Krieg zieht ein ins Theater

Stück von Sprachkünstler Rainald Goetz im Kleinen Haus

Diesen Freitag kommt ein spannungsgeladenes Stück ins Theater, denn es geht um nichts Minderes als Krieg. Dabei wird jedoch nicht wie in der großen Weltgeschichte üblich mit Waffen und Munition gekämpft. Vielmehr handelt es sich im dreiteiligen Stück von Rainald Goetz um sprachgewandte Auseinandersetzungen in verschiedenen Räumen.

Theater-Schauspieler während des Stücks, vier Personen versuchen eine Person zu stürzen.
Umsturz des Patriarchats: Im familiären Kreise wird die despotische Vaterfigur gestürzt, weil jeglicher Dialog scheitert. Foto: Laura Nickel

Das Schlachtfeld bildet in der Freiburger Inszenierung zunächst der engste Kreis der Familie, deren Leben sich um die despotische Vaterfigur dreht. Dieser macht seine Familie für das eigene Scheitern verantwortlich, was er ihr wortgewaltig vorzuwerfen weiß. Dem haben die Verwandten wenig entgegen zu setzen, doch gerade durch ihr kontinuierliches Schweigen zwingen sie das Patriarchat schließlich in die Knie. Goetz geht es weniger um den Austragungsort des Kampfes als vielmehr um die Frage, wie Revolutionen entstehen. Die Sprache ist dabei verbindendes Element des Theaterstücks und Auslöser des Umsturzes.

Die Stimmen seiner Zeit fängt Goetz im Teil „Heiliger Krieg“ auf, einer Zeit voller Aufstände und Revolutionen. Dementsprechend ist der im Theater an zweiter Stelle aufgeführte Teil geprägt von Zitaten und Referenzen der 68er-Revolte und der RAF. Aber auch den Nationalsozialisten anhängende Denker wie Heidegger finden einen Platz nebst „mündigen Bürgern“, die zu einer kritischen Masse in einem revolutionären Sprachchor verschmelzen.

Im letzten Teil „Kolik“ schließlich wird der Schauplatz auf einen einzigen Monolog verengt im Kampf des Individuums mit und gegen sich selbst. Obgleich dem Protagonisten die gesamte Bühne zur Verfügung steht, bleibt er eingeengt und gefangen im eigenen Körper, was keinen anderen Ausweg zuzulassen scheint als den Tod.

Die unterschiedlichen Formen von Aufstand und Revolution werden durch Bühnenbild und Kostüm veranschaulicht und unterstreichen die unterschiedlichen Spiel und Erzählformen der einzelnen Textteile. Premiere feiert das Stück am 13. April um 20 Uhr im  Kleinen Haus des Theater Freiburg.

Premiere

Fr, 13.4. 20 Uhr
Weitere Termine unter www.theater.freiburg.de


Veröffentlicht am 12. April 2018