Irritieren, anstoßen, verändern

Museum für Neue Kunst zeigt Werke von Mathilde ter Heijne

Objekte schaffen und verändern, ihnen eine neue Bedeutung geben, altbewährte Zuschreibungen in Frage stellen, Machtstrukturen und Geschlechterrollen sichtbar machen und damit zugleich zur Diskussion freigeben – die Ausstellung im Museum für Neue Kunst trägt nicht ohne Grund den Titel "Performing Change". Die Sonderausstellung mit den Werken von Mathilde ter Heijne ist zu sehen ab Samstag, 8. November, bis Ende Februar 2015.


Über 700 Postkarten mit 700 Frauenporträts verwandeln eine Wand in der Ausstellung in ein eigenes, dicht gedrängtes Miniaturmuseum. Das Fotoprojekt "Woman to Go" zeigt Bilder von unbekannten Frauen aus aller Welt, aufgenommen zwischen 1840 und 1920, also von den Anfangszeiten der Fotografie bis kurz vor dem Auftauchen der Farbfotografie. Auf den Rückseiten der Karten befinden sich Kurzbiographien von bekannteren Frauen aus unterschiedlichsten Kulturkreisen, von denen zwar eine Geschichte, aber oft kein Bild überliefert ist.

So entsteht einerseits ein Zusammenspiel zwischen den Gesichtern und den Lebensläufen, andererseits ermöglicht die Vielzahl an Porträts einen Vergleich der Posen und Darstellungsformen, die zu unterschiedlichen Zeiten an unterschiedlichen Orten vor der Kamera eingenommen wurden. Außerdem können die Besucherinnen und Besucher sich bei den Postkarten frei bedienen, sie als Inspirationsquelle mitnehmen, in die Welt hinausschicken oder sich zuhause ihre eigene kleine Galerie weiblicher Rollenmodelle zusammenstellen. Extra für Freiburg wurde das fortlaufende Projekt um 50 lokale Biographien ergänzt.

Weiter gezeigt wird eine Gemeinschaftsarbeit, für die 200 Frauen aus Freiburg handgenähte Einzelteile beigesteuert haben und die von ihnen mit individuellen Botschaften versehen wurden.

Einen dritten Teil der Ausstellung nimmt die Auseinandersetzung der Künstlerin mit einzelnen steinzeitlichen Figuren dar, die im Rahmen der Sonderausstellung "Ich Mann. Du Frau" zur Zeit imArchäologischen Museum im Colombischlössle zu sehen sind. Aus der Vielfalt der üppigen Venusstatuetten und phallischen Fruchtbarkeitsfiguren wählte die Künstlerin vor allem solche aus, die sich der eindeutigen Zuschreibung und Dualität der Geschlechter entziehen. So entstanden aus Ton gebrannte, überdimensionierte Skulpturen, die mit den traditionellen Identifikationsmustern spielen, provozieren und irritieren.

In Analogie zu dem rituellen Charakter der prähistorischen Objekte bekommen auch Mathilde ter Heijnes Figuren durch die Art der Präsentation und ihre Aufwertung als Kunst einen quasi rituellen Charakter. Und wie die kleinen, uralten Statuetten sind auch sie beweglich – denn obwohl sie groß und schwer sind, können sie nach Belieben verschoben werden. So erinnern sie an sakrale Kultobjekte, zugleich aber auch an das mobile Equipment einer Rockband auf Reisen.

Mathilde ter Heijne, als Niederländerin 1969 in Straßburg geboren, lebt heute in Berlin. Sie arbeitet vor allem als Video- und Installationskünstlerin, außerdem unterrichtet sie visuelle Kunst und Performance an der Kunsthochschule Kassel.

Weitere Informationen unter: www.freiburg.de/museen

Veröffentlicht am 07.11.2014

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