Unter dem Titel „Urban Audit“ führt EUROSTAT, das statistische Amt der Europäischen Union (EU), seit 2003 alle zwei Jahre eine europaweite Datensammlung zur städtischen Lebensqualität durch. Dabei werden rund 350 statistische Informationen auf gesamtstädtischer Ebene erhoben und durch Angaben zu Regionen und Stadtteilen ergänzt. Die Daten stammen aus den Themenfeldern Demographie, Soziales, Wirtschaft, Bildung, Transport und Verkehr, Bürgerbeteiligung und Umwelt.
Die Erhebung dieser statistischen Daten wurde ergänzt durch subjektive Einschätzungen von Bürger/innen aus 75 von der EU ausgewählten Städten. Diese repräsentative Befragung fand nach 2004 und 2006 im Jahr 2009 zum dritten Mal statt, die nächste ist für 2012 geplant. In Deutschland ließ die EU die Befragung in Berlin, Hamburg, Essen, Dortmund, Rostock und Leipzig durchführen. Um entsprechende Befragungsdaten zu erhalten, gründete ein Teil der deutschen Städte, die an der Urban-Audit-Datensammlung beteiligt und im Verband Deutscher Städtestatistiker organisiert sind, die „Arbeitsgemeinschaft koordinierte Umfragen zur Lebensqualität“ und ließen repräsentative Umfragen mit weitgehend identischen Fragebögen durchführen. Neben Freiburg sind das für die Erhebung 2009 Augsburg, Bielefeld, Braunschweig, Darmstadt, Düsseldorf, Frankfurt/Main, Fürth, Heilbronn, Koblenz, Köln, Konstanz, Mannheim, München, Nürnberg, Oberhausen, Saarbrücken, Stuttgart, Wiesbaden und Zwickau.
Mit der städtischen Infrastruktur zeigen sich die Freiburger/innen mehrheitlich zufrieden. Insbesondere die Gesundheitsversorgung durch Ärzte und Krankenhäuser entspricht den Erwartungen (92,6%). Auch der öffentliche Nahverkehr stößt bei der Kundschaft auf große Zustimmung: 90,4 Prozent äußern sich positiv. Nicht ganz so gut schneiden die Schulen mit 76,8 Prozent Zustimmung ab. Neben den Schulen wurden lediglich die Punkte „Grünflächen“, „Schönheit von Straßen und Gebäuden“ und „Sportanlagen“ von mehr als einem Zehntel der Befragten nicht positiv bewertet.
53,2 Prozent der Interviewten schätzen die Stadtverwaltung als kompetente Ansprechpartnerin. Die Frage, ob die Stadt mit ihren Finanzen verantwortungsvoll umgeht, beantworteten 57,4 Prozent positiv. Das bedeutet eine deutliche Verbesserung gegenüber 2006, als lediglich 31,1 Prozent dieser Meinung waren. Den Grund für den Imagewandel sehen die Statistiker in den Bemühungen von Verwaltung und Gemeinderat, den Haushalt durch Einsparungen zu konsolidieren. Außerdem hat offenbar der Beteiligungshaushalt 2009/2010 dazu beigetragen, die Bürgerschaft für dieses Thema zu sensibilisieren.
Damit nimmt Freiburg bezüglich der Infrastruktur im Vergleich mit den 20 Städten der Arbeitsgemeinschaft überwiegend Spitzenwerte ein. Lediglich bei kulturellen Einrichtungen wie Konzerthäusern, Theater, Museen oder Büchereien rangiert Freiburg hinter Großstädten wie München, Berlin, Leipzig, Hamburg oder Frankfurt/Main, die schon aufgrund ihrer Größe über ein wesentlich breiteres Kulturangebot verfügen. Auch der Vergleich mit den Ergebnissen der Befragung, welche die EU in 75 Städten in Auftrag gegeben hat, zeigt, dass der Zufriedenheitsgrad der Freiburger/innen mit der Infrastruktur ihrer Stadt auch im internationalen Vergleich zur Spitze gehört. Besonders gut schneidet Freiburg beim öffentlichen Nahverkehr, in der Gesundheitsversorgung, bei Sportanlagen und öffentlichen Flächen ab.
Luftverschmutzung, Lärm und Sauberkeit sind Faktoren, die das sich Wohlfühlen in der Stadt beeinflussen. Jeweils ein Drittel der Befragten nehmen die ersten beiden Punkte als Problem wahr (Luft: 32%, Lärm: 34,6%). Die überwiegende Mehrheit (87,4%) findet, dass Freiburg eine saubere Stadt ist.
Fast alle, die an der Befragung teilnahmen, sind zufrieden, in Freiburg zu leben – insgesamt 94,4 Prozent. Zudem sind die Interviewten mehrheitlich der Auffassung, dass sich die Lebensqualität in der Stadt noch weiter steigern lässt: 55,1 Prozent sehen das so. Dass es nicht mehr sind, liegt wohl an der Auffassung vieler, dass die „Premium“-Lebensqualität in Freiburg nicht weiter zu verbessern ist.
In ihrer unmittelbaren Nachbarschaft fühlen sich die meisten Freiburger/innen sicher: 82,5 Prozent der Befragten gaben an, sich in ihrem Wohnumfeld nie gefährdet zu sehen. Bezogen auf die Gesamtstadt gibt es deutliche Unterschiede zwischen Tag und Nacht. Während sich 88 Prozent tagsüber in Freiburg immer sicher fühlen, sinkt der Wert für die Nachtstunden auf 41,4 Prozent.
Im Vergleich mit der Bürger/innensicht in anderen deutschen Städten sind Luftverschmutzung und Lärm in Freiburg ein vergleichbar geringes Problem. Gemeinsam mit Konstanz ist Freiburg die Stadt, in der die Befragten die größte Zufriedenheit darüber äußern, in ihr zu wohnen. Zudem empfinden die Interviewten Freiburg als relativ sauber. In puncto Sicherheitsgefühl in der Nachbarschaft rangiert Freiburg trotz hoher Werte lediglich auf Platz 20 von 26 genannten Städten. Bezüglich der Sicherheit tagsüber erreicht es nach Konstanz, München, Fürth und Braunschweig Rang 5, hinsichtlich nächtlichen Sicherheitsempfindens Platz 4 nach München, Fürth und Konstanz.
Im europäischen Vergleich wird ein enger Zusammenhang zwischen Lärmbelastung und Luftverschmutzung in den Städten deutlich. Freiburg zählt dabei zu den Städten, in denen man diese Faktoren als wenig problematisch empfindet.
Deutlich kritischer sehen die Befragten den Freiburger Wohn- und Arbeitsmarkt. So stimmen 71 Prozent der Befragten der Aussage, es sei einfach, in Freiburg eine gute Arbeit zu finden, nicht zu. Noch pessimistischer sehen sie die Möglichkeit, eine gute Wohnung zu einem vernünftigen Preis zu finden. 90 Prozent sind nicht dieser Ansicht. Der bundesweite Vergleich zeigt: Während Freiburg bezüglich der Chancen auf dem Arbeitsmarkt aus Bürgersicht im Mittelfeld rangiert, nimmt es bei der Frage nach Möglichkeiten der Wohnversorgung den vorletzten Platz vor Konstanz ein.
Der europäische Vergleich bestätigt die Vermutung, dass sich gute Arbeits- und Wohnmöglichkeiten in Städten gegenseitig ausschließen.
Das soziale Klima einer Stadt hängt unter anderem davon ab, ob Ausländer/innen gut integriert sind, ob Armut ein Problem ist und ob die Bewohner/innen einander trauen.
55,9 Prozent der Interviewten halten die in Freiburg lebenden Ausländer für gut integriert. Bemerkenswert: Befragte mit nichtdeutscher Staatsbürgerschaft (68%) stimmen der Aussage stärker zu als Deutsche (59%). Eine überwiegende Mehrheit von 85,9 Prozent ist darüber hinaus der Meinung, dass man den Menschen in Freiburg trauen kann. Dass Armut ein Problem darstellt, finden 52 Prozent der Befragten.
Im Vergleich mit anderen deutschen Städten liegt Freiburg bei der Ausländerintegration im Mittelfeld, bei der Frage der Vertrauenswürdigkeit der Mitbürger/innen im oberen Drittel und bei der Frage, ob Armut ein Problem darstellt, auf dem vorletzten Platz.
Das 56 Seiten starke Heft „Urban Audit: Lebensqualität aus Bürgersicht – Deutsche und europäische Städte im Vergleich“ ist in der Reihe „Beiträge zur Statistik“ des Amts für Bürgerservice und Informationsverarbeitung, Fahnenbergplatz 4, 79098 Freiburg, erschienen. Es enthält zahlreiche Grafiken und einen ausführlichen Tabellenteil. Das Heft ist für 10 Euro plus Versandkosten erhältlich. Bestellungen werden per Fax unter der Nummer 0761/201-5598 entgegen genommen sowie per E-Mail unter statistik@stadt.freiburg.de.

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