Das 1 x 1 des BHKW

Wie funktioniert’s?

Wie funktioniert’s?

Blockheizkraftwerke (BHKW) sind Verbrennungsmotoren, die einen Strom-Generator antreiben und deren Abwärme für die Heizung und Warmwasserbereitung genutzt werden kann. Das Temperaturniveau dieser Nutzwärme liegt bei max. ca. 90 Grad Celsius. BHKW für den Einsatz in Mehrfamilienhäusern habe etwa die Dimension einer größeren Gefriertruhe.

Damit ein BHKW in Wohngebäuden möglichst wirtschaftlich betrieben werden kann, strebt man unter heutigen Rahmenbedingungen eine größtmögliche Eigennutzung des vom BHKW erzeugten Stroms an. Das Klein-Kraftwerk wird deshalb nicht nur anhand des Wärmebedarfs, sondern auch anhand des Stromverbrauchs der Bewohner ausgelegt und betrieben – springt also nach Möglichkeit immer dann an, wenn viel Strom im Haus verbraucht wird. Die dabei entstehende und nicht gleich benötigte Abwärme kann an einen Warmwasser-Pufferspeicher abgegeben und dort „zwischengelagert“ werden. Je größer der Speicher ist, desto besser kann der Betrieb vom Wärmebedarf zeitlich entkoppelt werden. Dadurch kann nicht nur ein Großteil des Strombedarfs, sondern auch bis zu 90 oder mehr Prozent des Wärmebedarfs eines Hauses gedeckt werden. Um die restliche Wärme bereitzustellen, kann zum Beispiel ein bereits bestehender Heizkessel verwendet werden.

Wie die Leistung eines BHKW dimensioniert sein sollte, hängt von Art und Menge des Energieverbrauchs in dem Gebäude ab und muss von einem Fachplaner ermittelt werden. Die kleinsten marktgängigen BHKW zur Nutzung in Mehrfamilienhäusern haben eine elektrische Leistung von etwa fünf Kilowatt und können für Objekte ab ca. fünf Wohnungen eingesetzt werden.

Funktionsprinzip (Grafik: Energieagentur Regio Freiburg GmbH, C. Neumann)

Beitrag zu Klimaschutz und Energiewende

Beitrag zu Klimaschutz und Energiewende

Der große Vorteil der BHKW ist ihre äußert effiziente Nutzung der eingesetzten Energie: Gegenüber der Versorgung eines Verbrauchers mit Wärme aus einem Heizkessel und Strom aus einem großen Kohlekraftwerk spart die Versorgung über ein BHKW rund ein Drittel der Energie ein. Entsprechend besser ist seine Klimabilanz gegenüber der getrennten Erzeugung von Wärme und Strom. Nach einer Beispielrechnung der Boston Consulting Group in der Fachzeitschrift Immobilienwirtschaft lassen sich in einem unsanierten Musterhaus aus dem Jahr 1975 mit 16 Parteien durch die Installation eines 15-Kilowatt-BHKW jährlich 42 Tonnen Kohlendioxid einsparen.

Die gute Umweltbilanz der BHKW hat auch den Gesetzgeber überzeugt: Sowohl das bundesweit geltende Erneuerbare-Energien-Wärmegesetz (gilt für Neubauten) als auch das entsprechende Gesetz auf Landesebene (für Gebäude im Bestand) sehen die Installation eines BHKW als adäquate Ersatzmaßnahme, um die Vorgaben zur Nutzung Erneuerbarer Energien in der Wärmebereitstellung zu erfüllen. Voraussetzung: Es müssen mindestens 50 Prozent des Wärmebedarfs eines Hauses mit dem BHKW gedeckt werden. Weitere Informationen zu den beiden Gesetzen finden Sie hier.

Ein weiterer Vorteil der BHKW ist, dass ihre zeitlich steuerbare und bedarfsorientierte Stromerzeugung eine gute Ergänzung zur wetterabhängigen Wind- und Solarenergie ist. Da man davon ausgeht, dass überschüssiger Strom aus Wind- und Solar-Anlagen zukünftig insbesondere auch zur Erzeugung von Gas genutzt wird („power-to-gas“), kann diese Funktion perspektivisch sogar mit regenerativ erzeugtem Gas erfüllt werden. Auch die Zwischenspeicherung dieses Gases wäre kein Problem: Gasspeicher und Gasnetz stellen ausreichend Kapazitäten zur Verfügung, um Windflauten und sonnenarme Tage und Wochen gut überbrücken zu können.

KWK - Wirkungsgrad

Wie müssen die Rahmenbedingungen sein?

Wie müssen die Rahmenbedingungen sein?

Wird die Wärme des BHKW nicht nur für die Heizung, sondern auch zur Erwärmung des Brauchwassers genutzt, verbessert dies die Auslastung, bietet eine Wärmeabnahme auch im Sommer und erhöht die Betriebsdauer des BHKW. Voraussetzung hierfür ist, dass es in Ihrem Gebäude eine zentrale Warmwasserversorgung gibt.

Für die Installation des BHKW im (Heizungs-)Keller sollte ein mindestens vier Quadratmeter großer, trockener Platz zur Verfügung stehen. Zudem braucht es in der Nähe einen mindestens einen Quadratmeter großen Platz für den Pufferspeicher. Soll das BHKW in direkter Nähe zu einem Schlafzimmer oder anderen lärmempfindlichen Räumen aufgestellt werden, ist eventuell für Schallschutz zu sorgen (z.B. BHKW-Kapselung). In der Regel ist der Schallpegel eines BHKW im Betrieb mit dem eines Gas- oder Ölkessels vergleichbar.

Da das BHKW meist mit Erdgas betrieben wird, ist es von Vorteil, wenn ein Gasanschluss vorhanden ist. Alternativ kann man auch Heizöl oder Flüssiggas verwenden. Letzteres kommt allerdings nur bei einem Haus mit fünf bis sechs Wohneinheiten in Frage, da wegen Explosionsgefahr die Lagerhaltung von max. 5.000 Litern Flüssiggas unkompliziert möglich ist.


Mehr Wirtschaftlichkeit durch Eigenstromversorgung

Mehr Wirtschaftlichkeit durch Eigenstromversorgung

Um die Wirtschaftlichkeit eines BHKW zu verbessern, sollte angestrebt werden, so viel wie möglich des im BHKW erzeugten Stroms auch selbst zu nutzen – aus einem einfachen Grund: Wird der Strom nur ins Netz eingespeist, erhält man inklusive des KWK-Zuschlag eine Vergütung von neun bis zehn Cent pro Kilowattstunde. Eine Wirtschaftlichkeit ist so schwer zu erreichen. Ersetzt dagegen der BHKW-Strom den Strom, den man normalerweise vom Energieversorger bezieht, so ist die Kilowattstunde brutto derzeit 26 bis 28 Cent wert (je nach Versorger). Dadurch können BHKW auch schon bei Laufzeiten von weniger als 3.000 Stunden im Jahr wirtschaftlich betrieben werden.

Damit der Strom in einem Mehrfamilienhaus selbst genutzt werden kann, braucht es einen juristischen Rahmen: Wesentlich hierbei ist, dass alle Mieter und Eigentümer des Hauses, die den Strom des BHKW nutzen wollen, einer sogenannten Eigenstrom-GbR (GbR = Gesellschaft bürgerlichen Rechts) beitreten, die das BHKW betreibt. Der GbR muss das BHKW nicht unbedingt selber gehören, sondern sie kann es vom BHKW-Eigentümer pachten. Das können die Gebäudeeigentümer ebenso sein, wie zum Beispiel eine Energie-Genossenschaft. Vorteil für die Gesellschafter: Sie können nach Abzug der Kosten für die Pacht des BHKW den Strom um zehn bis 15 Prozent günstiger erhalten. Weitere Informationen zu diesem Modell finden Sie hier bzw. im Kapitel „Schritt für Schritt zum eigenen Blockheizkraftwerk“.

Einen wichtigen Einfluss auf die Wirtschaftlichkeit des BHKW hat die EEG-Umlage, die seit dem 1. August 2014 in Teilen auch auf den Eigenstrom-GbR genutzten Strom bezahlt werden muss. Das Gesetz sieht vor, dass bis Ende 2015 30%, bis Ende 2016 35% und danach 40% der jeweiligen EEG-Umlage als Abgabe für den Eigenversorger anfallen. Wie erste Berechnungen zeigen, kann ein BHKW aber auch mit einer 30- bis 40prozentigen EEG-Umlage noch wirtschaftlich betrieben werden, wenn Wärmebedarf und Stromverbrauch im Haus in einem günstigen Verhältnis stehen. Es ist aber in jedem Fall der Einzelfall zu prüfen. Die aktuelle Version des EEG finden Sie hier.

Dass sich ein BHKW mit Fokus auf die Strom-Eigennutzung lohnen kann, zeigt eine Modellrechnung, die für das Projekt Kraftwerk Wiehre auf Basis eines Mehrfamilienhauses mit zehn Wohneinheiten angestellt wurde - allerdings noch auf Basis der bis zur Novelle gültigen Annahme, dass auf selbst erzeugten und genutzten Strom keine EEG-Umlage anfällt. Gegenüber der Lösung mit Gaskessel und Solarthermieanlage sind die jährlichen Kosten für die Bereitstellung der Energie inklusive Kapitalkosten demnach um knapp 2.000 Euro niedriger. Weitere Informationen zu dieser Beispielrechnung hier. Wesentlicher Vorteil einer BHKW-Lösung ist jeden Fall, dass sich die Investition durch Ersparnisse bei Strom und Steuern über die Jahre amortisieren kann, während klassische Heizungssysteme mit Erdgas- oder Erdölkessel stetig Kosten verursachen.

Zu beachten ist, dass die Eigenversorgung im Rahmen des beschriebenen Modells relativ komplexe rechtliche Sachverhalte nach sich zieht. WEG und Verwalter sollten deshalb bereits bei der Planung einen Rechtsanwalt hinzuziehen, um alle Gestaltungsmöglichkeiten ausschöpfen zu können. Detailliertere Informationen zu den steuerlichen Auswirkungen finden Sie hier.

Schema Eigenstromerzeugung (Grafik: Energy Consulting Christian Meyer, Umkirch)

Welche Förderungen und Finanzierungsinstrumente gibt es?

Welche Förderungen und Finanzierungsinstrumente gibt es?

Für die Installation eines BHKW gibt es eine Vielzahl von Fördermöglichkeiten. Wichtig: Die Anträge für Fördermaßnahmen müssen in der Regel vor Beginn des Vorhabens gestellt werden. Informieren Sie sich insbesondere, welche Förderungen sich gegenseitig ausschließen.

Regionale Programme
Die Stadt Freiburg bietet kostenlose Vor-Ort-Checks an. Die Vor-Ort-Checks sind für die Antragsteller kostenlos, Konzepte und Modellprojekte werden anteilig (60% der Kosten) gefördert. Alle Informationen hierzu finden Sie hier.

Kunden der Elektrizitätswerke Schönau (EWS) können eine Förderung von bis zu zwei Cent pro Kilowattstunde erhalten. Damit verbunden ist aber die Verpflichtung zur Anwerbung von Neukunden. Weitere Informationen hier.

Programme des Bundes
Das Bundesamt für Wirtschaft und Ausfuhrkontrolle (BAFA) fördert die Installation von neuen BHKW in Bestandsgebäuden mit einer elektrischen Leistung bis maximal 20 Kilowatt. Sie können einen einmaligen Investitionszuschuss erhalten, der nach der elektrischen Leistung der Anlagen gestaffelt ist. Er liegt zwischen 1.500 Euro und 3.450 Euro. Um den Zuschuss zu erhalten, müssen das BHKW und der Wärmespeicher bestimmten Effizienzanforderungen genügen und in der BAFA-Liste der förderfähigen Anlagen enthalten sein. Weitere Informationen zum Investitionszuschuss des BAFA finden Sie hier.

Alternativ kann ein Zuschuss bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) im Rahmen Ihres Programms Energieeffizient Sanieren (Programm 430) beantragt werden. Für den Einbau eines BHKW werden 10 Prozent der förderfähigen Investitionskosten übernommen.

Statt eines Zuschusses kann bei der KfW auch ein zinsgünstiges Darlehen mit einem effektiven Jahreszins von einem Prozent in Anspruch genommen werden. Die Darlehen werden im Rahmen der Programme 151 und 152 gewährt.

Weitere Möglichkeiten, zusätzliche Einnahmen zu generieren
Der Staat unterstützt die Installation von BHKW mit der Rückerstattung der Energiesteuer für den verwendeten Brennstoff, allerdings nur wenn die Anlage neben dem bisher erforderlichen Mindestnutzungsgrad von 70 Prozent auch hocheffizient im Sinne der Anlage III der EU-Richtlinie 2004/8/EG ist und steuerrechtlich nicht vollständig abgeschrieben wurde. Bei Erdgas beträgt der Preisvorteil 0,55 je Kilowattstunde, für Flüssiggas 6,06 Cent je Kilogramm und für Heizöl EL 6,135 Cent je Liter.

Wird das BHKW nicht mit fossilen Brennstoffen betrieben, sondern mit Erneuerbaren Energien (zum Beispiel Pflanzenöl oder Pellets) erhalten die Betreiber eine Einspeisevergütung, die sich nach dem Erneuerbare-Energien-Gesetz richtet. Nach Ansicht des BHKW-Forum e. V. rechtfertigt der Mehraufwand, der durch die Abrechnung nach EEG und den Betrieb speziell mit Pflanzenöl entsteht, aber den Mehrertrag nicht. Weitere Informationen finden Sie hier.


Das BHKW von Dritten finanziert und/oder betrieben

Das BHKW von Dritten finanziert und/oder betrieben

Wer die Investition für ein BHKW scheut, kann auch einen Dritten hinzuziehen und mit ihm einen so genannten Contracting-Vertrag schließen. Der Contracting-Nehmer finanziert und baut das BHKW im Auftrag der Eigenstrom-GbR und betreut es über die nächsten 10 bis 20 Jahre. Er refinanziert sich zum Beispiel durch die Vermietung des BHKW an die Eigenstrom-GbR. Dies reduziert den zeitlichen und finanziellen Aufwand für die Gebäudeeigentümer, nimmt ihnen aber natürlich auch die Möglichkeit, im vollen Umfang finanziell von der Energiewende im eigenen Haus zu profitieren. Eine Contracting-Lösung für Privatkunden im Raum Freiburg bieten derzeit die in Freiburg beheimatete Energiegenossenschaft SolarGeno und das Lörracher Unternehmen Energiedienst an.

Energiedienst bietet alternativ an, ein von der WEG selbst finanziertes BHKW zu pachten und für die WEG zu betreiben. Auch mit diesem Modell entledigt sich die WEG des technischen und kaufmännischen Risikos eines Betriebs, kann aber gegenüber der Contracting-Variante gegebenfalls von niedrigeren Kapitalkosten profitieren.

Der Energieversorger Badenova fungiert in Südbaden ebenfalls als Contracting-Nehmer. Das Unternehmen finanziert, baut und betreibt BHKW bisher allerdings nur in größeren Wohn- und Gewerbeeinheiten, die BHKW mit einer elektrischen Leistung von 100 Kilowatt und mehr benötigen. Außerdem hat Badenova ein spezielles Beratungsangebot für BHKW-Interessierte mit Bedarfsanalyse, Wirtschaftlichkeitsbetrachtung etc. Informationen hierzu finden Sie hier.