Verborgene Schätze sichtbar machen

Die umfangreiche Sammlung der Städtischen Museen wird vorgestellt und geht online

Menschen schauen eine Wand mit Sammlung von vielen Gemälden an
Foto: A.J. Schmidt

Seit vergangenem Freitag können Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler, Laien, Kultur- und Kunstinteressierte auf die neue Online-Sammlung der Städtischen Museen Freiburg zugreifen. Zum Start sind 812 Exponate aus dem Augustinermuseum, dem Museum für Neue Kunst, dem Museum Natur und Mensch und dem Museum für Stadtgeschichte einsehbar.

Forschen, stöbern, entdecken

Insgesamt lagern 300.000 Objekte im Zentralen Kunstdepot der Städtischen Museen; von Wilhelm Hasemanns Gemälden des nahen Schwarzwalds bis zu verschiedenen Zeremonienmasken aus dem fernen Ozeanien. Während einige der Ausstellungsstücke temporär in den Museen zu sehen sind, bleibt ein Großteil der riesigen Sammlung für die Öffentlichkeit unzugänglich – bisher. Der neue Online-Katalog macht diese verborgenen Schätze dauerhaft im virtuellen Raum sichtbar.

Egal ob vom Sofa oder Schreibtisch, von Freiburg oder von der anderen Seite der Welt, der digitale Katalog ermöglicht es, von jedem Ort und zu jeder Zeit online auf die Sammlungen zuzugreifen. Die Suche geht dabei einfach von der Hand: Auf einer optisch ansprechenden Startseite können alle Bürgerinnen und Bürger den Bestand durchstöbern. Eine übersichtliche Vorschau präsentiert die Suchergebnisse mit einem kleinem Bild und, wenn bekannt, Name sowie Entstehungsjahr des Exponats. Per simplen Mausklick wird die Seite des jeweiligen Einzelobjekts aufgerufen und liefert sowohl eine Kurzvorstellung als auch jede Menge zusätzliche Informationen. Verschiedene Filter ermöglichen eine gezielte Suche oder laden zum Entdecken ein – sortiert nach Museum, Sammlung, Entstehungszeitraum und -ort, Material oder Herstellungstechnik.

Zeitgemäße Museumsarbeit

Ziel der städtischen Digitalisierungsoffensive sei es, so Jochen Dietel, Leiter des verantwortlichen Digitalisierungsteams, in einen konstruktiven und fachlichen Austausch mit Forschung und Bürgerschaft zu treten, um eigene Wissenslücken zu schließen. Beispielsweise können sich Bürgerinnen und Bürger bei den Verantwortlichen melden, sofern sie Informationen zu der Herkunft bisher wenig erforschter Exponate haben.

Außerdem macht die Online-Sammlung die Objekte aus ozeanischer Abstammung und anderen weit entfernten Kulturen ihren jeweiligen Herkunftsländern zumindest online zugänglich. Künftig erhoffe sich das Museumsteam davon, neue Impulse zur Präsentation dieser Exponate.

Der Direktor der Städtischen Museen Tilmann von Stockhausen betont, dieses radikale Umdenken sei nötig, um Museumsarbeit zeitgemäß zu gestalten. Von der neuen Transparenz erhofft er sich eine breitere Öffentlichkeit und langfristig höhere Besucherzahlen. Die Idee dahinter: Wer etwas online sieht, will es auch in der Realität erleben.

Der Vorteil: Bereits vergriffene oder nicht mehr verfügbare Kataloge sind online weiterhin einsehbar – etwa die Schwarzwaldgemälde von Theodor Hasemann, die derzeit eigentlich im Dachstuhl des Augustinermuseums ausgestellt sein sollten; oder die bisher im Zentralen Depot verwahrten ethnologischen Sammlungen. Auch ausgeliehene Exponate bleiben der Öffentlichkeit und allen Interessierten im Online-Katalog erhalten. Tilmann von Stockhausen bricht die neue Öffentlichkeitsstrategie auf wenige Worte herunter:  „Objekte sollen nicht nur verwahrt werden, sondern weiterhin sprechen können.“

Zukunft des Projekts

Die 812 verfügbaren Exponate sind ein Querschnitt aus den vielfältigen Sammlungsgebieten der Museen. Künftig sollen systematisch alle Dauer- und Sonderausstellungen digitalisiert werden. Jochen Dietel und sein Team hoffen, die Online-Sammlung um circa 1000 Objekte im Jahr zu erweitern. Dies hängt aber von zahlreichen Faktoren ab.

Die Kunsthistorikerin Eva-Maria Breisig, verantwortlich für den Sammlungsbereich „Malerei und Plastik bis 1800, Glasmalerei, Bildteppiche, Goldschmiedekunst, Buchmalerei“, betont beispielsweise den hohen Zeitaufwand für jedes der digitalisierten Ausstellungstücke. Diese müssen, von Fotograf Axel Killian in einer hochprofessionellen Fotostation abgelichtet und vom Team wissenschaftlich aufbereitet, in das interne System eingepflegt und barrierefrei gestaltet werden.

Trotz zweijähriger Laufzeit ist das Projekt immer noch in seiner Findungsphase. Je nach Feedback, so Jochen Dietel, werde entweder die Qualität der Aufbereitung oder die Quantität der Bereitstellung erhöht – vorausgesetzt die Finanzierung sei weiterhin durch den Gemeinderat gedeckt.

Weiternutzung der Werke

Besonders interessant: Ein Großteil der abfotografierten Objekte können Dank der Creativ Common Licence privat und kreativ weitergenutzt werden – etwa auf T-Shirts oder als ausgefallenes Kissenmotiv. Ausnahmen bilden die Bestände des Museums für Neue Kunst und die ethnologischen Sammlungen. Letztere darf nur zu wissenschaftlichen Zwecken weiterverwendet werden, um eine unsensible Nutzung der Exponate mit meist kolonialem Hintergrund zu verhindern.

Weitere Infos

Die Online-Sammlung ist unter onlinesammlung.freiburg.de zu finden. Weitere Infos, Öffnungszeiten und Ausstellungen zu den Städtischen Museen können online unter www.freiburg.de/museen eingesehen werden.

Veröffentlicht am 14. Februar 2020
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