Keine Küken dafür Königskobra und Kokoschka

Das Ausstellungsprogramm 2021 der Städtischen Museen

Meisterwerke der klassischen Moderne von Picasso und Kokoschka oder doch lieber die ebenso gefürchteten wie faszinierenden Giftschlangen – die fünf Häuser der städtischen Museen präsentieren trotz der schwierigen Umstände auch 2021 ein vielseitiges Ausstellungsprogramm.

Eine Frau mit Maske schaut auf ein mit edelsteinen besetztes Kreuz in einer Ausstellung
Die bisher noch nicht eröffnete Ausstellung "Der Schatz der Mönche – Leben und Forschen im Kloster St. Blasien" mit dem edelsteinbesetzten Adelheidkreuz konnte bis in den September verlängert werden. (© Augustinermuseum - Städtische Museen Freiburg, Foto: Axel Killian)

Neben zahlreichen Neueröffnungen verlängern die Kuratorinnen und Kuratoren viele ausgefallene oder verschobene Expositionen. Einziger Wehmutstropfen: Zum ersten Mal seit dreißig Jahren flattert und piepst der flauschige Hühnernachwuchs nicht durch das Museum Mensch und Natur. Die Kükenschau fällt aus, weil sie sich nicht verlässlich planen lässt.

Augustinermuseum

Im November vergangen Jahres sollte die Sonderausstellung „Der Schatz der Mönche“ Kunstwerke und Meilensteine früher Wissenschaften aus der fast tausendjährigen Geschichte des Benediktinerkloster St. Blasien präsentieren: mittelalterliche Goldschmiedearbeiten, Buchmalereien, seltene Textilien und Elfenbeinwerke, barocke Glanzstücke, Gemälde und Skulpturen. Die coronabedingt verschobene Ausstellung wird bis zum 19. September verlängert.
Im Anschluss eröffnet am 27. November die erste umfassende Werkschau „Johann Baptist Kirner. Erzähltes Leben“ über den gleichnamigen, einst berühmten inzwischen aber in Vergessenheit geratenen, badischen Hofmaler. Seine Werke bilden den Alltag im Schwarzwald und in Italien ab.

Haus der Graphischen Sammlung

Noch bis zum 21. März sind die Meisterblätter des niederländischen Kupferstechers und Malers Hendrick Goltzius (1558–1617) ausgestellt. Unter dem Titel „Verwandlung der Welt“ begeistern seine kreativen Bilderfindungen über Helden, Göttinnen und Himmelsstürmer noch immer. Anders als seine Zeitgenossen entwarf, stach und verlegte das Allround-Talent selbst.
Im Mai wird`s im Haus der Graphischen Sammlung übernatürlich. Pünktlich zum Monatsbeginn eröffnet die Sonderausstellung „Spuk! Die Fotografien von Leif Geiges“. Der Fotograf und Bildjournalist arbeitete lange mit dem Parapsychologen Hans Bender zusammen. Das beeindruckende Bildmaterial zeigt nachgestellte Spuk-Szenen.
Von der ersten Ideenskizze über Detailstudien bis zum fertigen und fein ausgearbeiteten Kunstwerk: Wie arbeitet eigentlich ein Künstler? Die Ausstellung „Johann Baptist Kirner. Der Blick des Zeichners“ gibt einen einmaligen Einblick in das Labor des gleichnamigen Künstlers.

Museum Natur und Mensch

Die Jubiläumsaustellung anlässlich des 125-jährigen Geburtstags „Ausgepackt! 125 Jahre Geschichte(n) im Museum Natur und Mensch“ ist noch bis zum 11. April geöffnet. Insgesamt 125 Geschichten bieten verschiedene Perspektiven auf 41 Objekte der Naturkunde und der Ethnologie.
Vorsicht, „Tierisch Giftig!“ Der Inlandtaipan sondert bei einem einzigen Biss genug Toxin ab, um  250000 Mäuse oder mehr als 100 Menschen zu töten – die giftigste Schlange der Welt. Neugierig geworden? Ab dem 19. Mai präsentiert das Museum Natur und Mensch die größten und bekanntesten Klapperschlangen der Welt.
Zum Herbst steht dann aber wieder der Mensch im Mittelpunkt, genauer die weibliche Bevölkerung. Die Sonderausstellung „In Gesellschaft. Freiburger Frauen* im Blick“ präsentiert über 100 Porträtfotos der Fotografin Britt Schilling, die selbstbewusste Individuen verschiedener sozialer Milieus, Altersgruppen und Lebenswirklichkeiten zeigen.

Museum für Neue Kunst

Die Kunstausstellung „Modern Love“ blickt noch bis zum 18. April auf die gesellschaftlichen Strukturen und beleuchtet künstlerisch die Herausforderungen, die Internet und soziale Medien im Zeitalter des Neoliberalismus und der Globalisierung für unsere intimen Beziehungen bereithalten.
Wer sich hingegen schon immer mal gefragt hat woher eigentlich Emojis kommen, sollte sich den 7. Mai dick im Kalender anstreichen. Das Museum für Neue Kunst präsentiert mit „Piktogramme, Lebenszeichen, Emojis: Die Gesellschaft der Zeichen“ eine eher ungewöhnliche Ausstellung, die die Geschichte der modernen Zeichensprache von ihren Anfängen in den 1920er Jahren bis heute zeigt.
Wesentlich klassischer wird es wieder ab dem 1. Oktober: Das Freiburger „Freundschaftsspiel. Horst und Gabriele-Kunststiftung“ ist ein echtes Highlight. Mit Meisterwerken der klassischen Moderne, etwa von Oskar Kokoschka, Ernst Ludwig Kirchner oder Pablo Picasso, begeistert das Museum für Neue Kunst mit Sicherheit alle Kunstliebhaberinnen und -liebhaber.

Museum für Stadtgeschichte

In Kooperation mit den Studentinnen und Studenten der Germanistischen Mediävistik präsentiert die Ausstellung „buochmeisterinne“ ab dem 13. März Handschriften und Frühdrucke aus dem Freiburger Dominikanerinnenkloster Adelhausen. Im Mittelpunkt steht die Rolle der Frau im mittelalterlichen Kloster – egal ob in Erziehung, religiöser Bildung oder in der Verwaltung. Die Ausstellung wird maßgeblich gefördert durch die Adelhausenstiftung.

Archäologisches Museum Colombischlössle

Um 83. n. Chr gründeten die Römer am Oberrhein die Provinz „Germania superior“. Die Ausstellung „Römische Legionär – Weit mehr als ein Krieger“ zeigt noch bis zum 18. April, wie der legendäre Soldat das Leben der Region in den folgenden 200 Jahren prägte.
Von den Römern über die Alemannen bis hin zu den Zähringern: Die Jubiläumausstellung „freiburg.archäologie – Leben vor der Stadt“ wird bis zum 9. Januar 2022 verlängert und zeigt Geschichten mehrerer tausend Jahre Siedlungs- und Menschheitsgeschichte des Freiburger Umlands. Eine davon: Wie eine unscheinbare Meeresschnecke, kaum größer als ein winziger Kieselstein, aus dem mehreren hundert Kilometer entfernten Atlantik mutmaßlich in den Raum Tuniberg kam.

Veröffentlicht am 21. Januar 2021