Freiburg – handelt! – fair!

Nach Erfüllung aller Kriterien der Kampagne Fairtrade-Towns wurde Freiburg am 26. April 2013 mit dem Titel Fairtrade-Stadt ausgezeichnet. Freiburg ist somit die 150. Fairtrade-Town in Deutschland. Frau Claudia Brück von TransFair überreichte vor zahlreichen Gästen im gut gefüllten Historischen Ratssaal die Urkunde an Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon.

Mit Oberbürgermeister Dieter Salomon und Claudia Brück freuten sich die Mitglieder der Steuerungsgruppe „Faires Freiburg“: Bürgermeister Ulrich von Kirchbach, Carolin Bersin-Tarda, Sabine Bobenhausen, Mona El-Atawi, Dagmar Große, David Jüngst, Dietrich Limberger, Stefanie Osten, Sieglinde Stempel und Hariolf Mosthaf über die Auszeichnung

Wie Frau Brück in ihrer Rede betonte, hat Freiburg die Kriterien in den Bereichen Einzelhandel und Gastronomie ausgezeichnet erfüllt. Mit über siebzig Einzelhandelsgeschäften, die mindestens zwei fair gehandelte Produkte führen, rund dreißig Cafés, Mensen und Kantinen, die „faire Produkte“ ausschenken, haben mehr als doppelt so viele Betriebe wie notwendig ein „faires Angebot“. Mit mindestens elf Schulen, zahlreichen ausgewählten Vereinen und Kirchengemeinden, die alle fair gehandelte Produkte anbieten und konsumieren, zeigen die Freiburger Bürgerinnen und Bürger ein überdurchschnittliches Engagement für den fairen Handel. Besonders hervorzuheben sind die drei Freiburger Weltläden, Weltladen Gerberau, Weltladen Herdern und Salzladen Freiburg, die seit Jahren ein umfangreiches Sortiment fair gehandelter Produkte anbieten. Da alle Kriterien vorbildlich erfüllt wurden, erhält Freiburg den Titel „Fairtrade-Stadt“ – zunächst für zwei Jahre.
 
Die von den drei Weltläden mit Unterstützung des Agenda 21-Büros Freiburg herausgebrachte Stadt-Schokolade wurde von Frau Brück als gelungenes Beispiel zur Unterstützung des Fairen Handels gelobt.

Frau Brück von TransFair e.V. mit der Freiburger Stadt-Schokolade

Fairer Handel, so die stellv. TransFair-Geschäftsführerin, hat im Jahr 2012 in Deutschland ein Volumen von 533 Millionen Euro erreicht –ein Plus von 33 Prozent. Aber dies sind im Durchschnitt nicht mehr als 6,50 Euro pro Kopf und Jahr. In anderen Ländern werden deutlich höhere Werte erreicht – in der Schweiz sind es 41 Euro, in England 20 Euro und in Österreich 12 Euro – Deutschland ist noch ein Fairtrade-Entwicklungsland.
 
Mit einer fairen „Party“ hatten sich zuvor rund 150 Besucher unter den Arkaden des Rathauses auf die Titelvergabe eingestimmt. Im Innenhof des Rathauses lockten zahlreiche Stände mit attraktiven Angeboten zum Fairen Handel. Die Freiburger Weltläden, das Eine Welt Forum, das Agenda 21- Büro und andere Eine-Welt-Initiativen präsentierten ihre Arbeit und überreichten kulinarische Kostproben. Es gab einen Kaffee-Parcour und zur großen Freude der Kinder eine Schokoladen-Werkstatt, in der eifrig Kakaobohnen zermörsert und mit Zucker und Kakaobutter zu Schokolade verarbeitet wurden. Für musikalische Untermalung sorgten der Schülerchor derTurnseeschule, die Afrikanische Trommelgruppe „Liberté“ und der Gospelchor „Mulilo“. Trotz Regenwetter war die Veranstaltung lebhaft besucht. Dies nutzten die Fairhandels-Akteure um mit den Bürgerinnen und Bürgern ins Gespräch zukommen und über den Fairen Handel zu informieren. Informieren und probieren sowie Musik standen im Mittelpunkt der ersten Stunde.
 
Mit dem Afrikanischen Chor ging es dann nach oben in den Historischen Ratssaal, der mit mindestens 80 Personen nicht nur bis auf den letzten Sitzplatz, sondern auch bis auf den letzten Stehplatz gut gefüllt war.
 
Bürgermeister von Kirchbach, Karin Peterseil als Moderatorin und Dietrich Limberger vom Agenda 21-Büro Freiburg begrüßten die zahlreichen Gäste und führten in die Veranstaltung ein. Nach der mitreißenden Einstimmung durch den Chor folgte die Auslosung im Rahmen der Aktion „Verkosten und bewerten“ – ein spannender weiterer Höhepunkt. Die glücklichen Gewinner der von Bürgermeister von Kirchbach gezogenen drei ersten Preise sehen Sie auf dem nebenstehenden Foto.

Drei Preisträger der Aktion „Stadtschokolade verkosten und bewerten“, dem SC-Ball mit den Unterschriften der Spieler als 1. Preis und den „Glücksfeen“

Im anschließenden Vortrag berichtete Dr. Susann Reiner vom Regenwaldinstitut Freiburg über den Regenwald am Amazonas, dem Gebiet, in dem die aromatischen Früchte der Freiburger Stadtschokolade wachsen, die Grundlage für die nachhaltigste Stadtschokolade der Welt, die „Freiburger Stadtschokolade“.
 
Danach konnten Bürgerinnen und Bürger Statements abgeben oder Fragen zu den Sie bewegenden Themen zur Entwicklungszusammenarbeit oder zum Fairen Handel stellen. Diese Möglichkeit wurde von fünfzehn Bürgerinnen und Bürgern konzentriert und sachkundig genutzt. Sie brachten Ideen und Impulse für eine effektive Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen Initiativen und der Stadt Freiburg im Bereich des Fairen Handels ein.
 
Auszug aus den Statements/Fragen
Die Bürgerinnen und Bürger wiesen u.a. daraufhin: 

  • Dass das in Freiburg vorhandene Wissen zu Energieeffizienz und Erneuerbaren Energien bereits heute vielfältig in anderen Ländern (u.a. in Mexiko, Costa Rica und Cuba) genutzt wird und dieser Wissenstransfer intensiviert werden sollte,
  • Fairtrade-Produkte bei allen Veranstaltungen eingesetzt werden sollten,
  • für Eine Welt Veranstaltungen, für Vorträge Räume benötigt werden und die Weltläden bei der Raumsuche Unterstützung durch die Stadt benötigen,
  • das Studentenwerk Freiburg bereits in neun Einrichtungen fair gehandelte Produkte ausschenkt und Fairer Handel und faire Preise z. B. auch für die Milch zum Standard für alle Einrichtungen werden sollten,
  • Fair (= fair gehandelt) ebenso wie Bio (= biologisch angebaut) „in die Köpfe der Menschen gebracht werden“ sollte,
  • möglichst überall fair gehandelte Lebensmittel verwendet werden und die Betriebe darüber noch besser informiert werden sollten,
  • Bio-Bananen und Bildungsprojekte das Thema Fairer Handel voranbringen können,
  • es gilt, noch mehr Verbraucher für den Fairen Handel zu gewinnen und es z.B. im Bereich Textilien noch viele Möglichkeiten/Potentiale gibt,
  • Fairer Handel als ein wichtiges Instrument der Armutsbekämpfung zu sehen ist und hierzu alle Akteure an einen Tisch müssen,
  • Faire Zukunft auch bedeutet, sich fair gegenüber der nachfolgenden Generation, z. B. beim Flächenverbrauch oder beim Verbrauch von Rohstoffen zu verhalten,
  • bei innovativen Zielen auch mögliche gegenläufige Effekte und Gefahren zu beachten sind,
  • das Engagement und die Zahl der Gruppen in Freiburg hoch einzuschätzen sind und aufbauend auf dem Beispiel Wiwili eine weitere Partnerschaft, z. B. mit einer Stadt in Afrika, eingegangen werden könnte,
  • es die Vorbildfunktion Freiburgs zu nutzen und zu erhalten gilt,
  • Ballistik-Veranstaltungen in Freiburg zukünftig nicht mehr stattfinden sollten,
  • das es den eingeschlagenen Weg, den Anteil des Fairen Handels zu erhöhen, konsequent weiter zu gehen gilt.

Oberbürgermeister Dr. Dieter Salomon benannte in seiner Rede die vielfältigen städtischen Aktivitäten für Fairen Handel und Entwicklungszusammenarbeit. Im Rathaus werden schon lange nur regionale oder fair gehandelte Produkte angeboten. Zudem unterstütze der Freiburger Gemeinderat mit seinen Beschlüssen gegen ausbeuterische Kinderarbeit, zur kommunalen Entwicklungszusammenarbeit, zur Vergabepraxis und zur nachhaltigen kommunalen Beschaffung die Aktivitäten der Bürgerschaft. Die auch von Freiburg ausgehende Forderung, gegen ausbeuterische Kinderarbeit bei der Herstellung von Grabsteinen, wurde inzwischen in ein Landesgesetz aufgenommen.
 
Der Oberbürgermeister gratulierte den Initiatoren und allen Bürgerinnen und Bürgern zum Titel "FairtradeTown“ und versprach bei den in Freiburg ansässigen Unternehmen dafür zu werben, dem Vorbild der Stadt zu folgen und noch stärker als bisher auf fair gehandelte Rohstoffe und Produkte umzusteigen.
 
Die Veranstaltung klang mit einem Imbiss aus, bei dem man sich über die vielen Eindrücke, Informationen und Ideen, die sich im Laufe der Veranstaltung ansammelten, austauschen konnte.

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