulturamtsleiterin Felicia Maier auf den Punkt. "Sie stellen beflügelnde Bezüge her und regen zur kritischen Hinterfragung an. Und sie zeigen, dass die Menschen neben Brot und Spielen emotionale, imaginäre und geistige Auseinandersetzung brauchen." Das alles fehle momentan, so die Initiatorinnen und Initiatoren. "Für kulturaffine Menschen bricht etwas Wichtiges weg, an Reflexionsmomenten und Perspektivwechseln." Daher ziele die Kampagne darauf ab, was Kunst bewirken kann.

Konkrete Hilfe

Sie soll freien Kulturinitiativen, die ein wichtiger Teil der Freiburger Kulturlandschaft sind, aber auch ganz konkret helfen. Wer seine Einrichtung im Rahmen der Kampagne im öffentlichen Raum präsentieren möchte, kann dafür beim Kulturamt finanzielle Unterstützung beantragen. Beratung, Gestaltung und Layout liefert die Freiburger Werbeagentur "feyka&herr", die das Design der Kampagne maßgeblich gestaltet hat.

In Verbindung bleiben

Und was wird "Kultur_Los!" einst bewirkt haben? Welchen Effekt erhoffen sich die Initiatorinnen und Initiatoren? "Zuallererst natürlich, dass wir in einem Jahr wieder unkompliziertere Zeiten haben", sagt Herzog. Bis dahin wolle die Kampagne durch das Sichtbarmachen dazu beitragen, die Verbindung zwischen Kulturschaffenden, Künstlerinnen und Künstlern sowie Rezipientinnen und Rezipienten zu halten. "Damit die Kultureinrichtungen leichter wieder anknüpfen können und nicht jede Zuschauerin und jeden Zuschauer hinter dem Ofen hervorholen müssen."

Darüber hinaus rege die Frage "Wer werden wir gewesen sein?" dazu an, sich aus dem Hier und Jetzt, aus der "aktuellen Perspektivlosigkeit und Sackgasse" herauszudenken, meinen die Initiatorinnen und Initiatoren. "Es wird wichtig sein zurückzuschauen. Jetzt müssen wir auch in die Zukunft blicken und uns bewusst machen: Es geht weiter und es gibt eine Zeit danach!"

Zur Website der Kampagne: www.kulturlos.org

Veröffentlicht am 23. April 2021
Kommentare (1)

Fragen nach dem Umgang mit Tod in unserer Gesellschaft

Von Angela Ziegler
06.05.2021 20:18

Die Frage: Gibt es ein Leben vor dem Tod ? Warum so fragen ?
Wichtiger erscheint mir die Frage: Gibt es ein Leben nach dem Tod? und Was nehmen wir von dem Leben mit, welches wir vorher gelebt haben ? Diese Frage zuende gedacht, verändert dein Denken und Handeln jetzt. Und gerade die Corona Krise zeigt doch, wie unbedacht wir mit dem Thema Tod umgehen. Gibt es ein Recht auf Sterben ? Gibt es ein Recht auf Krankheit ? Gibt es ein Recht auf Irrtum ? Welchen Sinn macht der Tod ? Dem Leben kann ich selber einen Sinn geben.Leben auf Tod und Teufel, macht das Sinn ? Macht es Sinn ewig zu leben ? Macht Transhumanismus Sinn ? Was können wir von dem was wir haben mitnehmen nach dem Tod ? Vom Haben zum Sein. Welche Werte machen Sinn ? Können wir erlebte, erliebte Werte mitnehmen in den Tod ? Was kommt nach dem Sterben ?
Und was ist für uns Menschen wirklich wichtig ? Auch für unsere Gesellschaft. Ist der Tod dein Freund ?

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