Um den Klimaschutz kümmern sich ab Anfang nächster Woche die großen Staatsmänner und –frauen in Kopenhagen. Dass die Herausforderungen des Klimaschutzes jedoch nur bewältigt werden können, wenn auf kommunaler Ebene auch alle Kräfte eingesetzt werden, ist inzwischen unbestritten. Schließlich entstehen 75 Prozent aller CO2-Emissionen auf lokaler Ebene. Deshalb hat sich die Stadtverwaltung Freiburg vor zwei Jahren ein ehrgeiziges Ziel gesetzt: bis 2030 soll die CO2-Emission um vierzig Prozent gegenüber 1992 gesenkt werden. So hat es der Gemeinderat beschlossen.
Welche Arbeitsfelder werden von der Stadt Freiburg im Hinblick auf den Klimaschutz genau bearbeitet? Im Großen und Ganzen sind es vier Felder, die ausschlaggebend sind: Umweltfreundliche Mobilität, Energieeffizienz sowie die Förderung von Erneuerbaren Energien. Der vierte Bereich ist schlichtweg das Energiesparen, wofür die Stadt durch Aufklärung unter anderem durch Programme an Schulen informiert und zum Energiesparen motiviert. Eine Schlüsselrolle bei dem Arbeitsfeld „Energieeffizienz“ spielen die städtischen Gebäude, denn hier lässt sich beim Verbrauch von Heizenergie eine Menge einsparen. Bei den Gesamtemissionen an CO2 in Freiburg beträgt der durch GMF-Gebäude verursachte Anteil zirka sechs Prozent. Um dem Freiburger Klimaschutz-Ziel näher zu kommen, legt die Verwaltung deshalb nun zwei weiter ausgearbeitete Bausteine vor: Das Gebäudemanagement Freiburg (GMF) setzt sich beim Sparen von Strom und Heizwärme neue Standards und auch das Umweltschutzamt möchte über einen ganzheitlichen strategischen Ansatz bei der Kraft-Wärme-Koppelung (also der gekoppelten Erzeugung von Wärme und Strom in kleineren dezentralen Einheiten) die nächsten Entwicklungsschritte forcieren.
Oberbürgermeister Dieter Salomon: „Die jüngsten Forschungsergebnisse und Daten zum Klimawandel sprechen eine deutliche Sprache. Wir hoffen auf konkrete Ergebnisse bei den Verhandlungen in Kopenhagen. Aber auch auf der kommunalen Ebene muss der Klimaschutz verstärkt werden. Freiburg setzt auf Energieeffizienz.“ Der Oberbürgermeister erklärte, dass die Stadt noch einmal an den Stellen ansetze, bei denen man größere Einsparpotenziale abschöpfen kann und auch Eingriffmöglichkeiten hat: bei der energetischen Gebäudesanierung und bei der Einbringung der KWK-Technik.
Umweltbürgermeisterin Gerda Stuchlik betonte in der Rückschau, wie viel bereits geleistet worden ist: „Wir sind schon sehr weit bei der energetischen Gebäudesanierung, aber wir bleiben nicht stehen und wollen weitere Anstrengungen für eine energieeffiziente Stadt in Angriff nehmen. Dafür soll es auch zu einem Ausbau bei der Kraft-Wärme-Koppelung kommen.“
In den nun zu fassenden Beschlüssen legt sich das Gebäudemanagement auf das Energiesparziel fest, bis 2015 den Heizenergieverbrauch aller Gebäude um fünfzig Prozent (gegenüber 1992) zu reduzieren. Damit erreichen die städtischen Gebäude im Zuständigkeitsbereich des GMF den Standard eines Niedrigenergiehauses. Um diese Einsparung zu erreichen, sollen vom GMF verschiedene Instrumente eingesetzt werden:
Bei Sanierungsprojekten an städtischen Gebäuden stehen eine effektive und konsequente Fassadendämmung und Heizanlagensanierung im Vordergrund. Bei allen Sanierungen ist es das Ziel, den Freiburger Niedrigenergiestandard (EnEV 2009 minus 30 Prozent) umzusetzen. Diese Standards werden vor allem bei den großen Schulsanierungsprojekten in den nächsten Jahren zum Zuge kommen (Walther-Rathenau- und Richard-Fehrenbach-Gewerbeschulen, Max-Weber-Schule, Berufsschulzentrum Bissierstraße). „Das sind die nächsten Riesenprojekte, bei denen wir aufgrund der sehr großen Fassadenflächen eine Menge Einsparpotenzial abschöpfen können. Allerdings werden diese genannten Projekte nicht vor 2025 fertig gestellt sein,“ so Bürgermeisterin Gerda Stuchlik.
Bei Neubauten gibt es bereits den gemeinderätlichen Beschluss, stadteigene Gebäude im Passivhausstandard zu bauen. Jetzt soll zudem grundsätzlich bei jedem städtischen Neubauprojekt untersucht werden, ob es als Plus-Energie-Haus gebaut werden kann. Hierfür sind schon erste Projekte wie der Neubau des Kindergartens in der Urachstraße und das neue Zentrale Kunstdepot angedacht. Außerdem wird künftig generell vor einem großen Sanierungsprojekt geprüft werden, ob ein Neubau wirtschaftlicher ist.
Sowohl für Neubau-, als auch für Sanierungsprojekte werden künftig solche Anlagen ausgewählt, die ökonomisch und ökologisch die beste Variante darstellen. Auch beim operativen Energiemanagement wird das GMF seine Anstrengungen erhöhen, unter anderem durch konsequente Kontrolle und Optimierung der technischen Anlagen in den Gebäuden. Parallel dazu werden die Schulungen für Hausmeister ausgebaut, um auch an dieser Stelle direkt vor Ort Potenziale auszuschöpfen.
Bislang hat das GMF bereits intensiv auf diesen Feldern gearbeitet, beispielsweise konnte der Heizenergieverbrauch von 1992 bis 2006 im Mittel bereits von 136 kWh (pro Quadratmeter und Jahr) auf 97 kWh gesenkt werden. Zum einen sind hier die Energieleitlinien des GMF ausschlaggebend, die der Gemeinderat in 2007 beschlossen hat. Auch der Energiebericht 2006/2007 zeigt, dass das GMF seit 1990 den CO2-Ausstoß um 20 Prozent senken konnte, obwohl es einen Zuwachs an Gebäudeflächen bei der Stadt gegeben hat. Dafür haben eine Vielzahl von Energieprojekten gesorgt, die in den vergangenen Jahren erfolgreich durchgeführt wurden: die Anbringung von Photovoltaik-Anlagen auf städtischen Dachflächen, das Prinzip der „Lernenden Organisation“ (technische Schulungen des Personals), Ausnutzung von Förderprogrammen (Klimaschutz-Plus-Anträge), das zehnjährige Projekt „Nichtinvestives Energiesparen an Schulen“ sowie das Anlagen- und Einspar-Contracting (energieeffiziente Anlagen werden von Investor finanziert. Die Anlagen werden durch die Einsparungen von Energie refinanziert).
Ehrgeizig ist auch das Ziel der Stadtverwaltung, den Anstieg des Stromverbrauchs gerade bei städtischen Gebäuden zu verhindern. Dies ist umso schwieriger, weil die technische Ausrüstung in den Häusern immer weiter zunimmt, zum andern aber auch, da an dieser Stelle jeder einzelne gefragt ist, den Stromverbrauch auf das notwendige einzuschränken. Das GMF setzt daher schon seit Jahren energiesparende Beleuchtung mit hohem Leuchtwirkungsgrad ein, die über Präsenzmelder bzw. tageslichtabhängig gesteuert werden. Weiterhin sollen möglichst keine Klimaanlagen zu Einsatz kommen. Deswegen wird auf eine gute Dämmung, Nachtauskühlung und effektiven Sonnenschutz viel Wert gelegt.
Masterplan Energieeffiziente Stadt
Auch bei der gleichzeitigen Erzeugung von Wärme und Strom in Form von Anlagen der Kraft-Wärme-Kopplung (KWK) ist ein großes Reservoir fürs Energiesparen vorhanden: Bis zu 40 Prozent beträgt die Einsparmöglichkeit bei dieser Technologie. In Freiburg sind mittlerweile rund 140 KWK-Anlagen in Betrieb; sie verteilen sich auf großtechnische Anlagen, wie das Wärmeverbundkraftwerk, das Uni-Heizkraftwerk über mittlere Stadtteil-Blockheizkraftwerke bis hin zu den kleinen Blockheizkraftwerken (BHKWs). In den vergangenen zwei Jahren ist die Anzahl der KWK-Anlagen von 96 auf 140 Anlagen kontinuierlich angestiegen. Diese effiziente und CO2-sparende Technologie erzeugt schon 50 Prozent des Freiburger Strombedarfs.
Möglich war dies durch zahlreiche städtische aber auch private Initiativen: Die Verwaltung setzt KWK überall dort ein, wo dies technisch möglich ist. In neuen Baugebieten wird verlangt, Energiekonzepte mit der umweltverträglichsten Variante zu erstellen. Die verbesserten nationalen, vor allem aber die Freiburger Baustandards vom Sommer 2008, führen zwangsläufig dazu, dass beim Heizenergieverbrauch neuer Wohngebäude drastisch gespart wird. Diesen Aspekt müssen zukünftige Energiekonzepte bei der Bauleitplanung berücksichtigen. Deshalb ist es wichtig auch den Gebäudebestand in die Überlegungen einzubeziehen.
Eine solche integrierte Energieplanung wird beispielsweise für die Bebauung Gutleutmatten entwickelt. Daneben sind es auch Freiburger Unternehmen, die bereits durch KWK Energie effizienter nutzen: Die Holzpelletanlage der Firma Pfizer mit der Option zum Ausbau als KWK-Anlage zeigt zum Beispiel, dass sich energieeffiziente Technologie für die Wirtschaft langfristig auszahlen. Ab Januar 2010 bietet die Stadtverwaltung deshalb für mittelständische Betriebe das so genannte ECOfit-Programm an, mit dem Betriebe ein Jahr auf dem Weg zu mehr Energieeffizienz begleitet werden. Eine erste Informationsveranstaltung für interessierte Firmen findet am 10. Dezember im Rathaus Freiburg statt.
Auch die städtische Tochter badenova fördert den Ausbau von KWK auf unterschiedlichste Weise. Mit der Gründung einer eigenen GmbH wurden die BHKWs der Hallenbäder auf Biogas umgestellt; damit können allein in Freiburg jährlich zusätzlich 1.100 Tonnen CO2 eingespart werden.
Mit demMasterplan „Energieeffiziente Stadt“ nimmt die Stadtverwaltung nun ein gesamtplanerisches Konzept in Angriff, der dem Gemeinderat in den nächsten Wochen zur Entscheidung vorgelegt wird. Die Strategie umfasst drei Bausteine: Wärmekataster als Datengrundlage, Entwicklung einer Ausbau-Strategie sowie Umsetzung und Kommunikation. Auf der Grundlage solider Daten sollen zukunftsorientierte energetische Lösungen für Stadtteile und Quartiere entwickelt werden. Ausbaupotenziale bereits vorhandener und auch neue Wärmenetze sollen (weiter)- entwickelt und rasch umgesetzt werden. Die Stadtverwaltung kooperiert dabei eng mit der badenova, dem Fraunhofer- ISE, dem Zentrum für Erneuerbare Energien (ZEE) und dem Freiburger Klimabündnis.
Durch diesen ganzheitlichen Ansatz werden auch Investoren und Bauherren dezentrale Versorgungskonzepte angeboten, die für sie ökologisch und ökonomisch vorteilhaft sind. Eine zielgerichtete Öffentlichkeitsarbeit ist ein wesentlicher Baustein des Masterplans. So sollen einzelne Eigentümer bis zu Wohnungsbaugesellschaften so einfach und verständlich wie möglich im Internet, bei Beratungstagen und bei Besichtigungen informiert werden und frühzeitig in Planungen einbezogen werden.
Alle drei Bausteine der Gesamtstrategie greifen ineinander über und kommen parallel zum Zug. Das Projekt soll ab Anfang 2010 starten und zwei Jahre dauern. Die Kosten betragen rund 155.000 Euro, 130.000 Euro werden für die beiden Bausteine Wärmekataster und Strategieentwicklung benötigt, 25.000 Euro für die Öffentlichkeitsarbeit. Zuschussanträge hat die Stadtverwaltung beim Bundesumweltministerium und beim Innovationsfonds der badenova bereits gestellt, um die Finanzierung des Gesamtpakets zu sichern.
Abschließend kommen OB Salomon und Umweltbürgermeisterin Stuchlik zu dem Schluss: „Nur dezentrale Lösungen und die breite Nutzung der Kraft-Wärme-Kopplung bringen uns in den Kommunen bei der Energieeffizienz weiter. Wir wollen nachdrücklich dafür sorgen, dass dezentrale KWK oder Wärmeinseln in den Stadtteilen und Quartieren schneller realisiert werden können.“

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