Im Auftrag der Schönheit

Gestaltungsbeirat zieht nach fünf Jahren Bilanz

Heiß umstritten zu Beginn – und mittlerweile viel gelobt ist der Freiburger Gestaltungsbeirat. Am vorvergangenen Donnerstag fand die 27. Sitzung des Gremiums statt. Es war zugleich die letzte unter der Leitung von Prof. Jórunn Ragnarsdottir. Auch Prof. Tobias Wulf scheidet aus dem Gremium aus. Zuvor zogen sie Bilanz der ersten fünf Jahre.

Fast 70 Projekte hat der Beirat seit seiner ersten Sitzung im April 2014 behandelt. 27-mal kamen Vorhaben nach einer Überarbeitung ein zweites Mal auf die Tagesordnung, zwei sogar ein drittes Mal. Nicht immer wurden alle Anregungenberücksichtig, doch praktisch alle Projekte wurden durch den fachkundigen Rat besser – und das auch für Laien offensichtlich und nachvollziehbar. Besonders deutlich wird das bei den elf Projekten, die mittlerweile realisiert sind, beispielsweise beim Verwaltungsneubau am Hauptfriedhof. Völlig unstrittig ist nicht nur das Gebäude selbst architektonisch sehr gelungen. Bestechend ist insbesondere, dass es gelang, das Ensemble rund um den Haupteingang wieder so sichtbar zu machen, wie es ursprünglich einmal war.

Dieses Beispiel zeigt exemplarisch den Ansatz des Gestaltungsbeirats. Während die Bauherren oft nur das eigene Projekt vor Augen haben, war dem fünfköpfigen Gremium immer der Kontext mit dem umgebenden Quartier wichtig. Im Laufe der fünf Jahre rückte dabei auch immer mehr der Freiraum in den Fokus, der durch Prof. Wigbert Riehl, Landschaftsplaner aus Kassel, prominent im Gremium vertreten ist.

Bei der Verabschiedung der beiden ausscheidenden Mitglieder Ragnarsdottir und Wulf blickte Baubürgermeister Martin Haag nochmals zurück auf die Startphase. Gegen viele Widerstände setzte er das Gremium zu Beginn seiner ersten Amtszeit durch. Kritiker monierten die Kosten und die fehlende Verbindlichkeit – zu Unrecht, wie Haag findet: „Der Gestaltungsbeirat ist ein sehr gutes Instrument und sehr gut angelegtes Geld. Ein schönes Gebäude schafft Akzeptanz.“ Trotzdem gebe es Punkte, die immer wieder zu Diskussionen führten. Insbesondere der Zeitpunkt, zu dem die Bauherren ihre Projekte vorstellten, sorgte manchmal für Verdruss. Auch in die Auswahl der Projekte wäre das Gremium gerne stärker eingebunden gewesen. Doch insgesamt habe der Gestaltungsbeirat die Probezeit erfolgreich bestanden, so Jórunn Ragnarsdottir, die insbesondere das große Interesse der Freiburger Bürgerschaft herausstellte. Rund 40 Personen waren im Schnitt bei den Sitzungen zu Gast: „Das gibt es sonst nirgends!“

Den Vorsitz im Gestaltungsbeirat übernimmt das Gründungsmitglied Prof. Zvonko Turkali aus Frankfurt. Zu den bisherigen Beiräten Wigbert Riehl und der Stuttgarter Architektin Miriam Weyell kommen als neue Mitglieder die Frankfurter Architektin Prof. Anett-Maud Joppien sowie der aus Baden-Baden stammende Architekt Johannes Ernst.

Nähere Infos zum Gestaltungsbeirat sowie die Tagesordnung der jeweils nächsten Sitzung finden sich unter: www.freiburg.de/gestaltungsbeirat

Veröffentlicht am 06. Dezember 2018