26. März – 27. September 2019

Schau_Raum: Scheitern

Museum für Neue Kunst

Das Filmprogramm zeigt drei Aspekte des Scheiterns:
Wildlife in the Centre of Conflict thematisiert, dass die Politik im Nahostkonflikt zwar scheitert, sich für die lokale Tierwelt dadurch aber eine unerwartet ‚positive‘ Dimension eröffnet. Auf ganzer Linie scheitern dagegen Diskussionen über sich widersprechende künstlerische Positionen in East Coast West Coast oder der Kampf gegen stereotype Darstellungen in den Medien in Mass of Images.

26. März – 26. Mai 2019                                 
Amir Balaban
Wildlife in the Centre of Conflict

2013 - 2017, 24 Min

Der „wildlife photographer“ Amir Balaban ist Co-direktor des Jerusalem Wildlife Observatory sowie des Gazelle Valley Park in Jerusalem. Er setzt sich in seinem Film, einem work in progress, mit den ökologischen Auswirkungen der Sperranlage zwischen Israel und dem Westjordanland auseinander. Als Ergebnis der erfolglosen politischen Bemühungen eines friedlichen Zusammenlebens von Israelis und Palästinensern ist die Sperranlage ein Sinnbild des Scheiterns. Während sie von großen Teilen der internationalen Gemeinschaft als völkerrechtswidrig angesehen wird, bietet sie für die israelische Bevölkerung zugleich Schutz vor der existenziellen Gefahr von Anschlägen. Für die palästinensische Bevölkerung steht der Grenzzaun für weitere Benachteiligungen im Alltagsleben, Schikanen und Ausgrenzung. Balaban nimmt in seinem Werk eine dritte Perspektive ein, die nach den Folgen für die lokalen Ökosysteme fragt. Dabei ergibt sich eine überraschend ‚positive‘ Bedeutung der Grenzanlage, die sich ungewollt zum geschützten Lebensraum für die Gazelle entwickelt hat. Das Scheitern der politischen Verständigung als Ursache des Grenzzauns löst sich in Balabans Werk in der Ästhetik der Naturaufnahmen auf. Doch auch in der Idylle, die der Grenzzaun für die Tierwelt bietet, ergeben sich fast schon ironische Szenen des Scheiterns zwischen den tierischen Protagonisten: zwei junge Gazellen versuchen, ihrem Trieb folgend, miteinander zu kämpfen, doch der Zaun steht zwischen ihnen. So spiegelt sich im ‚Naturidyll‘ der Grenzanlage auf ironisch gebrochene Weise deren Tragik wieder.

28. Mai – 28. Juli 2019
Nancy Holt                   
East Coast West Coast
1969, 22 Min

In Nancy Holts Film East Coast West Coast werden wir mit dem Scheitern der zwischenmenschlichen Kommunikation konfrontiert. In einer gestellten Szene stehen sich zwei klischeehaft überzeichnete Typen von Künstler_innen aus L.A und New York gegenüber, dargestellt von Nancy Holt selbst und Robert Smithson. Während die New Yorkerin in Konzepten, Systemen und Strukturen denkt, setzt er auf die Kraft der Intuition. Seine Verachtung gilt dem intellektuellen Gerede, der Vorbereitung, der großen Worte, der Bewusstheit, der Planung – eben allem worauf Holt setzt. Die Differenz führt so weit, dass sie sein Künstlerdasein hinterfragt, da ihm jeglicher Plan fehle. Ihre Diskussion eskaliert zu persönlichen Beleidigungen und gegenseitigen Herabsetzungen. Hier scheitert die Fähigkeit zweier Menschen, ihren Standpunkt zugunsten einer gegensätzlichen Perspektive zu relativieren. Von Anfang an ist die Diskussion zum Scheitern verurteilt. Starrheit und geistige Unbeweglichkeit beider Protagonisten sind so ausgeprägt, dass sie nicht zueinander finden können.

30. Juli – 27. September 2019                                               
Ulysses Jenkins
Mass of Images

1978, 4 Min

Der amerikanische Video- und Performancekünstler Ulysses Jenkins stellt seine Machtlosigkeit gegenüber der stereotypen Repräsentation von Afroamerikanern in den amerikanischen Medien dar. In seinem Rollstuhl umkreist er langsam und eindringlich eine aus TV-Sets bestehende Pyramide. Eingeblendet werden bekannte stereotype Darstellungen von Afroamerikanern aus Film, Fernsehen und Büchern, wie D. W. Griffiths Birth of a Nation, Mammy aus Vom Winde verweht, Die kleinen Strolche, Onkel Toms Hütte sowie die Blackface-Darstellungen von Al Jolson in The Jazz Singer, bei Laurel und Hardy sowie Bert Williams. Statt einer Lösung zeigt Jenkins‘ Werk das Scheitern im Kampf gegen das Fortleben rassistischer Narrative im audiovisuellen Medium. Den ‘Befreiungsschlag’ mit dem Hammer, der sich zu Beginn des Videos anbahnt, kann er schließlich nicht vollbringen. Bereits beim Ausholen bemerkt er: „Oh, ich würde es so gerne tun, aber sie lassen mich nicht.“ Im Kampf gegen das aufgezwungene Bild und dessen fortwährende Bürde gibt es keinen Triumph.


 
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