Ehrenbürger der Stadt Freiburg verstarb in der Nacht auf Dienstag im Alter von 84 Jahren

Trauer um Alt-Oberbürgermeister Rolf Böhme

Rolf Böhme

Stadtverwaltung, Gemeinderat und die Freiburger Bürgerschaft trauern um ihren Alt-Oberbürgermeister und Ehrenbürger Rolf Böhme. Das langjährige Stadtoberhaupt starb nach schwerer Krankheit in der Nacht auf Dienstag im Alter von 84 Jahren. Rolf Böhme war von 1982 bis 2002 Oberbürgermeister der Stadt Freiburg. Der promovierte Jurist war außerdem Ehrenbürger der Stadt, Träger der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg und Träger des Großen Bundesverdienstkreuzes.

Viele und große Räder gedreht

Die langjährige Amtszeit Böhmes war unter anderem durch umfangreiche Bauprojekte und die Modernisierung der städtischen Infrastruktur geprägt. Sichtbare Ergebnisse sind vor allem die beiden nachhaltig geplanten Modellstadtteile Rieselfeld und Vauban für zusammen rund 17000 Menschen – wegweisende Maßnahmen zur Bekämpfung der Wohnungsnot in Freiburg. Aber auch die Errichtung weiterer Grundschulen und der Neuen Messe, der schrittweise Ausbau des Dreisamstadions auf Bundesliganiveau für den SC Freiburg oder die Realisierung der modernen Bahnhofsachse inklusive dem neuen Hauptbahnhof und dem Konzerthaus wurden in seiner Amtszeit angepackt. Dabei galt es vor allem beim Konzerthaus sowie beim Ausbau der B 31 Ost, für die sich Böhme immer stark gemacht hat, Widerstände zu überwinden und Bedenken zu zerstreuen. Unbeirrbar hat Rolf Böhme seine Linie verfolgt, und heute pflichten viele der damaligen Kritiker seiner Richtungsentscheidung bei.

Kooperationen über Ländergrenzen hinweg

Besonders am Herzen lagen Rolf Böhme der Ausbau der Städtepartnerschaften und die regionale und grenzüberschreitende Zusammenarbeit. Bedeutende Wegmarken waren zum Beispiel regelmäßige gemeinsame Gemeinderatssitzungen mit Mulhouse, der Kooperationsvertrag „Region Freiburg“ zusammen mit den Landkreisen Breisgau-Hochschwarzwald und Emmendingen oder eine verbesserte Anbindung Freiburgs an den Euro-Airport.
Praktische Ergebnisse dieser Zusammenarbeit waren unter anderem die Breisgau-S-Bahn, die gemeinsamen Zweckverbände für den Gewerbepark Breisgau, für den öffentlichen Nahverkehr, die Fusion der Energieversorger zur Badenova und die Abfallwirtschaft oder die Fusion der Sparkassen zur einheitlichen Sparkasse Freiburg – Nördlicher Breisgau.
Im Jahr 2000 wurde die deutschlandweit erste Städtepartnerschaft mit einer iranischen Stadt vereinbart, der Universitätsstadt Isfahan. Ein Jahr darauf kam der Deutsch- Französische Regierungsgipfel nach Freiburg, mit dem damaligen Bundeskanzler Gerhard Schröder und Staatspräsident Jacques Chirac. Eine große Rolle in Böhmes Amtszeit spielte auch der Umweltschutz, lange bevor der Begriff „nachhaltig“ in aller Munde war. Die Solarenergie wurde gezielt gefördert, sodass Freiburg eingeladen wurde, sich als „Solarregion“ auf der Expo 2000 in Hannover zu präsentieren. Die Umweltkarte (heute Regiokarte) wurde als Modellprojekt bundesweit beachtet, umfangreiche Sanierungsprogramme unterstützten die Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer. 1992 wurde Freiburg für diese vielfältigen Anstrengungen als „Ökohauptstadt“ ausgezeichnet.
1998 übernahm Böhme zusätzlich auch die Aufgaben eines Kulturdezernenten, in diesem Bereich wurden die Sanierung des Stadttheaters in Angriff genommen und die Deutsch-Französischen Kulturgespräche 1996 als gemeinsameVeranstaltung der Stadt und des Landes Baden-Württemberg ins Leben gerufen. Diese Verbundenheit mit Frankreich wurde auch im sportlichen Bereich sichtbar: Die Freiburg-Etappe bei der Tour de France 2000 wurde zur erfolgreichsten der ganzen Tour. Wesentliche kulturelle Neuerungen seiner Amtszeit waren aber auch das Jazzhaus an der Schnewlinstraße und das weit über Freiburg hinaus bekannte Zeltmusikfestival, bis heute ein kulturelles Aushängeschild der Stadt Freiburg.

Appelle gegen Intoleranz und Fremdenhass

Rolf Böhmes Eintreten für Völkerverständigung und gegen Fremdenfeindlichkeit zeigte sich in der Initiative „Für eine offene Stadt – gegen Fremdenhass und Rassenwahn”, an der regelmäßigen Teilnahme an den Gedenkveranstaltungen zur Pogromnacht oder zur Deportation der badischen Juden nach Gurs. Er unterstützte engagiert den Bau der neuen Synagoge. Begegnungswochen für ehemalige jüdische Mitbürgerinnen und Mitbürger und HolocaustÜberlebende und zahlreiche Zeitzeugengespräche trugen wesentlich zur Aufarbeitung der NS-Geschichte in Freiburg bei.
Auch über den verantwortungsvollen Umgang mit den Verbrechen während des Nationalsozialismus hinaus förderte Böhme die Auseinandersetzung mit der Vergangenheit und der Identität dieser Stadt. So setzte er sich ein für die Einrichtung des Museums für Stadtgeschichte im Wentzingerhaus, feierte mit der Bevölkerung den 500. Jahrestag des Freiburger Reichstags unter Kaiser Maximilian oder den 150. Geburtstag der Badischen Revolution von 1848. Die aufwendige Veröffentlichung der dreibändigen „Geschichte der Stadt Freiburg“ war ihm eine Herzensangelegenheit, ebenso wie die 875-Jahr-Feier 1995. Eine besondere Beziehung hatte er zum Freiburger Münster; der Münsterbauverein ernannte ihn seinerzeit zum Ehrenmitglied.

Innerstädtische Konflikte befriedet

Böhme setzte sich zu Beginn der 80er-Jahre – der Zeit von Unruhen und Hausbesetzungen – erfolgreich für den sozialen Frieden in der Stadt ein. Er förderte Verständigung und Gespräche zwischen den Milieus und Interessensgruppen, gemäß dem Grundsatz „Ja zu Toleranz und alternativen Lebensformen – Nein zu Rechtsbruch und Gewalt”. Seinem Vermittlungsgeschick war es zu verdanken, dass sich die verschiedenen Seiten zusammensetzten und die Konflikte beilegten.
Rolf Böhme wurde 1934 in Konstanz geboren und studierte Rechtswissenschaften in München und Freiburg und promovierte anschließend an der Universität Freiburg. Bereits früh trat er der SPD bei und wurde 1971 in den Freiburger Gemeinderat gewählt. Ab 1972 war er für ein Jahrzehnt Mitglied des Deutschen Bundestags für den Wahlkreis Freiburg. Von 1978 bis 1982 gehörte er dann als Parlamentarischer Staatssekretär im Bundesministerium der Finanzen dem Kabinett von Bundeskanzler Helmut Schmidt an.
In einer knappen Entscheidung ließ er 1982 im zweiten Wahlgang seinen Konkurrenten Baubürgermeister Sven von Ungern-Sternberg hinter sich und wurde von den Freiburgerinnen und Freiburgern als Nachfolger von Eugen Keidel zum Oberbürgermeister gewählt. 1990 und 1998 wurde er wiedergewählt, 2002 schließlich schied er aufgrund der Altersgrenze aus dem Amt aus, die daraufhin notwendig gewordene Neuwahl gewann sein Nachfolger Dieter Salomon. Im Anschluss war Rolf Böhme von 2003 bis 2015 Partner einer Rechtsanwaltskanzlei und von 2002 bis 2005 beriet er außerdem ehrenamtlich den damaligen Bundesinnenminister Otto Schily.

Die Stadt Freiburg wird am Rathaus Trauerbeflaggung zeigen und für die Einwohnerschaft ein Kondolenzbuch im unteren Saal der Gerichtslaube öffentlich auslegen – bis Samstag täglich von 10 bis 17 Uhr.

Offizielle Trauerfeier: Freitag, 22.2., 14 Uhr, Münster.

Oberbürgermeister Rolf Böhme in seinem Dienstzimmer im Alten Rathaus. (alle Fotos: R. Buhl)
Oberbürgermeister Rolf Böhme in seinem Dienstzimmer im Alten Rathaus. (alle Fotos: R. Buhl)
Oberbürgermeister Böhme empfängt Jacques Chirac und Gerhard Schröder beim deutsch-französischen Gipfel am 12. Juni 2001.
Oberbürgermeister Böhme empfängt Jacques Chirac und Gerhard Schröder beim deutsch-französischen Gipfel am 12. Juni 2001.
Nach Fertigstellung des Konzerthauses am 28. Juni 1996 nimmt Rolf Böhme den symbolischen Hausschlüssel in Empfang.
Nach Fertigstellung des Konzerthauses am 28. Juni 1996 nimmt Rolf Böhme den symbolischen Hausschlüssel in Empfang.
Im Oktober 1996 beginnt der Bau der B 31 Ost mit Verkehrsminister Matthias Wissmann und Ministerpräsident Erwin Teufel.
Im Oktober 1996 beginnt der Bau der B 31 Ost mit Verkehrsminister Matthias Wissmann und Ministerpräsident Erwin Teufel.
Als eine seiner letzten Amtshandlungen startete Böhme im April 2002 die Sanierung des Augustinermuseums mit einem Mauerdurchbruch.
Als eine seiner letzten Amtshandlungen startete Böhme im April 2002 die Sanierung des Augustinermuseums mit einem Mauerdurchbruch.
Veröffentlicht am 12. Februar 2019

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