Paare, Singles oder Familien können sich jederzeit bewerben

Pflegefamilien dringend gesucht

Kinder haben das Recht, sicher und beschützt aufzuwachsen. Leider gelingt das nicht immer. Schwere Erkrankungen, Krisen, massive Belastungen oder eigene traumatische Erfahrungen können dazu führen, dass Eltern ihren Kindern nicht ausreichend Schutz und Geborgenheit bieten können. Solche Fälle rufen das städtische Amt für Kinder, Jugend und Familie auf den Plan: Die Fachkräfte des Pflegekinderdienstes suchen und vermitteln Hilfen, um das Kindeswohl zu sichern. Als letzte Konsequenz kann dies bedeuten, das Kind in einem neuen, sicheren Zuhause unterzubringen, in dem es sich gesund und geschützt entwickeln kann.

Aktuell warten in Freiburg zehn Kinder auf ein neues Zuhause in einer Pflegefamilie, die Hälfte von ihnen ist unter einem Jahr alt. Das Amt für Kinder, Jugend und Familie sucht deshalb dringend Familien, Singles oder Paare, die sich vorstellen können, ein Kind bei sich aufzunehmen. Dazu hat es vor wenigen Tagen eine große Werbeaktion gestartet: Mit Plakaten und Flyern wirbt das Amt derzeit großflächig an den Freiburger Haltestellen um Pflegeeltern. In den nächsten Wochen und Monaten wird der Aufruf auch in Kitas, Grundschulen, Kliniken und anderen Einrichtungen zu sehen sein.

Bei der Aufnahme eines Pflegekindes sind grundsätzlich zwei Arten zu unterscheiden: Die Bereitschafts- und die Vollzeitpflege.

Bei der Bereitschaftspflege geht es um die akute und kurzzeitige Unterbringung eines Kindes, wenn es wegen einer drohenden Gefahr sofort aus der Familie genommen werden muss. Das Gesetz spricht hier von einer Inobhutnahme. In der Regel endet sie nach einigen Tagen, wenn die akute Notlage beendet ist oder eine langfristige Unterbringung des Kindes außerhalb des Elternhauses sichergestellt ist. Die Pflegeeltern sind hier gefordert, sich flexibel und konstruktiv auf ein unbekanntes, schutzbedürftiges Kind einzustellen. Lebenserfahrung und eine pädagogische Ausbildung sind dabei von Vorteil.

Die Vollzeitpflege ist hingegen längerfristig geplant und angelegt: Das Kind soll dauerhaft oder für längere Zeit ein neues Zuhause finden, in dem es stabile und langfristige Beziehungen aufbauen kann. Die Pflegeeltern gestalten den normalen Alltag mit dem Kind und nehmen es als Familienmitglied auf. Doch auch in diesem Fall müssen sich die Pflegeeltern vor allem zu Beginn oft auf eine Ungewissheit einlassen, ob und wann das Kind in seine Herkunftsfamilie zurückkehrt. Dazu ist die Zusammenarbeit mit der Jugendamt und den leiblichen Eltern im Sinne des Kindes unerlässlich. Erst wenn klar ist, dass die leiblichen Eltern ihre Erziehungsaufgaben dauerhaft nicht erfüllen können, verändert sich die Perspektive: Die Kinder bleiben dann in der Regel langfristig bis sie erwachsen sind in ihrer Pflegefamilie.

Aktuell sind in Freiburg 175 Kinder in Vollzeitpflege untergebracht und 22 in Bereitschaftspflege. Die Tage, die ein Kind in der Bereitschaftspflege verbringt, waren 2018 mehr als doppelt so hoch wie 2017. Zu den Gründen zählt, dass es nicht genug Anschlussplätze in Pflegefamilien gibt. Außerdem benötigen manche Bereitschaftspflegefamilien nach intensiven, akuten Einsätzen eine Pause, so dass ihre Zahl insgesamt abnimmt.

Wer Interesse daran hat, ein Pflegekind bei sich aufzunehmen, muss ausreichend Zeit, Platz und ein stabiles familiäres und soziales Umfeld nachweisen. Außerdem sollten die Interessenten Erfahrung im Umgang mit Kindern haben oder über eine pädagogische oder pflegerische Ausbildung verfügen. Ebenso ist die Bereitschaft gefragt, sich auf ein Kind und dessen andere, oft schwierige Lebenswelt voll einzulassen und sich in Schulungen und Seminaren auf diese Aufgabe vorzubereiten. Nicht zuletzt sind Pflegeeltern gefordert, die Herkunftsfamilie des Kindes zu akzeptieren und auch loszulassen, wenn das Kind dorthin zurückkehren kann. Denn letztlich steht nicht das Wohl der Pflegeeltern im Fokus – sondern das des Kindes.
Im Gegenzug erhalten die Pflegeeltern vielfältige soziale und finanzielle Unterstützungen durch das Amt für Kinder, Jugend und Familie. Das Team im Pflegekinderdienst schult, prüft und berät die Interessenten. Es vermittelt den Kontakt zu dem Kind und begleitet die Pflegefamilie dauerhaft in allen Erziehungsfragen. Auch bei der erwünschten Kontaktpflege mit der Herkunftsfamilie unterstützt der Pflegekinderdienst die Eltern. Ebenso kümmert sich das Team um die die Frage, ob sich das Kind bei seinen leiblichen Eltern oder in der Pflegefamilie besser entwickeln kann.

Als Pflegeeltern sind nicht nur Familien oder Ehepaare gesucht, sondern Menschen mit unterschiedlichen Lebensentwürfen: Singles oder Paare, mit Kindern oder ohne, gleichgeschlechtliche Paare ebenso wie Menschen mit Migrationshintergrund.

Interesse?
Wer sich vorstellen kann, ein Kind bei sich aufzunehmen und die oben genannten Kriterien erfüllt, kann sich beim Pflegekinderdienst im Amt für Kinder, Jugend und Familien melden:

Tel. 0761 / 201-8601
per Mail an aki@stadt.freiburg.de

Weitere Informationen gibt es unter www.freiburg.de/pflegefamilie oder beim nächsten Infoabend am Mittwoch, 22. Mai, 18 Uhr im Amt für Kinder, Jugend und Familie, Europaplatz 1 (ohne Anmeldung).

Veröffentlicht am 02. April 2019
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