Viele Bürgerinnen und Bürger stören sich an besprühten Wänden und sehen das Stadtbild beeinträchtigt. Juristisch gesehen handelt es sich um Sachbeschädigung. Den eigentlichen Schaden haben aber die Hausbesitzer, die mit teils beträchtlichem Kostenaufwand ihre Fassaden reinigen lassen. Jetzt soll alles besser werden: Vergangene Woche stellte Bürgermeister Ulrich von Kirchbach das „Solidarmodell Anti-Graffiti Freiburg“ vor.
Stadt, Polizei, Justiz, Bürgervereine, die Malerinnung und zahlreiche weitere Interessenverbände haben unter Koordination des Vereins „Sicheres Freiburg“ ein Konzept entwickelt, um ungesetzliches Besprühen von Gebäuden und Bauwerken in Freiburg dauerhaft zu verhindern. Die Idee: Das schnelle Entfernen von Besprühungen soll den Sprühern den Anreiz nehmen, weil sie ihre Werke nicht mehr öffentlich zur Schau stellen können. In anderen Städten funktioniert das bereits sehr gut, beispielsweise in Pforzheim, deren seit 8 Jahren angewandtes Modell als Vorbild für Freiburg dient.
Ein Modell zum Nutzen aller
Wenn alles klappt, soll das Freiburger Modell einmal folgendermaßen funktionieren: Hausbesitzer melden Besprühungen der Polizei, die wiederum die Malerinnung informiert. Diese beauftragt dann einen Malerbetrieb oder die Malergruppe des Vereins zur Förderung kommunaler Arbeits- und Beschäftigungsmaßnahmen (VABE) mit der Fassadensäuberung. Das Material wird aus Spenden- und Sponsorengeldern sowie durch Zuwendungen von Geldbußen der Gerichte und der Staatsanwaltschaft finanziert. Für die geleistete Arbeitszeit erhält der Betrieb eine Spendenbescheinigung. Damit ist allen geholfen: Die Polizei kann Ermittlungen aufnehmen und gezielte Vorbeugemaßnahmen ergreifen, die Malerbetriebe können ihr Können unter Beweis stellen und sich für Folgeaufträge empfehlen, schließlich können sich die Hausbesitzer möglichst dauerhaft über saubere Fassaden freuen.
Aktionstag zum Auftakt
Als ersten Schritt gibt es am heutigen Samstag einen Aktionstag in der Unterwiehre, den der dortige Bürgerverein gemeinsam mit der Maler- und Lackiererinnung durchführt. Dabei sollen an 30 Gebäuden unentgeltlich die Fassaden gereinigt werden – verbunden mit dem Versprechen, auch zukünftige Besprühung schnell und in der Regel kostenlos zu entfernen. Eigentlich sollten noch weit mehr Fassaden gereinigt werden, doch zur Überraschung und Enttäuschung der Bündnispartner zeigten nur 30 von knapp 180 kontaktierten Hausbesitzern und Mietern Interesse an der Aktion. Allerdings hofft man, dass bei zukünftigen Aktionstagen – etwa drei pro Jahr soll es geben – ein höherer Rücklauf erzielt werden kann. Bemerkenswert ist in jedem Fall der Einsatz der beteiligten Malerbetriebe: Alle Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sind freiwillig mit dabei, teils haben sich sogar Ruheständler bereit erklärt, nochmal zu Pinsel und Farbe zu greifen.
Täter-Opfer-Ausgleich
Bei der Ahndung der Vergehen – die Aufklärungsquote liegt immerhin bei 50 Prozent – strebt man einen außergerichtlichen Täter-Opfer-Ausgleich an. In diesem für beide Seiten freiwilligen Verfahren unter Regie des Jugendhilfswerks wird ein direkter Kontakt zwischen Täterinnen und Tätern sowie den Geschädigten hergestellt, um eine einvernehmliche Wiedergutmachung des Schadens zu erreichen. Erfahrungsgemäß trägt das zu einem besseren gegenseitigen Verständnis bei. Außerdem wird die Wiederholung einer Tat weniger wahrscheinlich. Damit wäre dann auch das vorrangige Ziel des Solidarmodells erreicht – unerwünschte Verunreinigungen verhindern, bevor sie entstehen.
- Wer das „Solidarmodell Anti-Graffiti Freiburg“ unterstützen möchte, kann sich an die Geschäftsstelle Kommunale Kriminalprävention/Verein Sicheres Freiburg, Jacob-Burckhardt-Str. 1, 79098 Freiburg, kriminalpraevention@stadt.freiburg.de, wenden. Nähere Infos gibt es im Internet unter www.sicheres-freiburg.de.




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