Ort der Erinnerung

Bronzenes Modell der Alten Synagoge ergänzt den Brunnen

Seit wenigen Tagen ergänzt ein bronzenes Modell den Brunnen am Platz der Alten Synagoge. Es stellt die Synagoge vor der Zerstörung in der Reichspogromnacht Jahr 1938 dar. Auf dem Sockel des Modells ist die Inschrift "Denn mein Haus wird ein Haus des Gebets für alle Völker genannt werden, Jesaja 56,7" auf Deutsch, Hebräisch, Englisch und Französisch zu lesen.

Bronzenes Modell der Alten Synagoge neben dem Brunnen auf dem Platz der Alten Synagoge
Das bronzene Modell der Alten Synagoge unterstreicht den Charakter des Brunnens als Ort des Gedenkens. (Foto: Patrick Seeger/Stadt Freiburg)

Das Zitat stand in ähnlicher Form an dem Eingang der alten Synagoge. Der Künstler und Steinmetz Tobias Eder hat das Modell gefertigt. Eine Jury hat den Vorschlag des Künstlers ausgewählt. Stimmberechtigt waren der Erste Bürgermeister Ulrich von Kirchbach, Roland Jerusalem, Leiter des Stadtplanungsamts sowie je ein Mitglied der Israelitischen Gemeinde und der Egalitären Jüdischen Chawurah Gescher Gemeinde.

Mehrere Verbesserungen rufen zu respektvollem Verhalten auf

Der Synagogenbrunnen ist ein Ort des Erinnerns an die jüdischen Opfer des Nationalsozialismus. Der Platz der alten Synagoge, an dem der Brunnen liegt, ist aber auch ein stark frequentierter, attraktiver urbaner Platz. Weil immer wieder Menschen den Brunnen zum Baden benutzen, wurden nach der Eröffnung des Platzes im November 2017 zwei Informationsstelen aufgestellt, die über die frühere Synagoge informieren und um angemessenes Verhalten bitten. Weil diese Maßnahme nicht ausreichte, wurden in einem umfassenden Abstimmungsprozess mit den Jüdischen Gemeinden ergänzende bauliche und organisatorische Maßnahmen entwickelt, die der Gemeinderat im Mai 2019 beschlossen hat. Auch das Modell ist Teil dieser Maßnahmen.

Seit Anfang November umrahmt zudem ein Bronzenes Band den Synagogenbrunnen. Es soll den Brunnen als Ort der Erinnerung deutlicher wahrnehmbar machen sowie ein respektvolles und angemessenes Verhalten am Synagogenbrunnen herbeiführen. Auch das Synagogenmodell unterstreicht den Charakter des Brunnes als Ort des Gedenkens. Zuvor wurden bereits Piktogramme mit Verhaltenshinweisen am Brunnen installiert. Hier wird etwa angemahnt, keinen Müll in den Brunnen zu werfen oder den Brunnen nicht zu betreten. Des Weiteren soll im ersten Halbjahr 2021 eine digitale Infostele errichtet werden.

Veröffentlicht am 14. Dezember 2020
Kommentare (2)

Platz der alten Synagoge

Von Johannes Lauck
14.12.2020 22:05

Wird der Platz überwacht? Ich meine, dass irgendwann jemand sich an den Einrichtungen vergreift. Kameras sind zwar sehr unangenehm in Bezug auf den Datenschutz, könnten sich aber als notwendig erweisen. Hoffentlich kommt es nicht soweit.


Platz der alten Synagoge

Von Johannes Lauck
22.12.2020 17:03

Heute habe ich mir das Modell angeschaut. Mich hat die Detailtreue erstaunt. Da hat Herr Eder eine großartige Arbeit geleistet. Auf den alten Bildern kommen die Details gar nicht so genau heraus. Es wurde sehr viel Herzblut in das Modell gesteckt. Ich habe dann noch festgestellt, dass man von dem Anwesen Werthmannstraße aus den Brand von 1938 genau sehen konnte. Meinem Vater fiel der Feuerschein auf und er kam noch mit der Kamera an und schoss Bilder der brennenden Synagoge. Er blieb unbemerkt und konnte nach Auswertung der Bilder eins und eins zusammenzählen. Der eigentliche Holocaust aber entging ihm in großen Teilen, so dass er die ganze Wahrheit nach dem Krieg erfuhr. Er war über den Stahlhelm in die SA gelangt und hielt sich lange Zeit mit Aussagen zurück. Später aber stänkerte er fürchterlich gegen den Führer und die Nazis. Im Großen Stil denunziert hat er allerdings nicht. Ich selbst erfuhr bei einer Stolpersteinführung, dass es im deutschen Reich und allen besetzten Gebieten insgesamt 44000 KZ´s gegeben hat. Ergo ist der Hinweis, man habe nichts gewusst, in Zweifeln zu ziehen. Als ich meinen Vater fragte, ob er beschwören würde, von den Verbrechen nichts gewusst zu haben, antwortete er zunächst sehr ausweichend und wurde später, als ich seine Antwort bezweifelte, sehr laut und knallte mir eine, dass mir fast der Schädel vom Hals flog. Ich hörte ein lautes Knacken im Halswirbelbereich. Zum Glück blieb das ohne Folgen. Später beteuerte ein Arzt, wenn der Schlag stärker geführt worden wäre, mich dieser in den Rollstuhl befördert hätte, wenn nicht sogar der Tod durch Genickbruch eingetreten wäre.

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