Schoco-Test

Neue Corona-Teststrategie für Freiburger Schulen

Mädchen mit geöffnetem Mund und Wattestäbschen.
Kindgerecht und einfach anzuwenden: Für den Schoco-Test lutschen Schülerinnen und Schüler unter Aufsicht einer Lehrkraft an zwei Wattestäbchen wie an einem Lolli. (Foto: Johannes Schubert)

An Freiburger Schulen werden auch Kinder und Jugendliche auf das Coronavirus getestet. Dafür startet am Donnerstag ein Pilotprojekt an einer Freiburger Schule, bis zu den Osterferien soll es auf weitere Schulen der Stadt ausgeweitet werden. Dabei beschreitet Freiburg mit dem sogenannten Schoco-Testsystem ("Schul-Observation auf Corona") einen innovativen Weg.

Pilotprojekt mit wissenschaftlicher Begleitung der Uniklinik

Hier werden ganze Klassen in PCR-Pool-Tests gemeinsam auf das Corona-Virus getestet. Das Verfahren ist kindgerecht und einfach anzuwenden, Schülerinnen und Schüler lutschen unter Aufsicht der Lehrer an zwei Wattestäbchen wie an einem Lolli. Das Projekt ist eine Kooperation der Stadtverwaltung mit dem Universitätsklinikum Freiburg und dem Gesundheitsamt. Dabei werden Daten anonymisiert erhoben und ausgewertet, um die Tests wissenschaftlich zu begleiten.

Regelmäßige Tests tragen dazu bei, die Infektionsgefahr in Schulen zu verringern. Da Kinder oft ohne Symptome bleiben, können so verdeckte Infektionsketten gestoppt werden. Die Stadt schafft mit dem neuen Konzept mehr Sicherheit an Schulen und für die Familien der Schülerinnen und Schüler.

Oberbürgermeister Martin Horn

Eine abgestimmte Teststrategie des Landes ist jedoch dringend notwendig gewesen, so Horn: "Aktuell erarbeiten hunderte Kommunen in Baden-Württemberg parallel Teststrategien und das mit viel Ressourceneinsatz - personell wie auch finanziell. Am Ende gelten unterschiedliche Regeln und Ansätze in Nachbarkommunen, das macht doch wenig Sinn und ist total ineffizient. Wir brauchen dringend ein einheitliches und gut koordiniertes Vorgehen von Bund und Land."

Erste Tests an der Wentzinger Realschule

Das Pool-Pilotprojekt startet in dieser Woche an der Wentzinger Realschule und wird nächste Woche bis zu den Osterferien auf weitere Schulen ausgeweitet. Ziel ist, perspektivisch alle Schulen auf diesem Wege einmal wöchentlich zu testen. Das Konzept wurde ursprünglich von der Stadt Köln und der dortigen Universitätsklinik entwickelt. Die Freiburger Variante basiert auf dem Kölner Modell und wurde von der Pädiatrischen Infektiologie des Zentrums für Kinder- und Jugendmedizin des Universitätsklinikum Freiburg, der Stadt Freiburg und dem Gesundheitsamt angepasst. Seit dieser Woche hat in vielen Schulen der Präsenzunterricht begonnen. Das gilt für alle Grundschulen, die fünften und sechsten Klassen sowie die Abschlussklassen aller Schularten.

Wir schaffen eine Infrastruktur, die den Präsenzunterricht begleitet und setzen die Tests koordiniert und systematisch ein. Die wissenschaftliche Begleitung und anonyme Analyse der Daten sichert die Qualität der Teststrategie.

Schulbürgermeisterin Gerda Stuchlik

So funktioniert der Schoco-Test

Pool-Test:

Die Schüler und Schülerinnen führen den Test selbst durch, indem sie 30 Sekunden auf einem Wattetupfer lutschen. Die Abstrichtupfer einer ganzen oder halben Klasse (maximal 25) werden dann in ein Sammelgefäß geworfen und bilden einen "Pool".

Einzel-Test:

Anschließend lutscht jeder Schüler und jede Schülerin noch einmal auf einem zweiten Abstrichtupfer, der mit Namen und Geburtsdatum beschriftet und einzeln verpackt wird. Alle Röhrchen werden gesammelt ins Labor gebracht. Die benötigten Materialien (Wattestäbchen, Tüte, Drucketiketten und Einmalhandschuhe) werden jeder Schule vorab von der Stadt Freiburg zur Verfügung gestellt. Die ersten Tests in der Schule werden von Kinderärztinnen und -Ärzten begleitet. Alle weiteren Tests finden eigenständig in der Schule statt.

Pool-Proben werden untersucht:

Im Labor werden die Pools noch am selben Tag mit der PCR-Methode auf SARS-CoV-2 untersucht. Ergebnisse sollen bereits am frühen Nachmittag vorliegen. Bei einem negativen Testergebnis gibt es Entwarnung: Kein Kind ist infiziert. Die Einzelproben können entsorgt werden, der Unterricht geht weiter.

Einzel-Proben werden bei Bedarf untersucht

Fällt der Test dagegen positiv aus, müssen zunächst alle Schülerinnen und Schüler der betroffenen Klasse zuhause bleiben und im Fernunterricht unterrichtet werden. Das Labor untersucht alle Einzelproben des Pools. Sobald die Ergebnisse vorliegen, werden die Schulleitung und das Gesundheitsamt darüber benachrichtigt, welche Schüler und Schülerinnen positiv getestet wurden. Die positiv Getesteten müssen sich in Isolation begeben. Über alle weiteren Maßnahmen entscheidet das Gesundheitsamt. Das betrifft auch die Frage, ob sich weitere Kontaktpersonen in Quarantäne begeben müssen.

An den Schulen gelten die gängigen Hygieneregeln weiterhin. Die Teilnahme am Testverfahren ist freiwillig und bedarf einer vorherigen schriftlichen Einwilligung der Erziehungsberechtigten.

Viele Vorteile der Methode

Die Testmethode hat viele handfeste Vorteile. So sind PCR-Tests genauer als Schnelltests. Die Genauigkeit eines Schnelltest ist sehr stark von der fachlich sauberen Durchführung und den Randbedingungen abhängig. Deshalb ist mit einer entsprechenden Fehlerquote zu rechnen. Durch die PCR-Pooling-Methode wird nicht nur die Fehlerquote verringert, es werden auch Kosten gespart. Normalerweise sind PCR-Tests teurer als Schnelltests. Doch im Pool sind die Kosten sind etwa halb so hoch wie bei Einzel-Schnelltests.

Die Mehrbelastung für Lehrerinnen und Lehrer ist zudem sehr gering. Die Entnahme der Speichelproben kann von den Schülern und Schülerinnen selbst vorgenommen werden und ist schmerzlos. Mit dem PCR-Pool-Test können frühe und symptomfreie Infektionen nachgewiesen werden und das Risiko von falschen Testergebnissen ist gering. Für die weitere Entwicklung ist die wissenschaftliche Begleitung und Validierung elementar wichtig und bietet die Grundlage für das weitere Vorgehen.

Die Test-Strategie

Ziel ist es nicht, jeden Tag alle 40.000 Schülerinnen und Schüler der Stadt zu testen oder ganze Schulen "freizutesten". Das ist aus logistischen Gründen (z.B. Laborkapazitäten) nicht möglich. Vielmehr soll es Stichprobentests geben, die eine Überwachungsfunktion haben. Dennoch wird es sehr viele Tests geben.

Alle Schülerinnen und Schüler sollen wiederholt getestet werden, die Frequenz muss in Abhängigkeit der aktuellen Infektionslage evaluiert werden. Eine Testung aller Schülerinnen und Schüler innerhalb einer Woche ist denkbar. Übergeordnetes Ziel ist eine sogenannte Infektionssurveillance. In Kooperation mit dem Universitätsklinikum sollen so Infektionscluster und Hotspots innerhalb der Freiburger Schulen entdeckt werden.

Die Daten aus dem Projekt sollen anonymisiert in einer Datenbank gespeichert und wissenschaftlich analysiert werden. Individuelle und nicht zentral gesammelte Teststrategien einzelner Schulen machen eine solche Datenauswertung unmöglich. Nur über eine hochwertige Datenbank können Rückschlüsse auf das Infektionsgeschehen in Schulen getroffen werden und Hotspots rasch identifiziert werden. Die Analyse und Interpretation der Daten erfolgt im Rahmen einer interdisziplinären Zusammenarbeit von Stadt Freiburg, Universitätsklinikum und Gesundheitsamt.

Schnelltests laufen weiter

Gleichzeitig gilt: Für das Schulpersonal hat die Stadt bereits ein Testsystem etabliert. Hier wurden 71.000 Tests vom Land bestellt. Die Schnelltests werden von geschultem Personal an den Schulen selbst durchgeführt. Diese Testmöglichkeiten bestehen weiterhin. Ebenso können sich alle Schülerinnen und Schüler bis zu zwei Mal die Woche an einer der über 60 Testmöglichkeiten in der Stadt kostenfrei Schnelltesten lassen.

Weitere Infos:

www.freiburg.de/schnelltestzentren
www.freiburg.de/coronavirus

Veröffentlicht am 17. März 2021
Kommentare (8)

Der Porsche unter den aktuellen Testangeboten (Sybille Buske, Schulleiterin am Berthold-Gymnasium) 06.04.2021 21:23
Die Schoco-Tests sind vollwertige PCR-Tests, kinderleicht durchzuführen und bei der Auswertung in professionellen Händen, somit der Porsche unter den aktuellen Angeboten! Als Pool-Tests organisiert, können sie hoffentlich bald an vielen Freiburger Schulen und Kitas eine Breitenwirkung entfalten. Somit entwickeln die Uniklinik und die Stadt Freiburg aktuell eine effektive und wirklich zukunftsweisende Strategie im Umgang mit der Pandemie. Als Schulleiterin wünsche ich mir sehr für die Kinder und Jugendlichen, dass diese Teststrategie dazu beiträgt, dass Schulen und Kitas weiter geöffnet werden können und Normalität in den Alltag der Familien zurückkehrt.

Antwort: Test (Online- Redaktion) 30.03.2021 09:48
Der Test ist freiwillig. Kinder, die keine Einverständniserklärung ihrer Erziehungsberechtigten dafür haben, können trotzdem weiterhin am Unterricht teilnehmen.

Bestandteile (Katharina Müller) 29.03.2021 17:11
Wo kann man denn lesen, welche Bestandteile und Nebenwirkungen der Test hat? Danke

Test (Melanie Wildnann) 27.03.2021 09:26
Ich möchte nicht das mein Kind das Stäbchen in den Mund nimmt! Und schon garnicht 2x mal für 30 Sekunden und das wöchentlich.
Die sind in Etylenoxid getränkt.

Wenn mein Kind es verweigert darf sie nicht am Unterricht teilnehmen oder?

Antwort an Dipl. Soz. Päd. (Online- Redaktion) 25.03.2021 09:37
Die Tests sind freiwillig. Ohne Einwilligung der Erziehungsberechtigten kann und muss das Kind nicht am Test teilnehmen. Die restliche Klasse führt den Test (Pool- und Einzeltest) wie oben beschrieben durch. Nur bei einem positiven Testergebnis in der Klasse müssen auch die Kinder aus der Klasse getestet werden, die vorher nicht am Test teilgenommen haben.

Vielen Dank für diese gute Idee! (Johannes Schubert Schulleiter Adolf-Reichwein-Bildungshaus) 24.03.2021 18:11
Am 24. Mörz durfte unsere Schule in der Pilotphase teilnehmen. Ca. 85% der Schüler haben teilgenommen, die Durchführung ist sehr einfach und schmerzlos.
Die erfreuliche Nachricht, dass alle von uns eingereichten Proben negativ waren, hat der Schulgemeinschaft einen Lichtblick in diesen schwierigen Zeiten beschert.

Wir danken dem Team von Zentrum für Kinder- und Jugendmedizin der Universitätsklinik Freiburg und den Mitarbeitern der Stadt Freiburg für die gut strukturierte Vorbereitung und die kompetente Begleitung bei der Durchführung des schoco-Tests.

divers (A. L.) 24.03.2021 15:28
Die Test sind wirklich einfach durchzuführen, ich bin begeistert, viel besser als die Schnelltests, da weder in der Nase noch im Rachen rumgestochert werden muss. Wann wird es möglich sein, auch in Kitas zu testen?

Dipl. Soz. Päd. (Margarita Martens) 22.03.2021 14:50
Ich möchte ausdrücklich nicht das bei meinem Kind irgendwelche Tests und auch nicht der Lolly-Test an der Schule durchgeführt werden. So etwas gehört meiner Meinung nach ausschließlich in die ärztliche Praxis und unterliegt der Schweigepflicht und soll nur nach tatsächlichem Bedarf und nur nach ausdrücklichem Wunsch unsererseits erfolgen!
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