Eine ursprünglich in der Stadtbibliothek geplante Ausstellung über das Schicksal der Palästinenser hat die Stadt wegen Einseitigkeit abgesagt. Die Ausstellung, die zwischen dem 12. und 27. November von dem Verein Café Palestine dort gezeigt werden sollte, thematisiert „Die Nakba – Flucht und Vertreibung der Palästinenser 1948“.
Die Ausstellung wurde vom Verein „Flüchtlingskinder im Libanon e.V.“ erstellt. Seit dem Jahr 2008 wurde die Wanderausstellung in mehreren Dutzend Städten – vor allem in evangelischen Kirchengemeinden – gezeigt. Auf insgesamt 14 Tafeln beleuchtet die Ausstellung die Nahostgeschichte seit den ersten jüdischen Einwanderungen, die Staatsgründung Israels, die Flucht der Palästinenser und die Situation der Flüchtlinge heute.
Nach kritischer Durchsicht der Tafeln durch die Stadtverwaltung wurde deutlich, dass die Ausstellung trotz vieler zutreffender Aussagen die Alleinverantwortung für die Vertreibung der Palästinenser den Israelis anlastet. Die palästinensischen Araber als verantwortlich und aktiv Handelnde in diesem Konflikt kommen in der Präsentation nicht vor.
Keine Rede ist beispielsweise von den antisemitisch motivierten arabischen Pogromen, die bereits seit Mitte des 19. Jahrhunderts und vor allem nach 1945 in den jüdischen Siedlungsgebieten des arabischen Raumes stattfanden. Diese andere „Nakba“ (deutsch: Katastrophe) bedeutete Flucht und Vertreibung für Hunderttausende arabischer Juden, die ihre Heimat verlassen mussten und in Israel aufgenommen wurden.
Unerwähnt bleibt auch die Tatsache, dass Hitlerdeutschland die Gründung des Staates Israel verhindern wollte und dabei mit den palästinensischen Arabern, allen voran mit dem geistigen und politischen Führer und Großmufti von Jerusalem, Mohammed Amin al-Husseini aufs engste kooperierte und sowohl ideologisch wie materiell unterstützte.
Und keine Rede ist davon, dass die arabischen Anrainerstaaten die Palästinenser zur Evakuierung der Kampfgebiete vor dem Angriffskrieg auf Israel 1948 aufforderten. Seit Jahrzehnten bilden die palästinensischen Flüchtlinge eine politische Manövriermasse, die den arabischen Staaten als politisch-moralisches Druckmittel gegen Israel dient.
Ebenfalls nicht erwähnt ist, dass die PLO als politische Repräsentanz der Palästinenser das Existenzrecht Israels in ihrer Gründungserklärung verneinte, sowie es heute noch Hamas, Hisbollah oder manche arabische Staaten tun und mit Attentaten und Raketenagriffen auf Israel unterstreichen. Die Ausstellung berücksichtigt überdies nur den Zeitraum vor 1949 sowie die Gegenwart, nicht jedoch die dazwischen liegenden 60 Jahre, in denen sich das Flüchtlingselend und die Unversöhnlichkeit der Lager noch verschärft haben. Auch an dieser Entwicklung waren die Palästinenser und ihre arabischen Unterstützer nicht unbeteiligt.
Erst mit der Gründung des Staates Israel konnte die tausendjährige Zeit der Pogrome gegen das jüdische Volk beendet werden. Dass Auschwitz sich nicht wiederholen darf und auch der Staat Israel hierfür ein Garant ist, ist die zentrale Lehre, die aus dem Nationalsozialismus zu ziehen ist.
„Einseitige Schuldzuweisungen und Freund-Feind-Schemata fördern nicht die Einsicht in die komplizierten Zusammenhänge im Nahen Osten und tragen nicht zu einer Verständigung und friedlichen Entwicklung bei, sagte Oberbürgermeister Dieter Salomon zur Absage der Ausstellung. Deshalb sei die Stadt nicht gewillt, verzerrende und polarisierende Darstellungen in einer ihrer wichtigsten Bildungseinrichtungen, der Stadtbibliothek, zu zeigen.
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