Wunsch nach vielfältigen Formen

Stadt stellt neues Konzept für Gärtnern in Freiburg vor

„Mehr Gärten in der Stadt“ und „Mehr Stadt in den Gärten“ sind die wesentlichen Kernaussagen des Konzepts, welches in zukünftigen Planungen berücksichtigt werden soll. Foto: @ Joshua Resnick / Fotolia

Werkeln im Garten macht glücklich. Das empfinden viele so und daher gibt es schon seit über hundert Jahren in Städten Anlagen mit Kleingärten für Menschen, die keinen eigenen Garten am Haus haben. Wie so manches unterliegt aber auch das Gärtnern Veränderungen. Waren es bislang eher größere Parzellen, die eine Mietpartei allein und oft über Jahrzehnte bewirtschaftet, gibt es seit einiger Zeit auch die Nachfrage nach Gemeinschaftsgärten oder Urban-Gardening-Projekten. Diesen Wünschen muss eine Stadt nachkommen, auch und gerade dann, wenn ihre Einwohnerzahl wie in Freiburg stark wächst und immer weitere Flächen für Wohnbau gesucht werden.

Mit dem Ziel, vorhandene Flächen zu erhalten und zu verbessern, neue Räume zu finden und das Thema Gärtnern mehr Menschen zugänglich zu machen, hat das Stadtplanungsamt die Erarbeitung eines Konzepts „Gärtnern in Freiburg“ bei einem externen Fachbüro in Auftrag gegeben, dieses liegt nun vor. Es soll dazu beitragen, den zur Verfügung stehenden Raum im Freiburger Stadtgebiet besser zu nutzen und auuf die vielfältigen Bedürfnisse der Menschen zu reagieren. Das Konzept steht dabei auch im Zusammenhang mit dem in den letzten Jahren erarbeiteten Perspektivplan, denn Kleingärten sind nicht nur Freiräume in der Fläche, sondern auch wertvolle Naherholungsräume und oftmals wichtige Orte für Stadtklima und Biodiversität.

Im Konzept wurden zunächst einmal die Wünsche und Bedürfnisse der Freiburger Bevölkerung analysiert. Daraus wurden Handlungsempfehlungen abgeleitet und Beispielentwürfe für einige Flächen erstellt. Insgesamt weist die Stadt Freiburg, ohne private Gärten, rund 200 Hektar gärtnerisch genutzte Flächen auf. Mit 55 Prozent haben die vereinsgebundenen oder -ungebundenen Kleingartenanlagen daran den größten Anteil. Weitere 42 Prozent sind Gärten in der Feld- und Rebflur sowie in Waldrandlage am Siedlungsrand. Letztere haben für die Gestaltung des Landschaftsbildes eine hohe Bedeutung. Da sie aber häufig privat genutzt werden, haben sie eher eine untergeordnete Versorgungsfunktion. Mit nur knapp 3 Prozent sind Mieter- und Nachbarschaftsgärten sowie Urban Gardening-Flächen und sonstige Gemeinschaftsgärten vertreten.

Für das Konzept war es außerdem wichtig zu wissen, welche Formen des Gärtnerns von welchen Personengruppen besonderes nachgefragt werden. Dafür wurden zum einen die dreizehn Kleingartenvereine befragt, dann im Rahmen der Bürgerumfrage 2016 2.634 Hauhshalte und schließlich weitere 666 Haushalte in ausgesuchten Gebietstypen durch die Uni Heidelberg.

Ergebnisse des Konzepts

Heraus kam, dass rund ein Viertel der Freiburger Bevölkerung den Wunsch hat, in der Stadt oder im stadtnahen Umfeld zu gärtnern. Dabei sind die am Gärtnern Interessierten häufig jünger, es gibt einen höheren Anteil an Frauen und sie leben meist entweder in Familienhaushalten oder befinden sich im Studium oder in Ausbildung. Heraus kam auch, dass ganz unterschiedliche Gartenformen gewünscht werden. Etwa die Hälfte möchte einen privaten Kleingarten oder Mietergarten nur für sich oder die Familie. Die andere Hälfte kann sich vorstellen, als Gruppe in Gemeinschaftsgärten am Haus oder in Urban Gardening-Projekten zu gärtnern.

Interessant war dabei, dass die Form des Gärtnerns vom Wohnumfeld der Befragten abhängig ist. In zentralen und dicht bebauten Quartieren wie der Innenstadt oder dem Stühlinger wird eher eine gemeinschaftliche Nutzung von Gärten gewünscht und hier vor allem von zwanzig- bis vierzigjährigen Menschen. Pächterinnen und Pächter von Kleingärten hingegen sind eher älter, häufig bestehen lange Pachtzeiten von über 20 Jahren. Daher rühren auch die langen Wartezeiten und teils hohe Ablösesummen für Gärten.

Allen Befragten ist die Nähe des Gartens zum Haus oder zur Nachbarschaft wichtig. Unabhängig von der Gartenform sind außerdem langfristig nutzbare Gartenflächen gefragt. Als Gründe für den Wunsch nach einem Garten nennt der Großteil der Befragten das Naturerlebnis, die Gestaltungsfreiheit sowie Freizeit und Erholung.

Aus den Ergebnissen ergeben sich für die weitere städtische Planung von Gärten in der Stadt folgende Empfehlungen:

  • Die bestehenden Kleingartenanlagen sollen möglichst erhalten und weiter entwickelt sowie in ihren Flächen besser ausgenutzt werden
  • Schlecht zugängliche Kleingartenanlagen sollen besser erschlossen, die öffentliche Bereiche aufgewertet, die Größe der Parzellen flexibel gehandhabt und die Kooperation mit Vereinen und Initiativen angrenzender Stadtquartiere intensiviert werden
  • Die Pachtdauer soll bei Neuverpachtungen in städtischen Anlagen begrenzt werden
  • Große Gärten können gemeinschaftlich genutzt und Garten-Patenschaften initiiert werden

In Zusammenarbeit mit Dritten könnten folgende Punkte erreicht werden:

  • Anstelle von reinen Grünflächen als Abstand zwischen größeren Häusern sollen in Kooperation mit großen Bauträgern, Genossenschaften und Wohnungsgesellschaften Mieter- und Gemeinschaftsgärten entstehen
  • Urban Farming soll am Siedlungsrand entlang von landwirtschaftlicher Nutzung in Kooperation mit Landwirten oder Zwischenpächtern ermöglicht werden

Das Stadtplanungsamt möchte ab sofort bei seinen Planungen verstärkt und frühzeitig auch eine gärtnerische Nutzung mit bedenken, zum Beispiel durch die Anlage von Dachgärten in Kombination oder als Alternative zur energetischen Nutzung von Dächern. Damit können auch weitere ökologische Synergien wie Rückhalt von Regenwasser, Verbesserung des Stadtklimas oder Erhalt der biologischen Vielfalt erzielt werden. Gerade Mieter- oder Nachbarschaftsgärten könnten bei Neubaugebieten direkt in die Planung einbezogen werden. Und schließlich sollen die bereits jetzt aktiven Menschen besser miteinander vernetzt und bei der Kommunikation und Öffentlichkeitsarbeit unterstützt werden.

Weiterer Ablauf:

Die Vorlage zum Thema Gärtnern in Freiburg wird im Herbst in den gemeinderätlichen Gremien beraten.

Veröffentlicht am 21. August 2018
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