Das Kompetenzzentrum „Frühe Hilfen“ ist vor wenigen Tagen in die oberen Stockwerke der Günterstalstraße 17 eingezogen und beweist, dass schnelle Erfolge auch dann möglich sind, wenn viele Ämter und Fachstellen gleichzeitig in ein Projekt involviert sind: Nur zwölf Wochen vergingen seit dem Gemeinderatsbeschluss bis zur Eröffnung der Anlaufstelle, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Kinder in den ersten Lebensjahren zu schützen und zu fördern.
Noch sind nicht alle Umzugskisten ausgepackt, die Aktenordner leer, und auf dem einzigen unbesetzten Schreibtisch wippt ein Holzschaukelpferd. Fünf von zukünftig sechs Fachkräften haben ihre Arbeit im Kompetenzzentrum „Frühe Hilfen“ aber schon angetreten und stehen interessierten oder hilfesuchenden Besuchern seit dieser Woche mit Rat und Tat zur Seite. Das multidisziplinäre Beratungsteam setzt sich aus zwei Heilpädagoginnen (je 50 Prozent), einer Sozialpädagogin, einer Psychologin (50 Prozent) und einer Kinder- und Jugendärztin (75 Prozent) zusammen.
„Frühe Hilfe“ lautet nicht nur der Name der neuen Anlaufsstelle, sondern ebenso ihre Zielsetzung – und dies im doppelten Sinne: Zum einen ist die Arbeit auf den Schutz und die Förderung in den frühen Kindheitsjahren ausgerichtet, in der gewollte oder ungewollte Missstände schwerwiegende seelische und körperliche Folgen haben können. Zum anderen soll die Unterstützung nicht erst dann greifen, wenn es brennt, wie Wolfgang Jaede, Psychologe und Leiter des Zentrums, betont. Prävention statt Intervention lautet die Devise.
Die Tür zur Beratungsstelle steht zum einen interessierten Eltern auf. Aber auch Hebammen, Erzieher, Ärzte, Therapeuten, Angehörige oder besorgte Nachbarn können sich in Fragen rund um den Schutz und die Förderung der Kleinsten beraten lassen. Egal ob es dabei um erzieherische oder psychische Belastungen geht, um junge Elternschaft, Krankheit, Überforderung oder andere Unsicherheiten und Konflikte: Die Ratsuchenden finden hier ein offenes Ohr und eine umfassende, anonyme Beratung.
Gebündeltes Fachwissen
Das Zauberwort, das eine passgenaue Weitervermittlung ermöglichen soll, lautet Vernetzung: Bereits 2007 begann das Sozial- und Jugendamt, das wissenschaftlich begleitete Netzwerk „Frühe Hilfen“ aufzubauen. Ziel war und ist es, die Arbeit der vielen einzelnen Förder- und Beratungsinitiativen in Freiburg zu bündeln und besser zu koordinieren. Inzwischen gehören über 50 Fachkräfte aus Jugend- und Gesundheitshilfe, Pädagogik, Medizin und Wissenschaft dem Bündnis an. Das Team im neuen Kompetenzzentrum kann bei seiner Arbeit auf das dort gebündelte Fachwissen zurückgreifen. Gleichzeitig unterstützen die Mitarbeiter die Koordination und Qualifizierung der Netzwerkpartner. Die in der Anlaufstelle tätigen Heilpädagoginnen werden auch selbst Fachstellen und Kindertageseinrichtungen aufsuchen, um dort über das Thema Kinderschutz zu infomieren.
Eine Begegnung auf Augenhöhe soll im Mittelpunkt der Beratung stehen, wie Jaede unterstreicht: „Wir möchten die Eltern als Partner gewinnen und den Blick auf ihre Stärken richten.“
Dass die Bemühungen dringend und lohnenswert sind, steht außer Frage: Die Zahl der Inobhutnahmen, bei denen Kindern aufgrund akuter Gefährdung aus ihren Familien herausgenommen werden, stieg auch in Freiburg in den letzten Jahren von 60 auf alarmierende 130 Fälle an. Marianne Haardt, Leiterin des Sozial- und Jugendamts, schätzt, dass bis zu 20 Prozent der Kinder unter vier Jahren von der Anlaufsstelle „Frühe Hilfen“ profitieren werden. Langeweile wird sich in die neuen Räume des Kompetenzzentrum also nicht einschleichen.
Gemeinsam mit der Anlaufstelle „Frühe Hilfen“ zog auch die Beratungsstelle für Eltern, Kinder und Jugendliche, bisher in der Jacobistraße vertreten, in die Günterstalstraße 17 um (Tel. 8 96 41 30). Beide Stellen wollen so besser voneinander profitieren, arbeiten aber unabhängig voneinander. (ea)
Kontakt: Das Kompetenzzentrum befindet sich in der Günterstalstr. 17 (barrierefrei), Haltestelle Johanneskirche (Linien 2,3,5). Öffnungszeiten: Mo bis Fr, 9–12 Uhr / Di und Do 14–16 Uhr. Tel. 8 96 41 40, Mail: kompetenz@stadt.freiburg.de.
Weitere Informationen unter www.freiburg.de/fruehehilfen




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