Der Reinhold-Schneider-Preis 2010 der Stadt Freiburg geht an den Maler Thomas Kitzinger sowie an die bildenden Künstlerinnen Beatrice Adler und Stefanie Gerhardt. Kitzinger erhält den mit 15.000 Euro dotierten Hauptpreis, Adler und Gerhardt erhalten zu gleichen Teilen den Förderpreis in Höhe von 6.000 Euro. Oberbürgermeister Dieter Salomon übergibt die Preise in einem Festakt am 22. April um 19.30 Uhr im Kaisersaal des Historischen Kaufhauses am Münsterplatz.
Mit dieser Entscheidung würdigt die unter Vorsitz von Kulturbürgermeister Ulrich von Kirchbach tagende Jury aus Mitgliedern des Gemeinderats und Persönlichkeiten des kulturellen Lebens die herausragenden künstlerischen Arbeiten Thomas Kitzingers. Die Werke des 1955 geborenen und seit langem in Freiburg lebenden und arbeitenden Malers von Portraits und Stilleben werden im In- und Ausland ausgestellt. Sein Portrait des badischen Staatspräsidenten Leo Wohleb hängt im Historischen Kaufhaus in Freiburg.
Thomas Kitzinger wurde unter anderem ausgezeichnet mit dem Stipendium Cité International des Arts Paris, einem Gastatelier der Kunststiftung Baden-Württemberg in Berlin und dem Kunstpreis der Stadt Donaueschingen. Der Autodidakt Thomas Kitzinger ist in einem durchaus traditionellen Sinn ein glänzender Maler. Doch nutzt er sein Können, um die Behauptung der Tradition zu unterlaufen. Seine Bilder täuschen nicht vor, dass sich Wirklichkeit aneignen ließe. Seine glänzend gemalte Stillebenwelt mutet zutiefst unverfügbar – ja, unwirklich an. Erkennen zieht er in Zweifel. Ein Realist des Zweifels.
Das Stipendium zum Reinhold Schneider-Preis geht mit je 3.000 Euro an zwei bildende Künstlerinnen, deren Arbeiten die Jury durch ihre ungewöhnlich stringente Werksprache im jeweils eigenen Medium übrzeugten:
Die 1979 geborene Beatrice Adler und Stefanie Gerhardt, ebenfalls 1979 geboren, sind beide Absolventinnen der Freiburger Außenstelle der Staatlichen Akademie für Bildende Künste Karlsruhe und Meisterschülerinnen von Frau Professorin Leni Hoffmann.
Beatrice Adler verdichtet die Welt auf sinnlich erlebbare Farbbilder. Streng liniert wird der Bildraum von oben nach unten gegliedert. Sie verbietet sich jeden Duktus, es gibt keine Überkreuzungen. Die entstehende Farbvarianz, das Zusammenklingen der Farbstufen entsteht aus dem Leermalen des Pinsels. Trotz dieses funktionalen Entstehungsprozess sind ihre Bilder unerklärlich lyrisch und körperlich in ihrer Farbpräsenz. Ihre ungegenständlichen Bildern stehen Naturstudien gegenüber, die das überbordend Wachsende in streng geordnete Kompositionen zwingt.
Stefanie Gerhardt gelingt es in ihren Videoarbeiten durch das Zusammensetzen von verschiedenen Bildspuren ihr gegenständliches Sujet in eine ungegenständliche Zusammensicht zu überführen. Banale Handlungen und Dinge gewinnen durch eine kleine Verrückung ihren ungewöhnlichen Werkstatus. Ihr Ansatz speist sich aus der Schöpfung eines zeitlichen „Zwischenraumes“, der das bewegte Bild in den Status einer erinnerten Malerei führt. Dieser Prozess scheint in ihren Pastellzeichnungen umgekehrt. Überlebensgroße Bewegungsabläufe sind im Moment festgehalten. Im Nähertreten bleibt nichts als der farbige Einzelstrich.
Frühere Preisträgerinnen und Preisträger der Sparte Bildende Kunst waren unter anderen Peter Vogel, Peter Staechelin, Artur Stoll, Karl-Heinz Scherer und Peter Dreher.
Der seit 1960 bestehende Reinhold-Schneider-Preis wird alle zwei Jahre verliehen – abwechselnd in den Sparten Musik, Literatur und Bildende Kunst.

RSS-Feed




