»Ich ergebe mich« heißt die Luftballon-Installation der international renommierten iranischen Künstlerin Parastou Forouhar, die ab dem 22. Juni an verschiedenen Orten in Freiburg zu sehen ist. Die ungewöhnliche Installation, die bereits in Rom, Frankfurt, Berlin, Karlsruhe und sogar, trotz der drohenden Gefahren durch das Regime, in einer Galerie in Teheran gezeigt wurde, gehört zum Programm der von Nicoletta Torcelli kuratierten Ausstellung »luftig... flüchtig«, die derzeit im Kunsthaus L6 stattfindet.
Parastou Forouhars Arbeit »Ich ergebe mich« hat auf den ersten Blick etwas Leichtes, Spielerisches. Doch wer die Motive auf den mit Helium gefüllten Luftballons näher betrachtet, wird mit Folterszenen und Gewalt konfrontiert. Was auf den ersten Blick elegant und filigran wirkt, offenbart beim näheren Hinsehen seinen Schrecken: Der Betrachter erkennt Zeichnungen von ausgepeitschten und hingerichteten Menschen. »Eine Ambivalenz, die man aushalten muss – den Moment, in dem alle Schönheit bricht und sich in Grausamkeit verwandelt, die Schönheit aber dabei nicht verloren geht«, so die Künstlerin über ihre Arbeit.
Parastou Forouhar, geboren 1962 in Teheran, kam im Rahmen ihres Kunststudiums 1991 nach Offenbach, wo sie bis heute lebt. Ihre Eltern, beide bekannte Oppositionelle, fielen im Herbst 1998 in ihrem Teheraner Haus einem politisch motivierten Attentat zum Opfer. Die Friedensnobelpreisträgerin und Anwältin Shirin Ebadi setzt sich seit Jahren vor Gericht für die Aufklärung der Morde ein. Parastou Forouhar fährt jährlich nach Teheran, um den Todestag ihrer Eltern zu begehen. Seit einigen Jahren wird von staatlicher Seite jede Form der Zeremonie unterbunden. 2009 wurde Forouhar wochenlang unter Hausarrest gestellt und an der Rückreise nach Deutschland gehindert. Eine Publikation von Parastou Forouhar über diese jährliche Gedenkveranstaltung – »Das Land, in dem meine Eltern umgebracht wurden. Liebeserklärung an den Iran« – erscheint im September 2011 im Freiburger Herder Verlag.
Auftakt der Ballon-Installation »Ich ergebe mich« ist am Mittwoch, 22.6., um 18.30 Uhr im Foyer des Theater Freiburg, wo bis zum 27.6. insgesamt 200 Ballons schweben werden (geöffnet täglich ab einer Stunde vor Beginn der jeweiligen Theatervorstellung im Großen Haus). Es folgen Aktionen im E-Werk, in der Galerie Post Fine Arts, im Foyer des Alten Wiehrebahnhofs und am Samstag, 16.7. beim Mittsommernachtstisch als Beitrag des Theater im Marienbad.
Mehr über Parastou Forouhar: www.parastou-forouhar.de
Die Künstlerin in einer Diskussion auf ARTE: http://videos.arte.tv/de/videos/debatte-3976322.html

