Der „Enkeltrick“ zählt zu den bekanntesten Täuschungen, mit denen sich Betrüger telefonisch das Geld älterer Menschen ergaunern wollen: Die Täter suchen im Telefonbuch nach älteren Namen und beginnen ihren Anruf beispielsweise mit der Frage: „Rate mal, wer am Telefon ist?“ Die Betrüger hoffen, als vermeintlicher Enkel, Neffe oder Freund erkannt zu werden, um anschließend eine Notlage zu schildern, in der sie dringend Geld bräuchten. Fahnder der Kölner Polizei verhafteten vergangenen Sommer eine Trickbetrügerin, die auf diese Weise 30000 Euro erbeutet hatte.
Doch zählen Senioren tatsächlich zu einer besonders gefährdeten Gruppe? Wie sind die Gefahren in Freiburg einzuschätzen, und wie können sich ältere Menschen schützen und informieren? Die Veranstaltungsreihe „Sicherheit für Ältere in Freiburg“ geht diesen Fragen nach und lädt interessierte Senioren von 22. bis 26. März zu verschiedenen Vorträgen rund um das Thema ein.
Das Amtsblatt hat sich im Vorfeld bei Berthold Fingerlin, stellvertretender Leiter der Polizeidirektion Freiburg, schlau gemacht:
Fingerlin: Dies ist in der Tat der Fall. Die Polizeiliche Kriminalstatistik beweist nicht nur auf Bundesebene, dass Menschen ab 60 Jahren deutlich seltener von Gewaltkriminalität betroffen sind als andere Altersgruppen. Es handelt sich also um ein subjektives Gefühl, das zwar für die Betroffenen belastend ist, aber erfreulicherWeise nicht der tatsächlichen Kriminalitätslage entspricht.
Wie hoch ist die Gefahr, dass ältere Menschen Opfer einer Straftat werden, hier in Freiburg?
Eher gering: Von rund 45 000 Menschen über 60 Jahre wurden im vergangenen Jahr 160 geschädigt. Das bedeutet: Senioren waren bei nur 3,6 Prozent aller Straftaten die Opfer, obwohl ihr Gesamtbevölkerungsanteil bei über 20 Prozent liegt. Diese Zahlen sprechen, glaube ich, für sich. Auch bestimmte Orte und Tageszeiten, in denen eine besonders hohe Gefährdung für ältere Menschen vorliegt, gibt es nach unseren Erkenntnissen nicht.
Warum wird die Veranstaltungsreihe „Sicherheit für Ältere in Freiburg“ dann angeboten?
Die Polizei nimmt die Sorgen und Ängste der älteren Mitbürgerinnen und Mitbürger ernst. Sicherheit ist ein wichtiges Grundbedürfnis, und wir möchten Wege aufzeigen, wie man durch eine Änderung des eigenen Verhaltens für weniger Tatgelegenheiten und somit auch weniger Straftaten sorgen kann.
Welcher Art von Straftaten fallen Senioren zum Opfer?
Am häufigsten sind Betrug, Trickdiebstahl und ähnlich gelagerte Fälle. Die Täter täuschen eine persönliche Beziehung vor, geben an, Hilfe zu benötigen, bedienen sich falscher beruflicher Ämter, machen verlockende geschäftliche Angebote und nutzen oft die Gutgläubigkeit und Hilfsbereitschaft ihrer Opfer aus.
Wie sollen sich Senioren bei einer solchen Straftat verhalten?
Auch wenn kein Schaden entstanden ist, wäre es völlig falsch, den Vorfall aus Angst oder Scham zu verschweigen. Nur wenn die Polizei von einer Straftat erfährt, kann sie den Täter dingfest machen und die dabei gewonnenen Informationen nutzen, um andere potenzielle Opfer vor solchen Taten zu schützen. Benachrichtigen Sie in jedem Fall die Polizei – wir helfen Ihnen weiter.
Wie können sich ältere Menschen vor solchen und ähnlichen Straftaten schützen?
Es gibt natürlich eine ganze Fülle von nützlichen Tipps. Mit diesem Thema beschäftigen sich aber schwerpunktmäßig unsere Beamten von der Prävention und der Kriminalpolizeilichen Beratungsstelle. Sie werden ihre Erfahrungen bei den Vorträgen der Veranstaltungsreihe weitergeben. Denn eins ist sicher: Nur wer die Tricks der Täter kennt, kann sich schützen. In jedem Falle sollte man eine gesunde Portion Misstrauen an den Tag legen, niemanden Fremden in die Wohnung lassen, nicht alles glauben, was einem erzählt wird, und keine Scheu haben, sich an die Polizei zu wenden. Wir kommen lieber einmal umsonst als einmal zu spät.
Programm
„Sicherheit für Ältere in Freiburg“: 22. – 26. März
- Mo, 22.3.: „Wie sicherist Freiburg für Ältere?“
(Berthold Fingerlin, stellvertr. Leiter Polizeidirektion)
Auftaktveranstaltung mit OB Salomon, BM Kirchbach und dem Freistil Improtheater im Bürgerhaus Seepark, Gerhard-Hauptmann-Str. 1 15–17 Uhr
- Di, 23.3.: „Betrug und Tricks an der Haustüre“
(Christoph Mersinger, Polizeidirektion)
Begegnungsstätte Weingarten, Sulzburger Str. 2 15–17 Uhr
- Mi, 24.3.: „Unterwegs auf Nummer sicher“
(Frank Stratz, Polizeidirektion)
Begegnungsstätte Evang. Stift Freiburg, Hermannstr. 10
15–17 Uhr
- Do, 25.3.: „Gefahren im Internet“
(Frank Stratz, Polizeidirektion)
Heinrich-Hansjakob-Haus,
Talstr. 29 15–17 Uhr
- Fr, 26.3.: „Sicher wohnen – Einbruchschutz“
(Franz Schumacher, Polizeidirektion)
Begegnungsstätte Laubenhof, Weismannstr. 3 15–17 Uhr
Keine Anmeldung erforderlich. Die Teilnahme an den Vorträgen ist kostenlos. Alle Veranstaltungen sind mit öffentlichen Verkehrsmitteln zu erreichen.
Veranstalter: Stadt Freiburg – kommunale Kriminalprävention; Sicheres Freiburg e.V.; Polizeidirektion; Seniorenbüro; Vereinigung Freiburger Sozialarbeit.
Weitere Informationen beim Seniorenbüro der Stadt Freiburg, Tel. 201-3032, www.freiburg.de/senioren.




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