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Lviv (Lemberg)
Lviv (früher Lemberg) ist die größte Stadt in der westlichen Ukraine und liegt 80 km von der Grenze zu Polen entfernt. Die politischen Umwälzungen Mitte der 80er Jahre ließen Lviv zur heimlichen politischen Hauptstadt der Ukraine werden. Die große Mehrheit der etwa 830.000 Bewohner sind Ukrainer, daneben sind Russen, Weißrussen, Polen und andere Nationalitäten der früheren Sowjetunion vertreten. Lviv ist eines der wichtigsten wirtschaftlichen und kulturellen Zentren der Ukraine.
Geschichte
Die Ursprünge der Stadt am Flüßchen Poltwa gehen auf eine Burg zurück, die um 1250 von dem ruthenischen Fürsten Danylo Romanovyc zu Ehren seines Sohnes Lev errichtet wurde. Im Spätmittelalter und der Frühen Neuzeit entwickelte sich Lviv zu einem wichtigen Handelsplatz. Neben polnischen und ruthenischen (ukrainischen) Bewohnern prägten vor allem Deutsche, Juden und Armenier das frühe Bild der Stadt. 1772 fiel Lviv an das Habsburgerreich, veränderte unter diesem Einfluss grundlegend sein Gesicht und erlebte einen neuen Aufschwung. Es wurde zur viertgrößten Stadt der habsburgischen Monarchie und zur Hauptstadt des neugeschaffenen Königreichs Galizien und Lodomerien. Nach dem Ersten Weltkrieg fiel Lviv an Polen. Zu dieser Zeit hatte es 361.000 Einwohner, wovon ein Drittel Juden waren.
Mit der Eingliederung in die Sowjetukraine (1939-41) gingen Deportationen und Verhaftungen und damit tiefe Einschnitte in das soziale Gefüge der Stadt einher. Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet Lviv unter sowjetische Herrschaft.
Kultur
Die kulturelle Vielfalt Lvivs zeigt sich auch in der großen Auswahl der Museen. Über die Geschichte der Stadt informiert das Historische Museum, über die Kirchengeschichte das Museum für Religionsgeschichte. Darüberhinaus bestehen noch etwa 20 weitere Museen, die einen Überblick über die Vergangenheit und Gegenwart Lvivs vermitteln. Die Kunstgalerie besitzt über 10.000 Bilder russischer, ukrainischer, polnischer, österreichischer sowie sowjetischer Künstler. Die Liebhaber der schönen Künste kommen bei einem Besuch des Staatlichen Ukrainischen San'kowezka-Theaters, des Russischen Dramatischen Theaters, der Philharmonie sowie des Staatlichen Akademischen Iwan-Franko-Opern- und Balletthauses auf ihre Kosten.
Wirtschaft und Tourismus
Der Zusammenbruch der Sowjetunion und die Unabhängigkeit der Ukraine haben Lviv vor größte wirtschaftliche Probleme gestellt, mit denen es noch heute konfrontiert ist. In Lviv haben sich die Industriezweige Maschinenbau, Lebensmittel, Chemie, Baustoffe und Holzverarbeitung angesiedelt. Die westliche Ukraine ist traditionsgemäß landwirtschaftlich geprägt und hat sich auf den Anbau von Getreide, Zuckerrüben sowie die Zucht von Milchkühen und Schafen spezialisiert. Neben dem Ausbau der Industrie pflegt Lviv die Tradition des Kunsthandwerks. Als beliebte Reisesouvenirs aus Lviv gelten die typisch ukrainischen Volkskunsterzeugnisse aus Holz oder Keramik. Architektonische und historische Sehenswürdigkeiten machen das heutige Lviv zu einem attraktiven touristischen Ziel. Zahlreiche eindrucksvolle Renaissancebauten in der Altstadt vermitteln einen Eindruck vom frühen Reichtum des galizischen Handelszentrums. Lviv ist die "Stadt der Löwen". Der Sohn des Stadtgründers Fürst Danylo hieß Lev, was übersetzt Löwe heißt. Nicht nur im Wappen der Stadt ist der Löwe gegenwärtig: über die ganze Stadt verteilt findet man mehr als 500 Löwen aus Stein. Im östlichen Teil der Stadt liegt einer der ältesten Friedhöfe Europas, der Lytschakow-Friedhof mit bemerkenswerten Grabmälern bedeutender Lviver Bildhauer des 18. und 19. Jahrhunderts.
Wissenschaft
Während der Habsburger Zeit gründete Joseph II. (1784) die erste Hochschule Lvivs , die Lemberger Deutsche Universität. Heute studieren in Lviv etwa 100.000 Studenten. Zu den wichtigsten staatlichen Einrichtungen zählen die Iwan-Franko Universität, eine Medizinische Hochschule, ein Musikkonservatorium, eine Handelsakademie, eine Kunstakademie sowie eine Universität für Forstwirtschaft und Holztechnologie. Wichtige private Einrichtungen sind ein Management-Institut, eine Verwaltungsakademie sowie eine Europäische Universität.






