Stippvisite im Osten

Stadtteilrundgang und Bürgergespräch mit OB Martin Horn in der Oberwiehre, Waldsee und der Oberau

Rund 80, überwiegend ältere Bewohnerinnen und Bewohner der Stadtteile Oberwiehre, Waldsee und Oberau waren am 24. Oktober ans Zentrum Oberwiehre gekommen, um gemeinsam mit Oberbürgermeister Martin Horn das Herz des Freiburger Ostens zu erkunden. Im Anschluss fand ein Bürgergespräch in der Aula des Deutsch-Französischen Gymnasiums statt.

Viele Menschen mit OB Horn beim Rundgang durch die Stadtteile Oberwiehre, Waldsee und Oberau
Rundgang mit Gefolge: Der Vor-Ort-Besuch führte Oberbürgermeister Martin Horn und etwa 80 Interessierte erst in die Knopfhäuslesiedlung und anschließend weiter in den leer stehenden, nicht sanierten Westflügel des Lycée Turenne. (Foto: A. J. Schmidt)

Die Besuchsreihe „OB vor Ort“, die OB Martin Horn jeden Monat in einen anderen Freiburger Stadtteil führt, stößt auf großes Interesse der Bevölkerung. Nach einer kurzen Begrüßung machte der Tross in der unmittelbar benachbarten Knopfhäuslesiedlung erste Station. Dort stellte der Stadtbau-Mieterbeirat den aktuellen Stand der geplanten Sanierung vor und lobte die gute Zusammenarbeit aller Beteiligten. Bei der Suche nach einer sozial verträglichen Lösung sei man auf einem guten Weg, so Müller. An OB Horn richtete er die zwei wichtigsten Wünsche der Bewohnerinnen und Bewohner der fast 150 Jahre alten Siedlung: Sie wollen hier wohnen bleiben und das weiterhin zu bezahlbaren Mieten.

Horn: Fördergelder für Knopfhäusle sind bewilligt

Bedenken aus der Anwohnerschaft, dass das aufwendige Sanierungsprojekt doch noch scheitern könnte, entkräftete Horn: „Die Gelder für die Sanierung sind bewilligt.“ Ohne die Zuschüsse von Bund und Land aus dem Programm „Soziale Stadt“ gehe es allerdings nicht.

„Herzschmerz“ im Lycée Turenne

Zweite Station war das Lycée Turenne, genau gesagt dessen nicht sanierter West-Flügel. Der war für die allermeisten der Gruppe absolutes Neuland – und löste viele „Ahs“ und „Ohs“ aus. „Jedem, der hier reingeht, schmerzt das Herz“, brachte es OB Horn auf den Punkt. Es braucht nur wenig Phantasie, was man mit dem seit Anfang der 1990er Jahre leer stehenden und seither praktisch unberührten Gebäudeteil alles anstellen könnte – alles jedoch im Konjunktiv, denn die Gebäudesubstanz ist weit schlechter als der ohnehin schon bedenkliche erste Eindruck zeigt. Albrecht Müller vom Gebäudemanagement erläuterte, dass die Statik des Gebäudes von Grund auf ertüchtigt werden müsste. Unübersehbar aber das Potenzial: Der alte Speisesaal könnte zur Mensa für den gesamten Schulcampus werden und die Sporthalle würde für die Schülerinnen und Schüler der Richard-Mittermaier-Schule eine große Entlastung bringen. Bislang müssen sie zum Sportunterricht immer nach Günterstal fahren. Eigentlich ein unhaltbarer Zustand, doch die Sanierungskosten wären – vorsichtig geschätzt – sehr deutlich im zweistelligen Millionenbereich. Und bei anderen Freiburger Schulen ist der Bedarf schlicht noch größer. Doch immerhin: Der Gemeinderat hat entschieden, eine Machbarkeitsstudie zu beauftragen, vielleicht erhält die Phantasie dann ja Flügel.

Baustellen-Hotspot Ganterknoten

Nur wenige Schritte von der Schule entfernt liegt der Baustellen-Hotspot der Zukunft: Am Ganter-Knoten wird es über viele Jahre eine gigantische Baustelle geben, wenn dereinst der Stadttunnel die dringend benötigte Verlängerung erfährt. Noch rätseln die Planungsfachleute im Regierungspräsidium und beim Garten- und Tiefbauamt, wie es gelingen kann, einen Autobahn-Vollanschluss bis zu 25 Meter tief im Boden zu versenken und gleichzeitig den oberirdischen Verkehr dennoch mit möglichst geringen Einschränkungen abzuwickeln. Hierzu konnte der Oberbürgermeister noch nicht viel Konkretes präsentieren. Absehbar ist bislang lediglich, dass es für den überörtlichen Verkehr eine sehr großräumige Umleitung geben wird. Bis zum Stadtjubiläum hofft Horn darauf, dass wenigstens ein Zeitplan steht, wann es mit dem Tunnelbau losgehen könnte. Klar ist aber sein Ziel: „Das muss einhergehen mit einer Erweiterung der Innenstadt Richtung Dreisam.“

Bürgergespräch im DFG

Der zweite Teil des Vor-Ort-Besuchs fand in der Aula des Deutsch-Französischen-Gymnasiums (DFG) statt. Dort warteten schon rund 60 Gäste, als der nur leicht ausgedünnte Spaziergangs-Tross dazu stieß. Mit Unterstützung der Technik-AG des Gymnasiums konnte die Bürgerinnen und Bürger ihre Fragen stellen – ohne Themen-vorgabe. Dennoch konzentrierte sich das Publikumsinteresse auf einige Schwerpunkte. Ein mehrfach angesprochenes Thema war das Miteinander von Fuß- und Radverkehr an der Dreisam und speziell die Engstelle am Ganter-Areal. Horn sagte, dass „die Problematik bekannt ist“, eine Lösung aber erst mit der Neuordnung des Ganter-Areals zu erwarten sei. Der vielfach beklagten zunehmenden Vermüllung möchte er mit einem Dreiklang begegnen: „Mehr Mülleimer, mehr Öffentlichkeitsarbeit, mehr Sanktionen.“ Zur Linderung der von feiernden Nachtschwärmern verursachten Probleme im Bereich rund um die Schwabentorbrücke hält Horn eine Abschaffung der Sperrzeit für geeignet. Generell brauche es aber in einer jungen Stadt auch Orte, die sich zum Feiern eignen. „Wir müssen eine Balance finden zwischen Feiern und Ordnung“, so Horn.

Der Anregung, die Stadthalle als Begegnungszentrum vielen ehrenamtlich engagierten Gruppen und als „coworking space“ jungen Unternehmen zugänglich zu machen, brachte der OB große Sympathien entgegen. Er selbst habe auch ein paar Ideen, im kommenden Doppelhaushalt gebe es dafür allerdings keinen Spielraum, zumal die Halle aktuell noch in Teilen als Unterkunft für Obdachlose genutzt wird.

Zum Thema Verkehr gab es Vorschlägen, den ÖPNV billiger zu machen und verstärkt auf Park-and-ride zu setzen. OB Horn entgegnete, dass die Regiokarte schon heute bundesweit das günstigste Angebot sei, sie noch billiger zu machen koste viel Geld. Und für den P&R-Ausbau fehlten vielfach schlicht die Flächen.

Weitere Fragen thematisierten Einzelanliegen, um die sich im Nachgang der Stadtteilbeauftragte Joachim Fritz kümmert und dazu persönliche Rücksprache mit den Fragestellern hält.

Waldsee, Oberwiehre, Oberau

Große Unterschiede, aber auch viele Gemeinsamkeiten

Die drei Oststadtteile Waldsee, Oberwiehre und Oberau mit zusammen fast 20 000 Einwohnern liegen zwar dicht beieinander, unterscheiden sich aber stark in ihrer Siedlungsstruktur. Während die Wiehre ihr heutiges Gesicht als bürgerliches Wohnquartier mit Blockrandbebauung bereits im 19. Jahrhundert erhielt, geht der Stadtbezirk Waldsee auf die Zeit nach dem Ersten Weltkrieg zurück. Die Besiedlung folgte dem Gartenstadtideal mit großzügigen Gärten und Parks. Ganz anders das Quartier Oberau. Dies geht auf ein mittelalterliches Gewerbegebiet zurück, dass sich entlang der Dreisam und des Gewerbebachs ansiedelte. Erst im 20. Jahrhundert zog sich das bis dahin dort dominierende Gewerbe zurück und machte der heutigen Wohnbebauung Platz.

Entsprechend der Siedlungsstruktur unterscheidet sich die Einwohnerdichte der drei ungleichen Nachbarn stark. Während in der Oberau 123 Menschen pro Hektar leben, sind es in der Oberwiehre 92 und im Waldsee sogar nur 36. Weniger groß sind dagegen die Unterschiede bei der Pro-Kopf-Wohnfläche. Während Waldsee und Oberau mit jeweils etwa 39 Quadratmetern gleichauf liegen, haben die Oberwiehremer 42 Quadratmeter zur Verfügung.

Betrachtet man die Sozialstruktur der Stadtteile verschwinden die Unterschiede aber fast vollständig. So schwankt das Durchschnittsalter nur zwischen 42 Jahren (Waldsee) und 40 Jahren (Oberwiehre). Auch die Unterschiede beim Arbeitslosenanteil sind zwischen 2 und 3 Prozent zu vernachlässigen. Geringfügig ist auch die Spannbreite der Ausländerquote. Sie liegt in der Oberwiehre bei 8 Prozent, im Waldsee bei 9 Prozent und in der Oberau bei 12 Prozent.


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