Freiburg Festival 2018

Belgisches Künstlerpaar Peeping Tom tritt auf

Auch dieses Jahr findet vom 8. bis zum 16. Juni wieder das Tanz- und Theaterfestival Freiburg statt, dieses Jahr unter einem neuen Namen: Freiburg Festival 2018 - How close is far? Zu Gast sind Künstlerinnen und Künstler aus aller Welt. Mit dabei ist auch das belgische Künstlerpaar Peeping Tom. Sie führen ihr aktuelles Stück Moeder (Mutter) am Donnerstag, 14. Juni, um 20 Uhr im Theater Freiburg auf.

Ein nackter Mann klettert in einen Sarg. Im Hintergrund putzt eine Frau.
Peeping Tom: Für ihre Performances beginnt die Künstlergruppe meist mit einerrealistischen Ausgangssituation aus dem eigenen Leben. Von dort begeben sie sich auf abstraktere Ebenen, in mentale und parallele Welten. (Foto: olegdegtiarov)

Video zum Theaterstück : https://youtu.be/bLsum2sxUjc

Im aktuellen Stück Moeder (Mutter) des weltberühmten belgischen Künstlerpaars Peeping Tom (Gabriela Carrizo & Franck Chartier) stehen die unterschiedlichen, teils traurig kalten, teils humorvoll komischen Beziehungen zur Mutter, aber auch deren schmerzhafte Abwesenheit im Mittelpunkt. Im Gespräch verrät Gabriela ein bisschen mehr über das Stück und die Arbeit von Peeping Tom.

„Moeder“ ist der zweite Teil eurer Trilogie, die den Fokus auf die Familie legt. Was ist so spannend an dem Thema?

Mit dem Thema Familie hat sich Peeping Tom schon immer auseinandergesetzt. Dieses Mal liegt der Fokus aber gezielt auf den einzelnen Figuren wie der Mutter und dem Vater. Da wir die Stücke „Vader“ (Franck Chartier) und „Moeder“ (Gabriela Carrizo) zum ersten Mal allein choreografiert haben, sind die einzelnen Stücke auch jeweils mehr mit der persönlichen Sichtweise der Choreografin, des Choreografen verbunden. In Moeder geht es viel um die Wechselwirkung zwischen Geburt und Tod.

Wie bist Du in „Moeder“ vorgegangen? Wo liegt der Fokus?

In „Moeder“ habe ich mich bewusst dazu entschieden, mit einer Situation der Abwesenheit anzufangen. Die Figur der Mutter ist nicht da, sie fehlt. Ich wollte mit einer Perspektive beginnen, die eine gewisse Distanz herstellt und eine gewisse Kälte mit sich bringt. So ist auch das Bühnenbild entsprechend neutral aufgebaut, es spielt sich alles in einem öffentlichen, eher unpersönlichen Raum ab. Die angedeutete Atmosphäre einer Galerie verdeutlicht, wie Erinnerungen entstehen und Teil des öffentlichen Raums werden. Die Bilder an der Wand machen deutlich, wie es ist, mit Erinnerungen konfrontiert zu werden und wie wir uns damit auseinandersetzen.

„Moeder“ hast Du alleine choreografiert. Worin unterscheidet sich das Arbeiten alleine von den bisherigen Produktionen in Zusammenarbeit mit Franck?

Es ist sehr unterschiedlich. Das Schöne daran, alleine zu arbeiten und auch dem Partner als Hilfe von außen beizustehen ist, zu sehen, wie der andere arbeiten würde, wenn er die Freiheit hat, seinen eigenen Ideen nachzugehen. Für mich persönlich hat sich das daran gezeigt, dass ich Dinge ausprobiert habe, die ich nie versuchen würde, wenn wir zusammen ein Stück erarbeiten. Ein weiterer Unterschied zeigt sich in der Arbeit mit den Schauspielerinnen und Tänzern. Franck und ich ergänzen uns sehr gut, in der Arbeit allein konnte ich dagegen mehr Wert auf meine persönlichen Schwerpunkte legen, was viel langsamer und beobachtender ist.

Welche Rolle spielen Ton und Geräusche im aktuellen Stück?

Für mich persönlich ist „sound“ direkt mit der Mutterfigur verbunden. Meine Schwester hat es in ihrem Buch, das unserer Mutter gewidmet ist, schön formuliert: Das erste Geräusch in mir warst du. Von der Mutter kommt also die erste Verbindung in uns, in der Beziehung zur Welt. Im Stück gibt es darum viele Geräusche von Wasser und Flüssigkeiten. Zudem bringt der Ton eine weitere Schicht neben Bildern und räumlichem Empfinden. Oftmals helfen gerade Geräusche, alte Erinnerungen in uns zu wecken Vielleicht können wir auch dadurch das Publikum besser, auf einer zusätzlichen Ebene ansprechen und erreichen.

Aufführung: Do, 14.6., 20 Uhr im Großen Haus, Theater Freiburg.

Freiburg Festival 2018

8. bis 16. Juni 2018

Das ganze Programm und die jeweiligen Spielzeiten finden Sie unter  www.freiburgfestival.de

Das Freiburg Festival wird veranstaltet vom E-WERK Freiburg, dem Theater Freiburg und dem Theater im Marienbad, mit Unterstützung der Stadt Freiburg, der Baden-Württemberg Stiftung und der Sparkasse Freiburg sowie dem Nationalen Performance Netz NPN und dem Goethe-Institut.


Veröffentlicht am 08. Juni 2018
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