Platz der Alten Synagoge

Provisorische Erläuterungstafeln am Gedenkbrunnen beschlossen

Der Gedenkbrunnen auf dem Platz der Alten Synagoge in der Abenddämmerung. Im Hintergrund ist die Universitätsbibliothek zu sehen. Der Himmel ist violett und pink.
In der Abenddämmerung: Der Gedenkbrunnen auf dem Platz der Alten Synagoge (Foto: A. J. Schmidt)

Anfang August ist der neue Platz der Alten Synagoge eingeweiht und seitdem sehr gut von der Bevölkerung angenommen worden. In der Sitzung des Hauptausschusses vom 18. September 2017 informierte Oberbürgermeister Dieter Salomon die Gemeinderätinnen und Gemeinderäte darüber, dass bis Ende Oktober provisorische Erläuterungstafeln zur Geschichte neben dem Brunnen am Platz der Alten Synagoge angebracht werden sollen. Zuvor gab es von vielen Seiten die Bitte, den Gedenkbrunnen mit Erläuterungstafeln zu versehen, damit die Geschichte und der Hintergrund des Brunnens für die Besucherinnen und Besucher des Platzes verständlicher sind. Das Bewusstsein für ein angemesseneres Verhalten an dem Gedenkort soll dadurch möglich gemacht werden.

Hintergrund ist auch, dass die bisher im Brunnen eingelassene historische Gedenkplatte oft übersehen wird. Die endgültige Gestaltung für Erläuterungen des Erinnerungsortes wird gemeinsam mit den jüdischen Gemeinden in den nächsten Monaten in einem Moderationsverfahren ausgearbeitet. Außerdem kam im Hauptausschuss in allgemeinem Konsens zum Ausdruck, dass darauf verzichtet wird, den Platz umzubenennen.

Kommentare (2)

Platz der Alten Synagoge

Von Regina Schwörer
29.09.2017 15:11

Sehr geehrte Mitglieder des Stadtrates, sehr geehrter Herr Dr. Salomon,
Ihre Entscheidung, Gedenktafeln für diesen denkwürdigen Ort anzubringen, ist sehr angemessen. Die Frage stellt sich jedoch, ob es zusätzliche Tafeln braucht - würde es nicht ausreichen, die steinerne runde Gedenkplatte, die, im Wasser liegend, durchaus übersehen werden kann, auf einer Seite anzuheben, sodass sie in Schräglage an der Luft
von jedem Interessierten gelesen werden kann ...?!
Mit freundlichen Grüßen
Regina Schwörer
... mehr an Information, als das was die Tafel hergibt, braucht es meiner Meinung nach nicht


Offener Brief an die Gemeinederäte (am 19.September 2017)

Von Francois BLUM
09.10.2017 11:57

Nachkommen der Mitglieder der damaligen israelitischen Gemeinde Freiburg

Francois BLUM
69004 LYON – Frankreich

Offener Brief an die Gemeinderäte der Stadt Freiburg

Sehr geehrte Damen und Herren,

Warum ……….. ?

In der BZ vom Montag, 18.09.2017 konnten Sie lesen, was Herr Iso Mansmann, ein Freiburger Mitbürger und Leser der BZ, bezüglich des neuen Wasserbeckens am Ort der Alten zerstörten Synagoge geschrieben hat:

« ……….. Da fragt man sich doch: Wo versteckt sich der hier nötige Respekt?
Ist Mitgefühl hier nur ein Wort?
Wo bleibt die Scham vor diesem Ort?
Kann man beim Denken an das Grauen
noch fröhlich in die Zukunft schauen?
Hier muss es endlich einer wagen,
dem Volk das Nötige zu sagen:
Wenn also unser Rat der Stadt
eine Art Erleuchtung hat,
und in eifrigem Bemühen,
seine Bürger zu erziehen,
an eine Hinweistafel denkt,
die deren Denkart sicher lenkt,
muss man dessen Klugheit loben.
Ja, wahre Weisheit kommt von oben!
Nun, damit Ihr’s alle wisst,
dass das ein nasses Denkmal ist,
gibt’s für unbedarfte Wesen,
endlich bald auf Blech zu lesen,
was hier Schreckliches geschah
(das keiner hörte, keiner sah).
Man verdrängt ja Böses gern.
Das alles liegt ja auch so fern.
Auch ohne Blechschild darf indessen
niemand die Schreckenszeit vergessen,
als auch Freiburgs Bürgerrat
das Menschenrecht mit Füßen trat.
Jedoch, es liegt in seinem Leben,
moralisch mancher noch daneben.
Hier, jetzt sehe ich es ein,
könnt’ er wirklich hilfreich sein,
der schriftlich formulierte Rat
für den, der’s nie begriffen hat.
Vergesslich ist der Mensch im Wesen:
Wer´s nicht im Kopf hat, kann’s dann lesen ».

Nach so vielen Wochen und Monaten, wo die Freiburger Mitbürger in der BZ und am Ort der Alten zerstörten Synagoge sich offenbaren konnten, bezüglich die unwürdige Weise der Erinne-rung und Gedenken der damaligen israelitischen Gemeinde Freiburg und deren Alten zerstörten Synagoge, und nachdem wir gestern Abend Ihre Pressemitteilung gelesen haben, haben die Nachkommen der Mitglieder der damaligen israelitischen Gemeinde ein Paar Fragen und Be-merkungen an Sie, die Gemeinderäte der Stadt Freiburg im Breisgau, die mitverantwortlich für die Erziehung der heutigen und zukünftigen Bevölkerung sind.

Warum sind seit dem 30. Januar 1349 bis am 22ten Oktober 1940 fast alle jüdischen Mitbürger in Freiburg mehrmals vertrieben und ermordet worden?

Warum durften bis in den Jahren 1809 die jüdischen Bürger sich nicht in Freiburg niederlassen?

Warum mussten die jüdischen Freiburger Mitbürger so lang bis in den Jahren 1860 darauf war-ten, sich zu einer israelitischen Religionsgesellschaft zusammenzuschließen und endlich im Jahr 1869 eine Synagoge zu bauen?

Warum gibt es in Freiburg eine neue Synagoge, nachdem einer unserer Verwandten Heinrich Zivy-Lang, eine Synagoge im Jahr 1869 begründet hat, die man nun die Alte Synagoge nennt ?

Während meiner beruflichen Tätigkeit war ich auch zwischen 2004 und 2007 in Freiburg und habe auch hier gewohnt. In dieser Zeit habe ich nach Resten meiner Familie und Verwandten gesucht.

Wie wir und Sie alle wissen, existierte in 2004 und auch bei ihrer Gemeinderatsitzung 2006 eine Anlage 3, in der auf Fundamente in 30 cm Tiefe hingewiesen wurde. Dieses Wissen ist verloren gegangen und die Juden haben ihre Alte Synagoge damit zum zweiten Mal verloren.

Als diese Steinen der Mauer und Fundamente der alten Synagoge im August 2016 in helles Licht wieder gebracht worden sind, warum konnte am 2ten und 3ten November 2016 ein einzel-ner Mann allein entscheiden, diese Steinen zu entfernen ?

Obwohl die 700 Mitglieder der jüdischen Gemeinden Freiburg sich einstimmig entschieden und gebeten hatten, diese Steinen zu erhalten und sichtbar zu machen, warum hat man sofort nicht die Entscheidung getroffen, diese Steinen am Ort zu erhalten und sichtbar zu zeigen?

Welche Pein und welchen Schmerz mussten wir ertragen, als im letzten Jahr Reste der Funda-mente der Synagoge aufgetaucht sind, und als unser Flehen nicht erhört wurde und der Groß-teil der Steine unter einem Brunnen begraben wurde. Das war unser Gefühl im letzten Jahr und so haben wir auch reagiert.

Warum mussten Kontakte zu über 400 jüdischen Nachkommen aufgebaut werden, deren Vor-fahren durch Flucht aus Freiburg und Umgebung, diesem Schicksal entgangen sind, aber auch welche, die den Brand der Synagoge, die Verschleppung nach Gurs, und noch schlimmeres überlebt haben, um die heutige Geschichte der Alten zerstörten Synagoge zu beschreiben ?

Mit Frau Irina Katz als Vorstand der israelitischen Gemeinde Freiburg und Frau Haberland-Krüger der Gescher Gemeinde verbinden uns viel, da sie treue Berichterstatterinnen aus Frei-burg sind.

Warum, in Freiburg, wo man behauptet, dass man sich würdiger Weise von der Vergangenheit erinnern will, konnten schriftlich am Anfang Oktober 2016 die individuellen Nachkommen der vertriebenen Mitglieder der damaligen israelitischen Gemeinde durch die Stadtverwaltung als « nicht legitimierte » Gesprächspartner betrachtet werden, da sie die ersten und wichtigsten betroffenen Personen sind?
Wer würde mit einer Gruppe von 400 Personen im Rücken, die ihm vertrauen einfach ja dazu sagen, dass ihm mangels Legitimation die Gesprächsteilnahme im Rathaus verweigert wurde?

Warum hat man nicht seit so vielen Jahren versucht, am Ort der Alten zerstörten Synagoge ei-nen würdiges Mahnmal zu bauen, um sich der Erinnerung der durch die Freiburger Nazis ver-triebenen und verschwundenen jüdischen Mitbürger zu besinnen ?

Warum konnte der Gemeinderat ein Planschbecken im Stadtzentrum am Ort der Alten zerstörte Synagoge bauen lassen, ohne in Betracht zu nehmen, dass dort die Erinnerung und das Ge-denken von hunderten jüdischen vertriebenen und ermordeten Freiburger Mitbürger, die an diesem Ort und in diesem Gotteshaus gebetet hatten, mit Füssen, ja mit Füssen, getreten wer-den?
Warum ist das möglich ?

Warum müssen die vertriebenen und ermordeten jüdischen Freiburger Mitbürger von solch ei-nem Verhalten der Besucher (Junge und Ältere und Tiere) dieses Planschbecken erleiden?

Warum müssen die Nachkommen der überlebenden jüdischen Freiburger Bürger solch ein res-pektwidriges Benehmen ertragen?

Warum hat die Gemeindeverwaltung um das Wasserbecken keine Erklärung und Hinweis ge-schafft, damit alle jungen und älteren Besucher anerkennen können, was bei diesem Wasserbe-cken passiert ist?

Warum hat es durch die Stadtverwaltung stillschweigend akzeptiert, dass dieses Wasserbecken ein Schwimmbad geworden ist, da wir hoffen könnten, dass es nicht die Absicht war?
Warum kann der Gemeinderat der Stadt Freiburg so lang still bleiben, um anzuerkennen, dass dort ein unannehmbarer Fehler bezüglich des Gedenkens und der Erinnerung gemacht worden ist?

Nun stehen wir erneut mit anderen hier und müssen erkennen, dass nicht offen und ehrlich kommuniziert wurde (Mit uns ja offiziell gar nicht, außer einem zwecklosen Brief von einem Stadtverwaltungsangestellte am 02/02/2017).

Außer einigen Fraktionen des Gemeinderats, warum der Gemeinderat Freiburg keine Erinne-rungs- und Gedenkpolitik ausführt, um eine Erinnerungs- und Gedenkkultur in der Stadt Frei-burg bei der gesamten Bevölkerung und meistens bei den Jugendlichen zu verbreiten?

Nach der Versprechung der OB Salomon im Oktober 2016, sollte der Brunnen, der die Umrisse der während der Pogromnacht 1938 zerstörten Alten Synagoge nachzeichnet, „eine würdige Gedenkstätte“ werden. Warum ist er in der letzte Pressemitteilung der Gemeinderat nur als ein Erinnerungsort genannt? Warum eine so wichtige Änderung ?

Warum müssen alle Nachkommen der Mitglieder der damaligen israelitischen Gemeinde darauf verzichten, sich um den einzigen möglichen Gedenkstätte in Freiburg zu treffen und sammeln, wo ihre hunderten verschwundenen Vorfahren und Verwandten gelebt und zu Gott gebetet haben ?
Wie kommt es, dass ausgerechnet in Freiburg so viele wichtige Fragen für uns Nachfahren un-beantwortet bleiben?

Aus einem würdigen präsentieren der Gedenkplatte in einer großen Wasserfläche (kein Planschbecken aber chemisch aufbereitet) wurde aufgrund vorhersehbarer Umstände in leben-diges Erinnern. Und wieder stehen wir fassungslos und traurig in Freiburg und müssen mit wohlmeinenden Bürgern um etwas kämpfen, was andernorts kein einziges Wort kostet.
Würde, Erinnerung, Verantwortung, Gedenken und Hand in Hand in die Zukunft gehen, weil wir alle aus der Vergangenheit gelernt haben. Die einen wollen nie wieder Opfer sein und die ande-ren nie wieder Täter.

Unser Wunsch ist klar. Wir wollen in Würde und Ruhe, wie versprochen, den Gedenkbrunnen im wörtlichen Sinne mit den alten Steinen als einen würdigen Gedenkstätte benützen, und sicher nicht einfach, wie gestern Abend in einer Pressemitteilung gemeldet, eine Erinnerungsort.

Wir haben nie verlangt, dass mit großem finanziellem Aufwand ein Brunnen zum Gedenken ge-baut wird, aber wir haben dem nach vielen Beteuerungen zugestimmt, weil man uns versprach, dass es eine würdige Gedenkstätte an lebendigem Platz sein wird. Wir bitten Sie Ihrem Gewis-sen zu folgen und nur Entscheidungen mitzutragen die das ermöglichen.
Sagen Sie « Nein » zur Vermischung von Gedenken und Badebetrieb oder Zweckentfremdung anderer Art.
Helfen Sie uns, die wenigen geretteten Synagogen-Steine würdig in einer Gedenkstätte am Ort der Alten zerstörten Synagoge einzubinden, mit der wir alle sagen können: Es ist gelungen!

Alles Gute für Sie, Ihre Arbeit und Ihre Familien

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