Spiegelvariante geprüft

Bebauungsplan zum neuen Stadion am 24. Juli im Gemeinderat

Das Stadion ist auf Kurs, sowohl finanziell als auch zeitlich. Die Ergebnisse der frühzeitigen Beteiligung von Öffentlichkeit und Behörden sowie der Fachgutachten sind in den Bebauungsplan eingeflossen. In der Sitzung des Gemeinderats am 24. Juli, der letzten vor der Sommerpause, sollen die Stadträtinnen und Stadträte über diesen Bebauungsplan „Neues Fußballstadion am Flugplatz“ entscheiden.

Die geplante Lage des neuen Stadions mit dem Flugplatz im Hintergrund. Visualisierung: HPP-Koester_Vogelperspektive-Stadion+Promenade_Freiburg

Die Ergebnisse in Bezug auf den Flugplatz Freiburg sind nahezu rundum positiv. Alle Untersuchungen haben den Nachweis erbracht, dass sogenannte „Luftverwirbelungen“ keine negativen Auswirkungen auf den Flugbetrieb haben werden. Die sehr strengen Risikomaßstäbe erfordern zwar an Spieltagen eine stundenweise Sperrung des Flugbetriebs – der zeitliche Gesamtumfang der Sperrungen liegt jedoch, bezogen auf das Gesamtjahr, im niedrigen einstelligen Prozentbereich. Auch für die Segelflieger gibt es eine positive Aussicht, dass sie – entgegen aller geäußerten Bedenken – bleiben können.

Die Drucksache und alle Anlagen zum Bebauungsplan gibt es im Ratsinformationssystem unter ris.freiburg.de

Die Ergebnisse aller eingebrachten Einwendungen liegen jetzt vor. Ein Schwerpunkt der Untersuchungen der letzten Monate war die von der Bürgerinitiative „Pro Flugplatz e.V.“ eingebrachte „Spiegellösung“. Diesen alternativen Stadion-Standort östlich der Landebahn mit Verlagerung der Flugplatzinfrastruktur auf die Westseite hat die Verwaltung überprüft und von einem Planungsbüro durchplanen lassen. Dieses hat sogar eine zusätzliche optimierte Planungsvariante erarbeitet. Die mehrmonatigen Untersuchungen durch die Verwaltung, unterstützt durch externe Fachgutachter, haben folgendes ergeben:
 
Die Spiegelvariante hat Vorteile, insgesamt gesehen überwiegen aber die Nachteile und sie ist insofern deutlich weniger geeignet als die Bebauungsplanvariante. Die Planungsziele einer funktionsfähigen Erschließung und ein sicherer Stadionbetrieb werden dort nicht erreicht. Für die politische Bewertung ist darüber hinaus zu bedenken, dass die Spiegellösung zu einer erheblichen Projektverzögerung und massiven Zusatzkosten führen würde.

In der umfangreichen Alternativprüfung der Spiegellösung konnten unter anderem folgende Vorteile gegenüber der Bebauungsplanvariante identifiziert werden:
 
1. der Eingriff in den Wolfsbuck entfiele
2. die Lärmbelastung für das Wohngebiet Mooswald durch Sportlärm wäre geringer
3. der Magerrasen würde weniger belastet.
4. die zusätzliche Haltestelle südlich des Stadions entfiele
 
Folgende Gründe fallen für die Spiegellösung jedoch nachteilig ins Gewicht:
 
Die Spiegellösung bietet nicht ausreichend Platz für einen Stadionstandort, denn die mögliche Bebauungsfläche ist rund 3 Hektar kleiner als in der Variante des Bebauungsplans. Die vorgelegten Skizzen der Spiegellösung täuschen: Die Spielfeldgröße ist deutlich zu klein eingetragen (nur 85 % der tatsächlich benötigten Fläche) und auch in der optimierten Fassung ist der zur Verfügung stehende Raum wesentlich kleiner als in der Bebauungsplanvariante.

Eine Entzerrung der Besucherströme auf dem Weg von der Stadtbahnhaltestelle zum Stadion ist dadurch nicht möglich. Für die zirka 10 000 Menschen, die vor und nach Spielbeginn zum Stadion strömen, ist dies ein erhebliches Sicherheitsrisiko. In der Bebauungsplanvariante ist dieser Korridor rund 800 Meter lang, in den beiden Varianten der Spiegellösung lediglich 220 bzw 150 Meter.


Die Spiegelvarianten in der Übersicht. Klicken, um PDF mit größerer Ansicht zu öffnen.

Die "Spiegelvariante", die von der Bürgerinitiative eingebracht wurde
Die "Spiegelvariante", die von der Bürgerinitiative eingebracht wurde.
Planungsvariante 1 mit einem engen Abstand zwischen Erschliessungsstrasse und Stadionkörper
Planungsvariante 1 mit einem engen Abstand zwischen Erschliessungsstrasse und Stadionkörper
Planungsvariante 2, ein Teil des Rollfelds ist auf die andere Seite der Start- und Landebahn verlegt, etwas mehr Platz am Stadion und ein Parkhaus an der Hermann-Mitsch-Strasse
Planungsvariante 2, ein Teil des Rollfelds ist auf die andere Seite der Start- und Landebahn verlegt, etwas mehr Platz am Stadion und ein Parkhaus an der Hermann-Mitsch-Strasse

Auch der Einsatz von Rettungs- und Ordnungskräften wäre durch die räumliche Enge in nicht verantwortbarer Weise beeinträchtigt.

Das Stadion rückt bei der Spiegellösung näher an die Start- und Landebahn, bzw. an die Grasbahn des Segelflugs. Dadurch ist ein Stadionkörper in ausreichender Höhe an dieser Stelle nahezu unmöglich. Die Spiegelvariante ließe im besten Fall nur eine Höhe von knapp 20 Metern zu, sechs Meter weniger als die Bebauungsplanvariante. Dadurch ergäben sich deutliche funktionale Probleme (Belichtung, Belüftung, Entfluchtung, Wegeführung, Andienung).

Die verkehrliche Erschließung schneidet in der Spiegelvariante deutlich schlechter ab. Die Erschließungsstraße, die zur Granadaallee hinführen würde, läge östlich der Start- und Landebahn. Das Staurisiko am Knoten Granadaallee/Herrmann-Mitsch-Straße steigt dadurch deutlich an. Die Bebauungsplanvariante erlaubt hingegen eine nahezu optimale Verteilung der Verkehrsströme in alle Richtungen. Die hier vorgesehene „Planstraße Ost“ zwischen Granada- und Madisonaallee kann auch im Alltagsbetrieb täglich 10 000 Fahrzeuge zur Entlastung der Hermann-Mitsch-Straße aufnehmen. Dies entlastet somit auch erheblich den Verkehr bei Zusammentreffen von Messe- und Stadionbetrieb. Diese Vorzüge entfallen bei der Spiegelvariante.

Ein wichtiges Planungsziel kann mit der Spiegelvariante nicht erreicht werden, da auf der Fläche keine Trainingsplätze realisiert werden könnten.

Die zeitnahe Flächenverfügbarkeit ist bei der Spiegelvariante nicht gesichert. Zwar haben die Mitglieder der Bürgerinitiative „Pro Flugplatz Freiburg e.V.“ ihre Mitwirkungsbereitschaft zugesichert, jedoch gibt es auch langfristige Pächter auf dem Flugplatzareal, die sich zur Verfügbarkeit ihrer Fläche noch nicht geäußert haben.

Durch die Verschiebung der gesamten Flugplatzinfrastruktur (Hallen, Tower, Tankstelle etc.) in Richtung Stadtteil Mooswald und Universitätsbebauung in der Spiegelvariante ist dort ganzjährig mit einer spürbaren Lärmmehrbelastung zu rechnen. Diese geht insbesondere auch auf den intensiven Hubschrauberbetrieb z.B. von Rettungs- und Einsatzhubschraubern, auch in der Nacht, zurück.

Darüber hinaus konnten mehrere angeführte Vorteile der Spiegellösung einer vertiefenden Prüfung nicht standhalten: Der einzige nachweisbar positive Effekt ist eine eventuell mögliche Reduzierung der Sperrzeit des Flugplatzes nach Spielschluss um ca. 30 min. Grundsätzlich ist jedoch auch bei der Spiegellösung eine mehrstündige Sperrung für den Flugverkehr an Spieltagen notwendig und bietet insofern auch keinen nennenswerten Vorteil.

Auch im Themenfeld Umwelt relativieren sich nach genauerer Prüfung die in der Argumentation vorgebrachten Vorteile: Zwar könnten unter Umständen bis zu 3,9 ha Magerrasen geschont werden, doch sind auch hier die Eingriffe in den Lebensraum der Dohlen erheblich.

Aufgrund des Flächenbedarfs für ein Parkhaus südlich des Möbelhauses XXX Lutz an der Hermann – Mitsch-Straße wäre der zur Realisierung eines Wohnungsbauprojekts notwendige Grundstückstausch nicht mehr möglich.

All dies sind für die Verwaltung gewichtige Gründe, an der vorgelegten Bebauungsplanvariante festzuhalten.

Aktuelle Kostenkalkulation

Für das neue Stadion und die Infrastruktur-Erschließung wurde 2014 eine Kostenprognose erstellt, die neben der technischen und verkehrlichen Infrastruktur die Kosten für die Fachgutachten und für benötigte Ausgleichsflächen sowie einen Kostenpuffer von 10 Prozent enthielt. Darüber hinaus ist es üblich, indexierte Baukostensteigerungen mit ein zu beziehen (in dem vorliegenden Fall wird von 4% pro Jahr ausgegangen, das ergibt dann ein Projektbudget von 60,5 Mio.

Die aktuelle Kostenschätzung geht jetzt von 55,2 Millionen Euro Gesamtkosten für die Infrastruktur aus. Diese bleiben also nach aktueller Schätzung unter den im Jahr 2014 prognostizierten Kosten. Die Ausgaben für die Bauleitplanung und auch für den ökologischen Ausgleich sind zwar gestiegen, andere Positionen werden nach derzeitigem Schätzungsstand geringer ausfallen.

Das Land bezuschusst den Neubau des Stadions mit insgesamt 16 Millionen Euro, davon sind 6,5 Millionen allein für die Infrastruktur vorgesehen. Außerdem übernimmt die Messe Freiburg einen Teil der Parkplätze für 3 Millionen Euro.

Die Investitionsbaukosten der Stadion Freiburg Objektträger GmbH & Co. KG ändern sich nicht, sie bleiben nach der Entscheidung für Köster GmbH/HPP Architekten gegenüber Sommer 2017 bei 76,5 Mio. Euro.

Baugenehmigung voraussichtlich im Oktober

Der vollständige Bauantrag liegt seit dem 10. April 2018 vor. Auf dieser Grundlage wurden die notwendigen Anhörungen und Beteiligungen mit den jeweiligen Fachbehörden und der Öffentlichkeit durchgeführt.

Für die Baugenehmigung und für die in diesem Rahmen eingegangenen Einwendungen ist das Regierungspräsidium zuständig, da die Stadion Freiburg Objetkträgergesellschaft (SFG) als städtische Tochter Antragstellerin ist. Derzeit werden die Einwendungen und Stellungnahmen bearbeitet. Schwerpunkt der laufenden Prüfungen der Bauantragsunterlagen sind die Bereiche Lärmschutz, Sicherheit und Barrierefreiheit. Es wird angestrebt, die Unterlagen Anfang August 2018 dem Regierungspräsidium vorlegen zu können, das von Anfang an in die Bearbeitung des Antrags eingebunden wurde.

Die Baugenehmigung für das neue Stadion könnte das Regierungspräsidium voraussichtlich im Oktober 2018 erteilen.

Bei der Erschließung der Infrastruktur geht es schon früher los: Am Montag, 9.Juli beginnen die Oberbodenarbeiten entlang der Trasse des Schmutzwasserkanals im Bereich der Straße Im Wolfswinkel. Dort wird der Schmutzwasserkanal verlegt, der später an das Stadion und an das Viertel der Universität angeschlossen werden soll. Ende des Jahres wird dann der Schmutzwasserkanal im Bereich des Parkplatzes hergestellt. Der dann noch fehlende Abschnitt in der Straße Im Wolfswinkel mit der Querung der Bahngleise wird 2019 mit der Gleissanierung der DB angegangen.

Planstraße Ost: Bauarbeiten sollen im September beginnen

Der Bauauftrag für die Planstraße Ost, die die Verbindung der Madisonallee und der Paduaallee herstellen soll, wird gerade ausgeschrieben. Diese Straße ist für die Erschließung des neuen Stadions sehr wichtig, da das Stadion so in Zukunft von Norden und von Süden angefahren werden kann. Um den Zeitplan einzuhalten, muss spätestens im September 2018 mit dem Bau der Planstraße Ost begonnen werden, für die Bauzeit sind ein-dreiviertel Jahre vorgesehen.

Veröffentlicht am 26. Juni 2018
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