Modern Love

Neue Ausstellung zeigt Arbeiten von Kunstschaffenden aus zwölf Ländern

Raum mit weißen Wänden, in dem verschiedene Exponate ausgestellt sind
Foto: Bernhard Strauss

Wie steht es um Liebe und Beziehungen im Zeitalter von Internet, Neoliberalismus und Globalisierung? Dieser Frage widmet sich die Ausstellung „Modern Love (or Love in the Age of Cold Intimacies)“ im Freiburger Museum für Neue Kunst ab Samstag, 3. Oktober. Kunstschaffende aus zwölf Ländern untersuchen, wie sich die digitalisierte Welt auf unsere intimen Beziehungen auswirkt. Die Kuratorin Katerina Gregos hat die Schau realisiert. Zu sehen sind die Arbeiten bis Sonntag, 7. März 2021.

Digitale Technologie und Konsumdenken haben die Liebe und soziale Beziehungen stark verändert: Durch die Erfahrung des Virtuellen lösen sich die Grenzen zwischen privat und öffentlich auf. Dies beeinflusst, wie wir miteinander kommunizieren und interagieren – besonders in unseren engsten Beziehungen.

Einerseits erleichtern das Internet und die soziale Medien den Ausdruck von nicht heteronormativen Identitäten, Formen der Lust und alternativen Lebensweisen. Andererseits kultivieren sie aber auch pathologische Phänomene wie Narzissmus, obsessive Selbstdarstellung, digitale Abhängigkeit und das Zur-Ware-Werden von Gefühlen. Das Verschmelzen von Realität und Fantasie kann zu komplexen psychologischen und zwischenmenschlichen Verstrickungen führen. Die Ausstellung widmet sich diesen und anderen Entwicklungen.

Zu sehen sind Videoarbeiten, Fotografien, Gemälde, Zeichnungen, Skulpturen und Installationen von 16 Kunstschaffenden, die in Ägypten, Belgien, Estland, Dänemark, Finnland, Griechenland, Großbritannien, den Niederlanden, Portugal, der Schweiz, Ungarn und den USA leben und arbeiten. Darunter ein Tool-Kit mit Produkten zur Erzeugung menschlicher Wärme, eine Videoarbeit, die von der Liebe zwischen einer jungen Frau und einem Roboter erzählt, oder Screenshots von Chatverläufen, die als analoge Fotos in der Dunkelkammer entwickelt wurden. Vier Künstlerinnen haben eigens für die Ausstellung neue Werke produziert.

Die Arbeiten befragen das Verhältnis von Mensch und Technik, von Liebe und Konsum, von Privatem und Öffentlichem. Sie geben einer Emotion Aufmerksamkeit, die in der modernen Kunst oft als nostalgisch oder kitschig ausgespart wird.

Eine Wand im Treppenhaus des Museums hat der Graffiti-Künstler Fabian Bielefeld zu einer Selfie-Station umgestaltet. Besucherinnen und Besucher können hier ihre persönliche Lovestory inszenieren, fotografieren und anschließend unter dem Hashtag #modernlovers in den sozialen Netzwerken teilen.

Die Ausstellung ist in Kooperation mit der Kunsthalle Tallinn / Tallinna Kunstihoone (Estland) und dem Festival IMPAKT Utrecht (Niederlande) entstanden. Die Kuratorin und Autorin Katerina Gregos wurde in Griechenland geboren, lebt in Brüssel und ist international tätig: 2015 hat sie den belgischen Pavillon auf der Biennale von Venedig kuratiert, 2018 war sie Chef-Kuratorin der ersten Riga-Biennale.

Das Museum für Neue Kunst, Marienstraße 10a, ist dienstags bis sonntags von 10 bis 17 Uhr und donnerstags bis 19 Uhr geöffnet. Die Tickets kosten 7 Euro, ermäßigt 5 Euro. Für Besucherinnen und Besucher unter 27 Jahren, Mitglieder des Fördervereins und mit Museums-Pass-Musées ist der Eintritt frei.

Zu sehen sind Arbeiten von: Gabriel Abrantes, Hannah Toticki Anbert, Melanie Bonajo, Laura Cemin, Benjamin Crotty, Kyriaki Goni, David Haines, Juliet Jacques, Mahmoud Khaled, Lauren Lee McCarthy, Maria Mavropoulou, Kyle McDonald, Marge Monko, Peter Puklus, Marijke De Roover, Margaret Salmon.

Veröffentlicht am 02. Oktober 2020