Fessenheim geht vom Netz

Interkommunaler Wirtschafts- und Innovationspark geplant

Jetzt ist es definitiv: Ende Juni 2020 geht das älteste französische Kernkraftwerk im elsässischen Fessenheim nach dann über 42-jähriger Betriebszeit vom Netz. Der Betreiber EDF hat bei der französischen Atomaufsicht um die Aufhebung der Betriebsgenehmigung gebeten.

Der Bau des Kraftwerks mit seinen beiden Druckwasserreaktoren war von Beginn der Planungen im Jahr 1962 von Protesten deutscher, schweizerischer und französischer Kernkraftgegner begleitet. Neben den generellen Bedenken gegen diese Art der Energieerzeugung waren die Lage und konstruktive Besonderheiten Anlass für die Widerstände. Vor allem Mängel in der Erdbebensicherheit im tektonisch als Risikogebiet einzustufenden Oberrheingraben sowie die Positionierung wichtiger sicherheitstechnischer Einrichtungen unterhalb des Niveaus des Rheinkanals standen von Beginn an in der Kritik.

Neue Chancen für die Region

Die baden-württembergische Landesregierung hat die Erklärung der französischen Regierung begrüßt und angekündigt, sich für die Rechtssicherheit des angekündigten Abschalttermins einzusetzen. Die Stadt Freiburg hat sich ebenfalls seit vielen Jahren für die Abschaltung des Pannenreaktors ausgesprochen; seit 1988 gab es mehrmals einstimmige Resolutionen zu diesem Thema im Gemeinderat. Außerdem ist die Stadt Mitglied im trinationalen Atomschutzverband TRAS, in dem sich Kommunen aus dem Elsass, Deutschland und der Schweiz sowie Einzelpersonen für die Stilllegung einsetzten und entsprechende Klagen gegen die Betreibergesellschaft EDF unterstützten.

In Fessenheim ist nach der Schließung des Atomkraftwerks ein deutsch-französischer Wirtschafts- und Innovationspark geplant, an dem sechs deutsche Gesellschafter von Beginn an beteiligt werden, darunter die Städte Breisach und Freiburg, der Landkreis Breisgau-Hochschwarzwald und die IHK Südlicher Oberrhein. Das Startkapital soll bei rund einer Million Euro liegen.

Veröffentlicht am 16. Oktober 2019