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Walter Stöhrer

Walter Stöhrer, Ohne Titel, 1979

Museum für Neue Kunst

Museum für Neue Kunst

Kunst nach 1970

Die Sprache des Materials

Sind hier zwei leere Farbtuben auf einer Pappe liegen geblieben? Oder sehen die menschlichen Leiber im Objektkasten von Jürgen Brodwolf nur aus wie Farbtuben? Tatsächlich greift der Künstler in seinem 1977 entstandenen Werk „Paris  Stagmation  nach Giotto“ ein um 1300 entstandenes und sich heute im Louvre befindendes Altarbild des italienischen Meisters der Frührenaissance  auf. Josef Bücheler verwendet für seine Werke auch Äste, Kurt Stenvert sogar Knochen. Horst Egon Kalinowski baut in seinen Objektkästen Welten aus Haaren, Wolle, Wachs und Sand. Zeitlichkeit und Vergänglichkeit kommen hier zum Ausdruck – im Gegensatz zu traditionellen Materialien, die Überzeitlichkeit und Dauer repräsentieren.


Neue expressive Malerei

Die Pose scheint geläufig, doch die Farben verstören. Eine Hollywood-Szene aus dem Film „Heat“ stand Pate für das Ölbild „Joe Dallessandro und Silvia Miles aus dem Jahre 1972. Indem Friedemann Hahn Haut blau, Haare weiß und Augen rot malt, stört er das Verhältnis der gemalten Menschen ebenso wie das des Betrachters zum Motiv. Die große Malgeste, der Ausdruck heftiger Gefühle durch leuchtende grelle Farben und die Akzentuierung subjektiver Erlebniswelten sind das beherrschende Thema für die Künstler, des "Neuen Expressionismus". Walter Stöhrer und Martin Disler malten sich die schlimmsten Halluzinationen von der Seele. Markus Lüpertz hingegen stellt sich selbstbewusst in größere zeitliche Zusammenhänge.


Konzeptkunst

Vier großformatige Tafeln, vier Texte in vier Sprachen, Lücken, Markierungen: Joseph Kosuths "Intentio (Project)" von 1984/85  zieht den Blick an. Zu lesen und zu verstehen sind die Tafeln von links nach rechts. Das Werk thematisiert die Übertragung von Wörtern in eine andere Sprache, die Tücken und Absurditäten von Übersetzung und verweist auf die Unzulänglichkeit von Sprache als Medium der Verständigung. Mit Konzepten, die das Werk sichtbar machen, beschäftigen sich Arbeiten der Freiburger Künstler Bernhard Härtter und Richard Schindler. Mit der Serie "Tag um Tag  guter Tag" setzt sich Peter Dreher mit dem Phänomen der Zeit auseinander. Seit 1974 malt er das Motiv eines Trinkglases. Jedes dieser mittlerweile über 3.000 Bilder steht an einem bestimmten Punkt der letzten dreißig Jahre und wird so zum Dokument von Vergangenheit, Gegenwart und Zukunft, denn ein Ende dieser Reihe ist nicht absehbar.


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