Fünf städtebauliche Entwürfe in der Endausscheidung

Ziel: Tausend neue Wohnungen im Kleineschholz

Am vergangenen Wochenende kam die Stadt ihrem Ziel, neuen Wohnraum im Gebiet westlich des Rathauses im Stühlinger zu schaffen, einen großen Schritt näher. Im Wettbewerbsverfahren wählte die Jury fünf der insgesamt 15 eingereichten Arbeiten aus, die nun im zweiten Schritt überarbeitet werden. Außerdem gab die Bürgerschaft den Büros Anregungen mit auf den Weg. Im Februar soll der Siegerentwurf gekürt werden.

Menschen vor den Ausstellungstafeln mit den Entwürfen
Tausend neue Wohnungen sind das Ziel in Kleineschholz.Fachleute und die Bürgerschaft diskutierten die Planung (Foto: A.J.Schmidt)

Das Gebiet Kleineschholz, das sich zwischen der Fehrenbachallee und der Güterbahn erstreckt, wird heute vor allem von Kleingärten, Grünflächen, Behörden und Straßen geprägt. Die zentrale Lage am Rande des beliebten und lebendigen Stühlingers sowie die gute Erschließung mit zwei Stadtbahntrassen und die Nähe zum Hauptbahnhof machen das etwa 13 Hektar große Areal optimal geeignet für Wohnungsbau. Auch die Tatsache, dass sich alle Grundstücke im Eigentum der öffentlichen Hand (Stadt, Land und Bund) befinden, erleichtert die bauliche Entwicklung. Mit bis zu eintausend neuen Wohnungen könnte das Quartier Kleineschholz einen wichtigen Beitrag zur Lösung der Wohnraumprobleme leisten.

Fehrenbachallee 12, 3. OG
Montag, 1.10. bis Freitag, 19.10.
7.30–17.30 Uhr

Die beiden bisherigen Bürgerforen zeigten zwar, dass der Verlust der Kleingärten sehr schmerzlich ist; andererseits erkannten viele die großen Chancen für neue und preiswerte Wohnungen in einem attraktiven und sozial gut durchmischten Stadtteil.

Alle jetzt in die engere Wahl gerückten Entwürfe sehen vor, die Sundgauallee, die das Gebiet in einer S-Kurve durchschneidet, zu schließen oder zu verkleinern, um Fläche zu gewinnen. Außerdem schlagen alle eine große, zentrale und für alle nutzbare Grünanlage vor. Und schließlich sind sich alle einig, dass hier ein dicht bebauter, urbaner Stadtteil mit rund 30000 Quadratmetern Geschossfläche entstehen soll. Ob die vorgeschlagenen Gebäudehöhen mit bis zu 15 Stockwerken realisiert werden, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Denn ab neun Geschossen erhöhen sich die Baukosten erheblich, was dem Wunsch nach preisgünstigem Wohnen entgegensteht.

Wie geht es jetzt weiter? Die Planungsbüros nehmen die Anregungen aus der Bürgerschaft und der Jury mit und arbeiten ihre Entwürfe weiter aus. Das Preisgericht wird dann im Februar den Siegerentwurf auswählen. Dieses prämierte städtebauliche Konzept bildet dann die Grundlage für die Erarbeitung des Bebauungsplans. Hierfür und die Erarbeitung aller Fachgutachten (z. B. Lärmschutz, Naturschutz etc.) werden etwa zwei Jahre benötigt. Bis zum Satzungsbeschluss wird die Verwaltung die Bürgerschaft immer wieder informieren und beteiligen.


Nachfolgend stellen wir die fünf Siegerentwürfe mit den Bewertungen der Jury und der Bürgerschaft vor.

Steidle Architekten (München)

Beschreibung: Ein grünes Freiraumband verbindet die bislang getrennt voneinander liegenden Bauflächen. Dabei setzt sich der Eschholzpark in das Baugebiet fort. Neben dem Rathaus sind zwei urbane Wohnblöcke mit Innenhof geplant und entlang der Bahnlinie sind drei Wohnblocks mit begrünten Dachterrassen vorgesehen. Hier soll Wohnraum für Familien entstehen. Der Park weist Sportanlagen, Erholungseinrichtungen und öffentliche Gärten aus.

Jury: Die Jury lobte die in der Höhe differenzierten Wohnblöcke. Kritisch wurden die Gebäude neben dem Rathaus gesehen, die das Rundlingsensemble „bedrängen“. Gelungen sei jedoch die Vernetzung der Grünanlagen mit einem großzügigen, öffentlichen Freiraumband.

Stimmen aus der Bürgerschaft: Positiv wurden die vielgestaltigen Wohnblöcke bewertet, die nicht durch monotone Fassaden beeinträchtigt werden dürften. Auch hinter das Hochhaus mit 15 Etagen wurde ein Fragezeichen gesetzt. Die Dachgärten stießen jedoch auf Zustimmung.


Dietrich, Untertrifaller (Bregenz)

Beschreibung: Im Zentrum des Entwurfs steht ein großer öffentlicher Park zwischen dem RIS und der Neubebauung am Westrand des Gebiets. Die Lehener Straße bildet die urbane Brücke zwischen dem „alten“ Stühlinger und dem Neubaugebiet. 4-, 5- und 6-geschossige Punkt- und Zeilenhäuser bilden eine Kette grüner Wohnhöfe. Entlang der Bahnlinie schirmt ein durchgehender Baukörper mit seinem „Rücken“ den Bahnlärm ab. Die kleinen Gewässer der Schrebergartenanlagen und die Runzen bleiben erhalten.

Jury: Der Quartierspark sei gut platziert, weil er dem dominanten Rathaus im Stühlinger (RIS) Rechnung trägt. Allerdings erschien der Bereich nördlich des RIS zu kleinteilig. Das Mobilitätskonzept sei nachhaltig und stark vom Fahrrad- und Fußgängerverkehr geprägt.

Stimmen aus der Bürgerschaft: Lob erhielten vor allem das Grünkonzept und die Bemühung um Erhalt der Altbäume. Auf wenig Gegenliebe stieß die Quartiersstraße, die das Verkehrsaufkommen nicht aufnehmen könne. Auch die Lehener Straße sei anschließend überfordert.


Studio Wessendorf (Berlin)

Beschreibung: Mit der Blockrandbebauung schreibt der Entwurf die städtebauliche Struktur des alten Stühlingers fort. Die zentrale Grün- und Rasenfläche soll einen Anziehungspunkt für die Bewohner des Quartiers bilden. Die Sundgauallee bindet künftig über eine Verbindungsstraße entlang der Bahnlinie an die Lehener Straße an und erschließt das Quartier.

Jury: Der Quartierspark respektiere das RIS-Ensemble und schaffe eine neue Qualität des Freiraums, was auch der Kita nutzt. Allerdings rückt die Wohnbebauung teils zu nah an das RIS heran. Gelungen sei die Erschließung des Quartiers über die Straße entlang der Bahnlinie. Mit der baulichen Weiterentwicklung sei der Entwurf auf dem richtigen Weg, jedoch sollten die Wohnhöfe dringend ausdifferenziert werden.

Stimmen aus der Bürgerschaft: Die Blockrandbebauung stieß auf Zustimmung, jedoch sollten die Blöcke stärker geöffnet werden, auch um eine bessere Durchlüftung zu gewährleisten. In den Grünanlagen müsse es auch Rückzugsräume geben.


03 Architekten (München)

Beschreibung: Die markanten Gebäude des Arbeitsamts und des RIS werden durch die Grünflächen freigestellt und betont. Die Wohnbebauung ist an der Fehrenbachallee, an der Lehener Straße und der Bahnlinie konzentriert und bildet drei unabhängige Quartiere. Läden und Gaststätten sind entlang der Lehener Straße und am geplanten S-Bahn-Halt Runzmatten vorgesehen. Ein Platz an der Einmündung Sundgauallee/Lehener Straße öffnet sich zu der parkartigen Freifläche.

Jury: Positiv sei die starke Konzentration der Baumassen zu bewerten, was die Grünflächen stärkt. Für die nächste Stufe sind noch überzeugende Grundrisse zu entwickeln. Der Erhalt der verkleinerten Sundgauallee als Promenade sei zu begrüßen. Zu verbessern sei die zu weitmaschige Fußgängererschließung und die Sicherheitslage/ soziale Kontrolle in einigen Grünbereichen.

Stimmen aus der Bürgerschaft: Auch die Bürgerschaft kritisierte mögliche Angsträume, lobte jedoch im Grundsatz das Freiraumkonzept mit Spielraum für öffentliche Gärten. Weil die bisherige Sundgauallee entfällt, werde der Verkehr in der Lehener Straße deutlich zunehmen.


Aldinger Architekten (Stuttgart)

Beschreibung: Klare Gebäudekanten definieren in diesem Entwurf die Grünzonen deutlich. Die teils aufgelösten Blockrandstrukturen halten eine gute Balance zwischen urbaner Dichte und Freiflächen. Es entwickelt sich ein Netz an Straßenräumen, Platzräumen und Höfen, die an den öffentlichen Raum mit variierenden Durchgängen angebunden sind. Zwei Garagen verbannen den ruhenden Verkehr aus dem öffentlichem Raum.

Jury: Das Konzept leitet sich harmonisch aus der bestehenden Baustruktur des Stühlinger ab. Der Entwurf trennt die öffentlichen Gebäude von der Wohnbebauung, was eine künftige Erweiterung der Agentur für Arbeit erlaubt. Öffentliche und private Grünflächen müssten nun noch besser differenziert werden. Kritisch sei die Bebauung auf dem Grundstück der Arbeitsagentur mit einem großen Baublock. Das Konzept müsse auch ohne diesen funktionieren.

Stimmen aus der Bürgerschaft: Zustimmung erntete der Entwurf vor allem wegen der moderaten Bauhöhen und den flexiblen Bautypen. Durch die große bauliche Dichte könnte die klimatische Situation kritisch werden.


Veröffentlicht am 28. September 2018

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