Sanierungskonzept für Augustinermuseum liegt vor

Zusätzliche Baukosten und Fertigstellung nicht vor 2023

Die Sanierung des Augustinermuseums wird deutlich länger dauern als bisher geplant, und sie wird deutlich teurer. Baulich soll das Museum demnach im Jahre 2023 fertig gestellt sein und zeitnah danach Einweihung feiern. In dieser Zeit entstehen zusätzliche Projektkosten von 16,56 Millionen Euro.

Es sind drei Arbeitsbereiche, die – teils unabhängig voneinander – der Stadt Freiburg als Bauherrin seit Jahren Sorgen bereiten.

Kirchenschiff und Technikzentrale (1. Bauabschnitt)

Das erste dieser „Sorgenkinder“ ist die Sanierung von Kirchenschiff und Technikzentrale. Beides gehört zum ersten Bauabschnitt, der 2010 eröffnete und seither erfolgreich museal genutzt wird. Hier haben Holzschädlinge, vor allem der Weiße Porenschwamm, dem Tragwerk des Kirchenschiffs zugesetzt. Nun muss das GMF baukonstruktive Mängel und Schwachstellen, z.B. am Kirchendach, beheben. Dazu werden tragende Holzbauteile im Dachstuhl des Kirchenschiffes, in der bestehenden Technikzentrale und über dem Chor ganz oder teilweise ausgetauscht.

Zunächst wird die Technikzentrale erweitert und umgestaltet. Dabei behebt das GMF bauphysikalische Mängel, optimiert den Zugang zu den Anlagen, verbessert den Brandschutz und bringt technische Verbesserungen für den musealen Betrieb ein. Um all das möglich zu machen, wird zunächst ab 20. April eine provisorische Technikzentrale eingerichtet, die die Aufgaben der bestehenden Anlagen übernimmt. Ende Juli beginnen dann die Sanierungen der Technikzentrale, des Kirchenschifftragwerks, des Kirchendaches und die Ertüchtigung des Chordaches.

Während dieser Arbeit läuft der Ausstellungsbetrieb des Museums weiter; die Ausstellungen „Freiburg.Archäologie“, die Ausstellung „Schatz der Mönche“, die Ausstellung zu Johann Baptist Kirner und die Museumsnächte 2020 und 2021 werden wie geplant stattfinden. Geschlossen wird das Museum nur vom 22. bis 26. Juli 2020 (Technikumschluss Provisorium) und vom 5. Oktober bis 1. November 2021 (Technikumschluss auf neue Technikzentrale, Einrichtungsarbeiten des Museums). Voraussichtlich im Dezember 2021 sind die Gemäldegalerie und die übrigen Arbeiten im 1. BA fertig gestellt.

Mängel im 2. Bauabschnitt

Selbst der anno 2016 eröffnete zweite Bauabschnitt hat seine Tücken. Der Echte Hausschwamm hat sich in einer Dachfläche im Anschluss an den 3. BA niedergelassen. Zur Behebung des Schadens wurden das Dach abgebaut und betroffene Holzbauteile entfernt. Der Neubau des Daches steht jetzt vor der Beauftragung.

Sanierung Konventgebäude (3. Bauabschnitt)

Den größten Kummer bereitet aber weiterhin das eigentliche Konventgebäude. Hier wurde der Echte Hausschwamm im Sommer 2017 während der bereits laufenden Bauarbeiten gefunden. Zeitlich danach folgten Funde der Gebäudeschäden im 1. Bauabschnitt im Winter 2018 und im 2. Bauabschnitt Anfang 2019.

Die Schäden in den bereits sanierten Teilen des Augustinermuseums ließen das Gebäudemanagement aufhorchen. Da offensichtlich ein Wassereintritt schon in den sanierten Bauabschnitten 1 und 2 erfolgt war, zwang die Stadt alle Beteiligten zu einem vorübergehenden Planungs- und Ausführungsstopp und zur Überprüfung ihrer Planungen des 3. Bauabschnitts. Der im 3. BA gefundene Echte Hausschwamm wächst nur dann, wenn Wasser zur Verfügung steht. Schäden wie im 1. und 2. Bauabschnitt müssen verhindert werden.

Das Wasser kann aus unterschiedlichen Quellen kommen. Zum einen können Baumängel dazu führen, dass Regenwasser eintritt, z.B. durch ein undichtes Dach. Aber auch wenn bauphysikalische Anforderungen nicht eingehalten werden, kann sich Kondenswasser bilden oder aus technischen Anlagen Wasser entweichen.

Aufgrund der Schäden im Konventgebäude hat die Stadt als Bauherrin umfassend reagiert. Das GMF hat ein Schadenskataster über alle drei Bauabschnitte erstellen lassen, in einem weiteren Schritt musste und muss weiterhin die komplette Planung und Ausführung des 3. Bauabschnittes überprüft und angepasst werden (vgl. auch unsere Pressemitteilung vom 23. Mai 2019).

Für die bereits gefundenen Schäden an Hölzern wurde ein ganzheitliches Sanierungskonzept benötigt, aus dem sich dann der endgültige Zeitplan und die Projektkosten ergeben. Zudem wurde ein externes Büro für Qualitätsmanagement eingeschaltet, um mit Hilfe seiner großen Erfahrung die Planung und Ausführung zu überprüfen.

Als weitere Konsequenz erfolgte ein Paradigmenwechsel. Ursprünglich sollte bei der Sanierung möglichst viel historische Substanz des Gebäudes bewahrt werden. Wegen des Echten Hausschwamms wird nun aber mehr Substanz entfernt als geplant, um die Pilz-Risiken zu minimieren. Dies geschieht in enger Abstimmung mit dem Landesamt für Denkmalpflege.

Dank der eingeführten Qualitätskontrolle konnten bereits mehrere potentielle Fehlerquellen im 3. Bauabschnitt ausgeschaltet werden. Die Fahndung nach weiteren Fehlerquellen läuft strukturiert und engmaschig weiter, bis die gesamte Planung aller Bauteile systematisch überprüft wurde.

Zudem wurde auch die Projektstruktur geändert. Seit Sommer 2019 steuert die Bauherrin ihr Projekt selbst, getreu dem Grundsatz „Nah dran und täglich auf der Baustelle“. Dafür stellt sie mehr Personal zur umfassenden Projektbetreuung zur Verfügung. Schwerpunkt wird der 3. BA sein, aber auch die anderen Bauabschnitte bleiben im Blick.

Seit Anfang 2020 liegt das gesamtheitliche Sanierungskonzept für alle Bauabschnitte vor.

Oberstes Ziel ist es, Wasser von außen und von innen fernzuhalten. Planung und Ausführung laufen wieder an, es müssen Fachexperten unterschiedlichster Disziplinen bei der Weiterarbeit einbezogen werden. Für den Architekten stellt solch ein komplexer Sachverhalt wie derzeit im Augustinermuseum eine enorme Herausforderung dar.

Durch das Einbeziehen von Experten, etwa zum Erstellen von Konzepten und Gutachten, und durch das Überarbeiten der Planung ging Zeit für den Baufortschritt verloren. Dieser Zeitverzug führt zu Kostensteigerungen. Dass mehr Substanz zu entfernen und mehr Neubau zu errichten ist, führt ebenfalls zu höheren Kosten. Schließlich bedingen komplexe Detailsanierungen, etwa in der Schatzkammer, weiteren Verzug und weitere Verteuerung.

Für die Bauherrin steht ein verantwortungsvoller und nachhaltiger Umgang mit dem Gebäude an erster Stelle. Es ist wesentlich wichtiger, das Gebäude für die Zukunft zu bewahren, als es schnell zu eröffnen, so die Haltung der Stadt Freiburg.

Zeitplanung und Mehrkosten

All dieses wirkt sich massiv auf die Zeitplanung aus. Die vielen, teils zusätzlich notwendigen Maßnahmen machen den bisherigen Plan zu Makulatur. Nun lautet die Vorgabe der Bauherrin: Die Gebäudehülle ist bis Ende 2020 zu schließen, Gerüste und Notdächer sind schnellstmöglich abzubauen und die Schatzkammer muss bis Herbst 2021 entsalzt werden. Auch die Entsalzung der Schatzkammer ist eine neue Erkenntnis; sie ist zwingend notwendig, weil die Planung der Schatzkammer sonst komplett neu gedacht werden muss.
Baulich wird das Museum im Jahr 2023 fertig gestellt, die Einrichtung und Einweihung soll dann zeitnah folgen.

Durch die neuen Maßnahmen entstehen zu den bisherigen rund 72 Millionen Gesamtkosten für alle drei Bauabschnitte bis 2023 zusätzliche Projektkosten von 16,56 Millionen Euro. Davon entfallen 6,82 Millionen auf die Baukosten Gebäude und 2,88 Millionen auf die Gebäudetechnik.

Der dritte Teil der Mehrkosten (6,86 Millionen Euro) fließt in das Herrichten, in Sicherungsmaßnahmen, Außenanlagen, Ausstattung (z.B. Küche und Gastronomie), Honorare, Gutachten, Koordination, Qualitätsmanagement und in die Indizierung; aktuell wird von einer Preissteigerung von 5 Prozent pro Jahr ausgegangen.

Finanzbürgermeister Stefan Breiter betont angesichts der Mehrkosten: „Die Finanzierung des nun letzten Bauabschnittes ist auch eine finanzielle Herausforderung, der wir uns mit ganzer Kraft stellen müssen. Auf der Zeitachse ist es wichtig, dass es zu keinem Baustopp kommt und alle bewilligten und ausstehenden Fördermittel realisiert werden. Wir werden aber nicht umhin kommen, aufgrund dieser Mehrbelastung die Prioritäten bei anderen anstehenden Investitionen noch deutlicher zu setzen.“

Auf der heutigen PK skizzierte GMF-Leiterin Katzer-Hug noch die nächsten Schritte. Demnach werde die Stadt die Planung und Umsetzung weiterhin mit Hilfe des neuen Qualitätsmanagements überwachen und alle möglichen Einsparpotentiale ausschöpfen.
Schließlich dränge man darauf, Fassade und Dächer so schnell wie möglich zu schließen, damit es im Inneren des Gebäudes trocken und temperiert sei und der Echte Hausschwamm mit vertretbarem Aufwand ausgehungert werden könne. Katzer-Hugs Fazit: „Alle Planungsbeteiligten müssen jetzt das Projekt mit voller Kraft vorantreiben, damit wir den Städtischen Museen 2023 ein dauerhaft betriebssicheres Gebäude übergeben können.“

Veröffentlicht am 11. März 2020

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