Dabei war die Teilnahme Freiburgs an der Ausschreibung ursprünglich gar nicht geplant: „Wir hätten uns das gar nicht angemaßt“, so Daseking angesichts der Dimension des Wettbewerbs. Umso positiver überraschte es, als Vertreter der britischen Academy of Urbanism, die die jährliche Auszeichnung vornimmt, per Brief an den OB die Teilnahme Freiburgs im Finale anregten. Die Architekten und Stadtplaner waren durch zahlreiche Vorträge, die Wulf Daseking in den vergangenen Monaten vor Fachgremien und in Hochschulen gehalten hatte, auf Freiburg aufmerksam geworden.
Europaweit hatten sich rund 70 Städte um den Titel beworben. Zur Liste derer, die es zunächst in die engere Auswahl schafften, zählten bekannte Städte wie Helsinki, Turin, Göteborg, Budapest, Antwerpen oder Krakau. Zuletzt blieben neben Freiburg nur noch Valencia und Bordeaux im Rennen – angesichts der in diesen Städten praktizierten „richtungweisenden Stadtplanung“ eine starke Konkurrenz, wie Daseking betonte.Im Mittelpunkt der Bewertung standen nicht einzelne architektonische Bauwerke, sondern die sozialräumliche Entwicklung der Gesamtstadt, die nachhaltige und kontinuierliche Planung und die Vernetzung der einzelnen Quartiere.
Im September reiste eine rund zehnköpfige Jury mit Planern und Architekten nach Freiburg, um sich bei den Mitarbeitern des Stadtplanungsamtes über die räumliche Stadtentwicklung und die damit verbundenen Konzepte, wie das Märkte- und Zentrenkonzept, zu informieren. Die Delegation besichtigte verschiedene Stadtteile und Quartiere, beispielsweise Rieselfeld, Stühlinger, die Innenstadt und den Bereich um den Wiehre-Bahnhof. Auch die konkreten stadtplanerischen Ziele und Instrumente, wie der Ausbau des öffentlichen Nahverkehrs, die 'Stadt der kurzen Wegen' und eine energetisch nachhaltigen Bauweise, standen während des zweitägigen Aufenthalts auf der Tagesordnung. Ihre Eindrücke fasste die Jury in einem Bericht zusammen, der den rund 300 Architekten, Stadtplanern und Städtebauern der Academy of Urbanism vorgelegt wurde. Im Rahmen einer feierlichen Abstimmung im Londoner Church House wurde Freiburg dann schließlich überraschend zur Europäischen Stadt des Jahres 2010 gekrönt. Ich war völlig bewegt“, beschreibt Daseking den Augenblick der Prämierung, „für uns als Stadtplaner bedeutet dies die Annerkennung langjähriger Arbeit“. OB Salomon teilt die Freude und spricht von einem „Ritterschlag für die Planung und Stadtentwicklung“ - nicht zuletzt deshalb, weil im Preisgericht auch bekannte und renommierte Architekten mitentschieden.
Den Rückweg nach Deutschland trat Wulf Daseking allerdings ohne Pokal oder großzügige Geldprämien im Gepäck an. Angesichts der erhaltenen Reputation und Anerkennung schmälerte dies die Freude über den Gewinn jedoch nicht. Im kommenden Jahr soll die Kooperation zwischen Freiburg und der Academy of Urbanism weiter ausgebaut werden. Der Vorstand der Akademie plant auch, in einer Fachkonferenz ein „Freiburger Thesenpapier“ zu einer zukunftsorientierten Stadtplanung zu erarbeiten, um die gelungenen Ansätze der Freiburger Stadtentwicklung in anderen europäischen Städten anzuregen.




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