Das Ensemblehaus Freiburg für das Freiburger Barockorchester (FBO) und das „ensemble recherche“ soll auf dem heute als Parkplatz genutzten Gelände südlich der Stadthalle am Alten Messplatz entstehen. Darin sind sich die Stadtverwaltung und alle anderen Beteiligten einig. Über den Abschluss eines Erbbaurechtsvertrags für eine Teilfläche des städtischen Grundstücks entscheidet der Gemeinderat am 23. März.
Seit Jahren suchen beide Ensembles nach einem festen Standort für ihre musikalische Arbeit. Nachdem die Idee, das Projekt in der ehemaligen St. Elisabeth-Kirche im Stadtteil Zähringen zu verwirklichen, an den Kosten gescheitert ist, favorisiert man jetzt den Standort an der Schützenallee. Gegenüber der Presse zeigte sich Oberbürgermeister Dieter Salomon heute überzeugt von dem Vorhaben: „Abgesehen davon, dass man damit die Raumprobleme der Ensembles auf einen Schlag lösen würde, könnte man auf diese Weise musikalische Kompetenz bündeln.“ Mit der benachbarten Hochschule für Musik und einer möglichen Nutzung der Stadthalle durch die Musikhochschule und die städtische Musikschule nach dem Auszug der Unibibliothek würde das Ensemblehaus eine „Musikspange“ bilden. So erhielte die an dieser Stelle stadtplanerisch verortete, stadtteilgliedernde Grünspange neben der ökologischen Bedeutung ein kulturelles Gewicht. Salomon: „Das hätte einen ganz besonderen Charme.“
Der Oberbürgermeister unterstützt das Projekt als einen Beitrag zur „Standortsicherung“ für das Freiburger Barockorchester und das „ensemble recherche“. In den rund 25 Jahren ihres Bestehens haben sich beide einen Platz in der ersten Reihe erspielt und genießen weltweite Anerkennung. „Sie haben ihren Ursprung in Freiburg und sind hier zu Hause. Wir sollten alles tun, um ihnen eine dauerhafte Perspektive in Freiburg zu geben.“
Der Verein „Freunde der Baden-Württembergischen Ensemble-Akademie Freiburg“, der bislang 2,6 Millionen Euro an Zuschüssen und Spenden gesammelt hat, hatte die Stadt Freiburg um Unterstützung bei der Standortsuche gebeten. Das Ensemblehaus Freiburg soll beiden Klangkörpern als Ort für ihre Arbeit in Freiburg dienen und Mittelpunkt der Ensemble-Akademie werden.
Das Freiburger Barockorchester und das „ensemble recherche“ haben internationales Renommee. Auch nach über 20-jähriger musikalischer Arbeit sind die Arbeits- und Probenbedingungen beider Ensembles in Freiburg noch immer provisorisch. Die begrenzte Verfügbarkeit geeigneter Räume, teilweise schwierige Mietbedingungen, ungünstige Nutzungszeiten und hohe Kosten bedeuten eine große Belastung für die künstlerische Arbeit. Insbesondere in der Zusammenarbeit mit Gastkünstler/innen, darunter viele Weltstars, ist die Raumsituation problematisch. „Es liegt im Interesse der Musikstadt Freiburg, daran möglichst schnell etwas zu ändern“, so Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach. „Umso mehr freuen wir uns über die neue Perspektive.“
Seit 2004 führen das „ensemble recherche“ und das FBO gemeinsam im Sommer die „Ensemble-Akademie Freiburg“ durch, deren Konzerte Teil der städtischen Veranstaltungsreihe „Münstersommer Freiburg“ sind. Die Akademie hat sich aufgrund der musikalischen Spannbreite von Alter bis Neuer Musik und aufgrund des international hervorragenden Rufs beider Ensembles, deren Mitglieder dort als Dozenten tätig sind, zu einer international einzigartigen Fortbildungsplattform entwickelt. Mehr als 150 professionelle Musiker/innen nehmen regelmäßig an den Kursen teil. Geboten werden Einzel- und Kammermusikunterricht, Orchesterkurse sowie „Spielräume“ mit Diskussionen und Gastvorträgen. Künftig soll es in Zusammenarbeit mit Freiburger Schulen zusätzlich musikpädagogische Veranstaltungen für Laien jeder Altersstufe geben.
Im Zusammenhang mit der Professionalisierung der Akademie wurde die Einrichtung 2006 in „Baden-Württembergische Ensemble-Akademie Freiburg“ umbenannt. Gleichzeitig entstand die Idee eines Ensemblehauses, unterstützt durch den gemeinnützigen Verein „Freunde der Baden-Württembergischen Ensemble-Akademie Freiburg“. Seitdem hat der Verein Mittel für den Bau des Hauses eingeworben und ein architektonisches Konzept in Auftrag gegeben. Die dem Verein angegliederte Stiftung „Baden-Württembergische Ensemble-Akademie Freiburg“ wird Bauherrin und Trägerin des Ensemblehauses.
Das Gebäude ist zweigeschossig geplant. Es soll südwestlich von der Schwarzwaldstraße her erschlossen werden und hauptsächlich Übungszwecken dienen. Da es sich auch für Aufnahmen eignen soll, müssen die Proberäume besondere schalltechnische Vorgaben erfüllen. Das erfordert zusätzlichen baulichen Aufwand. Außerdem wird die Verwaltung der Ensembles dort untergebracht. Die Bauarbeiten sollen im Sommer 2010 beginnen und im Herbst 2011 beendet sein.
Der Neubau ist durch die nahegelegene Stadtbahnhaltestelle sehr gut mit dem öffentlichen Personennahverkehr verbunden sowie an das bestehende Radwegenetz angeschlossen. Daher kann die Zahl der Parkplätze auf der Ostseite des Gebäudes gering gehalten werden. Für den Neubau müssen sechs Platanen fallen. Dafür pflanzt man 18 neue Bäume, davon voraussichtlich fünf in unmittelbarer Nachbarschaft.
Die Baukosten werden auf rund 2,6 Millionen Euro geschätzt. 1 Million Euro stellt das Land Baden-Württemberg aus Mitteln der „Zukunftsoffensive III“ bereit, 250.000 Euro hat der Gemeinderat bereits für das ursprüngliche Konzept des Ensemblehauses in der Elisabethkirche bewilligt, die nun für das neue Vorhaben zur Verfügung stehen. Eine verbindliche Zusage über 150.000 Euro liegt vom Beauftragten der Bundesregierung für Kultur und Medien vor. Weitere 1,1 Millionen Euro kommen von privater Seite.
Das vorgesehene Grundstück gehört der Stadt Freiburg und soll rund 2.000 Quadratmeter umfassen. Der Erbbaurechtsvertrag soll auf 25 Jahre abgeschlossen werden. Die Verwaltung schlägt dem Gemeinderat vor, dass die Stadt Freiburg zehn Jahre lang den für kulturelle Nutzung reduzierten Erbbauzins sowie den Pachtzins für die Parkplätze haushaltsneutral als Zuschuss übernimmt. Das bedeutet einen städtischen Zuschuss von 256.000 Euro
Unabhängig vom Neubau des Ensemblehauses läuft die institutionelle Förderung beider Orchester durch die Stadt Freiburg unverändert weiter. Derzeit erhält das Freiburger Barockorchester jährlich 233.390 Euro, das „ensemble recherche“ 51.130 Euro.

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