Rund 200 Interessierte beim Stadtteilgespräch im Rieselfelder Glashaus

Volle Bahnen treiben das Rieselfeld um

OB vor Ort, Runde 4: Nach den beiden Tunibergorten Munzingen und Opfingen sowie der Oberwiehre kam Oberbürgermeister Martin Horn im Rahmen seiner Stadtteilgesprächsreihe am vorvergangenen Donnerstag ins Rieselfeld. Das Interesse war wie bereits in Opfingen enorm: Rund 200 Interessierte drängten sich im vollbesetzten Veranstaltungssaal des Glashauses.

Straßenbahn im Rieselfeld, im Hintergrund das Glashaus in Rieselfeld.
Topthema: Beim Bürgergespräch im Glashaus gab es viele Fragen zur Stadtbahnanbindung des Rieselfelds. Die VAG will mit dichterem Takt und größeren Fahrzeugen die Kapazitäten erhöhen. (Foto: A. J. Schmidt)

Dass ein Thema im Rieselfeld von besonderer Bedeutung ist, wurde schon allein dadurch deutlich, dass OB Horn diesmal nicht alleine kam: Im Schlepptau brachte er Oliver Benz mit, Vorstand der Freiburger Verkehrs AG und selbst ehemaliger Rieselfelder. Er hatte im Lauf des Abends reichlich Gelegenheit, um über Taktverdichtung, einen Ringschluss nach Lehen, quietschende Räder oder Gewalt in Bahnen zu berichten. Zunächst stellte sich aber Hans-Jörg Schwander, Dozent bei Institute for International Education of Students, vor, das jährlich 400 amerikanische Bachelor-Studierende nach Freiburg bringt. Gemeinsam mit seinen ausländischen Studierenden hatte er in einem dreiwöchigen Seminar Ideen für eine Umgestaltung des Mathilde-Otto-Platzes entwickelt, um den Platz, der ein „Schattendasein in praller Sonne fristet“, zu beleben. Eine schnelle Umsetzung konnte OB Horn allerdings nicht in Aussicht stellen – trotz eines Rekordinvestitionsvolumens im kommenden Doppelhaushalt.

Ein Teil des Abends bestand wie immer darin, dass Bürgerinnen und Bürger um Unterstützung für ihre Anliegen warben. So ging es beispielsweise um den Lärmschutz an der Rheintalbahn (Horn: „Wir warten auf die Pläne der Bahn“), Verbesserungsbedarf an Radwegen („Da fehlt eine gescheite bundespolitische Förderung“), die Mittagsversorgung an der Clara-Grun-wald-Schule („Schulkindbe-treuung ist ein Schwerpunkt im Haushalt“) oder das Thema Müll, speziell in der Rieselfeldallee („Werde mit Herrn Broglin von der Abfallwirtschaft sprechen“). Überrascht war Horn über die Aussage einer Schülerin des Kepler-Gymnasiums, dass es schon seit Jahren selbst im zweiten Stock von der Decke tropfe. Dem nachzugehen, sagte er zu.

VAG: Dichter Takt gegen volle Bahnen

Größter Aufreger im Stadtteil, das machten die Reaktionen des Publikums überdeutlich, ist aber die Stadtbahnanbindung. Schon heute, so die vielfach wiederholte Aussage, sei es in den Spitzenzeiten morgens praktisch unmöglich, einen Platz zu ergattern. „Wie soll das erst werden, wenn die Bahn schon voll aus dem neuen Stadtteil Dietenbach kommt?“ lautete eine mehrfach gestellte Frage aus dem Publikum. Hierzu erklärte VAG-Vorstand Oliver Benz ausführlich, dass die VAG mit einem dichteren Takt, größeren Fahrzeugen („heute sind sie 33 Meter lang, künftig 42“) und „Kurzläufern“, also Bahnen, die erst im Rieselfeld starten, möglich sei, das zukünftige Verkehrsaufkommen zu bewältigen – ähnlich wie auf der Linie 1. Den ins Spiel gebrachten Ringschluss nach Lehen sieht er skeptisch; erstens sei allein das notwendige Brückenbauwerk mit 30 bis 35 Millionen enorm teuer. Außerdem sei nichts gewonnen, wenn weitere Fahrgäste auf die heute schon stark ausgelastete Linie 1 wechseln. Dennoch hält er es genau wie OB Horn für sinnvoll, diese Trasse, deren Verlauf auf Lehener Seite allerdings noch keineswegs gesichert ist, als Option für die Zukunft freizuhalten.

Zum Thema quietschende Bahnen erklärte Benz, dass nach und nach alle Bahnen umgerüstet werden. Momentan gebe es allerdings Lieferschwierigkeiten bei den Herstellern. Da auch Gewalt in Stadtbahnen zur Sprache kam, appellierte der VAG-Vorstand, sich in solchen Fällen – die statistisch übrigens nicht zunehmen – ans Fahrpersonal zu wenden: „Die sind darin speziell geschult.“

Dietenbach: Wohnungsnot zwingt zum Handeln

Natürlich war auch der neue Stadtteil Dietenbach, geplant in unmittelbarer Nachbarschaft, ein wichtiges Thema. Für Anliegen des Natur- und Artenschutzes zeigte Oberbürgermeister Martin Horn großes Verständnis, gab aber zu bedenken, dass der Flächenverbrauch um ein Vielfaches höher sei, wenn die Menschen ins Umland zögen. Außerdem zwinge die Wohnungsnot die Stadt zum Handeln: „Wenn Sie sich heute von Ihrer Frau oder Ihrem Mann trennen, wünsche ich Ihnen viel Spaß bei der Wohnungssuche!“ Ohne Dietenbach, so seine klare Botschaft, sei die soziale Balance in der Stadt in Gefahr.

Einen kleinen Beitrag zur Balance im Stadtteil könnte auch die Deutsche Post leisten. Hier konnte Martin Horn immerhin berichten, dass eine provisorische Containerlösung unmittelbar bevorsteht. Es fehle lediglich noch die Unterschrift auf dem Vertrag: „Den haben wir vor vier Wochen an die Post nach Stuttgart geschickt.“

Rieselfeld

„Wo Freiburg weiter wächst“ stand lange auf einem Schild am Eingang des damals neuen Stadtteils. Doch mittlerweile ist das Wachstum beendet – und der ab 1995 entstandene Stadtteil kann im Jahr des 900-jährigen Stadtjubiläums immerhin auch schon seinen 25. Geburtstag feiern. Die Bevölkerungsstruktur im Rieselfeld weist in einigen Punkten auffällig von der Gesamtstadt ab. So liegt die Einwohnerdichte mit 125 Menschen je Hektar um 128 Prozent über der Gesamtstadt. Deutliche Abweichungen gibt es auch bei der Zahl von Wohnungen je Haus, die mehr als doppelt so hoch ist. Auch der Anteil von Deutschen mit Migrationshintergrund liegt mit knapp 17Prozent weit über dem Schnitt. Nicht nur der Stadtteil selbst, sondern auch seine Bewohnerschaft ist vergleichsweise jung – 36,8 Jahre im Schnitt. In der Bevölkerungsverteilung fällt auf, dass vor allem die über 65-Jährigen noch schwach vertreten sind – sie stellen nur rund neun Prozent der Gesamtbevölkerung. In vielen anderen Punkten ist das Rieselfeld aber ganz typisch „Freiburg“: Über 45 Prozent sind weder katholisch noch evangelisch, die Grünen sind die bevorzugte Partei und auch der Bestand von privaten Pkw entspricht fast exakt dem Stadtschnitt – jeder Dritte hat eines.

Infos zum Stadtteil: www.freiburg.de/rieselfeld


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