Anlässlich des Ausscheidens der Vorsitzenden Ragnarsdottir und dem Mitglied Wulf aus dem Gestaltungsbeirat: Rückblick auf erfolgreiche Arbeit

Wichtiger Beitrag zu Qualität des Bauens in Freiburg

Zwei Mitglieder des Gestaltungsbeirats scheiden vor Ablauf ihrer Amtsperiode aus: Die bisherige Vorsitzende Prof. Jórunn Ragnarsdottir sowie Prof. Tobias Wulf, beide Architekten aus Stuttgart. Sie gehören mit Wigbert Riehl, Zvonko Turkali und Miriam Weyell zu den ersten Mitgliedern des 2014 von der Stadt Freiburg eingesetzten Gestaltungsbeirats. Alle fünf Mitglieder wurden nach der ersten dreijährigen Wahlperiode erneut vom Gemeinderat bestellt. Die Satzung des Gestaltungsbeirats sieht vor, dass die Mitglieder nur ein Mal wieder bestellt werden können. Um nach Ablauf der jetzigen dreijährigen Amtszeit einen allzu abrupten Wechsel durch das gleichzeitige Ausscheiden aller fünf Mitglieder zu vermeiden und einen Wissenstransfer zu ermöglichen, haben sich Ragnarsdottir und Wulf entschieden, bereits jetzt aus dem Gremium auszuscheiden und Platz für zwei neue Mitglieder zu machen.

Bei einer Pressekonferenz anlässlich der letzten Sitzung des Gestaltungsbeirats mit den fünf Gründungsmitgliedern dankte Bürgermeister Martin Haag den beiden scheidenden Gestaltungsbeiräten sehr: „Sie haben ebenso wie die anderen Mitglieder ihre Aufgabe immer sehr ernst genommen. Wir haben pro Jahr sechs Termine und trotz ihrer vielen anderen Tätigkeiten und nationalen bis internationalen Aufgaben haben sie ihre Verpflichtungen immer sehr ernst genommen. Das gilt es anzuerkennen“, so Haag. Die Arbeit der ersten Mitglieder des Gestaltungsbeirats sei prägend und lege den Grundstein für die Zukunft, erklärte Haag. Die Diskussionen über die vorgelegten Bauprojekte seien immer sehr intensiv gewesen. „Auch wenn es manchmal zu einer kontroversen Diskussion kam, haben die Bauvorhaben doch immer von der Beratung im Gestaltungsbeirat profitiert. In jedem Fall sind die Diskussionen ein Gewinn für die Kultur und den Anspruch an das Bauen in Freiburg, alle Projekte sind besser geworden“, unterstreicht Haag. „Nicht nur wird die Gestaltung der Projekte stimmiger. Auch die Ausnutzung der Objekte konnte teilweise verbessert werden. Damit lohnt sich die Beratung eines Bauvorhabens sowohl für den öffentlichen Raum wie für die Bauherrschaft“, sagte Haag. Insgesamt profitiere damit die Entwicklung der gesamten Stadt. Die bisherige Arbeit des Gestaltungsbeirats sei daher ein voller Erfolg, so Haag.

Die bisherige Vorsitzendes des Gestaltungsbeirats, Ragnarsdottir, erläuterte ihren grundsätzlichen Ansatz: „Von Thomas Jefferson, dem dritten Präsidenten Amerikas, sagt man, er habe empfohlen, für jedes Neubauprojekt 5 bis 7 Prozent Mehrkosten einzurechnen, mit dem Ziel, eine bessere Architekturqualität zu erreichen. Dieser Aufwand zahle sich später um ein Vielfaches wieder aus. Wenn wir über die Qualität von Stadträumen sprechen, geht es nicht allein um die Frage von Schönheit, sondern immer auch um Investitionen in die wirtschaftliche Zukunft der Stadt selbst. Das kulturelle Kapital einer historisch gewachsenen Stadt ist also immer auch ein ökonomisches Kapital. Insofern müssen Gebäude, die als Neulinge in die Stadt gepflanzt werden, grundsätzlich so beschaffen sein dass sie zu einer gestalterischen Verbesserung des Gesamten beitragen.“ Nur wenn dieses Prinzips gewahrt bleibe, so Ragnarsdottir, sei die Lebensfähigkeit wie auch die Schönheit der Stadt langfristig gesichert.

Für die Situation in Freiburg erklärte sie: „Jedem, der in der Stadt bauen will, muss klar sein, dass es ein Privileg ist, in einer schönen Stadt ein neues Haus errichten zu dürfen. Die Spekulation auf kurzfristige Gewinnchancen, aber auch das Argument, aus dem Zwang der Wirtschaftlichkeit die architektonische Qualität hinten anstellen zu müssen, schaden der Stadt und damit ihrer Ökonomie im Gesamten.“ Für sie, so Ragnarsdottir, gebe es kaum einen schöneren Beleg hinsichtlich der These von Jefferson als die Altstadt von Freiburg. „Dieses Kapital nicht nur zu bewahren, es auch zu mehren, bedarf eines ebenso liebevollen, wie professionellen Umgangs mit dem städtebaulichen und architektonischen Erbe. Das wird der Grund dafür sein, dass die Bürgerinnen und Bürger und die Politik von Freiburg einen Gestaltungsbeirat ins Leben gerufen haben. Ich bin mir sicher, dass diese Einrichtung geholfen hat, die einmalige Qualität dieser Stadt zu wahren. Für mich war die Arbeit im Gestaltungsbeirat dieser Stadt ein großer Gewinn und ich bin dankbar für das entgegengebrachte Vertrauen seitens der Stadtverwaltung“ bilanziert sie ihre Tätigkeit für die Stadt Freiburg.

Tobias Wulf, der ebenfalls jetzt ausscheidet, zieht nach fünf Jahren ein positives Fazit: „In den weitaus meisten Fällen konnte eine Verbesserung der Bauprojekte erreicht werden, auch wenn es den Bauherren mit ihren Architekten erstmal richtig weh tat, wenn wir den Finger schonungslos in die Wunde legten.“ Die Sitzungen seien immer sehr gut vorbereitet gewesen, sodass eine fachlich fundierte Diskussion möglich war. Insgesamt hätten sie sich auch darüber hinaus in Freiburg wohl gefühlt. „Dass wir manchmal abweichende oder sogar konträre Sichtweisen hatten als die Stadtverwaltung, liegt in der Natur der Sache“, so Wulf. „Wir hatten einen von vielen Zwängen befreiten Blick und mussten ihn auch haben.“ Für die nächsten Jahre empfiehlt Wulf, den Gestaltungsbeirat stärker an der Auswahl der Projekte zu beteiligen. „Eines sollten sich alle Beteiligten ständig vor Augen führen: verwechsle nie Gestaltung mit Politik“, gab er abschließend allen Beteiligten noch mit. Wulf wird zukünftig als Gestaltungsbeirat in Regensburg tätig sein, freue sich aber darauf, eventuell als planender Architekt nach Freiburg zurückkehren zu dürfen."

Der Freiburger Gestaltungsbeirat ist mit fünf Personen aus den Fachrichtungen Städtebau, Landschaftsplanung und Architektur zusammengesetzt. Er gibt in seinen etwa alle zwei Monate stattfindenden Sitzungen Stellungnahmen zu ausgewählten Bauvorhaben ab. Fast alle Tagesordnungspunkte werden öffentlich beraten. Die Vorlage eines Projekts beruht auf freiwilliger Basis. In seltenen Fällen stimmt die Bauherrschaft nur einer nicht-öffentlichen Beratung zu. Die Beiräte bewerten die städtebauliche, landschaftsplanerische und architektonische Qualität. Während ihrer Beiratstätigkeit dürfen die Mitglieder des Gestaltungsbeirats nicht in Freiburg planen oder bauen, damit ihre Unabhängigkeit sichergestellt ist. Die Geschäftsstelle des Gestaltungsbeirats ist im Baurechtsamt angesiedelt.

Seit der ersten Sitzung im April 2014 tagte der Gestaltungsbeirat 26 Mal und beriet über 67 Projekte. Davon wurden 27 Vorhaben ein zweites Mal im Gestaltungsbeirat diskutiert, zwei Fälle sogar drei Mal in jeweils unterschiedlichen Entwicklungsstand beraten. Nur bei 9 Projekten tagte der Gestaltungsbeirat nicht-öffentlich. Im Schnitt hatten die Sitzungen 40 Besucherinnen und Besucher.

Als neue Mitglieder ab nächstem Jahr hat der Gemeinderat im Oktober Prof. Anett-Maud Joppien und Johannes Ernst berufen. Die gebürtige Frankfurterin Joppien studierte Architektur an der TU Berlin, der TH Darmstadt, der University of Illinois at Chicago und der University of California, Berkeley. Sie ist Mitbegründerin von Dietz Joppien Architekten AG in Frankfurt, Berlin, Potsdam und Mitglied des Vorstandes. Sie hat Gast-Professuren an den Universitäten Hannover und Darmstadt innegehabt, von 2003 bis 2011 war sie Professorin an der Bergischen Universität Wuppertal, seit 2011 ist sie Professorin an der Technischen Universität Darmstadt. Seit vielen Jahren ist sie Preisrichterin bei inzwischen über 250 nationalen und internationalen Wettbewerben. Für die Städte Karlsruhe, Mainz und Mannheim war bzw. ist sie als Gestaltungsbeirätin tätig. Seit 2013 ist sie Vizepräsidentin der Deutschen Gesellschaft für nachhaltiges Bauen.

Der in Baden-Baden geborene Johannes Ernst studierte Architektur an der TU Berlin und der University of Illinois at Chicago. 2005 war er Mitbegründer von Steidle-Architekten Gesellschaft von Architekten und Stadtplanern mbH und ist dort geschäftsführender Gesellschafter. Auch er lehrt an verschiedenen deutschen Universitäten und Hochschulen. Seit 2004 ist er bei zahlreichen Wettbewerben tätig, er war Mitglied im Gestaltungsgremium Theresienhöhe München und seit 2017 ist er Mitglied im Beratergremium Werksviertel München.

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Veröffentlicht am 29. November 2018

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