Der Welttag der seelischen Gesundheit 2017 stellt „Arbeit und psychische Gesundheit“ in den Mittelpunkt

Vorträge, Theater, Filme, Offene Türen und viele Informationen vom 7. bis 17. Oktober in Freiburg

Die Erhaltung der psychischen und seelischen Gesundheit ist eine wichtige Voraussetzung für ein zufriedenes Leben in der Gesellschaft. Jedoch leiden auch in Freiburg viele Menschen unter einer psychischen Erkrankung. Nur wenige der Betroffenen und ihrer Angehörigen trauen sich, darüber zu sprechen, da sie Ausgrenzung befürchten. Die meisten Menschen wissen über psychische Erkrankungen, ihre Behandlung und den Umgang damit noch wenig.

Um das zu ändern, gibt es den „Welttag der seelischen Gesundheit“. Er findet jährlich statt und stellt diesmal „Arbeit und psychische Gesundheit“ in den Mittelpunkt. Von Samstag, 7. Oktober, an bietet er zehn Tage lang Veranstaltungen, Vorträge, Theater und Filme an unterschiedlichen Standorten in Freiburg zund Umgebung.

Wie dringlich das Thema ist, belegt der jüngste Fehlzeiten-Report der AOK vom 28. September. Demnach ist zwar der allgemeine Krankenstand im Jahr 2016 im Vergleich zum Vorjahr mit 5,3 Prozent gleich geblieben (jeder Beschäftigte fehlt also im Schnitt 19,4 Tage aufgrund einer ärztlichen Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung im Betrieb). Die Fehltage aufgrund psychischer Erkrankungen nahmen in den vergangenen zehn Jahren dagegen um 79,3 Prozent zu. Psychische Erkrankungen führen zu langen Ausfallzeiten. Mit 25,7 Tagen je Fall dauern sie mehr als doppelt so lange wie der Durchschnitt mit 11,7 Tagen je Fall.

Genau wie Menschen mit körperlichen oder geistigen Handicaps möchten Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen ihren Lebensraum gleichberechtigt mitgestalten und mitbestimmen. Die gesellschaftliche Anerkennung ihrer Verschiedenheit stellt ein wesentliches Anliegen des Welttags der seelischen Gesundheit dar.

Im Jahre 1992 hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) ihre Unterstützung für den 10. Oktober als „Welttag der seelischen Gesundheit“ bekundet. Auch hierzulande sind Institutionen, Einrichtungen und Verbände aufgerufen, sich an diesem Tag öffentlich für die Belange der seelischen Gesundheit einzusetzen.

Seit 18 Jahren finden auch in Freiburg in der ersten Oktoberhälfte Veranstaltungen zu Themen der psychischen Gesundheit statt. Regie führt dabei die Arbeitsgruppe Öffentlichkeitsarbeit des Gemeindepsychiatrischen Verbundes Freiburg (GPV). Im GPV sind Leistungsträger und -erbringer, Fachbehörden, Vereine und Institutionen der psychiatrischen und sozialpsychiatrischen Versorgung eingebunden, um auf die Belange von Menschen mit einer psychischen Erkrankung aufmerksam zu machen.

Zu den Kooperationspartnern 2017 zählen (neben den Mitgliedern des GPV) das Kommunale Kino, der Verein „Schwere(s)Los“, die Elisabeth-Dietrich-Stiftung, das Mobbing-Telefon Freiburg und die Konflikt-Hotline Baden-Württemberg.

Veranstaltungen 2017

Samstag, 7. Oktober, 14 bis 16.30 Uhr:
Tag der Offenen Tür, Kurzvorträge und Film beim AK Leben
Seinen Tag der Offenen Tür nutzt der Arbeitskreis Leben, um sich selbst vorzustellen. Den Vorträgen „Suizid und ambulante Suizidprävention“ (14 Uhr) und „Suizidalität im Jugendalter“ (15 Uhr) folgt die Vorführung des Films „Hallo Jule, ich lebe noch“. Dazu durchgehend offene Sprechstunde.
Ort: Talstraße 29, Zugang Ecke Scheffelstraße, Foyer Marienhaus
 
Samstag, 7. Oktober, 15 bis 17 Uhr
„Verbockt“: Lesung im Selbsthilfebüro
Markus Bock spricht über das, was viele nur denken können: Wie fühlen sich Depressionen und Suizidgedanken an? Was passiert bei einer Therapie und im persönlichen Umfeld? Es geht nicht um Zahlen, Daten, Fakten, Medikamente. In „Die Depression hat mich bestimmt. Jetzt bin ich dran. Vielleicht“ geht es um einen ungeschönten Blick auf die Gefühlswelt in depressiven Lebensabschnitten und deren Auswirkungen. Die Lesung ist kein Ratgeber, sondern ein verständnisvoller Tatsachenbericht, der viele Bereiche beleuchtet
Ort: Selbsthilfebüro, Schwabentorring 2, 1. OG, Foyer
 
Sonntag, 8. Oktober, 11 bis 13 Uhr
„Auf einmal ist alles ganz anders“: Film im Kommunalen Kino
Der Film „Auf einmal ist alles ganz anders“ zeigt vier Betroffene, die offen darüber sprechen, wie sich ein psychisches Trauma auf ihr Leben und ihre Psyche ausgewirkt hat. Außerdem beschreiben sie, wie ihnen eine Traumatherapie geholfen hat. Parallel dazu erklären Traumatherapeuten das Krankheitsbild der posttraumatischen Belastungsstörung und die Therapiemethoden. Anschließend Diskussion mit Christine Wunn (Elisabeth-Dietrich-Stiftung, Veranstalterin). Eintritt 7 Euro, ermäßigt 5 Euro
Ort: Kommunales Kino, Urachstraße 40
 
Montag, 9. Oktober, 18.30 Uhr
Wie und wo komme ich trotz psychischen Handicaps in Arbeit und Beschäftigung?
Info-Abend mit Vertreter/innen von Jobcenter, Agentur für Arbeit, Integrationsfachdienst, Deutsche Rentenversicherung, Freiburger Werkgemeinschaft/Caritas und Freiburger Hilfsgemeinschaft
Ort: Aula der Hebelschule, Engelbergerstraße 2, Eingang Escholzstr.
 
Montag, 9. Oktober, 14 bis 18 Uhr
Der SpDi stellt sich vor
An diesem Info-Nachmittag stellt der Sozialpsychiatrische Dienst vom Diakonischen Werk und dem Caritas-Stadtverband seine Unterstützungsangebote für Menschen mit psychischer Erkrankung und deren Angehörige vor. Es gibt Infovorträge um 15 und 16 Uhr, Möglichkeiten zur persönlichen Kurzberatung und um 17 Uhr den Vortrag „Ex-in – Genesungsbegleiter für Südbaden“ über eine Qualifizierungsmaßnahme für Menschen mit psychischer Erkrankung.
Ort: Holzmarkt 8
 
Dienstag, 10. Oktober, 16.30 bis 19.30 Uhr
„Was kränkt, macht krank“: Kurzvortrag mit Workshop über Ursachen und Auswirkungen von Konflikten am Arbeitsplatz
Konflikte sind Teil unseres Arbeitslebens. Werden sie nicht konstruktiv gelöst, eskalieren sie leicht, verursachen Stress und machen uns krank. Ein Kurzvortrag informiert und sensibilisiert zur Entstehung und den (gesundheitlichen) Folgen von eskalierten Arbeitsplatzkonflikten. Im anschließenden Workshop vermitteln Vertreter der Konflikt-Hotline Baden-Württemberg und des Mobbing-Beratungstelefons Freiburg (Veranstalter) Kommunikationsstrategien, die dabei unterstützen, Konflikte konstruktiv anzugehen.
Die Teilnehmerzahl ist begrenzt, eine Voranmeldung bis Freitag, 6. Oktober, erforderlich (Tel. 0761/70863-43, kda.freiburg@ekiba.de).
Ernst-Lange Haus, Habsburgerstraße 2 (Höhe Fabrik/Vorderhaus)
 
Dienstag, 10. Oktober, 19.30 Uhr
„Gleich und Anders. Wenn die Psyche uns fordert“:  Film im KoKi
Die Zahl der Menschen, die am Arbeitsplatz mit psychischen Schwierigkeiten kämpfen, steigt rasant. Im Film „Gleich und anders“ (Schweiz 2016, 80 Minuten, Regie Jürg Neuenschwander) geben Betroffene Einblick in die Herausforderungen, denen sie sich bei der Arbeit stellen müssen. Sie äußern sich persönlich und authentisch zu ihren Erfahrungen mit Arbeitgebern, Sozialversicherungen, Ärzten und Sozialinstitutionen. Wir begegnen Menschen, die trotz vieler Ausgrenzungen und Widerständen ihr Leben in die eigenen Hände nehmen, eine eigene Firma gründen oder einen neuen Job finden, eine Weiterbildung in Angriff nehmen oder ganz einfach mit der neuen Liebe das Glück in einer gemeinsam erworbenen Eigentumswohnung finden. Bei aller Zuversicht ist auch zu sehen, dass nach einem Zusammenbruch vieles nie mehr so wird wie vorher, dass ein beruflicher, finanzieller oder sozialer Abstieg manchmal akzeptiert werden muss. Dank der Sicht von Angehörigen und Arbeitgebenden entstehen berührende Bilder aus dem Leben von Menschen mit psychischen Erkrankungen. Anschließend Gespräch mit Regisseur Jürg Neuenschwander. Eintritt 7/5 Euro.
Ort: Kommunales Kino, Urachstraße 40
 
Mittwoch, 11. Oktober, 16.30 bis 18.15 Uhr
„Burnout – was ist das eigentlich?“ Vorträge in Emmendingen
Eberhard Hof, Chefarzt für affektive Erkrankungen und psychosomatische Medizin im Zentrum für Psychiatrie Emmendingen, beleuchtet den Begriff „Burnout“ aus verschiedenen Blickwinkeln, auch im psychiatrischen Kontext. Dazu gibt es Zahlen, Daten, Fakten über Arbeitsüberlastung und psychische Erkrankungen, Darstellung von Warnsignalen und einen Fragebogen zum Selbst-Test.
Anschließend spricht Moritz Konrath, Sportwissenschaftler vom Sport- und Gesundheitsstudio KonSanus in Muggensturm, über Resilienz und Stressbewältigung, stellt Maßnahmen und präventive Ansätzen anhand theoretischer und praktischer Übungen vor.
Ort: Zentrum für Psychiatrie, Konferenzraum Rollerhaus, Neubronnstraße 25, Emmendingen
 
Mittwoch, 11. Oktober, 18 bis 20 Uhr
Die Patientenfürsprecher der IBB-Stelle stellen ihre Arbeit vor
Bei Problemen mit Einrichtungen der psychiatrischen Versorgung haben die Patientenfürsprecher ein offenes Ohr für Menschen mit psychischen Erkrankungen und ihren Angehörigen. Dieser Abend der offenen Tür macht ein Kennenlernen möglich.
Ort: Eschholzstraße 86
 
Mittwoch, 11. Oktober, 18.30 bis 21 Uhr
25 Jahre Betreuungsrecht: Der Diakonie-Verein stellt sich vor
Die erste Reihe von Vorträgen (18.30 bis 19.30 Uhr) dreht sich um Vorsorgeverfügungen, Vollmacht, Betreuungsverfügung und Patientenverfügung. Danach (19.30 bis 21 Uhr) folgen Informationen zur rechtlichen Betreuung und zur Arbeit des Betreuungsvereins zur Unterstützung von rechtlich betreuenden und Bevollmächtigten.
Ort: Dreisamstraße 3-5
 
Donnerstag, 12. Oktober, 19.30 Uhr
„Work hard play hard“:Film im Kommunalen Kino
Das Streben nach Gewinnmaximierung und grenzenlosem Wachstum hat die Ressource Mensch entdeckt. Mit „Work hard play hard“ (Deutschland 2011, 90 Min) hat Regisseurin Carmen Losmann einen zutiefst beunruhigenden Film über moderne Arbeitswelten gedreht. Die Grenzen zwischen Arbeit und Lifestyle sollen verschwinden. Bei Auswahl, Motivation und Training der Mitarbeiter von Morgen wird nichts dem Zufall überlassen. Selbstoptimierung steht auf dem Programm. In unserer modernen Arbeitswelt bedeutet die Sanierung eines Betriebes die Sanierung der Mitarbeiter. Anschließend Diskussion mit Eilaard Maatz. Eintritt 7/5 Euro.
Ort: Kommunales Kino, Urachstraße 40           
 
Freitag, 13. Oktober, 14 bis 18 Uhr
Tag der offenen Tür bei Vita Movere
Die Einrichtung „Vita Movere: Soziale Betreuungen“ macht aufsuchende Unterstützungsangebote für Menschen mit psychischen Beeinträchtigungen. Beim Tag der offenen Tür bietet sie allen Interessierten die Gelegenheit, sich vor Ort bei Kaffee, Kuchen und Snacks über das vielseitige Angebot im ambulant betreuten Wohnen zu informieren. Die Mitarbeitenden freuen sich auf vielfältige Begegnungen und spannende Dialoge in lockerer Atmosphäre. Musikalisch untermalt wird das Ganze vom Chor der Lebenskünstler unter der Leitung von Michael Labres.
Ort: Burkheimer Straße 13, Gewerbegebiet Haid
 
Samstag, 14. Oktober, 14 bis 18 Uhr
Offene Tür und Basar bei der Freiburger Hilfsgemeinschaft
Am Samstag, 14. Oktober lädt die Freiburger Hilfsgemeinschaft/Club 55 zum Tag der Offenen Tür in die Schwarzwaldstraße 9 ein. Es gibt Infos über ihre Angebote in den Bereichen Freizeit, Wohnen und Beschäftigungen/Tagesstrukturen, über Aktivitäten gegen Stigmatisierung und zu sozialpolitischen Themen. Zudem lädt die FHG zu Gesprächen in angenehmer Kaffeeatmosphäre. Gleichzeitig bietet ihr Herbstmarkt die Möglichkeit zum Erwerb von Dekorativem, Selbstgestricktem und manchem mehr. Der Tag der Offenen Tür beginnt um 14 mit der Vernissage der Kunstausstellung.
Ort: Schwarzwaldstraße 9
 
Samstag, 14. Oktober, 14 bis 18 Uhr
Tag der offenen Tür im Reha-Verein
Der Reha-Verein lädt ein zur Besichtigung seiner Räume in der Berliner Allee, inkl. Werkstatt, Tageszentrum, Stuhlwerkstatt, Wohnberatung und Geschäftsstelle. Zudem gibt es bei Kaffee und Kuchen Informationen über den Verein, Führungen, Präsentationen und ein Film plus Diashow rund um Arbeit und Angebote des Reha-Vereins und die Bächleboote.
Ort: Berliner Allee 11a
 
Sonntag, 15. Oktober, 14 bis 18 Uhr
Tag der offenen Tür beim Verein Schwere(s)Los!
Im März 2007 fing alles an mit der Künstlergruppe KunstHartz, die mittlerweile als Verein Schwere(s)Los! künstlerischen Ausdruck für alle zugänglich macht. Schwere(s)Los! lädt ein, gemeinsam in den frisch umgebauten Räumen zu feiern. Die Räume stehen mit einer Atelierwerkstatt und einem Proberaum für Theater, Tanz und Musik künstlerischen Aktivitäten für alle offen. Bei Kaffee und Kuchen, Tanz und Live-Musik durch die beiden Chöre, kann geschaut, mitgetanzt, mitgesungen und gemalt oder getont werden.
Ort: Kleineschholzweg 5, Projektraum
 
Dienstag, 17. Oktober, 17.30 Uhr
Mittendrin in Günterstal: Das Haus Vogelsang stellt sich vor
Haus Vogelsang ist eine sozial-psychiatrische Langzeiteinrichtung für psychisch erkrankte Menschen aus dem Raum Freiburg. Es bietet in den Bereichen Wohnen und Arbeiten eine alltagsorientierte und wertschätzende Begleitung, sowie ein vielfältiges und individuelles Konzept. Die Mitarbeitenden laden alle Interessierten herzlich zu einem Kennenlernen ein.
Ort: Im Vogelsang 1, Günterstal

Weitere Informationen stehen auf www.freiburg.de/psyche.

Ihr Ansprechpartner im Presse- und Öffentlichkeitsreferat:
Toni Klein, Telefon: 0761/201-1330
E-Mail: toni.klein@stadt.freiburg.de