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Performing Change

Mathilde ter Heijne

Museum für Neue Kunst

8. November 2014 bis 22. Februar 2015

Die Niederländerin Mathilde ter Heijne untersucht in ihrer Kunst genderbezogene Phänomene verschiedener Kulturen. Dabei reflektiert sie historische Entwicklungen und aktuelle Trends und hinterfragt soziokulturelle, politische und ökonomische Zusammenhänge: Was prägt Geschlechtsidentität und wie prägt diese die Gesellschaft? Was gilt als normal und wie können gesellschaftliche Strukturen verändert werden?

Erfahrungen und Erlerntes bestimmen maßgeblich, was wir als wirklich oder fiktiv, als richtig oder falsch erleben. Diese Wahrnehmung der Realität beeinflusst unser Denken und Handeln, unsere Identität und unsere gesellschaftliche Rolle. Hier setzt ter Heijne an: Ihre Arbeiten regen dazu an, die Perspektive zu wechseln um neue Erfahrungen zu sammeln. Vorstellungen von Normalität und damit einhergehende Stereotypen werden in Frage gestellt.

Für Freiburg hat die Künstlerin neue Arbeiten mit starkem Regionalbezug und zugleich internationaler Vernetzung entwickelt. Ihre Werke entstehen in Prozessen, bei denen sie verschiedene Gruppen, Institutionen und Einzelpersonen einbezieht. So fließen die Ansichten vieler in die Werke ein.

Dieser gemeinschaftliche Ansatz wird in der Ausstellung unter anderem im Projekt It will be! sichtbar. Ter Heijne hat dafür in Freiburg, Istanbul und Berlin Menschen unterschiedlicher Herkunft mit Profis aus Textilkunst und Design zusammen gebracht. Gemeinsam haben sie eine beeindruckende Rauminstallation geschaffen: 200 große, dreieckige Kissen, eine Seite individuell gestaltet, die andere mit einem für die jeweilige Person wichtigen Statement versehen, ergeben ein vielschichtiges Mosaik. Veranstaltungen beleben die bunte Raumlandschaft und machen sie zu einem Ort für Diskussion und Reflexion.

Zu sehen ist außerdem die Arbeit Woman to Go, für die ter Heijne das Leben von Frauen erforscht, die in der Geschichtsschreibung ins Abseits gerückt oder vergessen werden. Auf der wachsenden Serie von Postkarten ist jeweils das Porträt einer unbekannten Frau zu sehen, aufgenommen in den Anfangsjahren der Fotografie zwischen 1840 und 1920. Die Porträts kombiniert die Künstlerin mit der Biografie einer anderen, einst prominenten aber heute vergessenen Frau. Das Material trägt sie weltweit zusammen, Bild und zugeordnete Lebensgeschichte können also aus unterschiedlichen Kulturen stammen. Auf diese Weise konstruiert ter Heijne mögliche Biografien und wirft zugleich die Frage auf, inwieweit Identität immer auch Fiktion ist. Der Bruch, der durch die Verknüpfung entsteht, irritiert und gibt Denkanstöße. Seit 2005 sind 720 Postkarten entstanden. 45 Fotos und Lebensgeschichten kommen aus Freiburg. Die Karten können mitgenommen werden. Über ihre Verbreitung gewinnen die Frauen wieder an Bedeutung.

Einen weiteren Ausstellungsbereich nimmt das Werk Experimental Archeology ein, bei dem die Künstlerin prähistorische Funde ins Heute transformiert. Die bis zu 40.000 Jahre alten steinzeitlichen Artefakte sind kulturelle Darstellungen von Körperlichkeit. Im Original meist zwischen zwei und 20 Zentimeter groß, hat sie ter Heijne auf bis zu drei Meter vergrößert nachgebaut. Die Figuren scheinen nur auf den ersten Blick eindeutig männlich oder weiblich, die Geschlechter verschmelzen und lösen sich schließlich auf. Die eindrucksvolle Präsenz der Objekte wird durch eine aufwändige Inszenierung verstärkt. Ter Heijne knüpft damit auch an die Ausstellung Ich Mann. Du Frau. Feste Rollen seit Urzeiten? im Archäologischen Museum Colombischlössle an.