Kunst im Netz

Ein Jahr Onlinesammlung der Städtischen Museen

Wer den Museumsbesuch momentan schmerzlich vermisst, kann auf die Onlinesammlung ausweichen: Alle 1200 digitalisierten Objekte können ganz bequem von der heimischen Coach aus durchstöbert werden. (Foto: Patrick Seeger/Stadt Freiburg).

Es war kein leichtes Jahr für die städtischen Museen, die Türen sind im Lockdown lange geschlossen. Doch Not macht erfinderisch: Digitale Angebote und Online-Kommunikation erlebten einen großen Schub.

Inzwischen folgen 6404 Menschen den stetig ausgebauten Facebook-Kanälen, und die virtuellen Rundgänge durch die fünf Häuser bringen die Ausstellung direkt auf den Bildschirm in das heimische Wohnzimmer. Im historischen Corona-Jahr gab es damit auch viele Erfolgsgeschichten. Die größte davon: Seit circa einem Jahr, noch vor der Corona-Pandemie, können zahlreiche Kunstobjekte in der Onlinesammlung der städtischen Museen bewundert werden

Unter den Schlagworten „"orschen, stöbern, entdecken" machte das Team um Jochen Dietel, verantwortlich für die Stabsstelle für Dokumentation und Digitalisierung, 812 der über 300000 Objekte umfassenden Sammlung des zentralen Kunstdepots zugänglich – von Wilhelm Hasemanns Gemälden des nahen Schwarzwalds bis zu verschiedenen Zeremonienmasken aus dem fernen Ozeanien; ein bunter Querschnitt aus den vielfältigen Sammlungsgebieten der Museen.

Nachfrage aus aller Welt

Und die Bilanz kann sich sehen lassen: In den ersten 365 Tagen besuchten knapp 18000 Menschen aus über 90 Ländern die Onlinesammlung. Die meisten Aufrufe kamen – wenig überraschend – aus Deutschland, gefolgt von den USA, Frankreich, England und der Schweiz. Aber die Website lockte auch Neugierige aus Ozeanien, Afrika, Südamerika und Asien an.

Nicht zuletzt, weil sich Jochen Dietel und sein Team für Qualität statt Quantität entschieden haben. Jedes der inzwischen 1200 digitalisierten Objekte wird professionell abfotografiert. Ein Begleittext liefert viele zusätzliche Informationen: etwa Herkunft und Alter, aber auch Herstellungstechnik, Material oder eine Kurzvorstellung des Exponats – eben wie bei einem digitalen Museumsbesuch.

Aktuell arbeiten die städtischen Museen daran, alle Objekte der künftigen Dauerausstellung im dritten Bauabschnitt des Augustinermuseums zu digitalisieren. Im Februar soll das erste Album für den Bereich "Protest und Revolution" online gehen.

Kunst verbreiten dank Creative Common Lizenzen

Die Onlinesammlung ist aber weit mehr als ein digitaler Museumsbesuch, sie ist eine Spielwiese für kreative Ideen. Egal ob eine Votivtafel aus Neustadt im Schwarzwald, die um göttlichen Schutz für bäuerliches Vieh bittet, oder der ebenso exotische wie alltägliche Inrõ, ein japanischer Behälter, den Männer an ihrem Kimonogürtel trugen – das Team um Jochen Dietel will, dass die Motive der Exponate mehr als nur Ausstellungsstücke sind. Ein Großteil der abfotografierten Objekte können Dank der Creativ Common Licence privat weitergenutzt werden.

Wie das aussehen kann, hat Wendelin Rosendahl aus Nürnberg gezeigt. Er ist über die Kirchenzeitung des Erzbistums Bamberg auf ein Gemälde im Augustinermuseum aufmerksam geworden: "Die Heiligen Jakobus der Ältere, Florian, Laurentius, Wendelin und Genoveva", das zwischen 1510 und 1520 entstand. Da im Umfeld seiner Familie Enkel und Großvater die Namen Florian und Wendelin tragen, hatte er kurzerhand die Idee, Postkarten von dem Gemälde drucken zu lassen. Dank der Onlinesammlung der städtischen Museen stand dem Projekt nichts mehr im Wege, aus Kunst wird Post.

Die Museen im Netz

Mehr zu den Städtischen Museen: www.freiburg.de/museen
Alle digitalisierten Objekte: onlinesammlung.freiburg.de

Augustinermuseum: www.facebook.com/augustinermuseum
Museum für neue Kunst (MNK): www.facebook.com/Museumfuerneuekunst
Museum Natur und Mensch (MNM): www.facebook.com/MNMFreiburg

Veröffentlicht am 03. März 2021