Siegerentwurf für das Gebiet Kleineschholz ausgewählt

Bezahlbares Wohnen im großen Umfang möglich

Wie soll das neue Wohngebiet Kleineschholz im Stühlinger-West aussehen? Dafür hat ein Preisgericht gestern aus fünf Entwürfen denjenigen der Büros Dietrich, Untertrifaller Architekten aus Bregenz im Team mit Ramboll Studio Dreiseitl, Überlingen als Sieger ausgewählt. Bereits im September waren die fünf Entwürfe in der ersten Stufe des städtebaulich-landschaftsplanerischen Wettbewerbs ausgewählt worden. Bei einer Veranstaltung hatten dann interessierte Bürgerinnen und Bürger ihr Anregungen und Fragen gestellt, die jetzt in die Überarbeitung der Entwürfe eingeflossen sind.

Es wurden zwei dritte Preise an die Büros Studio Wessendorf, Berlin mit Atelier Loidl Landschaftsarchitekten, Berlin sowie 03 Architekten, München mit studio B Landschaftsarchitektur Elke Berger, München vergeben. Außerdem wurden von der Jury zwei Anerkennungen an Aldinger Architekten Stuttgart mit Koeber Landschaftsarchitektur Stuttgart sowie Steidle Architekten, München mit grabner huber lipp, Freising ausgesprochen.

Rund 70.000 Quadratmeter Geschossfläche entstehen in Kleineschholz Süd und rund 29.000 Quadratmeter Geschossfläche auf der nördlichen Teilfläche der Uniklinik. Bei einer durchschnittlichen Wohnfläche von 80 Quadratmeter können im Süden rund 760 Wohnungen entstehen. Auf der Fläche der Uniklinik soll es Wohnraum für Auszubildende und Appartements für Angestellte der Uniklinik geben, so dass in Kleineschholz insgesamt über 1 000 Wohnungen entstehen können. Vor allem aber können 2,3 Hektar öffentliche Freifläche auf der Grundlage des Sieg-Entwurfes.

Bürgermeister Martin Haag freute sich, dass nicht nur die Qualität der eingereichten Entwürfe wieder einmal sehr hoch war, sondern auch die Bedürfnisse der Stadt insgesamt wie auch der benachbarten Quartiere bei dem Siegerentwurf mit in die Umsetzung eingeflossen sind. „Hier entsteht in zentraler Lage, am Rande des wunderschönen Stadtteils Stühlinger ein lebendiges Quartier. Eingebettet in einen großen öffentlichen Freiraum und optimal an den öffentlichen Nahverkehr angebunden“, so Haag.

Der Entwurf sieht entlang der Bahntrasse eine lärmschützende geschlossene Wohnbebauung vor. Eine Abfolge aus Zeilen und Punkthäusern schafft grüne Wohnhöfe. Diese städtebauliche Struktur, deren Gebäude zwischen vier und maximal acht Geschossen hoch sein sollen, ermöglicht eine gute Umsetzung durch ganz unterschiedliche Bauherrschaften. Der störende Auto-Verkehr wird im Süden bereits am Quartierseingang in ein Parkhaus abgeleitet. Unter den Gebäuden liegen weitere Tiefgaragen. Das Herzstück des Entwurfs ist der gut gestaltete und vielfältig nutzbare Quartierspark mit einer Parkdiagonale.

Das Besondere an diesem städtebaulichen Entwurf hat sich aus der Bürgerbeteiligung zum Freiraumkonzept für den Stühlinger entwickelt. Die Bürger machten schon vor dem Wettbewerb auf die trennende Wirkung der Sundgaualle aufmerksam. Dieser Vorschlag wurde in die Aufgabenstellung aufgenommen. Den teilnehmenden Büros war es damit frei gestellt, den Straßenverlauf der Sundgauallee entweder wie bisher zu belassen oder über eine neue Verkehrsführung das neue Gebiet gleich mit zu erschließen.

Beim prämierten Entwurf bleibt die Sundgauallee bestehen und wird geschickt durch das neue Quartier geführt. Das bringt zwei entscheidende Vorteile: Das Quartier wird über eine vorhandene Straße erschlossen. Und der nicht mehr benötigte Straßenraum ermöglicht durch die Umgestaltung einen großen zusammenhängenden öffentlichen Freiraum. Die Bäume und der Damm der alten Sundgauallee bleiben bestehen und werden als Fuß- und Radweg in die Parklandschaft integriert. Dadurch können auch die darunterliegenden Leitungen und der Kanal erhalten werden. „Die Arbeit überzeugt durch die ausgewogenen, sehr gut durchgearbeitete Bebauungs- und Freiflächenstruktur und lässt ein urbanes lebenswertes Quartier erwarten“ so das Votum der Jury.

Im Vorfeld des Wettbewerbs hatte die Verwaltung im letzten Jahr die Auswirkungen der Verlegung der Sundgauallee von einem Fachbüro untersuchen lassen. Ohne Änderungen des Straßennetzes werden für die Lehener Straße für das Jahr 2030 im Abschnitt zwischen der Güterbahnstrecke und der Fehrenbachallee rund 4.000 Fahrzeugen pro Tag prognostiziert. Bei einer Verlegung der Sundgauallee durch das neue Quartier und dem damit verbundenen Anschluss an die Lehener Straße werden östlich der Güterbahnstrecke 6.500 Fahrzeuge pro Tag erwartet, also eine Zunahme um rund 2.500. Die prognostizierten 6.500 Fahrzeugen pro Tag sind jedoch etwas niedriger als die heutige Anzahl von Autos auf der Lehener Straße im Abschnitt zwischen Fehrenbachallee und Eschholzstraße. Damit wird eine Mehrbelastung in der Lehener Straße auf einem kleinen Abschnitt zwischen der vorgesehenen neuen Querspange östlich der Güterbahnstrecke und der Fehrenbachallee erwartet. Im Abschnitt westlich der Güterbahnstrecke ändert sich die Verkehrsbelastung durch die Verlegung der Sundgauallee nicht.

Die Händler an der westlichen Sundgauallee in Betzenhausen haben gegenüber dem Stadtplanungsamt die Sorge geäußert, dass sie durch die neue Verkehrsführung Kunden verlieren könnten. Dies hat die Verwaltung geprüft und kommt zu folgender Einschätzung: Die Verbindung zwischen Betzenhausen und dem Stühlinger über die Sundgauallee und die Lehener Straße bleibt weiterhin bestehen und wird im Vergleich zu heute um lediglich 150 Meter länger. Daher werden die Geschäfte im Nahversorgungszentrum Betzenhausen-Bischofslinde für ihre Kundschaft weiterhin gut erreichbar bleiben. Für diejenigen, die aus dem Westen über die Sundgauallee Richtung Innenstadt fahren, oder umgekehrt, liegen die Geschäfte weiterhin auf dem Weg.

Trotz der Kosten für den Rückbau der Straße überwiegt daher der städtebauliche Mehrwert der angedachten Verkehrsführung. Durch die Änderung des Straßenverlaufs entsteht ein neues Quartier, das gut an den neuen Freiraum angebunden ist. Das künftige Wohnquartier kann dadurch groß genug werden, um eine eigene Quartiersidentität mit guten Nachbarschaften auszubilden. Auch die neue Freifläche bekommt eine gut nutzbare Größe und wird damit einen Mehrwert für alle Bürgerinnen und Bürger im Stühlinger und in Betzenhausen.

Das neue Wohnquartier entsteht aber auch auf Kosten der bisher bestehenden Gärten. Sie können noch bis einschließlich dem Bewirtschaftungsjahr 2020 nutzen. Im Winter 2020/21 sollen erste Maßnahmen zur Umsiedlung oder Ersatzschaffung der vorgefundenen Arten stattfinden. Die Pächterinnen und Pächter wurden schon 2016 informiert, die Stadt hatte ihnen damals das Gärtnern bis mindestens 2019 zugesichert.

Möchten die bisherigen Nutzerinnen und Nutzer einen Garten in angrenzenden Kleingartenanlagen bekommen, werden sie vorrangig berücksichtigt. Gleichzeitig entsteht eine neue Kleingartenanlage im Gebiet Moosacker in St. Georgen. Dort werden auch die im Rahmen einer Studie „Gärtnern in Freiburg“ ermittelten gewünschten alternativen Formen des Gärtnerns angeboten. Im neuen Wohngebiet selbst werden ebenfalls vielfältige gärtnerische Angebote integriert. So soll es zum Beispiel Gemeinschaftsgärten oder urban gardening geben, aber auch die Möglichkeit, auf den Dächern und in den privaten Innenhöfen Gemüse anzubauen.

Die Flächen des künftigen Baugebiets sind alle im Eigentum von Bund, Land oder der Stadt Freiburg und Stiftungsverwaltung. Die Grundstücke können daher nach gemeinwohlorientierten Kriterien begeben werden, um hier bezahlbaren Wohnraum in einem attraktiven Wohnquartier zu realisieren. Nach den Vorschlägen von Verwaltung und Gemeinderat sollen diese Flächen ausschließlich an Genossenschaften und vergleichbare Akteurinnen und Akteure im Wohnungsmarkt vergeben werden.

Mitglieder des Preisgerichts:

Christoph Ingenhoven, Architekt, Düsseldorf - Vorsitz
Pia Maria Federer, Stadträtin Bündnis 90 / die Grünen
Prof. Uta Stock-Gruber, Landschaftsarchitektin, Weihenstephan
Prof. Dr. Martin Haag, Bürgermeister
Prof. Dr. Maren Harnack, Stadtplanerin, Frankfurt.
Roland Jerusalem, Stadtplaner, Leiter Stadtplanungsamt
Prof. Dr. Thomas Jocher, Architekt, München
Ernst Lavori, Stadtrat, SPD-Fraktion
Brigitte von Savigny Stadträtin, Kulturliste

Veröffentlicht am 07. Februar 2019

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