Seit Dienstag, 1. September, läuft „LEIF – Lernen erleben in Freiburg“ im Rahmen des Bundes-Modellprojekts „Lernen vor Ort“. Das Ziel ist der Aufbau eines lokalen Bildungsmanagements. Denn Bildung ist eine der wichtigsten Ressourcen. Und das Bildungsniveau wird zunehmend zum entscheidenden Standortfaktor, weil gut ausgebildete und sich weiterbildende Menschen zur sozialen Stabilität und zum Erhalt der Wettbewerbsfähigkeit von Städten und Regionen beitragen. Für LEIF knüpfen zahlreiche unmittelbar und mittelbar mit Bildung befasste Institutionen ein stabiles Netzwerk. LEIF trägt somit zu mehr Bildungsgerechtigkeit in Freiburg bei und sichert so die Teilhabe aller am gesellschaftlichen Leben durch gute Bildung, Ausbildung und Weiterbildung.
Heute trafen sich Mitglieder des Steuerkreises zu einer ersten Klausursitzung, um ein Leitbild, Arbeitsgrundsätze und die Organisationsstruktur von LEIF zu diskutieren und zu verabschieden. Dem Gremium, das sich viermal jährlich trifft, gehören neben Oberbürgermeister Dieter Salomon und der gesamten Verwaltungsspitze folgende Personen an: Prorektor Professor Heiner Schanz (Universität), Hauptgeschäftsführer Andreas Kempff (Industrie- und Handelskammer), Schulpräsident Siegfried Specker (Regierungspräsidium), Geschäftsführer Michael Wohlrabe (Handwerkskammer), Bärbel Höltzen-Schoh (Vorsitzende der Geschäftsführung Agentur für Arbeit), Kirsten Witte (Leiterin Kompetenzzentrum Bertelsmann Stiftung), Wolfgang Klumb (Vertreter einer örtlichen Stiftung) und Veronika Schönstein (Projektleiterin LEIF).
In einer ersten Stellungnahme bewertete Oberbürgermeister Dieter Salomon das Zusammentreffen positiv: „Ich danke allen Beteiligten für ihre Aufgeschlossenheit und ihr Engagement bei diesem erfolgversprechenden Projekt. Nachdem die Bildungsregion Freiburg bereits so überzeugende Arbeit leistet, ermöglicht uns LEIF jetzt, die lokale und regionale Infrastruktur für Bildung zu vernetzen und auszubauen. Das schaffen wir jedoch nur in einer starken Partnerschaft.“
Einig waren sich die Teilnehmer/innen darin, in ihren Institutionen für aktive Unterstützung des Projekts zu werben. Sie erklärten sich außerdem bereit, ihre Bildungs- und Beratungsangebote mit anderen Anbietern abzustimmen und in die LEIF-Systematik zu integrieren.
Mit seinem Projekt „LEIF - Lernen erleben in Freiburg“ ist Freiburg bereits im Juni als einer von bundesweit 40 Stadt- und Landkreisen in das Modellprojekt „Lernen vor Ort“ des Bundesministeriums für Bildung und Forschung aufgenommen worden. Die Stadt Freiburg erhält Fördermittel des Bundes in Höhe von 2,355 Millionen Euro, mit denen vor allem Personalstellen finanziert werden.
An einer ersten Auswahlrunde im Februar dieses Jahres hatten sich über 200 Kreise und kreisfreie Städte beteiligt. 57 Standorte wurden daraufhin zur Antragstellung aufgefordert. Eine Jury hat aus dieser Gruppe 40 Konzepte ausgewählt, die ab September 2009 an den Start gehen sollen: 17 Landkreise und 23 Städte aus 15 Bundesländern. Aus Baden-Württemberg wurden neben der Stadt Freiburg noch die Stadt Mannheim und der Rems-Murr-Kreis ausgewählt.
„Lernen vor Ort“ ist ein zentraler Bestandteil der Qualifizierungsinitiative der Bundesregierung, die unter dem Motto „Aufstieg durch Bildung“ Bildungsangebote innovationsbereiter Kommunen und Landkreise zunächst drei Jahre lang fördert. Besonders erfolgreiche und transferfähige Vorhaben können um weitere zwei Jahre verlängert werden. Hierfür stellen das Bundesministerium für Bildung und Forschung und der Europäische Sozialfonds 60 Millionen Euro zur Verfügung. Ein aus 30 Stiftungen bestehender und eigens gegründeter Stiftungsverbund, dem über 80 weitere Stiftungen assoziiert sind, unterstützt die Kommunen durch Patenschaften. Jeder ausgewählte Standort kann von einer Stiftung in einer „lokalen Grundpatenschaft“ unterstützt werden. Neben der Grundpatenschaft können die Stiftungen auch „Themenpatenschaften“ zu einzelnen Schwerpunkten der kommunalen Projekte übernehmen.
Die Länder sind über Vertreter der Kultusministerkonferenz sowie der Wirtschafts- und der Arbeitsministerkonferenz an der Steuerungsgruppe des Programms beteiligt.
Das Konzept von „Lernen erleben in Freiburg“ hat die Stadt Freiburg gemeinsam mit den Hochschulen, den Kammern, verschiedenen Umwelt- und Bildungseinrichtungen und anderen Partnerinnen und Partnern erarbeitet. Es umfasst sechs Innovationsfelder: vier grundlegende Aktionsfelder und zwei Wahlbereiche.
Bildungsmanagement
LEIF ermöglicht eine inhaltliche und strukturelle Weiterentwicklung der Bildungsregion Freiburg. Die bislang auf Schulen bezogenen Netzwerke, Aktivitäten und Strukturen, die weiter geführt werden, können jetzt im Hinblick auf lebenslanges Lernen erweitert werden. Klare Strukturen sollen Bürgerinnen und Bürgern ermöglichen, sich ständig weiter zu qualifizieren. LEIF trägt zu mehr Bildungsgerechtigkeit in Freiburg bei und sichert so die Teilhabe aller am gesellschaftlichen Leben durch gute Bildung, Ausbildung und Weiterbildung. Das trägt zur Zukunftsfähigkeit, Wettbewerbsfähigkeit und nachhaltigen Weiterentwicklung der Region und des Landes bei. Hierzu wird ein Bildungsangebot für alle Lebensphasen aufgebaut, weiterentwickelt und bereitgestellt, das konsequent aufeinander abgestimmt ist, schlüssig aufeinander aufbaut und transparent und übersichtlich dargestellt wird.
Bildungsberatung
LEIF bündelt Beratungskompetenzen und -leistungen verschiedener Anbieter mit dem Ziel, ein effizientes kommunales Bildungsberatungssystem zu entwickeln. Das Angebot wird einfach zugänglich und am individuellen Bedarf und Potenzial orientiert sein. Unter Federführung der Volkshochschule wird ein Konzept zur Bildungsberatung für alle Bevölkerungsgruppen über alle Lernphasen hinweg etabliert.
Bildungsmonitoring
LEIF ermöglicht eine gemeinsame Bildungsarbeit der beteiligten Institutionen. Aus der sich daraus ergebenden Gesamtschau auf das Freiburger Bildungsgeschehen soll in Zusammenarbeit mit Weiterbildungsträgern ein wissenschaftlich fundiertes und strukturiertes Bildungsmonitoring entstehen. Grundlage ist der im November 2008 vorgelegte „1. Bildungsbericht der Stadt Freiburg im Breisgau“. Deshalb arbeitet man intensiv mit dem Regionalen Bildungsbüro zusammen und sichert damit nachhaltig die Qualität der Bildungsangebote.
Bildungsübergänge
Im Rahmen von LEIF wird eine kommunale Koordinierungsstelle geschaffen, die Übergänge in der Bildungsbiografie begleitet. Hierbei stehen die Übergänge Schule – Beruf und Schule – Universität im Mittelpunkt. Übergangsmöglichkeiten sind mit Verantwortlichen aus Stadt, Land, Wirtschaftskammern, Wirtschaft, Innungen, Schulen und Hochschulen zu entwickeln und zu organisieren. So ist sichergestellt, dass aus jedem Abschluss ein Anschluss wird.
Integration und Diversitätsmanagement
Die Stadt Freiburg entwickelt mit LEIF ein kommunales Gesamtkonzept zur nachhaltigen Bildungsförderung und bildungsbiographischen Begleitung von Migrantinnen und Migranten. Parallel dazu sollen innovative Angebote und Projekte im Stadtteil Brühl-Beurbarung vernetzt und weiterentwickelt werden. Gleichzeitig wird ein bedarfsorientiertes Unterstützungsangebot für alle Freiburger Bürger/innen mit Migrationshintergrund entwickelt. Die kulturelle Vielfalt wird als Chance für die Weiterentwicklung der Region betrachtet und genutzt.
Wirtschaft, Technik, Umwelt, Wissenschaft
Umwelt- und Zukunftstechnologien sind in Freiburg ein wichtiges Thema, denn Freiburg legt besonderen Wert auf ein zukunftsfähiges, nachhaltiges Verhalten seiner Bürgerinnen und Bürger. Über das im Rahmen von LEIF aufzubauende Bildungsmanagement sollen Ausbildungs- und Studienmöglichkeiten auf diesem Gebiet mit dem bei Freiburger Unternehmen vorhandenen Wissen verknüpft werden. Zentral ist der Wissenserwerb über verschiedene Dimensionen der Nachhaltigen Entwicklung (ökologisch, ökonomisch, sozial, kulturell). Dazu wird ein an den Dimensionen der Nachhaltigen Entwicklung orientiertes vierblättriges „Freiburger Nachhaltigkeits-Kleeblatt“ als Produkt entwickelt und etabliert. Dieses kann entlang der verschiedenen Stationen einer individuellen Bildungsbiografie erworben beziehungsweise schrittweise erneuert werden („Kleeblattsystem“). Die systematische Integration von Akteuren und Aspekten aus Wirtschaft, Technik, Umwelt und Wissenschaft in alle Gebiete der Bildung soll Freiburgs Zukunfts- und Wettbewerbsfähigkeit stärken.
Zusammenarbeit mit Stiftungen
Stiftungen haben als Akteure der Zivilgesellschaft gezeigt, dass sie ihre Unabhängigkeit zu nutzen verstehen, um als Impulsgeber für Bildungsinnovationen neue Wege zu beschreiten. Sie haben in den letzten Jahren viele wichtige Bildungsthemen vorangebracht – von der frühkindlichen Bildung bis zur Integration von Zuwanderern. Sie arbeiten dabei immer mit verantwortlichen Akteuren zusammen. Stiftungen sind an ihren Standorten bestens vernetzt und mit der Bildungslandschaft vertraut.
Die Initiative „Lernen vor Ort“ sieht vor, dass jede Kommune durch eine oder mehrere Stiftungen begleitet wird. Dazu wurde auf Bundesebene ein Stiftungsverbund gegründet. Die Bertelsmann Stiftung übernimmt für Freiburg die Grundpatenschaft und eine Patenschaft „Migration“.
In Grundpatenschaften stellen die Stiftungen ihre lokalen Netzwerke, ihr fachliches und methodisches Wissen und Erfahrungen zur Verfügung, um die Kommunen bei ihrer Entwicklungsarbeit beratend zu begleiten. Die Bertelsmann Stiftung hat neben Freiburg auch für die Städteregion Aachen eine Grundpatenschaft übernommen. Somit ist die Städteregion Aachen auch Partnerregion von Freiburg. Die Deutsche Bundesstiftung Umwelt begleitet die Stadt Freiburg in Form einer Themenpatenschaft „Umweltbildung“.
Aufbau eines Freiburger Stiftungsverbunds
Darüber hinaus sollen Freiburger Stiftungen enge Partner werden. Dazu soll auch auf Freiburger Ebene ein lokaler Stiftungsverbund gegründet und etabliert werden.
Organisation
Für die vom Bund zugesagten 2,355 Millionen Euro werden befristet 10 Stellen für 13 Personen auf die Projektlaufzeit geschaffen, die gegebenenfalls um zwei Jahre verlängert werden können. Alle sind direkt bei der Stadt Freiburg, Dezernat II, angesiedelt, jedoch auf eine enge Zusammenarbeit mit den Partnern ausgerichtet. Die Stadt Freiburg bringt zusätzlich das bisher mit den Themenfeldern befasste Personal ein, stellt als Verfügungsbudget jährlich 60.000 Euro bereit und finanziert für 400.000 Euro Schulbibliotheken und Forschungsecken.
Oberbürgermeister Dieter Salomon stellte heute die LEIF-Projektleiterin Veronika Schönstein vor. Sie ist Pädagogin und Beraterin für Schulentwicklung und Organisationsentwicklung. Im Auftrag des Kultusministeriums hat sie lange Jahre Fachberater/innen für Schulentwicklung ausgebildet, für das Staatliche Schulamt Führungskräfte qualifiziert und zuletzt im Auftrag der Bertelsmann Stiftung drei Jahre lang den Aufbau der Bildungsregionen Freiburg und Ravensburg gesteuert.

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