Klimaschutz, der sich auszahlt

Kostenlose Energieberatungen für einkommensschwache Haushalte

Reichlich überstrapaziert ist der Begriff der Win-win-Situation – doch wenn man sich die Bilanz nach zehn Jahren Stromsparcheck für einkommensschwache Haushalte anschaut, kommt man an ihm gar nicht vorbei: Das Modell ist eine Erfolgsgeschichte auf vielen Ebenen.

Zum Jubiläum hatten Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik und Christiane Blümle, die Geschäftsführerin der städtischen Beschäftigungsgesellschaft f.q.b., zum Pressegespräch geladen. Zur Unterstützung kamen auch Umweltschutzamtsleiter Klaus von Zahn, Katharina Wagner von der Energieagentur und Richard Tuth von der Badenova, deren Innovationsfonds das Projekt ursprünglich ermöglicht hat.

Alter Kronleuchter an der Decke hängend
Kein Widerspruch: Mit modernen LED-Filament-Lampen erstrahltein Kronleuchter wie zu besten Zeiten, verbraucht abernur noch einen Bruchteil an Energie. (Foto: A. J. Schmidt)

Das Grundprinzip der mittlerweile bundesweit in 160 Städten verfügbaren Stromsparchecks ist schnell erklärt: Langzeitarbeitslose werden in Sachen Energieberatung ausgebildet und gehen in Haushalte, die sich für einen Check gemeldet haben. Deren Motivation ist klar: Stromsparen heißt Geld sparen, schon allein der Starterkit mit Energiesparlampen, wassersparenden Duschköpfen oder Perlatoren für den Wasserhahn hat einen durchschnittlichen Wert von 70 Euro. Dazu lockt seit 2012 auch der kostenlose Kühlschranktausch – hier war Freiburg deutschlandweit Vorreiter. Wenn klar ist, dass der alte mindestens 200 Kilowattstunden pro Jahr mehr verbraucht als ein neues Gerät, wird der Stromfresser kostenlos getauscht.

Doch der Stromsparcheck ist weit mehr als nur der Austausch von alten Geräten: So mancher Energiespartipp vom richtigen Lüften bis hin zur Frage, wie man einen Kühlschrank sinnvoll belädt, wird in den Beratungsgesprächen an die Frau und den Mann gebracht. Und weil die Beraterinnen und Berater oft einen ähnlichen sozialen Hintergrund haben wie die Ratsuchenden, kommen die Tipps auch an und werden nicht als Belehrung von oben herab wahrgenommen. Der Effekt jedenfalls ist verblüffend: Viele Haushalte sparen noch mehr ein als das, was rechnerisch prognostiziert wurde.

Die nackten Zahlen lesen sich denn auch beeindruckend: In den letzten zehn Jahren (Stand: 30. September) haben genau 2626 Stromsparchecks stattgefunden. Dabei wurden 16726 Energiesparlampen, 1526 Steckerleisten, 3440 Wassersparperlatoren und 1982 Duschköpfe eingebaut. Das prognostizierte jährliche Einsparpotenzial für Strom liegt momentan bei rund 210 000 Euro beziehungsweise rund 80 Euro pro Haushalt und Jahr. Die eingesparte Menge CO2 beträgt durch bisher eingebaute Energiesparartikel rund 693000 Kilogramm jährlich. Dazu kommen noch die rund 800 ausgetauschten Kühlschränke, von denen jeder pro Jahr rund 95 Euro einspart. „Geld, das bar auf der Hand zur Verfügung steht“, wie Gerda Stuchlik betont.

Auf der Gewinnerseite stehen aber nicht nur die Ratsuchenden, sondern auch die Beratenden. Durch ihre Qualifikation verbessern sich ihre Jobchancen beträchtlich. Seit Beginn waren 97 Personen im Projekt beschäftigt, der Altersdurchschnitt lag bei 45 Jahren. Wie es ihnen nach der Zeit als Stromsparcheckerin weiter ergeht, ist nicht in jedem Einzelfall bekannt, doch im Unterschied zu vielen andern Projekten tauchen die Leute nur selten in anderen 1-Euro-Jobs auf, wie Christiane Blümle berichtet. Offenbar gelingt vielen dank der Zusatzqualifikation der Absprung in den regulären Arbeitsmarkt.

Kostenlose Energieberatung für alle

Aus Sicht des Umweltschutzamts ist das Projekt ebenfalls ein voller Erfolg, wie dessen Chef Klaus von Zahn ausführte. Der Beitrag zum Klimaschutz ist erheblich, außerdem steige das Bewusstsein für Energiefragen. Da dieses vielfach auch in besser verdienenden Haushalten ausbaufähig ist, bietet die Stadt Freiburg seit einiger Zeit auch kostenlose Energiesparberatungen für alle Freiburger Haushalte an – noch allerdings mit mäßigem Erfolg. Ob es daran liegt, dass der finanzielle Anreiz nicht wichtig genug ist oder das Angebot schlicht nich zu unbekannt ist, vermochte von Zahn nicht zu sagen. Umso mehr sei es hiermit beworben: Unter www.freiburg.de/zuhause-a-plus können alle Bürgerinnen und Bürger den kostenlosen Besuch zur Energiesparberatung vereinbaren. Die Erfahrung zeigt: Selbst in Haushalten, die sich für gut informiert und umweltbewusst halten, versteckt sich so manches Kilowattstündchen, das sich problemlos einsparen ließe.

Umfangreiche Informationen zum Thema Energiesparen sowie die Anmeldung zu einer Umweltberatung gibt es im Internet unter www.freiburg.de/zuhause-a-plus

Veröffentlicht am 06. Dezember 2018

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