Kolonialismus in der Kritik

Am 16. Februar feiert das Theater Freiburg mit "Hulda" eine Deutschlandpremiere

Es wird politisch im Theater. Mit dem neuen Stück „Hulda“ geraten die Mechanismen des Kolonialismus in die Kritik: Die Inszenierung findet im heutigen Afrika statt, einem Kontinent, der 1884/85 von den europäischen Kolonialmächten willkürlich auf einer Landkarte aufgeteilt wurde. Ein Vorgehen mit schwerwiegenden Folgen. Noch heute leiden die Menschen auf dem Kontinent unter den Konsequenzen der Kongo-Konferenz, die am 15. November 1884 in Berlin stattfand. Mit dem Lineal wurden ohne Rücksicht auf ethnische oder geografische Realitäten neue, unnatürliche Grenzen gezogen. In den folgenden Jahrzehnten, die geprägt waren von kolonialistischen Machtansprüchen der Europäer, fielen 120 Millionen Menschen Gewalt und Übergriffen zum Opfer.

Foto von der Aufführung des Theaterstücks "Hulda"
Freiheitskämpferin durch und durch: Mit „Hulda“ kommt eine weitere starke Frau auf die Freiburger Theaterbühne, die für Freiheit und Menschlichkeit kämpft. (Foto: T. Dorendorf)

Mit einem gewalttätigen Übergriff beginnt auch die Freiburger Inszenierung „Hulda“. In der Theatervorlage des norwegischen Autors Bjørnst-jerne Bjørnson waren es noch die Wikinger, die rücksichtslos durch die Lande zogen und sich andere Stämme einverleibten. Auf der Theaterbühne Freiburgs sind es die Milizen, die ein Leben in Angst und Schrecken heraufbeschwören. „Alles, was in dem Stück von Bjørnson zu lesen ist, passiert heute in Afrika“, erklärt Dramaturg Heiko Voss die Wahl des Schauplatzes. Hulda, die Hauptprotagonistin im Stück, erlebt die Grausamkeiten von Entwurzelung und Eingemeindung am eigenen Körper. Ihr Stamm wird von marodierenden Horden ausgelöscht, sie selbst wird zur Zwangsheirat gezwungen.

Für Heiko Voss stellt Hulda in diesem tragischen Stück eine wahre Revolutionärin dar, die mit allen Mitteln, die ihr in ihrer misslichen Lage zur Verfügung stehen, versucht, ein Zeichen für Freiheit und Menschlichkeit zu setzen: „Allein durch ihre Willensstärke schafft sie es, andere auf ihre Seite zu ziehen und ihre Rachepläne in die Tat umzusetzen“, sagt Voss. Um zu Überleben fügt sich Hulda ihrem Schickal – vorerst. Während die Hochzeitsvorbereitungen für sie und den Stammelältesten getroffen werden, schmiedet sie weiter an ihren Racheplänen.

Das Ende der Geschichte weist gewisse Ähnlichkeiten mit einem anderen Stück aus der vorangegangenen Spielzeit auf: Katja Kabanova. Beide hegen Liebesgefühle für einen Mann, mit dem sie nicht zusammenkommen können. Im Gegensatz zu Katja jedoch, die das eigene Leben ohne ihren Geliebten nicht mehr aushält und sich verzweifelt in die Fluten der Wolga stürzt, gibt es für Hulda keinen Ausweg aus ihrer misslichen Lage. Ihre Rache gelingt, doch auch sie selbst wird daraufhin in den Tod getrieben.

Eigentlich sollte „Hulda“ bereits in der Eröffnungsspielzeit von Peter Carp aufgeführt werden. Das Stück fällt in die Reihe Freiburger Wiederentdeckungen aus dem späten 19. und frühen 20. Jahrhundert, die auch unter Peter Carp fortgeführt wird. Zwei Opern wurden bereits in der Reihe aufgeführt: „Der Schmuck der Madonna“ und „Die Königin von Saba“.

Recht schnell stellten der musikalische Leiter Fabrice Bollon und Regisseur Tilman Knabe jedoch fest, dass es sich bei „Hulda“ um eine gekürzte Fassung des Originalstücks von César Franck handelte. Da wollten sie das Stück erst recht auf die Bühne bringen. In den Beständen der Pariser Nationalbibliothek sind sie schließlich fündig geworden: Dort sind die original Handschriften Francks aufbewahrt.

„Wir bringen zwar auch nicht das ganze Stück auf die Bühne“, sagt Voss. „Aber wir haben Wert darauf gelegt, alle Szenen beizubehalten, die eine Grundlage der starken Freiheitskämpferin Hulda bieten und ihre Geschichte verständlich machen.“ Denn für Voss steht die Freiheitskämpferin Hulda ganz klar im Mittelpunkt der Handlung. Voss vermutet, dass gerade die politische Brisanz des Stücks Grund dafür war, dass es zunächst gar nicht und dann nur unvollständig gezeigt werden durfte. Damals wurden insbesondere die brutalen Szenen gekürzt, die in der Freiburger Inszenierung wieder ihren Platz gefunden haben. Darunter sind auch musikalische Partien, die so noch nie erklungen sind.

Die Premiere findet am Samstag, 16.2., um 19 Uhr im Großen Haus statt, Restkarten gibt es noch an der Abendkasse.

Weitere Aufführungen finden am Do, 28.2., Mi, 6.3., jeweils um 19 Uhr statt. Den vollständigen Spielplan gibt es unter www.theater.freiburg.de

Veröffentlicht am 15. Februar 2019