28. November 2020 – 19. September 2021

Der Schatz der Mönche – Leben und Forschen im Kloster St. Blasien

Augustinermuseum

Spitzenwerke der Kunst und Meilensteine früher Wissenschaften: In seiner fast tausendjährigen Geschichte entwickelte sich das Benediktinerkloster St. Blasien im Südschwarzwald zu einer international bedeutenden Stätte der Forschung und baute einen herausragenden Kunstbestand auf.

Bei seiner Auflösung 1806 zogen die Mönche nach Österreich und brachten ihr Hab und Gut im Stift St. Paul im Lavanttal in Unterkärnten in Sicherheit. Nun kehrt die weltberühmte Sammlung in ihre Heimatregion zurück: mittelalterliche Goldschmiedearbeiten, Buchmalereien, seltene Textilien und Elfenbeinwerke, barocke Glanzstücke, Gemälde und Skulpturen.

Die größte Blüte erlebte St. Blasien in der Ära des Fürstabts Martin Gerbert (1720–1793), der über viele Grenzen hinweg vernetzt war. Anlässlich seines 300. Geburtstags zeigt die Ausstellung das klösterliche Leben nach der Regel des heiligen Benedikt und den großen Schatz an Wissen und Kunst, der daraus hervorging. Sie ist eine Kooperation von Augustinermuseum und Erzdiözese Freiburg mit dem Museum im Benediktinerstift St. Paul und wird gefördert von der Erzbischof Hermann Stiftung

Gotischer Buchkastendeckel, um 1260/70
Gotischer Buchkastendeckel, um 1260/70, Museum im Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian

Ein Einblick in die Ausstellung

Der Schatz der Mönche

Das Kloster St. Blasien, die mächtigste Abtei des Schwarzwalds, war fast tausend Jahre lang ein Zentrum des Glaubens und der Wissenschaft. Nach der Auflösung des Klosters im Jahr 1806 siedelten die Mönche nach Österreich über, wo sie in St. Paul in Kärnten eine neue Heimat fanden. Dort besteht das Kloster bis heute weiter. Ihre Bücher und Kunstschätze nahmen die Mönche aus St. Blasien mit nach St. Paul. Als Stiftsbibliothek und Stiftsmuseum bilden sie eine der herausragenden historischen Sammlungen Europas in klösterlichem Besitz. Der 300. Geburtstag des bedeutendsten Abts von St. Blasien, Martin Gerbert (1720‒1793), unter dem der monumentale Neubau der Klosterkirche entstand, ist Anlass, diesen Schatz wieder in seiner alten Heimatregion zu zeigen.   

Porträt Martin Gerberts, südwestdeutsch
Porträt Martin Gerberts, südwestdeutsch, um 1780
1764 wählten seine Mitbrüder Martin Gerbert zum Abt. Das Gemälde zeigt ihn mit Büchern, einer Ansicht des Klosterbaus und dem Fürstenhut. Von der Forstverwaltung bis zum Schulwesen betrieb Gerbert energisch die Modernisierung des Klosterstaates. 1793 starb er, nur 13 Jahre später endete auch die Geschichte der Abtei St. Blasien.
Museum im Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ansicht der Abtei St. Blasien, um 1790
Ansicht der Abtei St. Blasien, um 1790
Im Zentrum liegt das nach dem Brand von 1768 neuerbaute Kloster, links die Gartenanlage, rechts vorn die barocken Wirtschafts- und Verwaltungsbauten, die den Brand überstanden.
Im Vordergrund der Fluss Alb, nach dem das Kloster anfänglich „Albzelle“ genannt wurde.
Museum im Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann
Modell des Klosters St. Blasien, Karlsruhe 2009
Modell des Klosters St. Blasien, Karlsruhe 2009
Das heute in St. Blasien stehende Klostergebäude ließ Abt Martin Gerbert errichten, nachdem ein verheerender Brand 1768 den Vorgängerbau vernichtet hatte. Die Konzeption des Kirchenbaus war revolutionär: Statt der traditionellen länglichen Bauform realisierte Gerbert einen Rundbau in Anlehnung an das antike Pantheon in Rom.
Foto: Axel Killian
Fürstabt Gerbert auf Medaille, 1783, Museum im Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann
Fürstabt Gerbert auf Medaille, 1783
Diese Medaille ließen Gerberts Mitbrüder zum Weihefest der neuerrichteten Klosterkirche prägen. Die Umschrift auf der Rückseite rühmt den Abt als „besten Vater“ der Mönche.
Museum im Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian

Gründung und Aufstieg des Klosters

Die Anfänge der Abtei St. Blasien liegen im Dunkeln. Um 855 übertrug man Reliquien des heiligen Blasius aus Kloster Rheinau am Hochrhein in eine Mönchszelle am Flüsschen Alb im Schwarzwald. Die daniederliegende religiöse Gemeinschaft wurde im 10. Jahrhundert erneuert. Unter der Führung ihrer Äbte befreite sich die Albzelle aus der Abhängigkeit vom Mutterkloster Rheinau und nahm den Namen ihres heiligen Schutzpatrons Blasius an. Mit Förderung der Dynastien der Rheinfeldener, Zähringer und Habsburger erlangte St. Blasien ein eigenes Herrschaftsgebiet und wurde zu einem Vorbild des klösterlichen Lebens.  

Abtskrümme, um 1535/40
Abtskrümme, um 1535/40
Nach der Plünderung und Brandschatzung des Klosters im Bauernkrieg 1525/26 unternahm Abt Gallus den Wiederaufbau. Der Abtsstab aus dieser Zeit ist Zeichen wiedergewonnener Stärke. Blasius steht zentral in der Krümme, die zwölf Apostel umstehen den Schaft.
Museum im Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht mit Messbuch für den Benediktinerorden, Johann David Saler, um 1695‒1700, Benediktinerstift St. Paul in Kärnten
Die Silberbeschläge zeigen in der Mitte den Klosterpatron Blasius mit Hirsch und Kerzen, unter ihm das Wappen der Abtei. In den Ecken die vier Kirchenväter Ambrosius, Hieronymus, Augustinus und Gregor der Große.
Foto: Axel Killian
Gotischer Buchkastendeckel, um 1260/70, Museum im Benediktinerstift St. Paul in Kärnten Foto: Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann
Gotischer Buchkastendeckel, um 1260/70
Kathedrale des Gottesworts: Das Relief ist wie eine gotische Kirchenfassade gestaltet: Im oberen Giebelfeld segnet Christus die gekrönte Maria, flankiert von St. Blasius (links) und St. Nikolaus (rechts). Darunter sieht man Maria mit dem Klostergründer Reginbert (links) und dem Stifter des Werks, Abt Arnold II. (rechts). Der Rahmen zeigt die vier Evangelisten und die Verkündigung an Maria.
Museum im Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Pluviale (Chormantel), südwestdeutsch (St. Blasien?)
Pluviale (Chormantel), südwestdeutsch (St. Blasien?), 3. Viertel 13. Jh.
Die Seidenstickerei zeigt in Kreismedaillons Bildzyklen zu Leben und Martyrien zweier Heiliger: auf der rechten Hälfte Blasius, auf der linken Vinzenz.
Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht mit Gemälde "St. Blasius heilt einen Knaben", Jacob Carl Stauder, um 1740, Öl auf Leinwand
Blasius war der Legende zufolge Bischof von Sebaste in der heutigen Türkei. Das Gemälde zeigt, wie er einem Knaben das Leben rettete, der an einer Fischgräte zu ersticken drohte. Sein Attribut, die gekreuzten Kerzen, werden bis heute am 3. Februar, dem Blasiustag, beim Segen zum Schutz vor Halskrankheiten verwendet.
Foto: Axel Killian

St. Benedikt und die Benediktsregel

Benedikt gilt als Gründervater des abendländischen Mönchtums. Seine Klosterordnung, die Benediktsregel, wurde zur Richtschnur des klösterlichen Lebens in Europa. Die Formulierung „ora et labora“ (bete und arbeite) findet sich in der Benediktsregel allerdings nicht, sie wurde erst im 19. Jahrhundert zum „Wahlspruch des Mönchtums“ erklärt.
Erweiterte Klosterordnungen, „Consuetudines“ (Gewohnheiten) genannt,  ergänzten im Mittelalter die Benediktsregel. St. Blasien übernahm 1072 die vom burgundischen Reformkloster Cluny geprägten Gewohnheiten der italienischen Abtei Fruttuaria bei Turin. Damit begann die St. Blasianer Klosterreform, die sich parallel zur von Kloster Hirsau ausgehenden Reformbewegung in Süddeutschland verbreitete.

Der hl. Benedikt übergibt die Regel, Augsburg (?), 1. Viertel 17. Jh., Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Der hl. Benedikt übergibt die Regel, Augsburg (?), 1. Viertel 17. Jh.,
Die Benediktsregel stärkt die Autorität des Abts, doch der Konvent der Mönche konnte unter Führung des Priors zu seinem Gegenspieler werden. Auf diesem Blatt aus dem Augsburger Kloster St. Ulrich und Afra erhalten beide Seiten das Regelbuch aus den Händen Benedikts.
Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Benedikt in der Höhle, Johann Gfall, um 1775, Federzeichnung, Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Benedikt in der Höhle, Johann Gfall, um 1775, Federzeichnung
In Subiaco bei Rom zog sich der junge Benedikt zum Gebet in eine Grotte zurück, bevor er sein erstes Kloster gründete. Ein Verehrer des Heiligen versorgte ihn über einen Korb mit Nahrung. In der Federzeichnung schleudert der von links heranfliegende Teufel einen Stein auf Benedikt.
Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Benediktkelch, Johann Jakob I. Frings, um 1700, Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Benediktkelch, Johann Jakob I. Frings, um 1700
Der prunkvolle Kelch aus vergoldetem Silber ist mit einer bunten Fülle edler Steine besetzt: Türkise, Granate, Amethyste, Goldtopase und Almandine. Zu den Wundergeschichten in den Medaillons gehört die Szene mit dem Raben, der das Brot wegträgt, mit dem Benedikt vergiftet werden sollte.
Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht mit Messgarnitur mit Benediktslegende, Johann Jakob I. Frings, um 1700
Aus den mit V und A bezeichneten Kännchen werden beim Gottesdienst Wein (Vinum) und Wasser (Aqua) in den Messkelch gegossen. Die Email-Medaillons zeigen Szenen aus dem Leben Benedikts.
Foto: Axel Killian

Musik und Gottesdienst

Neben der Feier der heiligen Messe gehörten die sieben Gebetsstunden zum täglichen Pflichtpensum der Mönche. Hinzu kam die Vigil in der Nacht. Die Heiligkeit der klösterlichen Liturgie spiegelt sich in der kostbaren Ausstattung der verwendeten Bücher wider. Damit das Gotteslob im gregorianischen Gesang erklang, erhielten die Mönche durch den Kantor eine musikalische Ausbildung. Zur Zeit Martin Gerberts hatte auch die Instrumentalmusik ihren Platz in Messen, Festoratorien oder bei Feiern zum Namenstag des Abts. Für die hochstehende Musikkultur scheute Gerbert keine Kosten: Mit der riesigen Orgel in der neuerbauten Klosterkirche beauftragte er den berühmten Straßburger Meister Johann Andreas Silbermann.

Buchdeckel mit Himmelfahrt Christi,
Buchdeckel mit Himmelfahrt Christi, Metz, 3. Viertel 9. Jh. / Oberrhein, Ende 15. Jh., Elfenbein, Silber
Engel heben Christus auf dem Thron empor. Neben ihm symbolisieren kleine Medaillons Sonne und Mond. Unten bestaunen die Jünger gestikulierend das Geschehen. Das Elfenbein wurde in der Spätgotik in einen Silberrahmen mit Medaillons der vier Evangelisten eingefasst. Der Buchdeckel schmückte früher das daneben ausgestellte Sakramentar.
Museum im Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ramsey-Psalter, Ostengland, um 1300/10, Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Ramsey-Psalter, Ostengland, um 1300/10
Dieses Spitzenwerk der Buchmalerei aus der englischen Benediktinerabtei Ramsey bei Cambridge gelangte auf unbekanntem Weg nach St. Blasien. Die aufgeschlagene Seite zeigt die gekrönte Maria zur Seite Christi. Daneben erscheinen Johannes Evangelist, Johannes der Täufer und weitere Heilige. Unten sieht man die Vertreibung der Dämonen bei der Klostergründung.
Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Ausstellungsansicht mit Gemälde "Papst Gregor der Große", Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht mit Gemälde "Papst Gregor der Große", Umkreis Jusepe de Ribera, um 1640, Öl auf Leinwand, Benediktinerstift St. Paul in Kärnten
Papst Gregor, der erste Mönch auf dem Papstthron, gilt als Erfinder des „gregorianischen“ Gesangs. Tatsächlich entwickelte sich diese Musikgattung nach seiner Zeit. Das barocke Bild zeigt, wie der Heilige Geist, als Taube dargestellt, Gregor beim Schreiben inspiriert. Rechts sieht man die päpstliche Dreifachkrone, die Tiara.
Foto: Axel Killian
Einzelblatt aus einem Graduale, Norditalien, 4. Viertel 14. Jh
Einzelblatt aus einem Graduale, Norditalien, 4. Viertel 14. Jh.
Das Großformat dieses Gesangbuchs für die Messe erlaubt das Ablesen der Noten aus der Distanz. Die prachtvollen Akanthusranken sind charakteristisch für die italienische Buchmalerei der Gotik. In der Initiale erscheint der Apostel Andreas, unten in einer Blüte Franziskus mit den Wundmalen.
Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht mit Viola
Gerbert komponierte nicht nur selbst, er musizierte auch. Diese Bratsche aus einer Konstanzer Werkstatt stammt vermutlich aus seinem persönlichen Besitz.
Foto: Axel Killian

Das Adelheidkreuz

Dieses größte Gemmenkreuz des hohen Mittelalters ist eine Stiftung der Adelheid, einer Tochter König Rudolfs von Rheinfelden. Durch Heirat wurde sie Königin von Ungarn und erhielt als Geschenk ein Stück vom Kreuz Christi. Adelheid stiftete diese wertvolle Reliquie um 1080 dem Hauskloster ihrer Familie, St. Blasien, wo sie selbst später neben ihrer Mutter begraben wurde. Dazu finanzierte sie aus ihrem Vermögen die Herstellung des kostbaren Kreuzreliquiars. Nachdem Zweifel an der Reliquie aufgekommen waren, ließ Abt Gunter ihre Echtheit durch eine als Gottesurteil aufgefasste Wasserprobe bestätigen und die Rückseite des Kreuzes erneuern. Die herausnehmbare Reliquie diente mutmaßlich für Riten der Osterliturgie, die an die Kreuzigung, Grablegung und Auferstehung Jesu erinnerten.

Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Adelheidkreuz, Ende 11. Jh., Museum im Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Adelheidkreuz, Ende 11. Jh.
Der Schmuck aus Smaragd, Achat, Türkis und anderen Edelsteinen macht aus dem Zeichen des Kreuzestodes ein strahlendes Symbol der Erlösung. Die eigentliche Kreuzreliquie wurde 1810 in ein neues Kreuz übertragen, das ebenfalls in der Ausstellung zu sehen ist. Daher befinden sich heute nur noch zwei kleine, in ein Holzkreuz eingefügte Reliquiensplitter im Adelheidkreuz.
Museum im Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Grabplatte Rudolf von Rheinfeldens (Replik aus dem Besitz der Stadt Rheinfelden in der Schweiz), Magdeburg (?), nach 1080, Original im Dom, Merseburg, Foto: Axel Killian
Grabplatte Rudolf von Rheinfelden (Replik aus dem Besitz der Stadt Rheinfelden in der Schweiz), Magdeburg (?), nach 1080, Original im Dom, Merseburg
Schwabenherzog Rudolf von Rheinfelden stellte sich im Kampf zwischen Papst Gregor VII. und Kaiser Heinrich IV. auf die Seite der Kirche. Die Fürsten des Reichs wählten ihn zum König, doch verlor er in der entscheidenden Schlacht seine rechte Hand und starb. Beigesetzt wurde er nicht in der Grablege seiner Dynastie in St. Blasien, sondern in Merseburg.
Foto: Axel Killian

Die Bibliothek ‒ Schatzkammer des Geistes

Klöster sicherten im Mittelalter die Weitergabe des Wissens. Von der Naturkunde über die Geschichte bis zur Theologie reichte das Bildungsprogramm der Klosterschule. Im 18. Jahrhundert konnte sich die Novizenausbildung in St. Blasien durchaus mit einem Universitätsstudium messen. Zahlreiche forschende Mönche bildeten eine regelrechte Akademie, die europaweite Kontakte pflegte.
Da das Kloster St. Blasien mehrfach Brände und Plünderungen erlebte, ist seine mittelalterliche Bibliothek fast völlig untergegangen. Umso bedeutender sind die Handschriften, die Martin Gerbert für den Neuaufbau erwarb, insbesondere aus dem Bodenseekloster Reichenau, das zu seiner Zeit aufgelöst wurde. Zum Bestand gehören eineinhalb Jahrtausende alte Handschriften biblischer Texte und antiker Autoren.

Plinius d. Ä.: Naturgeschichte; Hieronymus: Kommentar zum Buch Kohelet (Prediger Salomo), Italien, 5. Jh. und Luxeuil, 7./8. Jh., Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Plinius d. Ä.: Naturgeschichte; Hieronymus: Kommentar zum Buch Kohelet (Prediger Salomo), Italien, 5. Jh. und Luxeuil, 7./8. Jh.
Auf diesem sogenannten Palimpsest wurde eine frühere Schrift abgekratzt und überschrieben: Unter dem mittelalterlichen Text verbirgt sich eine antike Enzyklopädie. Mit einer chemischen Substanz konnte die verschwundene Schrift 1853 wieder sichtbar gemacht werden, wodurch das Blatt sich allerdings verfärbte.
Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Genesisglossen, Reichenau, 9. Jh., Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Genesisglossen, Reichenau, 9. Jh.
Das Buch bietet Übersetzungshilfen für schwierige Stellen der Bibel. Man konnte es bei der Lektüre neben den Text legen. Unter dem Bogen erscheint das löwenköpfige Symbolwesen des Evangelisten Markus.
Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
St. Pauler Lukasglossen, Italien, um 600 und Reichenau, um 800, Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
St. Pauler Lukasglossen, Italien, um 600 und Reichenau, um 800
Zum altlateinischen Bibeltext fügte ein Schreiber zwischen den Zeilen deutsche Übersetzungen hinzu. So entstand eines der frühesten erhaltenen Schriftzeugnisse der althochdeutsch- alemannischen Sprache.
Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Lektionar mit Vita Papst Gregors, süddeutsch, Mitte 12. Jh., Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Lektionar mit Vita Papst Gregors, süddeutsch, Mitte 12. Jh.
Gregor der Große (590‒604) war der erste Mönch, der Papst wurde. Er verfasste die Biographie des heiligen Benedikt. Das Martyrolog versammelt Legenden der Märtyrer und Heiligen zur Verlesung im Kapitelsaal des Klosters.
Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian

Die Macht der Fürstäbte

Der Abt war gleichzeitig geistlicher Klostervorsteher und weltlicher Herrscher. 1609 erlangte Abt Martin Meister mit dem Erwerb der Herrschaft Bonndorf die Hoheit über ein reichsunmittelbares Territorium. Ein weiterer Statusgewinn war die Erhebung Abt Franz Schächtelins in den Reichsfürstenstand 1746. Beim Ausbau seiner Macht stieß Schächtelin auf Gegenwehr: Schwarzwälder Bauern rebellierten im „Salpetereraufstand“ gegen seine Herrschaft, doch der Abt zerschlug die Widerstandsbewegung mit Hilfe des österreichischen Militärs. Zugleich förderten die Äbte das Wirtschaftsleben ihrer Untertanen. Diesem Zweck diente die Gründung der Rothaus-Brauerei durch Abt Gerbert.
Parallel zum Herrschaftsausbau erneuerten die Äbte im Barockzeitalter die Klosterkirche und stifteten Altargeräte und Gewänder für den festlichen Gottesdienst.

Prunkmonstranz, Joseph Moser, um 1760/70, Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Prunkmonstranz, Joseph Moser, um 1760/70
Das Gefäß aus Wiener Produktion inszeniert die Hostie als den Leib Christi, in dem der Erlöser präsent ist. Engel halten Ähren und Trauben als Zeichen für Brot und Wein. Martin Gerbert förderte die ununterbrochene Verehrung der Gegenwart Gottes im Altarsakrament durch die „Ewige Anbetung“.
Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Medaille auf den Klosterbau Abt Schächtelins, Matthäus Donner, 1740, Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Medaille auf den Klosterbau Abt Schächtelins, Matthäus Donner, 1740
Überragende Qualität und Detailschärfe zeichnen diese namentlich signierte Medaille des kaiserlichen Münzeisenschneiders Donner aus, der an der Wiener Akademie Professor für Bildhauerei war.
Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Pluviale (Chormantel), Johann Georg Oestreich, 1783, Erzbischöfliches Diözesanmuseum Freiburg i. Br., Foto: Christoph Hoppe
Pluviale (Chormantel), Johann Georg Oestreich, 1783
Diesen Chormantel ließ Martin Gerbert zur Weihe seines Kirchenneubaus anfertigen. In den klaren Formen der rasterartig angeordneten Kreisornamente zeigt sich der neue Stil des Klassizismus, der auch in der Architektur des großen Kuppelbaus in Erscheinung tritt. Hersteller war eine Straßburger Werkstatt.
Erzbischöfliches Diözesanmuseum Freiburg i. Br., Foto: Christoph Hoppe
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian

Die Habsburger als Förderer und Beherrscher

Die Habsburger waren seit dem 13. Jahrhundert Vögte des Klosters, das ihnen Besteuerungsrechte und Gerichtshoheit einräumen musste. Sie unterstützten einerseits die Abtei und strebten andererseits danach, das Klostergebiet ihrer Kontrolle zu unterwerfen. Die Äbte versuchten durch diplomatische Missionen und symbolische Treuebekundungen ihren politischen Spielraum zu wahren. Insbesondere zu Kaiserin Maria Theresia pflegte Abt Martin Gerbert gute Kontakte. Als Loyalitätsbeweis versammelte er die Gebeine der in der Schweiz begrabenen frühen Habsburger in einer Krypta seines Klosterneubaus in St. Blasien. Nachdem das Kloster 1806 durch die Großherzöge von Baden aufgelöst worden war, boten die Habsburger den Mönchen in Österreich eine neue Heimat.

Porträt Maria Theresias, Umkreis Martin van Meytens, um 1760, Rötelzeichnung, Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann
Porträt Maria Theresias, Umkreis Martin van Meytens, um 1760, Rötelzeichnung
Die Zeichnung war vermutlich ein Geschenk an Gerbert, der ein gutes persönliches Verhältnis zu Maria Theresia pflegte, ihr in Wien begegnete und gelegentlich Briefe mit ihr austauschte. Die Kaiserkrone im Hintergrund, die eigentlich ihrem Mann Franz Stephan zustand, zeigt das Selbstverständnis der Herrscherin bei der Machtausübung.
Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht mit Kasel aus einem Trauerornat, Wien, gegen 1772, Benediktinerstift St. Paul in Kärnten
Maria Theresia schenkte Martin Gerbert bei seinem Wienaufenthalt einen für Requiem-Gottesdienste vorgesehenen Satz an liturgischen Gewändern. Dazu gehört das Messgewand mit dem ungewöhnlichen Blattranken-Dekor auf weißer Seide. Der Überlieferung zu Folge hat die Kaiserin bei der Nadelarbeit selbst Hand angelegt.
Foto: Axel Killian
Porträt Kaiser Franz I. Stephans, Martin van Meytens, um 1750, Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Porträt Kaiser Franz I. Stephans, Martin van Meytens, um 1750
Franz Stephan von Lothringen, Ehemann Maria Theresias, erlangte 1745 die Kaiserkrone. In der Regierung dominierte seine Frau. Er trägt die bei Hofe in Wien verpflichtende Tracht, das in üppiger goldener Spitze ausgeführte Spanische Mantelkleid mit Federhut. Sein Sohn Kaiser Joseph II. schaffte diese Kleidung 1770 ab.
Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht mit Habsburger-Medaillen, verschiedene Orte, 15. ‒ 18. Jh., Benediktinerstift St. Paul in Kärnten

Anders als Münzen dienen Medaillen nicht dem Zahlungsverkehr, sondern der Verewigung von Herrschern und Ereignissen durch Bildpropaganda. St. Blasien verfügte über ein Münzkabinett mit mehreren tausend Exemplaren.
Foto: Axel Killian
Relief auf Kaiser Josephs II. Besuch in Freiburg, Joseph Hörr, 1777, Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Relief auf Kaiser Josephs II. Besuch in Freiburg, Joseph Hörr, 1777
Kaiser Joseph II. besuchte Freiburg 1777. In einer aufsehenerregenden Geste der Bescheidenheit kniete er beim Gottesdienst im Münster auf dem nackten Kirchenboden statt auf dem Betschemel. Am Altar zelebrierte Gerbert als höchstrangiger Prälat Vorderösterreichs die Messe. Das Alabasterrelief hält das Ereignis fest. 
Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian

Die Äbte als Kunstsammler

Zu den repräsentativen Besitztümern des Fürstabts gehörte seine Kunstsammlung. Keineswegs auf erbauliche christliche Themen beschränkt, sollte sie einen Querschnitt der Kunstentwicklung bieten. Große Künstler sind teils durch Kopien vertreten, doch auch ein eigenhändiges Werk von Rubens zählt zum Bestand. Arbeiten von für das Kloster tätigen südwestdeutschen Künstlern fanden ebenfalls Eingang in die Sammlung. Ankäufe im Kunsthandel machten die Verluste durch den Brand von 1768 wett. Das graphische Kabinett umfasst heute noch mehrere tausend Exemplare an Zeichnungen und Drucken. Neben der Kunstsammlung verfügte das Kloster auch über ein Naturalienkabinett, das der Erforschung und Bewunderung von Gottes Schöpfung diente.

Papagei mit Blumenstillleben, Jacob Marrell, 1660–1680, Öl auf Leinwand, Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Papagei mit Blumenstillleben, Jacob Marrell, 1660–1680, Öl auf Leinwand
Papagei und Blumenvase sind auf dem Rand eines Brunnentrogs positioniert, der von einer wasserspeienden Maske des Gottes Pan befüllt wird. Darüber erscheint mit Rüstung, Schilden und Lanzen eine Militärtrophäe.
Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Gerfried Sitar
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Anbetung der Hirten, Peter Paul Rubens, 1622–1624, Öl auf Holz, Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Kai Miethe
Anbetung der Hirten, Peter Paul Rubens, 1622–1624, Öl auf Holz
Die Ölskizze des herausragenden Antwerpener Malers diente der Vorbereitung eines Altarbilds in der Kathedrale von Soissons. In der Vorstudie ist die virtuose Hand des Meisters selbst zu sehen. Die Hirten drängen zur stillenden Maria mit dem Kind, auf das von hinten Joseph mit beschützender Geste hinweist.
Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Kai Miethe
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Hl. Sebastian, Johann Caspar Schenck (?), um 1665
Hl. Sebastian, Johann Caspar Schenck (?), um 1665
Der römische Soldat Sebastian wurde wegen seines Bekenntnisses zum Christentum an einen Baum gebunden und mit Pfeilen beschossen. Die Wiedergabe seines Martyriums verbindet sich hier mit dem Interesse an der Darstellung des  nackten menschlichen Körpers.
Benediktinerstift St. Paul in Kärnten, Foto: Erzbischöfliches Ordinariat Freiburg i. Br., Bildarchiv, Aufnahme Michael Eckmann
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian
Ausstellungsansicht, Foto: Axel Killian

Öffnungszeiten

Dienstag–Sonntag, 10–17 Uhr
Freitag,10–19 Uhr

Eintrittspreise

Tickets unter
0761/ 201-2531
oder
online buchen.

Dauer- und Sonderausstellung:
7 Euro / erm. 5 Euro

nur Dauerausstellung:
5 Euro / erm. 3 Euro

Eintritt frei unter 27 Jahren und mit Museums-PASS-Musées

Kontakt

Augustinermuseum

Augustinerplatz
79098 Freiburg im Breisgau
Tel.: +49 761 201-2531
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@stadt.freiburg.de
Ansprechpersonen

Piktogramm: barrierefrei erreichbar, rollstuhlgerecht über Aufzug, rollstuhlgerechtes WC