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Sehenswürdigkeiten
Münster Unserer Lieben Frau

Münsterplatz
79098 Freiburg
Jeden Besucher Freiburgs zieht es sofort zum Münster, sobald er über den Dächern der Altstadt die durchbrochene Pyramide des schlanken Turms erblickt. Dann steht er staunend vor dem schönsten Turm der Christenheit, wie ihn der bekannte Basler Historiker und Schriftsteller Carl Jakob Burckhardt genannt haben soll. Während viele Kirchen des Mittelalters erst in den folgenden Jahrhunderten fertiggestellt wurden, war der 116 Meter hohe Turm bereits um 1330 vollendet.
Freiburg war, seit Konrad von Zähringen der Siedlung am Fuße des Schlossbergs im Jahre 1120 das Marktrecht verliehen hatte, als bevorzugter Handelsplatz ständig gewachsen und so erwies sich die ursprüngliche dem Hl. Nikolaus geweihte Pfarrkirche, in der Bernhard von Clairvaux Anfang Dezember 1146 den zweiten Kreuzzug predigte, bald als zu klein. Da beschloss Berthold V., der letzte Zähringer Herzog, eine neue, großzügige Stadtkirche im Stil des Basler Münsters zu bauen und sich damit eine ihm angemessene Grablege zu schaffen.
Um das Jahr 1200 wurde mit dem Bau des Münsters begonnen, welches die an der gleichen Stelle vorhandene wohl noch aus der Zeit der Stadtgründung stammende Kirche ersetzen sollte. Steht der Besucher vor der nördlichen Längsseite des Gebäudes (der Blick auf die wesentlich schmuckvollere Süd- oder Schauseite ist zur Zeit durch Baugerüste zum Teil verstellt), so erkennt er deutlich, dass das Münster mit den Hahnentürmen und dem Querschiff zunächst im spätromanischer Stil errichtet wurde.
Als aber um 1220 die Formen der französischen Gotik das andere Rheinufer erreicht hatten, änderten sich die Baupläne entscheidend. Nun war nicht mehr Basel, sondern Straßburg Vorbild für den Weiterbau des Freiburger Münsters. Das Langhaus wurde deutlich erhöht, die Seitenschiffe wurden beträchtlich verbreitert. Weite Strebebögen spannen sich hoch über die Seitenschiffe, nehmen die Kräfte der Gewölbe des Mittelschiffs auf und entlasten die mit Fenstern durchbrochenen hohen Wände. Die ersten beiden am Querschiff ansetzenden gotischen Joche wirken noch etwas schwerfällig. Später etwa um 1240 setzte ein wahrscheinlich aus Straßburg stammender Meister den Bau des Kirchenschiffs in Richtung Westen mit vier weiteren, schlanker wirkenden Jochen in hochgotischem Stil fort. Als die Bauten an der Turmbasis abgeschlossen waren, fand die älteste Glocke des Münstergeläuts, die Hosianna aus dem Jahre 1258, ihren Platz in dem etwa 1290 fertig gestellten hölzernen Glockenstuhl. Ihr dunkler Ton erinnert noch heute jeden Freitag um elf Uhr an die Kreuzigung Christi.
Spätestens um 1330 hatte man den Untergeschossen des Westturms das obere achteckige Oberteil aufgesetzt und dieses mit dem 43 Meter hohen durchbrochenen Helm gekrönt. sowie das Langhaus eingewölbt. Nun aber passten die kurze romanische Apsis und die gedrungenen Hahnentürme nicht mehr so recht in das gotische Gesamtbild des Münsters. Deshalb beschloss der Stadtrat, die beiden Türme aufzustocken und im Osten einen verlängerten Chor mit einem Kapellenkranz zu bauen, um ein Gleichgewicht gegen den alles überragenden Westturm und das anschließende Längsschiff zu schaffen. Die gotischen Aufsätze der Osttürme wurden wohl um 1360 fertig, während man den Grundstein zum neuen Chor bereits 1354 gelegt hatte.
Wie konnte eine Gemeinde von weniger als zehntausend Seelen eine Pfarrkirche mit den Dimensionen einer Kathedrale finanzieren? Zunächst hatte Berthold V. den Münsterbau gestiftet und mit Geldmitteln kräftig gefördert. Auch bestimmte er, dass ein großer Teil aus dem Nachlass von erbenlosen Verstorbenen nicht mehr der Stadtbefestigung, sondern dem Münster zukommen sollte. Dass nach dem Tode des Herzogs 1218 die gotischen Ideen, diese neue Bauweise mit ihren konstruktiv-technischen Fortschritten, ihren lichten und hohen Verhältnissen, so schnell und so durchgreifend in der Bürgerschaft Wurzel fassen konnte, erklärt sich aus der religiösen Begeisterung, aus der Energie und Hingabe der Gläubigen, denen für die zunehmende Größe und Pracht des Baus, zum Preise des Allerhöchsten, kein Opfer und kein Aufwand zu viel ward, auch in dem Bewusstsein, dass sie selbst die Vollendung des Werkes nicht erleben werden, schrieb Münsterbaumeister Friedrich Kempf 1925.
Wie der letzte Zähringer Herzog gewährten anfänglich auch deren Nachfolger, die Freiburger Grafen aus dem Hause Urach, dem Neubau eine angemessene Unterstützung. Als sie jedoch in finanzielle Verlegenheit gerieten, sahen sie die ihnen zustehenden Einnahmen aus Stadt und Kirche eher als private Pfründe an, denn sie zum Münsterbau zu verwenden. So übernahm bereits Ende des 13. Jahrhunderts der Stadtrat mit der Bestellung von Münsterpflegern die Bauleitung. Damit wurde das Münster endgültig eine Sache der Freiburger Bürger. Zwar war die Stadt nicht zuletzt durch den Silberbergbau reich, mochte aber schließlich die finanziellen Forderungen ihrer ungeliebten Grafen nicht länger erfüllen. So kauften sich die Freiburger 1368 mit einer hohen Einmalzahlung von der Herrschaft der Grafen los und unterstellten sich anschließend freiwillig dem mächtigen Hause Habsburg.
Mit dem Freikauf aber hatte sich die Stadt finanziell übernommen, und so kam um 1370 der Bau des Chores vor allem aus Geldmangel vollständig zum Erliegen. Als endlich die Bautätigkeit hundert Jahre später wiederaufgenommen wurde, wetteiferten wohlhabende Freiburger Familien mit ihren Spenden um die Errichtung der schönsten Kapelle im Kranz des neuen Chores, der nun im schlanken spätgotischen Stil hochgezogen wurde. Nicht zuletzt durch Querelen Freiburgs mit ihren - von nun an auch namentlich bekannten - Münsterbaumeistern zog sich der Bau in die Länge. Erst 1513 konnte der Konstanzer Bischof Hugo die Weihe des Hochchors vornehmen.
Die 1620 im Renaissancestil errichtete Vorhalle an der Südseite des Querschiffs blieb Puristen immer ein Dorn im Auge und sollte zuletzt 1863 abgerissen werden, um den Blick auf das ursprüngliche romanische Eingangsportal freizugeben. Dazu ist es nicht gekommen, sondern dank einer großzügigen Spende wurde die Vorhalle sogar kürzlich restauriert.
Bei näherem Blick auf die Außenfassaden des Münsters fallen die reichhaltigen Ausschmückungen wie etwa die Fialen, Wasserspeier und die vielen steinernen Figuren der Apostel, Könige, Grafen und Heiligen auf. Viele der Figuren sind beschädigt oder nicht sichtbar, weil hinter hohen Baugerüsten verborgen. Restaurierungsarbeiten wurden schon bald nach der Einweihung des Münsters notwendig. Der beim Bau verwendete Sandstein erwies sich als wenig witterungsbeständig. Häufig rissen Blitzeinschläge Teile des Turmes herunter. Vor allem die Beschießungen der Stadt, 1644 im Dreißigjährigen Krieg, 1713/14 im Spanischen und 1744 im Österreichischen Erbfolgekrieg sowie die Sprengungen der Vaubanschen Festungsanlagen 1794 durch die abziehenden Franzosen richteten immer wieder schwere Schäden am Münster an, welche Freiburgs Bürger unter hohen Kosten an ihrer Stadtkirche beheben ließen.
Schließlich fügte die wachsende Luftverschmutzung im 20. Jahrhundert den Außenfassaden schwere Schäden zu. Zuletzt wurde das Münster am 27. November 1944 beim Bombenangriff auf Freiburg, der fast die gesamte Altstadt in Schutt und Asche legte, stark beschädigt, doch wie durch ein Wunder blieb die Grundbausubstanz mit dem - die Trümmer der umgebenden Häuser nun hoch überragenden - Turm erhalten.
Gegen Ende des 19. Jahrhunderts hatten persönliches Engagement für das Münster und die finanziellen Zuwendungen der Freiburger Bürger einen Tiefpunkt erreicht. Dem verstärkten Ruf nach kirchlicher Finanzierung und der öffentlichen Hand zur Erhaltung des Bauwerks stellte der als Neugestalter Freiburgs verehrte langjährige Oberbürgermeister Otto Winterer bewusst die Idee eines Fördervereins entgegen. Als der Freiburger Münsterbauverein im Jahre 1890 gegründet wurde, traten in kurzer Zeit 4000 Bürger der damals etwa 50.000 Einwohner zählenden Stadt dem Verein bei. Heute werden die Mittel zur Erhaltung des Münsters nur etwa zu einem Sechstel durch Mitgliedsbeiträge, Spenden und Vermächtnisse aufgebracht, die Stadt Freiburg übernimmt einen gleich großen Anteil, während Erzbistum und das Land Baden-Württemberg je ein Drittel der Kosten tragen. Zur Zeit hat der Münsterbauverein bei einer Einwohnerzahl Freiburgs von 200.000 "nur" rund 5.200 Mitglieder.
Gerade in Zeiten leerer Kassen und knapper Mittel ist es notwendig, dass Freiburgs Bürger vermehrt ihr Münster auch als ihr ganz persönliches Kulturerbe annehmen. Der Beitritt zum Münsterbauverein ist hierzu ein erster Schritt. Schreiben Sie an den Münsterbauverein, Schoferstraße 4, 79098 Freiburg, schicken Sie eine E-Mail an info@muensterbauverein-freiburg.de oder schauen Sie ganz einfach bei der Alten Münsterbauhütte in der Herrenstraße 30 hinter dem Münster vorbei und holen Sie sich ihr ganz persönliches Aufnahmeformular.
Doch zurück zum Münster, zu seinem Innenraum. Tritt der Besucher durch die westliche Vorhalle ein, empfangen ihn die herrlichen Skulpturen an den Seitenwänden und im Tympanon über dem Eingangsportal. Hier wird die Heilsgeschichte plastisch, in Ort und Zeit gerafft erzählt. Nach einer aufwendigen Restaurierung erscheinen die Figuren wieder in ihrem alten Glanz und stellen einen Höhepunkt der mit Kunstwerken reich geschmückten Kirche dar.
Man sollte das Münsterinnere möglichst an einem sonnigen Tag um die Mittagszeit besuchen, wenn das helle Licht durch die bunten Glasfenster der Südseite in das hohe Kirchenschiff fällt. Einige der Fenster, wenn auch im Laufe der Jahrhunderte vielfach ergänzt, stammen noch aus der Anfangszeit des Münsters. Ein Großteil entstand um 1320, gestiftet von den wohlhabenden Freiburger Zünften und Bergleuten. Stolz brachten die um das prächtigste Seitenfenster wetteifernden Handwerker die Symbole ihrer Gewerbe mit ein. Schaut man aus dem Kirchenschiff den lichten Hochchor hinauf, so erblickt man die von Kaiser Maximilian 1512 gestifteten Fenster, die den Reichsadler sowie die Wappen der von den Habsburgern beherrschten Gebiete zeigen. Mit der Verglasung des Hochchors und dessen Kapellen wurde ein Elsässer Glasmaler beauftragt, dem Hans Baldung Grien, der von 1512 bis 1516 die berühmten Bilder des Hochaltars schuf, wohl einige der Entwürfe lieferte. Wie das Äußere des Münsters ist auch der Innenraum mit vielen Figuren reich geschmückt. Besonders hingewiesen sei noch auf das von einem Tisch spielbare vierfache Orgelwerk, welches aus der Emporen-, der Langschiff-, der Marien- und der Chororgel besteht und dessen Klang der Besucher bei einem der vielen Münsterkonzerte genießen sollte.
Bis zum 18. Jahrhundert befand sich auf dem Münsterplatz der Pfarrkirchhof, auf dem Kaiser Maximilian aber bereits 1513 aus hygienischen Gründen weitere Bestattungen verboten hatte. So ließ der Freiburger Rat den Friedhof in den Stadtteil Neuburg, heute Herdern, verlegen. Die Bevölkerung akzeptierte die neue Begräbnisstätte aber erst, nachdem man dort reichlich heilig erdtreich von dem gotsackher zu Rom ausgestreut hatte. Heute beherrscht an Wochentagen buntes Markttreiben den weiten Platz. Der freistehende Münsterbau aber kommt an den marktfreien Tagen besonders gut zur Geltung.
Nach ihrer Gründung durch den Herrn der habsburgischen Vorlande Erzherzog Albrecht VI. wurde 1457 der Freiburger Universität das Patronatsrecht über das Münster übertragen. Dabei blieb das Münster Stadtkirche, wurde aber dann 1827 im Zuge der Neuordnung der Bistumsgrenzen am Oberrhein nicht nur Bischofssitz, sondern auch Metropolitankirche der Oberrheinischen Kirchenprovinz, der anfänglich die bedeutenden Bistümer von Mainz, Rottenburg, Fulda und Limburg zugehörten.






