Ehe für Alle, Babyboom und barfuß im Trauzimmer

So war das Jahr 2017 für das Standesamt

Das Leben schreibt die besten Geschichten – und das Standesamt erzählt sie regelmäßig in seiner Jahresbilanz. Nun liegt die aktuelle Statistik für das Jahr 2017 vor, die wieder jede Menge Zahlen, Fakten aber auch Rekorde, Trends und Anekdoten liefert.

Zwei Luftballons, einer gelb, einer blau, mit Namen darauf: Auf dem gelben Luftballon steht Sophia, auf dem anderen Lufballon steht Jakob. Im Hintergrund ist ein hellblauer Himmel mit Wolken zu sehen.
Lieber ein klassischer Name wie Jakob oder Sophia, oder doch etwas Ausgefallenes auf Englisch? So richtig wollten sich die Elternpaare 2017 nicht festlegen: noch nie gab es so viele unterschiedliche Erstvornamen wie in diesem Jahr.

In welchem Monat heirateten die meisten Paare? Wie viele Babys sind 2017 in Freiburg auf die Welt gekommen? Und was waren die beliebtesten Vornamen? Das alles beantwortet die Jahresbilanz des Standesamts. Ein Highlight vorneweg: Noch nie in seiner Geschichte hat das Standesamt Freiburg so viele Geburten beurkundet. Sogar der bisherige Rekord aus dem Babyboomjahr 1966 wurde weit übertroffen. Kreativ waren die Eltern auch bei der Namensgebung: Von Klassikern bis hin zu ausgefallenen Namen ist alles zu finden. Auch bei den Trauungen gab es ein deutliches Plus. Vor allem im Dezember, der Monat mit den meisten Eheschließungen, zeigten sich Paare heiratswillig. Hinzu kamen ab Oktober 2017 die mit Spannung erwarteten ersten gleichgeschlechtlichen Ehen.

Geburtenrekord von 1966 übertroffen

2017 gab es so viele Geburten wie noch nie: 5.540 Babys erblickten in Freiburg das Licht der Welt, das übertrifft den bisherigen Rekord von 5.396 Babys aus dem Jahr 1966. Schon in den letzten Jahren ist die Geburtenanzahl immer weiter gestiegen, 2015 wurde die 5.000er Grenze überschritten. Von den über 5.000 Babys waren etwas mehr Jungen (2.825) als Mädchen (2.715) dabei. Gezählt werden nicht nur Kinder von Freiburgerinnen und Freiburgern sondern alle Kinder, die hier geboren und beurkundet werden. Etwas mehr als die Hälfte der frisch gebackenen Eltern kam aus dem Umland in die Freiburger Kliniken.

84 Babys haben zu Hause das Licht der Welt erblickt, das waren 14 Kinder weniger als im Vorjahr. Ein Junge fand jedoch weder die Klinik, noch die eigenen vier Wände attraktiv: Weil es besonders schnell ging, kam der neue Erdenbürger auf offener Straße in Littenweiler zur Welt. Die Mutter war vorher in einer Klinik, dort hieß es, bis zur Geburt würde es noch etwas dauern. Während der Geburt war aber ein Arzt vor Ort. Auch zwei weitere Babys setzten ihren ganz eigenen Trend: Eines wurde am 13. April um 13.04 Uhr geboren, ein anderes am zweiten Hochzeitstag der Eltern.

Nicht alleine, dafür zu zweit auf die Welt gekommen sind 124 Zwillingspaare, genau so viele wie im Jahr davor. Auch eine Drillingsgeburt gab es, im Vorjahr waren es zwei – und in allen drei Fällen waren es nur Mädchen.

Mit 27 Neugeborenen war der 25. September der geburtenreichste Tag im Jahr, der beliebteste Monat um auf die Welt zu kommen war der Sommermonat August (517 Geburten), die wenigsten Geburten gab es im Februar (419). Die jüngste Mutter war 14 Jahre alt, die älteste 48. Der älteste Vater war knapp 70, die Mutter seines Kindes 44 Jahre jünger.

Wo es Leben gibt, gibt es leider auch den Tod. 20 Kinder kamen tot zur Welt, acht weniger als im Vorjahr. Insgesamt sind 2017 in Freiburg 3.065 Menschen verstorben, 88 mehr als im Vorjahr. Damit wurde zum zweiten Mal seit Ende des Zweiten Weltkrieges die Grenze von 3.000 Verstorbenen überschritten. Mehr waren es nur 2015 mit damals 3.207 Sterbefällen. Betroffen waren ähnlich viele Frauen (49,5 Prozent) wie Männer (50,5 Prozent). Etwas mehr als die Hälfte der hier Verstorbenen hatte auch in Freiburg gewohnt.

Lieblingsnamen: Sophia/Sofia und Jakob/Jacob sind die Spitzenreiter

Der nächste Rekord spricht für die ausgesprochene Kreativität der Eltern: noch nie konnte das Standesamt so viele unterschiedliche Erstvornamen verzeichnen wie in diesem Jahr: 1.975 verschiedene Vornamen gab es. Auf Platz eins der beliebtesten Erstvornamen stehen im Jahr 2017 Sophia/Sofia für die Mädchen und Jakob/Jacob für die Jungen – und das schon zum vierten Mal. Am zweithäufigsten wurde für die Mädchen der Name Clara/Klara und für die Jungs Ben gewählt. Namen ablehen musste das Standesamt 2017 nicht.

Hier eine Auswahl an Neuzugängen weiblicher Vornamen, die es gleich in die Top Zwanzig geschafft haben: Leni, Maya/Maja/Maia, Emily/Emilie, Greta, Nora oder auch Lia. Auch bei den Jungs gab es solche Überflieger: Liam, Theo, Nicklas/Niclas, Vincent, Linus und Mats/Mads waren neu dabei und sehr beliebt.

An ausgefallenen Namen mangelte es ebenfalls nicht: ein Mädchen erhielt den Namen Renesmée, eine Mischung der Namen Renée und Esme, inspiriert vom Fantasy-Film Twilight. Reneé bedeutet wiedergeboren auf lateinisch, Esme der Smaragd oder die Geliebte. Ein anderes Mädchen erhielt den Namen Hermine, benannt nach einer Hauptfigur aus Harry Potter. Auch Superhelden dienten als Inspiration bei der Namensfindung: Ein Paar nannte seinen Jungen Kal-El, in Anlehnung an den eigentlichen Namen von Superman. Englischsprachige Namen wie Marvelous (fabelhaft), Wisdom (Weisheit), Faith (Glaube) oder Victory (Sieg) waren auch dabei. Ein männliches Zwillingspaar erhielt die Namen Godstime und Godspower (Zeit und Kraft Gottes).

Heiratsmonat Dezember und Ehe für Alle

Beim Thema Trauungen hat das Standesamt ebenfalls zwei kleine Rekorde zu vermelden: Im Freiburger Rathaus gab es 2017 mehr Ja-Worte als jeweils in den zehn Jahren zuvor. Insgesamt wurden 1.184 Ehen geschlossen, 120 mehr als im Vorjahr. Nicht unschuldig am Hochzeitshoch war der Dezember: Hier ging es im historischen Trauzimmer so rund, dass das Standesamt einen Ehe-Rekordmonat verzeichnen konnte: Mit 176 Trauungen waren die Termine mehr als ausgebucht. Sehr beliebt waren wie immer auch die Sommermonate, der Juli war mit glatten 150 Trauungen der zweitbeliebteste Heiratsmonat des Jahres. Zum Vergleich: Im weniger gefragten Januar wurden im Freiburger Rathaus 27 Ehen geschlossen.

Drei Trauungen fanden wegen lebensbedrohlicher Erkrankung in der Klinik oder zu Hause statt, eine im Gefängnis. Zwei Paare haben sich nach einer Scheidung erneut füreinander entschieden, genauso viele waren es schon in den beiden Jahren zuvor. Ein weiteres geschiedenes Paar hatte sich 2017 statt für eine erneute Hochzeit für ein gemeinsames Kind entschieden.

Erstmals flossen mit der Einführung der „Ehe für Alle“ ab 1. Oktober auch die gleichgeschlechtlichen Ehen in die Zählung ein. In den drei Monaten bis Jahresende haben die Standesbeamtinnen bereits 38 gleichgeschlechtliche Ehen geschlossen – in 31 Fällen wurde dabei eine bestehende Lebenspartnerschaft umgewandelt.

Kuriose Geschichten aus dem Trauzimmer

Wie unterschiedlich jeder Mensch und auch jedes Brautpaar ist, zeigen diese Geschichten direkt aus dem Trauzimmer: Während einer Hochzeit war der Trauzeuge des Ehemannes der Ex-Mann der Braut. Sicher etwas, was nicht alle Tage geschieht. Da eine Braut einfach keine passenden Schuhe zu ihrem Brautkleid gefunden hat, kam sie barfuß zur Trauung. Solidarisch schlossen sich ihr Bräutigam und die Trauzeugen an. Für Manche schlägt wohl gleich das Fastnachtsherz höher: Ein gleichgeschlechtliches Paar heiratete am 11. November um 11 Uhr. Dementsprechend närrisch waren das Brautpaar und die Hochzeitsgäste verkleidet.

Kreativität bewiesen die Brautpaare auch beim Thema Eheringe: Ein Brautpaar bastelte seine Ringe selbst aus Papier, ein anderes brachte zur Trauung einen Stempel mit dem Aufdruck "Ehering" mit, der dann auf den jeweiligen Finger aufgetragen wurde. Den Spruch "Glück im Spiel, Pech in der Liebe" schreckte das nächste Brautpaar nicht ab: Sie füllten während der Trauung einen Lotto-Schein aus. Ob sie den Jackpot geknackt haben, erfuhr das Standesamt leider bis heute nicht.

Rührend ist die Geschichte eines weiteren Brautpaares: Sie lernten sich in einer Herzklinik kennen, während sie beide zu Nachsorgeuntersuchungen dort waren. Beide hatten ein neues Herz erhalten und es gleich aneinander verschenkt.

Veröffentlicht am 26. Januar 2018
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