PINK – Fachberatung für Prostituierte

Die Fachberatungsstelle berät und unterstützt Frauen, die in der Prostitution tätig sind oder waren und begleitet sie beim Ausstieg aus dem Gewerbe.

Foto: Stadt Freiburg

Vorschlag

Um sich weiterhin für die Belange von Prostituierten einsetzen zu können, braucht die Beratungsstelle einen städtischen Zuschuss, da die Projektgelder des Bundes nach fünf Jahren ausgelaufen sind.

Anträge der Fraktionen

Mit der baurechtlichen Neuordnung der Bordelle in Freiburg und der gleichzeitigen Einführung einer Prostitutionssteuer war die Forderung verbunden, auf die Verbesserung der Lebens- und Arbeitsbedingungen von Prostituierten hinzuwirken und deren Ausstieg aus dem Gewerbe zu erleichtern. Dazu muss die Arbeit der Beratungsstelle fortgesetzt werden, was nur mit städtischer Förderung gewährleistet werden kann.
Durch entsprechende Anträge von Grünen, SPD, UL, JPG, FL/FF und FW wird PINK erstmalig mit 90.000 Euro in den Doppelhaushalt aufgenommen.


Stand heute

(Dezember 2016)

Die Fachberatungsstelle für Prostituierte unter dem Dach des Diakonischen Werks mit Standorten in Freiburg und Kehl wurde im Jahr 2009 als Bundesmodellprojekt gestartet. Inzwischen hat sich PINK als einzige Beratungsstelle im Dreiländereck für Freiburg, Mittel- und Südbaden etabliert. "Mit dem städtischen Zuschuss und der Landesförderung konnten wir unsere Arbeit aufrechterhalten", sagt Simone Heneka, "mehr leider nicht." Die Sozialarbeiterin teilt sich in Freiburg eine Vollzeitstelle mit einer Kollegin. Sie hofft, vor allem die Präventionsarbeit künftig ausbauen zu können, der Bedarf ist da. "Wir haben als Modellprojekt zur Ausstiegsberatung von Prostituierten angefangen, inzwischen beraten wir Sexarbeiterinnen aus allen Bereichen in ihrer jeweiligen Lebenslage".

Besuche am Arbeitsplatz

Wie viele Frauen das in Freiburg sind, lässt sich nicht genau sagen, das Milieu zeichnet sich durch einen häufigen Wechsel und eine hohe Dunkelziffer aus. Neun Bordelle gibt es über die Stadt verteilt, daneben bieten Frauen ihre Dienste aber auch in den eigenen vier Wänden an, stadtweit sind etwa 30 solcher Wohnungen bekannt. Dazu kommen Frauen aus dem Escortservice und Anbieterinnen von Telefonsexdiensten. Alle vierzehn Tage besucht eine der beiden Sozialarbeiterinnen im Tandem mit Mitarbeiterinnen des Gesundheitsamtes oder der AIDS-Hilfe die bekannten Einrichtungen, um vor Ort mit den Prostituierten in Kontakt zu kommen und sie über das Angebot von PINK zu informieren. Rund 250 Frauen erreicht das Team durch die Besuche jährlich, weitere 400 Frauen wenden sich telefonsich an die Beratungsstelle, zum Teil aus dem gesamten Bundesgebiet, mit den unterschiedlichsten Anliegen.

Von der Ausstiegsberatung bis zur Kita-Suche

Die einen suchen nach einer beruflichen Perspektive, weil sie aus der Prostitution aussteigen wollen, andere haben gesundheitliche Probleme, trauen sich aber nicht zum Arzt – aus Scham oder weil sie nicht krankenversichert sind. Heneka klärt ab, welche Leistungen die Frauen beantragen können, leitet sie an andere Stellen wie Sucht- oder Schuldnerberatung weiter, begleitet sie auf Ämter oder vermittelt sie in Deutschkurse. Sie sucht nach Therapieplätzen, hilft bei der Wohnungssuche oder bei der Kita-Anmeldung. "Hinter den Frauen stehen zum Teil ganze Familienclans, die auch Unterstützung brauchen", erklärt die Sozialarbeiterin. Momentan betreut sie 20 Frauen intensiv in ihrem Alltag.

Runder Tisch zur Gesetzesänderung

Der wird sich im kommenden Jahr voraussichtlich verändern. Wenn im Juli 2017 das Prostituiertenschutzgesetz in Kraft tritt, besteht für die Frauen eine Anmelde- und Beratungspflicht. Was auf der einen Seite Mindeststandards für Prostitutionsstätten schaffen und die Arbeitsbedingungen von Prostituierten verbessern soll, stellt die Frauen auf der anderen Seite vor bürokratische Hürden und die Kommunen vor organisatorische Herausforderungen. Noch ist unklar, welche Veränderungen das Gesetz im Einzelnen für alle Beteiligten mit sich bringt. Aus diesem Anlass hat PINK die Fachgruppe Prostitution initiiert, in der alle mit dem Thema befassten Institutionen zusammenkommen. Zum Auftakt im Oktober 2016 trafen sich neben Vertreterinnen der Diakonie Mitarbeitende verschiedener städtischer Fachämter sowie vom Gesundheitsamt, Mitarbeiterinnen der AIDS-Hilfe und vom Jobcenter sowie ein Bordellbetreiber. Geplant ist ein gemeinsames Positionspapier zum Gesetz und seinen Auswirkungen.

Fortgang

Am 2. Mai 2017 hat der Gemeinderat den Doppelhaushalt für die Jahre 2017/2018 verabschiedet.

Vorab hatten die Fraktionen so viele Anträge wie mutmaßlich noch nie zuvor strittig, also erneut zur Abstimmung gestellt. So schafften es über 30 Themen in der dritten und letzten Lesung der Haushaltsberatungen noch in den Etat. Darunter erneut die Fachberatung für Prostituierte, die durch Anträge von SPD, UL und FL/FF  für die kommenden beiden Haushaltsjahre jährlich einen 25.000 Euro höheren Zuschuss erhält.

Alle Entscheidungen des Gemeinderats zum Doppelhaushalt 2017/2018