1. Preis: Ingenhoven Architects

Visualisierung
Modell

Die Jury hat den Entwurf des Büros ingenhoven architects mit dem ersten Preis ausgezeichnet. Der Entwurf des Büros aus Düsseldorf überzeugte mit drei frei angeordneten ovalen Baukörpern im Park, die nach allen Richtungen offen ausgerichtet sind. Hier finden Sie die zum Modell eingereichte Projektberschreibung, die auch als PDF heruntergeladen (14,758 MB) werden kann

Bewertung der Jury

Die Verfasser thematisieren in ihrem Entwurf die innere Stadtkante an der Fehrenbachallee. Vor die Wahl gestellt, eine geschlossene Raumkante oder eine offene Komposition anzubieten, entscheiden sie sich für frei angeordnete ovale Baukörpern im Park. Auf diese Weise wird die in der Auslobung geforderte Grünverbindung neu interpretiert.

Mit Augenmaß gelingt es ihnen, den Straßenraum zu begleiten und gleichzeitig über die Membranwirkung großer „Kieselsteine“ die Gartenlandschaft im Westen an den Stühlinger heranzuführen. Diese städtebauliche Idee wird vom Preisgericht als Beitrag zur Identität des Stadtteils gewürdigt – Verwaltungszentrum und Freiraum verbinden sich zu einer inspirierenden Gesamtheit, die in sinnvollen, jeweils baulich abgeschlossenen Schritten realisiert werden kann.

Schon die erste Stufe, die mit dem bestehenden Technischen Rathaus leben muss, wird überzeugend entwickelt: Solange das Gebäude existiert, präsentiert es sich mit großer Selbstverständlichkeit als nördliche Platzwand des Eingangsraums. Die Fokussierung auf die gegenüber liegenden Eingänge hat jedoch ihren Preis: die hoch frequentierte Ecke Wannerstraße/Fehrenbachallee wird durch die Grünfläche und den Graben nicht prominent genug ausgebildet. Die in der Auslobung geforderten Verbindungen zwischen den Bauabschnitten fehlen. Die ersatzweise angebotenen Verbindungsdächer zwischen den Baukörpern konterkarieren das städtebauliche Prinzip.

Als langfristige Perspektive schlagen die Verfasser vor, das Baufeld im Norden mit drei Punkthäusern abzuschließen. Dieser Vorschlag erscheint prinzipiell möglich – Stellung und Volumen der Gebäude überzeugen jedoch noch nicht.

Die geplante Kita liegt plausibel im Scheitelpunkt der Anlage, verfügt über eine gut besonnte Außenfläche und ist relativ gut zu erreichen.

Die Orientierung der Zufahrt am Bestand ist nachvollziehbar, ist jedoch insgesamt umwegig organisiert und könnte wegen der Überlagerung mit dem Fuß- und Radweg zu Konflikten führen. Im Anlieferungsbereich fehlt eine Wendemöglichkeit. Die Optimierung der Erschließung ist zu erreichen.

An Wannerstraße wurde die Mindestbreite für den Fuß- und Radweg nicht eingehalten.

Der im Realisierungsteil entworfene Baukörper umschreibt ein angemessen dimensioniertes Atrium, in dem das Bürgerzentrum überzeugend angeordnet ist. Die eingeschossige Halle erhält Oberlicht – allerdings bleibt die Größe der Lichtaugen nach Auffassung der Jury an der unteren Grenze. Mit der kranzförmigen Zuordnung von Servicezone, Restaurant und Konferenzzentrum vermag die innere Organisation Erdgeschosses zu überzeugen. Der Empfang liegt optimal im Sichtfeld der Besucher, die hohe Durchlässigkeit des öffentlichen Bereichs wird den Anforderungen in optimaler Weise gerecht. Das durchgesteckte Restaurant bietet mit seiner im Westen gelegenen Terrasse die Möglichkeit der Außenbewirtung.

Ausgehend von den gegenüberliegenden Kernen sind die Büroflächen gut organisierbar. Es sind verschiedene Bürokonzepte möglich. Da die stark gekrümmten Abschnitte mit Treppen, Aufzügen und Besprechungsbereichen besetzt werden, entsteht eine modular aufgebaute Arbeitswelt mit hoher Anpassungsfähigkeit.
Das westlich anschließende Gebäude des 2. Bauabschnitts weist einen vergleichsweise kleinen Innenhof auf. Die Qualität der innen liegenden Büros ist nicht ausreichend.

Insgesamt wird das Raumprogramm angemessen umgesetzt. Fehlende Archivflächen können durch das Überangebot an Technikflächen kompensiert werden. Auch die Brandabschnitte sind schlüssig gewählt. Rettungswege werden unter Einhaltung der Vorschriften angeboten. Die Ausgänge der Treppenräume im Erdgeschoss sind nicht optimal angeordnet.

Die vorgeschlagene Konstruktion – Stahlbeton mit Bauteilaktivierung (Hybridbauweise optional) bietet das Potential für niedrige Energiekosten. Die vorgeschlagene Holz-Aluminium-Fassade in Pfosten-Riegel-Konstruktion mit der geschosshohen Verglasung sollte im Hinblick auf die Wirtschaftlichkeit optimiert werden. Die Plastizität der Fassade ist dabei zu erhalten. Die Fassade sollte hinsichtlich der der Investitions- und Betriebskosten optimiert werden.

Die Tageslichtqualität der Arbeitsplätze im gesamten EG ist unbedingt zu verbessern. Der in der Auslobung geforderte Energie-Plus-Standard auf Basis erneuerbarer Energien ist weiter zu verfolgen.

Insgesamt bieten die Verfasser einen prägnanten Entwurf an, der eine klare Haltung zur städtebaulichen Arrondierung des Stühlingers anbietet und diese in eine kraftvolle Architektursprache überträgt.

Gebäudekonzept

Das Gebäudeensemble des neuen Rathauses integriert sich in den Grünraum zwischen Eschholzpark und Universitätsklinikum. Durchblicke und öffentliche Wegebeziehungen stärken die Vernetzung. Der Neubau des Verwaltungszentrums für die Stadt Freiburg ist Impulsgeber für eine städtebauliche und stadtgestalterische Aufwertung des Freiburger Stadtteils Stühlinger und die Vernetzung des Grüngürtels zwischen Eschholzpark und Universitätsklinikum.Für die phasenweise Bebauung des Wettbewerbsareals wird ein Ensemble aus drei Hauptbaukörpern für das Rathaus und einer Kindertagesstätte vorgeschlagen. Alle Baukörper können schrittweise südlich des bestehenden Parkplatzareals errichtet werden. Es wird vorgeschlagen, das Bestandsgebäude in der dritten Bauphase abzureißen und in die Flächen des Neubaues zu integrieren. Durch eine Aufweitung des öffentlichen Platzes an der Fehrenbachallee wird Raum für eine neue Adresse geschaffen. Es entsteht ein attraktiver, öffentlicher Stadtplatz. Der Haupteingang des Neubaus liegt gegenüber dem bestehenden Gebäude.

Identität

Das neue Verwaltungszentrum der Stadt Freiburg ist ein Gebäudekomplex von hoher Authentizität. Es ist ein attraktiver Anziehungspunkt für die Bürgerschaft. Dies gilt gleichermaßen für alle drei Baustufen.

Das Gebäude erhält eine energetisch optimierte Holzfassade mit charakteristisch nach außen gefalteten Lüftungselementen zur natürlichen Fensterlüftung. Die auskragenden Elemente sind auf den exponierten Fassadenseiten mit Photovoltaikzellen belegt. Das vertikale Fassadenelement ist gestaltprägend und identitätsstiftend für den Neubau des Verwaltungszentrums.


Fassade

Die Fassade ist als Holz-Aluminium Pfosten-Riegel Fassade aus heimischen Hölzern (nachwachsende Rohstoffe) geplant: 3-fach Wärmeschutzisolierverglasung, Ug = 0,6 W/m²K, g-Wert ca. 50 % außen liegender Sonnenschutz als LM-Lamellenraffstore, fc-Wert nach DIN 4108: 0,15; Gesamt g-Wert der verglasten Bereiche: ca. 0,075, Uw-Wert der Gesamtfassade ca. 0,9 - 1,0 W/m²K. Die manuell öffenbaren Lüftungsflügel sindals hoch Wärme gedämmte Paneelflügel konstruiert. Das Lüftungselement besteht aus einer Prallplattenkonstruktion (einseitig perforiert) zur schallgeschützten natürlichen Be- und Entlüftung. Das Element wirkt als passiver Sonnenschutz und ist auf den Sonne exponierten Seiten mit Photovoltaikmodulen belegt.

Erschließung

In allen drei Bauphasen des Rathauses bleibt der vorhandene Parkplatz im Norden erhalten. Die Anfahrt für PKW und Lieferfahrzeuge erfolgt von der Sundgauallee. Von den Straßenbahnhaltestellen kann man unmittelbar den neuen Platz erreichen (dieser liegt an der gleichen Stelle wie der heutige Zugang). Der gesamte Bereich ist barrierefrei gestaltet. Radfahrer können bis an das Gebäude heranfahren. Der neue Haupteingang liegt vis-a-vis dem Bestandsgebäude. Ein Nebeneingang im Westen ist gleichzeitig mit der Anlieferung verbunden, die erdgeschossig die Küchenbereiche andient und über Lastenaufzüge mit den Lagerflächen im Untergeschoss verbunden ist. Die Müllentsorgung ist im Außenbereich vorgesehen.

Freianlagen

Das Freianlagenkonzept integriert den auf dem Grundstück und entlang der Straßen erhaltenswerten Baumbestand in eine parkartige, von öffentlichen Wegen durchzogene Landschaft. Zwischen den Gebäuden entstehen differenzierte Grün- und Platzflächen von hoher Aufenthaltsqualität für die Mitarbeiter und Anwohner des Quartiers. Wasserbecken nehmen das Thema der vorhandenen Bewässerungsgräben auf und sind ein wichtiges Gestaltungselement in den Außenanlagen. Für das neue Verwaltungszentrum Freiburg wird die grundlegende Idee eines grünen Campus verfolgt, in dem Verwaltungs- und Wohngebäude eingebettet sind. Um dieses Thema überzeugend zu präsentieren, wird auf den Bestand an wertvollen Gehölzen zurückgegriffen. Ziel soll es sein, einen aufgeräumten klaren Grünraum in der Stadt zu etablieren, der verschiedenste Funktionen übernehmen soll. Der grüne Campus kann so in Zukunft seiner Rolle als verknüpfendem Baustein zwischen Eschholzpark und den Freiflächen der Universitätsklinik gerecht werden. Die Befestigung beschränkt sich auf den repräsentativen Vorplatz, der zugleich eine zentrale Rolle bei der fußläufigen Erschließung von der Fehrenbachallee einnimmt, sowie auf die notwendigen Wegeflächen und die Andienung. Der entwurfliche Duktus folgt hier in seiner geschwungenen Form der gestalterischen Haltung der Architektur. Die wertvollen Einzelbäume werden punktuell durch Neupflanzungen ergänzt, undurchsichtige Strauchpflanzungen zugunsten einer lichten parkartigen Situation gerodet. Bei der Materialwahl wird bei den Platzflächen und Vorfahrten auf hochwertige Betonsteine zurückgegriffen, die Fußgängerwege im Grünraum werden in wassergebundener Decke ausgebildet.

Nutzung

Das Erschließungssystem ist transparent und offen gestaltet, so dass sich Bürger und Mitarbeiter leicht im Gebäude orientieren können. An zentralen Punkten sind Service- und Kommunikationsflächen angeordnet.

Das gesamte Erdgeschoss ist den öffentlichen Nutzungen vorbehalten. Hier befindet sich eine zentrale eingeschossige Halle mit den Funktionsbereichen für das Bürgerzentrum mit angrenzenden Konferenz-, Cafeteria- und Shopbereichen. Ebenso befindet sich hier das Mitarbeiterrestaurant.

Aus der Halle erreicht man zwei zentrale Vertikalerschließungen, die die fünf Bürogeschosse andienen. In den Bürogeschossen können jeweils unabhängig zwei Nutzungseinheiten erschlossen werden. In der Nähe der Liftlobbies befinden sich hier auch die kommunikativen Meetingpoints und stockwerksbezogenen Sonderfllächen sowie und Koppelflächen für die Büros. Das Gebäude ist flexibel und reversibel nutzbar. Auf Änderungen in den Arbeitsabläufen oder in den Größen von Einheiten und Arbeitsgruppen kann ohne großen baulichen Aufwand reagiert werden. Der Arbeitsplatz der Zukunft wird durch Offenheit, flache Hierarchien, Flexibilität und Zugänglichkeit definiert sein. Für die Attraktivität des Arbeitsumfelds wird es zudem entscheidend sein, optimale Funktionsabläufe, Diskretion und Sicherheit zu realisieren, ohne dass das Gebäude abweisend und hermetisch wirkt.

Im Vordergrund steht eine flexible, reversible und zukunftsoffene Gestaltung, die z.B. erlaubt, dass sich auch künftig sämtliche Büroformen auf dem Grundriss abbilden lassen. Das betrifft ebenso alle technischen Fragestellungen, die insbesondere auch die IT-Struktur einschließen. Die Gebäudetiefe von ca. 14,30 erlaubt die Anordnung von Einzelbüros mit einem Mittelflur ebenso wie Kombi-, Team- oder Open-Space-Büros. Das Fassadenraster beträgt - bedingt durch die Krümmungsradien - im Mittel 1,35 m


Wirtschaftlichkeit

Die regelhafte Tragsystematik der Gebäude, das hohe Maß an präfabrizierbaren Bauelementen in Struktur, Ausbau und Hülle und die Kompaktheit der Bauweise bilden das Fundament einer hohen Wirtschaftlichkeit in Erstellung und Unterhaltung.

Konstruktion

Ein repetitives Tragsystem gewährleistet eine sichere und wirtschaftliche Realisierung. Als Option* kombiniert es bewährte Bauverfahren mit den Vorteilen einer Hybridbauweise aus Stahlbeton und Holzverbunddecken.

* Wir schlagen dieses System als Option vor, um die nachhaltige Ressource Holz konstruktiv einsetzen und die Primärenergiebilanz optimieren zu können sowie die Zertifizierung nach DGNB gold deutlich zu verbessern. Wir würden dieses System gerne in Abstimmung mit dem Bauherrn und den zuständigen Genehmigungsbehörden im Rahmen weiterer Planungsphasen qualifizieren. Wegen der Vergleichbarkeit haben wir in der Kostenschätzung ein konventionelles Stahlbeton-Tragwerk unterstellt.


Brandschutzkonzept

Das Gebäude ist nach LBO der Gebäudeklasse 5 zuzuordnen. Holz als wesentlicher Bestandteil des Gebäudetragwerks wird grundsätzlich für möglich erachtet, wenn eine feuerbeständige Qualität erreicht wird. Die Treppenräume und Aufzugsschächte werden in Stahlbeton aus nichtbrennbaren Baustoffen hergestellt. Das Gebäude wird mit einer flächendeckenden Brandmeldeanlage ausgerüstet, um eine frühzeitige Evakuierung und eine schnellen Feuerwehreinsatz zu gewährleisten. Büroeinheiten werden ohne weitere brandschutztechnische Unterteilungen in Nutzbereiche mit ca. 400 m² Grundfläche unterteilt. Es wird angenommen, dass ein Durchgang durch benachbarte Nutzeinheiten stets möglich ist. Jedem Nutzer stehen so zwei bauliche Rettungswege über die notwendigen Treppenräume zur Verfügung. Gerätschaften der Feuerwehr werden zur Rettung nicht benötigt.

Die großzügige, offene Gestaltung des Erdgeschosses wird durch eine Feuerlöschanlage ermöglicht. Hier wird derzeit eine Niederdrucklöschanlage angedacht, die eine kompakte Anlagentechnik und Wasservorhaltung ermöglicht. Die Rettungswege werden erdgeschossig durch direkte Ausgänge ins Freie und in die Treppenräume entsprechend LBO sichergestellt. Die Löschanlage wird auch für das zentrale Archiv im Keller angedacht, um hier große Raumzuschnitte bei einem akzeptablen Sachschutzniveau zu erreichen. Dies ermöglicht eine effektivere Anordnung von Rollregalanlagen.


Kostenschätzung

Die Kostenschätzung umfasst die Kostengruppen 300 und 400. Für das Tragwerk ist eine konventionelle Stahlbetonkonstruktion unterstellt. Die Module, die zur Erreichung des Netto-Plus-Energie-Standards notwendig sind, sind enthalten (PV, Geothermie, BHKW, Bauteilaktivierung). Nutzerspezifische Einrichtungen der Kostengruppe 470 (u.a. Küchentechnik) und Mobiliar sind nicht kalkuliert. Ebenso ist das Dach zwischen Neubau und Bestandsgebäude nicht berücksichtigt.