Amtsblatt, 29.11.2004 Heute vor 60 Jahren: Tausende Spreng- und Brandbomben verwüsteten am 27. 11. 1944 die Stadt

Der Sirenenvoralarm, der um 19.48 Uhr ertönte, wurde von den meisten Menschen tragischerweise nicht ernst genommen. Denn zu viele Warnungen dieser Art in den letzten Monaten hatten sich später als Fehlalarme entpuppt. Und so befanden sich die meisten Freiburgerinnen und Freiburger daheim beim Abendessen oder in Gaststätten und Cafes und auch die Kinos waren gut besucht. Doch zehn Minuten später, um 19.58 Uhr des 27. November 1944, war es dann zu spät, die Luftschutzkeller im Schlossberg aufzusuchen. Binnen zwanzig Minuten verwandelte die britische "Bomber-Group No.1" mit 292 Flugzeugen und 59 Maschinen der "8th Pathfinder Group" die Schneise zwischen Lehen, Betzenhausen, der Mooswaldsiedlung und der Innenstadt in ein Inferno. Der dichte Teppich aus Brand- und Sprengbomben legte vor allem die nordwestlichen Teile der Altstadt sowie die Bereiche rund um die Bahnanlagen in Schutt und Asche. Fast 2800 Menschen, darunter vcr allem Frauen, Kinder und Alte, kamen unter den zusammenbrechenden Häusern oder in den Feuersbrünsten um, 4200 wurden verletzt und 11.000 obdachlos. Weil viele Leichen nicht zu identifizieren waren, wurden die meisten Toten in dem anonymen Massengrab auf dem Hauptfriedhof beigesetzt. Noch zehn Jahre später galten fast hundert Personen als vermisst. Rund ein Fünftel des Freiburger Gebäudebestands fiel dem Angriff zum Opfer, darunter auch zahlreiche Kirchen und denkmalgeschützte Privatgebäude.
Die "Operation Tigerfish" war eine Antwort der Royal Air Force auf die Luftangriffe der Nazis gegen die britische Bevölkerung, sowie auf den am 18. Februar 1943 von Progagandaminister Joseph Goebbels ausgerufenen und von vielen Deutschen begeistert gefeierten "totalen Krieg". Das Luftkriegskonzept der Briten nahm nun nicht mehr nur militärischer Ziele ins Visier, sondern zielte auch darauf ab, die Infrastruktur Deutschlands zu zerstören und die Moral der Zivilbevölkerung zu untergraben. Am "Area Bombing", also dem Abwurf sehr vieler Brand- und Sprengbomben in kurzer Zeit, beteiligte sich ab 1943 auch die US-Luftwaffe. Lübeck, Rostock, Köln, Hamburg und Düsseldorf waren die ersten Ziele solch systematischen Flächenbombardements. Später folgten Freiburg, Heilbronn, Nürnberg, Mainz, Paderborn, Magdeburg, Potsdam und Dresden. Nach dem Ende des Zweiten Weltkriegs kamen Militärhistoriker zu dem Schluss, dass das Flächenbombardement deutscher Städte nicht entscheidend für den weiteren Kriegsverlauf war.

Das Luftbild der Innenstadt zeigt die gewaltige Zerstörung auf beiden Seiten der Kaiser-Joseph-Straße (links). Komplett vernichtet wurde das Kornhaus, schwer beschädigt der Basler Hof. Nur der östliche Teil der Schusterstraße (unten rechts) wurde teilweise verschont. (Foto: Stadtarchiv)

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