Projekte

Beispielhafte Projekte aus der Stadtverwaltung

Zahlreiche Projekte, Aktivitäten und Initiativen zeigen das umfassende Engagement der Stadt Freiburg für eine nachhaltige Entwicklung. Einige der zahlreichen Projekte, die zur Umsetzung der zwölf Zielbereiche der Freiburger Nachhaltigkeitsziele beitragen, sind hier dargestellt.

Zur Ziel-/ Ergebnismessung und Wirkungsorientierung der vielen kommunalen Nachhaltigkeitsaktivitäten wird derzeit von der Stabstelle Nachhaltigkeitsmanagement ein übergeordnetes Kennzahl- und Berichtssystem entwickelt.

1. Governance

Im Zielbereich Governance soll den Entscheidungsfindungsprozessen durch mehr direktdemokratische Mitwirkung neuen Schwung verliehen werden.

Beispielhafte Projekte zur Umsetzung

Bürgerbeteiligung /-mitwirkung

Bürgerbeteiligung /-mitwirkung gestaltet sich in Freiburg über vielfältige formelle und informelle Verfahren. Eine hohe Anzahl reicht über die gesetzlichen Vorgaben hinaus z.B.: Einbeziehung der Bürgerschaft in städtische Planungsprozesse: z.B. Flächennutzungsplan, Bebauungspläne, Stadtteilleitlinien, regelmäßige öffentliche Bürgergespräche des Oberbürgermeisters in Stadtteilen, Einbindung der Freiburger Bürgervereine: Rederecht in gemeinderätlichen Fachausschüssen, aktive Beteiligung im Vorfeld wichtiger Planungsentscheidungen, regelmäßige Bürgerumfragen (online und schriftlich) zu aktuellen Themenstellungen.

Freiburger Beteiligungshaushalt

Beispielhaft ist der Freiburger Beteiligungshaushalt als partizipatives Projekt. Die Stadtverwaltung versucht mit unterschiedlichen Beteiligungstools einen bürgerschaftlichen Diskurs zu stadtpolitischen Themen anzuregen und Stadtentwicklungspolitik transparent und auf Basis einer möglichst breiten Akzeptanz zu gestalten. Im Rahmen der städtischen Haushaltsaufstellung erfolgt die Einbindung der Bürgerschaft nicht nur in Form umfänglicher Information, sondern durch unmittelbare interaktive Beteiligungs- und Mitwirkungsinstrumente. Bisher wurden die Haushalte 2008/2009 und 2010/2011 als Beteiligungshaushalt durchgeführt.

Konzeptionelle Bausteine sind: Bürgerumfragen zu haushaltsrelevanten Themen, eine kontinuierliche Internet-Plattform, Diskussionsforen, mediale Berichterstattung und Kommunikationsmanagement, begleitend zu den Haushaltsberatungen im Gemeinderat.

Weiter Informationen zum Freiburger Beteiligungshaushalt unter www.freiburg.de/beteiligungshaushalt

Freiburger Nachhaltigkeitskompass

Einen weiteren innovativen Ansatz zur Weiterentwicklung partizipativer Elemente von Bürgerbeteiligungsformen setzt das Nachhaltigkeitsmanagement Freiburg 2012 im Rahmen einer umfassenden Governanceanalyse zum Nachhaltigkeitsprozess um. Das Projekt erfolgt in Kooperation mit dem Zentrum für zivilgesellschaftliche Entwicklung (zze) an der Evangelischen Hochschule Freiburg und wird durch die Fördermaßnahme ZukunftsWerkStadt gefördert. Die ZukunftsWerkStadt ist eine Fördermaßnahme des Bundesministeriums für Bildung und Forschung (BMBF) im Rahmen des Wissenschaftsjahres 2012 – Zukunftsprojekt Erde. Im Wissenschaftsjahr 2012 stehen drei zentrale Fragen im Mittelpunkt: Wie wollen wir leben? Wie müssen wir wirtschaften? Und: Wie können wir unsere Umwelt bewahren? Damit fördert das Wissenschaftsjahr 2012 die gesellschaftliche Debatte über die Ziele, Herausforderungen und Aktionsfelder einer nachhaltigen Entwicklung.

Mit dem Ziel, einen effizienten und demokratietheoretisch reflektierten Umgang mit Bürgerbeteiligung zu ermöglichen, werden im Zusammenwirken mit Nachhaltigkeitsakteueren Governancestrukturen optimiert und in Form eines innovativen Steuerungsinstrumentes in den Nachhaltigkeitsprozess verankert. Hierzu soll ein „Freiburger Nachhaltigkeitskompass“ - auf Grundlage und in Adaption der Balanced Scorecard - entwickelt werden. Der Nachhaltigkeitskompass wird im Public Sector das erste kommunale Steuerungsinstrument zur Weiterentwicklung von Governancestrukturen in Nachhaltigkeitsprozessen sein. Die Entwicklung des Steuerungsinstrumentes wird durch einen Think Tank mit renommierten Expertinnen und Experten aus der Wissenschaft begleitet. Die Stadt Freiburg möchte mit dem Projekt auch die interkommunale Achse stärken. So soll der Nachhaltigkeitskompass als auch auf andere Kommunen übertragbares Instrument konzipiert werden.


2. Lokales Management für Zukunftsbeständigkeit

Die Freiburger Nachhaltigkeitsziele sollen durch effektive Managementabläufe umgesetzt und in ein Lokales Management für Zukunftsfähigkeit integriert werden. Hierzu hat die Stadt den Nachhaltigkeitsprozess strukturell neu ausgerichtet.

Beispielhafte Projekte zur Umsetzung

Integriertes Nachhaltigkeitsmanagement

Die Stabstelle soll als zentrale Koordinations- und Steuerungsstelle ein integriertes Nachhaltigkeitsmanagement aufbauen. So werden städtische Stellen bei ihren Projekten unterstützt und neue Aktivitäten initiiert. Schwerpunkt ist die Einführung effektiver Managementabläufe in enger Kommunikation mit beteiligten Akteuren.

Ein wesentliches Element integrativer Nachhaltigkeitssteuerung ist die Finanzsteuerung. Hier gibt es z.B. eine enge Kooperation von Stabstelle und Stadtkämmerei zum Aufbau eines indikatorengestützten Reportingsystems. Um angestrebte Entwicklungen beurteilen und auf Nachhaltigkeit hin steuern zu können, sollen Möglichkeiten der Integration von Kennzahlen und Nachhaltigkeitsindikatoren im Neuen Kommunalen Haushaltsrecht ausgelotet werden. Zusätzliche Nachhaltigkeitsindikatorensysteme, die bislang wenig erfolgreich waren, weil sie parallel zu den kommunalen Steuerungssystemen liefen, können hierdurch langfristig entbehrlich werden.

Zum Aufbau eines umfassenden Reportingsystems wurde im Jahr 2011 eine Bestandsaufnahme nachhaltiger Aktivitäten zu den 12 übergeordneten Zielbereichen aus den Jahren 2009-2012 durchgeführt. In den Statusbericht kommunaler Nachhaltigkeitsaktivitäten konnten rund 600 Aktivitäten (Projekte, Maßnahmen) aufgenommen werden, die sich relativ ausgewogen über alle Zielbereiche verteilen. Der Statusbericht ist als Ist-Aufnahme Basis für ein Kennzahlensystem zur Messung der Nachhaltigkeitsleistungen.

In einem Handlungskonzept wurde im Januar 2012 der Aufbau eines übergeordneten Kennzahlen gestützten Reportingsystems zur Nachhaltigkeitsmessung in Verknüpfung mit der Finanzsteuerung und die stufenweise Umsetzung der Nachhaltigkeitsziele mit einer Zielbereichskonzentration auf: Stadtplanung und Stadtentwicklung, Verbesserte Mobilität, weniger Verkehr, Soziale Gerechtigkeit, Bildung und Klima und Energie vom Gemeinderat beschlossen.


Kooperationsmanagement

Weiter beinhaltet der Zielbereich Lokales Management für Zukunftsbeständigkeit ein umfassendes Kooperationsmanagement. Dieses stellt verwaltungsintern (AG Nachhaltigkeit mit Fachexperten als Multiplikatoren) und extern (mit Partnern aus Politik, Public Sector, Wissenschaft) zur stärkeren Vernetzung und Wissenstransfer eine wichtige Säule des Nachhaltigkeitsmanagements dar. Ein Beispiel ist das 2011 gebildete Forschungs- und Entwicklungsnetzwerk "Nachhaltige Verwaltung".

Weitere Informationen zum Forschungs- und Entwicklungsnetzwerk "Nachhaltige Verwaltung"


3. Natürliche Gemeinschaftsgüter

Der Erhalt der Biodiversität und der naturnahen Ökosysteme ist eines der städtischen Nachhaltigkeitsziele im Bereich Natürliche Gemeinschaftsgüter: Im Stadtkreis Freiburg existiert eine Vielzahl unterschiedlicher Lebensraumtypen. Mit elf Arten der "besonderen Schutzverantwortung" ist Freiburg eine der Gemeinden mit der höchsten Anzahl in Baden-Württemberg. Durch Unterzeichnung der Deklaration "Biologische Vielfalt in Kommunen" verpflichtete sich die Stadt ein "Kommunales Artenschutzkonzept" auszuarbeiten.

Beispielhafte Projekte zur Umsetzung

Kommunales Artenschutzkonzept

Das "Kommunale Artenschutzkonzept" verzichtet auf enzyklopädische Beschreibungen, es ist strikt umsetzungsorientiert, als Daueraufgabe angelegt und wird kontinuierlich fortgeschrieben und evaluiert. Erste Umsetzungsschritte erfolgten zur Habitatverbesserung für die "Westliche Smaragdeidechse" 2011/2012, ein weiterer Baustein sind: "Arten historischer Weinbergterrassen".

Totholzkonzept

Biodiversität ist auch fester Bestandteil der Waldbewirtschaftung. Bereits 1996 wurde ein Totholzkonzept entwickelt und seither umgesetzt. Mit seiner flächigen Verteilung liefert es ein zusammenhängendes Netz dieser besonders hochwertigen Strukturen im Stadtwald und sichert nachhaltig Totholzstrukturen für verschiedene Artengruppen. Besondere Bedeutung erhält das Konzept, da etwa ein 1/5tel der Tiere und Pflanzen des Waldes, also über 6.000 Arten, auf Totholz als Lebensraum/Nahrungsquelle angewiesen sind.

Forest Stewardship Council (FSC)-Siegel

Zusätzlich hat sich Freiburg 1999 für das ökologisch ausgerichtete Forest Stewardship Council (FSC)-Siegel entschieden, dass die Totholzkonzeption integriert und zusätzlich durch stillzulegende Flächen (5% der Betriebsfläche) und durch die Erfordernis von 10 Biotopbäumen je ha weitere Strukturelemente zur Förderung des Totholzes liefert.

Freiburger Waldkonzeption

Mit der Freiburger Waldkonvention (Zielkatalog für die Stadtwaldbewirtschaftung) bekennt sich die Stadt demonstrativ und frühzeitig zu einer ökologischen Ausrichtung der Waldbewirtschaftung und akzeptiert damit auch entstehende ökonomische Verluste.

Weitere Informationen zum Freiburger Stadtwald unter www.freiburg.de/forstamt


4. Verantwortungsbewusster Konsum und Lebensweise, Lokal und Global

Die Veränderung der Lebensweise ist ein wichtiger Aspekt, um auch im Alltag die Nachhaltigkeitsziele zu verfolgen.

Beispielhafte Projekte zur Umsetzung

200 Familien aktiv fürs Klima

Die Verpflichtung zur Unterstützung eines verantwortungsbewussten und nachhaltigen Konsumverhaltens aus den Freiburger Nachhaltigkeitszielen wird z.B. im Projekt "200 Familien aktiv fürs Klima" umgesetzt: Hierzu ist aktive Einbeziehung der Stadtbevölkerung im Kontext alltäglicher Verhaltensweisen erforderlich.

Das Freiburger Szenario einer klimaneutralen Kommune und das Konzept eines energieeffizienten Modellstadtteils verdeutlichen, dass Nachhaltigkeit nicht allein durch technische Lösungen und politische Programme wirksam wird, sondern erst dann, wenn sie von einem nachhaltigen Lebensstil getragen wird. Änderungen des vorherrschenden Lebensstils, insbesondere beim Konsumverhalten, der Wahl der Verkehrsmittel, dem Energieverbrauch im Alltag oder auch der Ernährungsweise können aber nur die Menschen selbst in die Hand nehmen.

Zwischen den Partnerstädten Freiburg und Besançon existiert eine Kooperation für nachhaltige Entwicklung und Klimaschutz. Interkommunale Begegnungen sollen zu einem klimafreundlichen Lebensstil anregen. Das Projekt "200 Familien aktiv fürs Klima" wurde in Partnerschaft mit den "Familles actives pour le climat" in Besançon entwickelt. Die Teilnehmenden erhalten Anregungen um in ihrem eigenen Alltag Möglichkeiten für einen klimabewussteren Lebensstil auszuprobieren:

  1. Individuelle Energie(spar)beratung im eigenen Haushalt, (mit Stromverbrauchsmessgerät und LED-Sparlampe)
  2. Ein originelles Übungsheft mit Experimentvorschlägen, in dem die eigenen Erfahrungen notiert werden können
  3. Veranstaltungsprogramm mit Information, Diskussion, Besichtigung und Mitmachmöglichkeiten, z.B. Besuch Bio-Bauernhof, E-Bike-Probefahrt, Klima-Kochkurs, sowie den Projekttreff "Café Futur"
  4. Kulturelle Experimente in kleineren Gruppen, z.B. die "50-km-Diät" (regionale Lebensmittel erkunden), "Leerer gelber Sack" (Plastikverpackungen vermeiden), Radreise nach Besançon (als CO 2 -arme Urlaubsform), vegetarisch Kochen oder Gärtnern auf Balkon/Terrasse
  5. Austausch mit Projektfamilien in Besançon, um gemeinsam Alltagsgewohnheiten neu zu sehen.

Über 200 Familien nehmen am Projekt teil, als Multiplikatoren und Ideengeber für andere. Zahlreiche Einrichtungen engagieren sich: Verkehrsbetriebe, Abfallwirtschaft, Umweltpädagogik, Fahrradstation, Musikschule, Planetarium. Auch auf institutioneller Ebene entsteht ein intensiver kultureller Diskurs zur Nachhaltigkeit. Das regionale Energieversorgungsunternehmen badenova fördert das Projekt.

Einzigartig am Projekt ist, dass es ohne Zielvorgaben oder Vorschriften zum richtigen Verhalten auskommt. Im Unterschied zu vielfach verbreiteten Anleitungen für einen klimafreundlichen Lebensstil setzt das Projekt konsequent auf "Nachhaltige Entwicklung zum Selbermachen" und ermuntert, die Alltagspraxis selbst zu gestalten. Es gibt zwar vielfältige Informationen als Entscheidungshilfe (z.B. den Internet-Rechner der CO 2 -Diät) im Vordergrund steht aber das kulturelle Erleben und die ökologische Vernunft mit Lebenslust verbinden.

Weitere Informationen zum Projekt unter www.freiburg.de/200familien


Deponie Eichelbuck

Die Verpflichtung zur Realisation und Förderung des umsichtigen Gebrauchs von Ressourcen und damit verbunden die Unterstützung bei verantwortungsbewusstem Konsumverhalten ist in den Nachhaltigkeitszielen integriert:

In der noch andauernden Stillegungs- bzw. Rekultivierungsphase der 2005 geschlossenen Deponie Eichelbuck werden umfangreiche Maßnahmen zur Oberflächenabdichtung getroffen. Erstmals wird hierbei der neu kreierte Baustoff TREAmin® eingesetzt, der überwiegend aus aufbereitetem Schlackematerial aus der Müllverbrennungsanlage (MVA) TREA Breisgau und einem kleineren Anteil Tonerde besteht. Anstelle der im regulären Bauverfahren benötigten rd. 150.000 to Ton werden jetzt nur noch rd. 20.000 to benötigt. Während der gesamten Rekultivierungsphase werden für die Herstellung von TREAmin® rd. 90.000 to MVA-Schlacke verwendet. Regierungspräsidium und Umweltministerium bewerten den Einsatz dieses neuen alternativen und wirtschaftlichen Dichtungsmaterials als herausragendes Beispiel für Recyclingwirtschaft und Ressourcenschutz.

Durch die Verwendung der MVA-Schlacke kommt der von den Freiburgern erzeugte Restmüll als ökologischer Baustoff zurück und wird somit von den Erzeugern einer sinnvollen und nachhaltigen Verwendung zugeführt.


5. Stadtplanung und Stadtentwicklung

In den Nachhaltigkeitszielen verpflichtet sich die Stadt eine strategische Rolle bei der Stadtplanung/-entwicklung zu übernehmen. Ziele hier sind qualitätsvolle Stadtteile mit sozialer und daseinssichernder Infrastruktur und starke Zentren mit hoher Nutzungsvielfalt:

Beispielhafte Projekte zur Umsetzung

Märkte- und Zentrenkonzept

Das seit Anfang der 90er Jahre bisher in drei Stufen fortgeschriebene städtische Märkte- und Zentrenkonzept (MuZ) enthält als räumliches und inhaltliches Steuerungsinstrument verbindliche Vorgaben gegenüber dem Einzelhandel und wird stadtweit über die Bauleitplanung umgesetzt. U.a. vor dem Hintergrund des demografischen Wandels und sozialräumlicher Veränderungen ist es eines der bedeutendsten Instrumente der Stadtentwicklung.

Wesentliche Ziele sind:

  • Steuerung / Lenkung des Einzelhandels auf die Stadtteile, Innenstadt und die für den großflächigen nicht-zentrenrelevanten Einzelhandel vorgesehenen Sondergebiete zur Sicherung und Stärkung der Grundversorgung in Stadtteilzentren / Innenstadt (Stadt der kurzen Wege)
  • Vermeidung des motorisierten Einkaufsverkehrs
  • Stärkung / Attraktivierung der Innenstadt als regionaler oberzentraler Versorgungsbereich
  • Dämpfung der Miet- & Bodenpreisentwicklung im Einzelhandel/ Reduzierung von Verdrängungseffekten in gewerblich genutzten Gebieten.

Diese Ziele sollen hauptsächlich durch folgende Maßnahmen erreicht werden:

  • räumliche und inhaltliche Angebotsplanung sowie restriktiven Voll- / Teil-Ausschluss des Einzelhandels in gewerblichen Gebieten durch Vorgaben
  • verbindliche Festlegung zentrenrelevanter / nicht-zentrenrelevanter Sortimente über die Bebauungsplanung
  • Ausschluss von zentrenrelevantem Einzelhandel in allen gewerblichen Gebieten
  • Ausschluss großflächigen nicht-zentrenrelevanten Einzelhandels ab 800m² Verkaufsfläche in allen gewerblich genutzten Gebieten
  • Ausschluss von nicht-zentrenrelevantem Einzelhandel in bestimmten Industrie- & Gewerbegebieten
  • Begrenzung zentrenrelevanter Randsortimente auch bei kleinflächigen Einzelhandelsbetrieben (bis 800m²) auf maximal 10% der Verkaufsfläche, jedoch maximal 400m² Verkaufsfläche.

Die Erfolge des MuZ sind empirisch belegbar und auch innerhalb der Stadtgesellschaft anerkannt. Abwärtstrends der Innenstädte und Stadteilzentren der Großstädte in den 70er und 80er Jahren konnten in Freiburg weitgehend vermieden und in eine gegenläufige Entwicklung mit lebendigen Stadtteilzentren und hoher Nahversorgungsfunktion umgekehrt werden. Das MuZ gilt in Fachkreisen als vorbildlich und wird als wegweisend bei kommunalpolitischen Einzelentscheidungen auch in anderen Kommunen herangezogen oder in eigene Konzepte übernommen.

Aufgrund der Vermeidung von Verkehr (Stadt der kurzen Wege; Nahversorgungsgarantie) werden mit dem MuZ nachhaltige und stadtplanerische Ziele erreicht. Ökonomisch trägt das Konzept zur Stärkung des Einzelhandels in Stadtteilzentren und Innenstadt als Garant für Standortstärke- und Entwicklung sowie Förderung des Arbeitsmarktes bei.

Weitere Informationen zum Freiburger Märkte- und Zentrenkonzept


Baulandpolitische Grundsätze

Ein weiteres zentrales Steuerungsinstrument zur Umsetzung der Freiburger Nachhaltigkeitsziele sind die Baulandpolitischen Grundsätze. Dieses übergreifende Steuerungsinstrument umfasst neben der Stadtplanung und Stadtentwicklung noch weitere Nachhaltigkeitszielbereich, wie den Zielbereich Soziale Gerechtigkeit oder Kultur.

Bereits seit 2009 gelten die vom Gemeinderat beschlossenen baulandpolitischen Grundsätze. Die Baulandpolitischen Grundsätze setzten kommunale Zielsetzungen im Bau- und Liegenschaftswesen über das bestehende Planungs- und Baurecht hinaus verbindlich um und sind ein wichtiges Instrument einer integrierten und nachhaltigen Stadtentwicklung.

Die Baulandpolitischen Grundsätze betreffen das Planverfahren, die Finanzierung und die Art der Bebauung. Sie enthalten Vorgaben für das Handeln der kommunalen Verwaltung selbst sowie für die Wohnungswirtschaft, Grundstückskäufer, Bauherren, Projektentwickler, Architekten.

Die Stadt schließt bei allen Grundstücksverkäufen in neuen Baugebieten und bei Neubauten einen städtebaulichen Vertrag mit dem Planungsbegünstigen ab. (Planungsbegünstigte = Personen, die durch die Bauleitplanung ein neues Bau- oder Nutzungsrecht bekommen). Die Baulandpolitischen Grundsätze sind ein Verhandlungskatalog für alle Kaufverträge beim Verkauf städtischer Baugrundstücke. Die von den Planungsbegünstigen in den Verträgen verlangten Leistungen gelten als angemessen, wenn bei den Planungsbegünstigten ein Drittel der durch die Planaufstellung bedingten Bodenwertsteigerung verbleibt. Die Stadt refinanziert durch diese Maßnahmen teilweise ihre öffentlichen Infrastrukturmaßnahmen und sorgt so für eine Sozialisierung des Planungswertgewinns und für eine gebietsbezogene hochwertige Infrastruktur.

Folgende Handlungsfelder werden von den Baulandpolitischen Grundsätzen umfasst:

  • Kostenübernahme bei Planungsleistungen und Gutachten
  • Kostenübernahme bei Erschließungsanlagen
  • Ausgleichsflächen- und Maßnahmen
  • Kostenübernahme Kindergartenplätze und Kleinkindergruppenplätze
  • Mindestanteil geförderter Wohnungsbau
  • Energiekonzept und umweltfreundlichste Versorgungslösung
  • Energetische Standards für Neubauten
  • Vorbereitung der Solarenergienutzung auf Dächern
  • Dachbegrünung
  • Fließgewässerschutz
  • Förderung der Gestaltqualität
  • Mischung von unterschiedlichen Wohnungsgrößen
  • Förderung von besonderen Wohnformen
  • Barrierefreie Erreichbarkeit

Umfang / Inhalt der Baulandpolitischen Grundsätze reichen weit über den Standard anderer Kommunen hinaus. Bei den energetischen Standards für Neubauten liegt Freiburg stets über den bundesweiten Standards der EnEV. Derzeit gilt die 3. Stufe in Form der flächendeckenden Anwendung des Freiburger Effizienzhausstandards Fr-EH 55 für alle neuen Wohngebäude, Fr-EH 70 für alle neuen Bürogebäude. Die Berechnung basiert auf der EnEV 2009. Einzuhalten sind die beiden nachzuweisenden Kennwerte Primärenergiebedarf (55 bzw. 70% des EnEV-Anforderungswertes) und spezifischer Transmissionswärmeverlust (max. 70% des im Referenzgebäudeverfahren nach EnEV berechneten Wertes). Bei Lüftungsanlagen mit Wärmerückgewinnung gilt eine Effizienzanforderung von mindestens 75%.

Ein weiterer Ansatz ist, dass ein 1/10tel der Fläche unentgeldlich für den geförderten Wohnungsbau zur Verfügung gestellt oder alternativ 30% der Wohnfläche als geförderter Wohnungsbau realisiert werden muss. Innovativ ist auch die Regelung, bei der Berechnung des Bodenwertzuwachses nicht die Bodenentwicklungsstufe nach dem FNP zu Grunde zu legen, sondern die tatsächliche Nutzung. Beim Endwert wird zunächst der Bodenrichtwert betrachtet und differenziert. Spekulationskäufe bleiben damit unberücksichtigt.

Hervorzuheben ist weiter, dass die Freiburger Baulandpolitischen Grundsätze nicht nur für bestimmte Baugebiete oder Vorhaben, sondern generell bei allen Neubauten mit einer Planungsbegünstigung gelten.

Insgesamt sind die Baulandpolitischen Grundsätze ein integratives Steuerungsinstrument für einen energieeffizienten, ökologischen und sozialgerechten Städtebau entlang der Nachhaltigkeitsziele. Die einzelnen Handlungsfelder sind bezogen auf ihre ökonomischen Auswirkungen z.B. mit der kommunalen Wohnungswirtschaft abgestimmt, um die Akzeptanz zu erhöhen und eine finanzielle Überforderung zu vermeiden.

Flyer Baulandpolitische Grundsätze (8,114 MB)



6. Verbesserte Mobilität, weniger Verkehr

Im Zielbereich verbesserte Mobilität, weniger Verkehr der Freiburger Nachhaltigkeitsziele sind die Stärkung des Radverkehrs und der Ausbau der Radverkehrsanlagen als Ziel formuliert.

Beispielhafte Projekte zur Umsetzung

Radverkehrskonzept 2020

Freiburg verfolgt eine konsequente Fahrradförderung seit über 40 Jahren, dies hat zu 420 km fahrradfreundlichen Routen, 6.000 Radabstellplätze in der Innenstadt und einen Radanteil von 27% geführt. Die Stadtverwaltung erarbeitet aktuell das "Radverkehrskonzept 2020" mit dem Ziel Unfallzahlen zu halbieren und den Radanteil auf deutlich über 30% zu erhöhen. Der Umweltverbund könnte dann einen Anteil von deutlich über 75% erreichen, der Radverkehr wäre das Verkehrsmittel Nummer 1 und Freiburg somit Vorreiter in Deutschland.

Im Mittelpunkt des Radkonzeptes steht der (Aus-)Bau von Rad-Vorrang-Routen - diese sollen nach Vorbild der niederländischen Radschnellwege für einen Sprung in der Qualität und der Kapazität des Radwegenetzes sorgen. Das Rad-Vorrang-Netz enthält sowohl separate Radwege wie auch Routen an Hauptverkehrsstraßen sowie über Neben- oder Fahrradstraßen. Durch neue, separate Radwege oder auch Durchstiche unter Fahrradbrücken über Hauptverkehrsstraßen hinweg, werden nicht nur Wartezeiten verringert, sondern auch Konflikte mit dem Autoverkehr vermindert.

Mit den Rad-Vorrang-Routen soll zudem der Trend zum elektrisch unterstützen Fahrradantrieb (Pedelecs) Berücksichtigung finden. Höhere Geschwindigkeiten und längere Distanzen fordern breite und gut ausgebaute Wege - auch in die Region.

Weitere Informationen zum Radverkehr in Freiburg unter www.freiburg.de/radverkehr
Weitere Informationen zum Freiburger Radverkehrskonzept unter www.freiburg.de/radkonzept

Förderung des Fußverkehrs

Auch die konsequente Förderung des Fußverkehr und der attraktive Ausbau des Fußwegenetzes ist Teil der Freiburger Nachhaltigkeitsziele: Seit 2008 hat Freiburg neben der Radverkehrspauschale auch eine Fußverkehrspauschale zur Förderung des Fußverkehrs eingerichtet. Diese beträgt derzeit 75.000 Euro pro Jahr. Mit diesen Mitteln werden Lücken im Gehwegnetz geschlossen, Verbindungen barrierefrei umgebaut, die Beleuchtung von Fußwegen ergänzt und Trampelpfade befestigt. Gefördert wird der Fußverkehr, der in Freiburg mit 23% der Wege noch recht stark ist. Dazu trägt auch die kompakte Stadt mit guter Nahversorgung, attraktiven Straßenräumen und Wohnumfeld bei. 90% der Bevölkerung wohnen in einer Tempo 30-Zone oder einem verkehrsberuhigten Bereich, von letzteren gibt es derzeit 177, Tendenz zunehmend.

Weitere Informationen zum Mobilität zu Fuß in Freiburg

Stärkung des ÖPNV

Festgeschrieben durch die Freiburger Nachhaltigkeitsziele ist darüber hinaus das Ziel der Stärkung des ÖPNV und die Steigerung der Fahrgastzahlen im Binnen-, Quell- und Zielverkehr: Seit dem 1972 gefassten Grundsatzbeschluss über die Erhaltung der Straßenbahn und deren Ausbau zum modernen Stadtbahnsystem sowie dem 1970 beschlossenen ersten Radwegekonzept verfolgt Freiburg konsequent die Strategie, die Alternativen zum Auto zu fördern und so den Autoverkehr in der Stadt möglichst gering zu halten.

Weitere Informationen zum Freiburger ÖPNV

Gesamtverkehrskonzeption

Wesentliche Bausteine der 1989 beschlossenen Gesamtverkehrskonzeption, die mit dem 2008 beschlossenen Verkehrsentwicklungsplan fortgeschrieben wurde, sind auch eine enge Verzahnung mit einer Autoverkehr vermeidenden Stadtplanung ("Stadt der kurzen Wege"), die konsequente Parkraumbewirtschaftung in der Innenstadt und den innenstadtnahen Quartieren, die Ausweisung und schrittweise Erweiterung der flächenhaften Fußgängerzone in der Innenstadt sowie die Anfang der 90er Jahre flächenhaft umgesetzte Verkehrsberuhigung in Wohngebieten (Tempo-30-Zonen) bei Bündelung des Autoverkehrs auf einem weitgehend reduzierten "Vorbehaltsnetz". Die Verminderung des motorisierten Individualverkehrs durch eine integrierte Stadt- und Verkehrsplanung, ist Ziel des Themenfeldes Mobilität/Verkehr der städtischen Nachhaltigkeitsziele.

Weitere Informationen zur Freiburger Verkehrskonzeption


7. Kommunale gesundheitsfördernde Maßnahmen

Trotz eingeschränktem Spielraum bei der Thematik der Gesundheitsförderung unternimmt die Stadt Freiburg zahlreiche Anstrengungen die von Suchtprävention bis hin zu Lärmschutzmaßnahmen reichen.

Beispielhafte Projekte zur Umsetzung

Suchtprävention

Der Schutz und die Förderung von Gesundheit und Wohlbefinden der Freiburger Bürgerinnen und Bürger ist als Ziel in den Nachhaltigkeitszielen formuliert. Zur Umsetzung des Nachhaltigkeitszielbereiches "kommunale gesundheitsfördernde Maßnahmen" werden durch die Stadt Freiburg intensiv Rahmenbedingungen geschaffen und gesichert. Zahlreiche dieser Aktivitäten haben daher eher unterstützenden, präventiven, sensibilisierenden oder beratenden Charakter. Dies ist bedingt, durch den eingeschränkten kommunalen Spielraum in dieser Thematik.

Beispielsweise werden in der Suchthilfe die verschiedenen Akteure in Freiburg durch ein breit aufgestelltes Netzwerk verzahnt. Dieses Suchthilfenetzwerk wurde 2009 gegründet. Mitgliedsorganisationen aus den Bereichen Medizin, Kostenträger, Psychosoziale Dienste und Selbsthilfe sind Teil dieses Netzwerkes und aktive Kooperationspartner.

Weitere Informationen zur Suchtprävention in Freiburg unter www.freiburg.de/suchtbeauftragter

Lärmaktionsplanung

Um die Bevölkerung vor gesundheitsbelastenden Einwirkungen, insbesondere Lärm und Schadstoffen zu schützen, wie es in den Nachhaltigkeitszielen gefordert wird, unternimmt die Stadt Freiburg eine umfassende Lärmaktionsplanung.

Ziel dieses Vorgehen ist es, die Lärmbelastung (insbesondere durch den Straßenverkehr) zu reduzieren.

Der erste Schritt stellt hier die Lärmkartierung, also die Lärmerfassung dar. Im Rahmen der Umgebungslärmkartierung wurden für die Stadt Freiburg Lärmkarten erstellt. Diese umfassen die am stärksten befahrenen Bundes-, Landes- und kommunale Straßen. Die Lärmkarten für die Haupteisenbahnstrecken mit einem Verkehrsaufkommen von über 164 Züge pro Tag (60.000 Züge im Jahr) werden von der Deutschen Bahn erarbeitet.

Lärmkartierungen sind Grundlage für den aufzustellenden Lärmaktionsplan. Auf Basis der Lärmkartierung haben die Kommunen die Aufgabe, einen Lärmaktionsplan aufzustellen. Der Lärmaktionsplan ist strategisches Planwerk mit dem Ziel, Strategien und Maßnahmen zur Lärmminderung und zum Schutz ruhiger Gebiete zu formulieren.

Zu den möglichen Maßnahmen zählen:

  • Minderung, bzw. Verlagerung des Verkehrsaufkommens
  • Veränderung des Modal Split zugunsten des Umweltverbundes
  • Senkung des Geschwindigkeitsniveaus
  • Reduzierung des Schwerlastverkehrs
  • Instandhaltung der Fahrbahnoberfläche
  • Bauliche Maßnahmen an der Straßenoberfläche
  • Nutzung von Eigenabschirmungen bei Neuplanungen
  • aktive Schallschutzmaßnahmen.

Weitere Informationen zum Lärmaktionsplan der Stadt Freiburg unter www.freiburg.de/laermaktionsplan



8. Dynamische und zukunftsbeständige lokale Wirtschaft

In Freiburg ist die nachhaltige Förderung der lokalen Wirtschaft ein wichtiges Ziel, das vor allem durch das Konzept der Green City erfolgreich umgesetzt wird.

Beispielhafte Projekte zur Umsetzung

Green City Cluster

In den Freiburger Nachhaltigkeitszielen ist das Ziel einer dynamischen lokalen Wirtschaft, die Arbeitsplätze schafft, ohne dabei die Umwelt zu beeinträchtigen festgeschrieben: Eine emissionsarme und auf Nachhaltigkeit ausgerichtete Wirtschaft wird in Freiburg seit mehr als 20 Jahren verfolgt.

Ein zentrales Element ist die regionale Clusterinitiative Green City Freiburg. Basis ist ein langfristig angelegtes Konzept zur branchen- und netzwerkorientierten Wirtschaftsförderung. Der Ansatz verknüpft Ziele einer nachhaltigen Standortentwicklung mit den Bereichen Wirtschaft, Wissenschaft, Umweltbildung und bürgerschaftliches Engagement.

Das Cluster Green City Freiburg basiert auf harten Fakten: Mit 1980 Betrieben und 12.000 Beschäftigten trägt die Umwelt- und Solarwirtschaft jährlich 650 Mio. Euro zur regionalen Wertschöpfung bei. Damit ist diese Branche bereits heute ein gewichtiger Teil des regionalen Wertschöpfungssystems und die Speerspitze der Verbindung von Ökologie und Ökonomie. Das Clustermanagement erfolgt durch die städtische Gesellschaft "Freiburg Wirtschaft Touristik und Messe GmbH (FWTM)". Die im ersten baden-württembergischen Clusterwettbewerb ausgezeichnete Initiative wird gefördert von der Europäischen Union und dem Land Baden-Württemberg.

Zu zentralen Aufgaben gehören neben die Durchführung von Veranstaltungen, Vermittlung von Infos und Kooperationspartnern sowie die internationale Vermarktung regionaler Kompetenzen. Gleichzeitig unterstützt das Clustermanagement den Fachbesucherservice und fördert die Zusammenarbeit im Bereich Forschung und Entwicklung, Wissenstransfer und Umweltbildung. Im Mittelpunkt aller Aktivitäten stehen Umwelttechnik und erneuerbare Energien. Die Exzellenz-Universität Freiburg und das Fraunhofer-Institut für solare Energiesysteme setzen in diesem Bereich Schwerpunkte.

Besondere Bedeutung hat die Solartechnologie. Aufgrund ihres ausgeprägten Querschnittscharakters bietet die Umwelt- und Solarwirtschaft für ein breites Spektrum von kleinen, mittleren und großen Unternehmen, Selbstständigen und Freiberuflern - vom produzierenden Gewerbe bis zum Dienstleistungsbereich - sehr gute Marktchancen und Perspektiven.

Das Cluster Green City Freiburg fördert gleichermaßen die Zukunftsfähigkeit der regionalen Wirtschaft, die Innovationskraft der Unternehmen und Chancen für Arbeitnehmer in umweltorientierten Branchen. Der Ansatz ist sehr erfolgreich und stärkt die Positionierung und Anerkennung Freiburgs als wirtschaftlich prosperierende Stadt.

Weitere Informationen zur Cluster Initiative Green City Freiburg: www.greencity-cluster.de


Green City Büro

Als weiteren Baustein zur Umsetzung des Freiburger Nachhaltigkeitsziels einer dynamischen, zukunftsfähigen lokalen Wirtschaft und speziell der Weiterentwicklung eines zukunftsfähigen regionalen Tourismus richtete die Stadt Freiburg Ende 2007 das "Green-City"-Büro ein und fördert hierüber die nachhaltige kommunale Entwicklung als Standortfaktor professionell.

Vielfältige Aktivitäten wie Besuchermanagement, Konferenzen und Mitgliedschaften im Feld Ökologie werden von dieser zentralen Anlaufstelle koordiniert und generieren positive regionale Wirtschaftseffekte.

Die große Zunahme der Besuchergruppen und Anfragen aus dem In- und Ausland wird durch das Büro bearbeitet. Programmatisch gibt es: Besuchsprogramme, Besichtigungs- und Interviewtermine, Workshops und Vorträge für interessierte Fachleute und Erfahrungsaustausch mit Experten. Die Anfragen decken die gesamte Breite nachhaltiger Stadtentwicklung und der Umwelt- und Energiepolitik ab. Das Label Green City zieht heute über 25.000 Fachbesucher -aus dem politischen Raum wie auch aus den fachlichen Branchen an: Minister, Bürgermeister, Parlamentsabgeordnete, Fachleute aus der Umweltwirtschaft oder aus Behörden, Partnerstädte und verstärkt Journalisten sowie Studenten- und Schülergruppen. Zudem zählen internationale Parlaments- und Regierungsdelegationen zu den jährlich etwa 100 Gruppen mit über 1.700 Gästen. Für sie vermittelt das Green City Büro neben den politischen Kontakten auch maßgeschneiderte Vortrags- und Exkursionstermine mit Fachexperten aus den städtischen Dienststellen.

Die Freiburger Präsenz bei internationalen Konferenzen und Wettbewerben (z.B. Themenpark "Urban Best Practice Area" auf der Weltausstellung in Shanghai oder die Auszeichnung als "Bundeshauptstadt des Klimaschutzes" durch die Deutsche Umwelthilfe) trägt zum weltweiten Ruf Freiburgs als Vorzeigekommune für nachhaltige Stadtentwicklung bei. Vertreter der Stadt sind als Teilnehmer auf internationalen Konferenzen sehr gefragt. Da Freiburg Mitglied in verschiedenen Organisationen ist, laufen im Green City Büro die Fäden für diese auch internationale Gremienarbeit zusammen, hierzu zählt der Internationale Rat für kommunale Umweltinitiativen. Die Stadt Freiburg, d.h. das Green City Büro, beteiligt sich zudem an der Ausrichtung der renommierten Local Renewables Conference.

Weitere Informationen im Green City Portal der Stadt Freiburg unter www.freiburg.de/greencity



9. Soziale Gerechtigkeit

Das Ziel der Sozialen Gerechtigkeit wird in Freiburg vor allem auf Ebene der Stadtteile verfolgt. Hier sind die Quartiersarbeit sowie verschiedene Aspekte der Wohnraumförderung zu nennen. Außerdem sind Themen wie Bürgerschaftliches Engagement, Chancengleichheit und die Förderung von Familien wichtig.

Beispielhafte Projekte zur Umsetzung

Quartiersarbeit

Die Stadtteile mit ihrer sozialen Infrastruktur werden in den Nachhaltigkeitszielen aufgegriffen. Neben diesen stadtplanerischen Zielen beinhaltet das Nachhaltigkeitsziel der Sozialen Gerechtigkeit die Sicherung eines integrativen und unterstützend wirkenden Gemeinwesens:

Freiburg arbeitet mit einem Konzept von Quartiersarbeit, das als Instrument sozialer Stadtteilentwicklung in sieben Stadtteilen (von 28) eingesetzt wird. In den letzten 15 Jahren sind in der Stadt zwei neue Stadtteile mit 6.000 bzw. 12.000 Einwohnern neu entstanden (Vauban und Rieselfeld). Aufbau und bauliche Entwicklungen werden durch die Quartiersarbeit sozial begleitet.

Quartiersarbeit gibt es in weiteren fünf Stadtteilen mit sozialem Entwicklungsbedarf. Sie leistet einen wichtigen Beitrag zur Stärkung von Identifikation und Zusammenhalt im Stadtteil. Weiter trägt sie zu einer nachhaltigen, sozialen Stabilisierung im Stadtteil entlang der städtischen Nachhaltigkeitsziele bei.

Die Quartiersarbeit ist in allen Gebietstypen mit Personal und Büros vor Ort präsent. Die Trägerschaft liegt bei Vereinen und Institutionen der sozialen Arbeit. Diese sind von der Stadt beauftragt und werden aus dem städtischen Haushalt finanziert. In einzelnen Stadtteilen ist die Quartiersarbeit Teil eines größeren Stadtteilzentrums, das mit einem breiten und vielfältigen Angebot, sozialen und kulturellen Angeboten eine Zentrums- und Mittelpunktsfunktion im Stadtteil ausübt.

Zu den Aufgaben der Quartiersarbeit gehören u.a: bürgerschaftliche Aktivierung, Organisation von Bürgerbeteiligung, Netzwerkbildung, Initiierung von Projekten für und mit der Bewohnerschaft. Die Steuerung/Koordinierung der Quartiersarbeit erfolgt durch ein in der Stadtverwaltung angesiedeltes Quartiersmanagement und über Förderverträge. Über die Entwicklungen vor Ort wird im Gemeinderat in regelmäßigen Abständen berichtet.

Weitere Informationen zum Quartiersmanagement in Freiburg unter www.freiburg.de/quartiersmanagement


Sozialbilanz der Freiburger Stadtbau GmbH

Zu den städtischen Nachhaltigkeitszielen im Themenfeld Soziale Gerechtigkeit gehört auch das Ziel, für alle Gruppen der Bevölkerung einen bedarfsgerechten und besonders für Menschen mit niedrigen und mittleren Einkommen erschwinglichen Wohnraum zu sichern:

Die Freiburger Stadtbau GmbH (FSB) gehört einem Unternehmensverbund an, der die Bereiche Wohnungs- und Städtebau, Wohnungs- und Grundstücksverwaltung, Gebäudesanierung und Führung von städtischen Bädern und Parkgaragen abdeckt.

Mit fast 10.000 Wohnungen ist die Freiburger Stadtbau GmbH die größte Wohnbaugesellschaft in Südbaden. Mit jährlichen Investitionen in zweistelliger Millionenhöhe saniert und baut sie flächendeckend. Durch ihre Stadterneuerungs- und Innenentwicklungsmaßnahmen leistet die FSB einen wichtigen Beitrag für eine nachhaltige Stadtentwicklung. Die sozialen Aktivitäten der Gesellschaft sorgen für stabile Quartiere und eine erfolgreiche Zukunftsausrichtung.

Beispielhaft ist die Sozialbilanz: Mit dem Ziel, Zufriedenheit und Identifikation der Bewohner zu steigern, führt die Bilanz seit 2012 alle Aktivitäten auf, die dem Gemeinwohl der FSB-Mieter und Freiburger dienen.

Insgesamt gibt die Sozialbilanz einen Überblick über die sozialen Dienstleistungen und Aktivitäten der FSB. In der Bilanz sind die Ausgaben bezogen auf das Engagement der Wohnungsbaugesellschaft zur Umsetzung der in den städtischen Nachhaltigkeitszielen verankerten Aspekte von beispielsweise sozialer Verantwortung und Dienstleistung sowie Förderung urbaner Lebensqualität in den Stadtquartieren als messbare Steuerungsgrößen dokumentiert.

Im Jahr 2011 hat die FSB mehr als 2 Mio. Euro in soziale Projekte investiert. Dieser Betrag zeigt, wie ernst die FSB den Auftrag der nachhaltigen Quartiersförderung nimmt. Dabei wird stark darauf eingegangen, wie sehr sich die Anforderungen an sozialen Dienstleistungen über die reine Vermietertätigkeit hinaus für ein modernes kommunales Wohnungsunternehmen geändert haben.


Sanierung Hochhaus Bugginger Straße 50

Als international beachtetes Referenzprojekt für energieeffiziente Sanierung erfolgte 2009 die Sanierung, Modernisierung und Fertigstellung eines 40 Jahre alten Hochhauses als erstes Passivhochhaus weltweit. Die Mieter der Bugginger Straße 50 sparen rund 80% der Heizenergie ein; und jährlich werden etwa 57 Tonnen CO2 eingespart. Die Photovoltaik-Anlage mit einer Gesamtleistung von 25 Kilowatt-Peak ist eine der zahlreichen energetischen Einzelmaßnahmen. Dazu gehören zum Beispiel die Wärmedämmung der Fassade, dreifach verglaste Fenster, eine neue Niedrigtemperaturheizung und eine kontrollierte Be- und Entlüftungsanlage mit Wärmerückgewinnung. 49 Wohnungen wurden ohne zusätzlichen Flächenverbrauch geschaffen. Auch gilt den Mietern gegenüber das Versprechen, dass alle 139 Wohnungen für die nächsten 10 Jahre preisgebunden bleiben. Nicht nur die technische Innovation stand im Fokus: eine breit angelegte Bewohnerbeteiligung in Kooperation mit der Quartiersarbeit begleitete den Sanierungsprozess.

Weitere Informationen zum Passivhochhaus Bugginger Straße 50 unter www.freiburger-stadtbau.de


Freiburger Netzwerk Familienbewusste Unternehmen

Weiter ist Chancengleichheit in den Freiburger Nachhaltigkeitszielen verankert: Hier setzt beispielhaft das Freiburger Netzwerk Familienbewusste Unternehmen an, das 2010 als Baustein des Projektes "Familienfreundliche Betriebe in Freiburg" der Wirtschaftsförderung initiiert wurde und in Kooperation mit BBQ familyNET und dem audit berufundfamilie moderiert wird.

Das Projekt ist Bestandteil der 2004 vom Gemeinderat beschlossenen Initiative "Familienfreundliches Freiburg". Im Zuge des aufkommenden Fachkräftemangels hat sich Familienfreundlichkeit als wesentliches Element nachhaltiger Personalplanung entwickelt. Unternehmen können mit Hilfe familienfreundlicher Angebote ihre Attraktivität als Arbeitgeber steigern, ihre qualifizierten Beschäftigten halten, motivieren und neue Fachkräfte gewinnen.

Das Netzwerk ermöglicht den Austausch von Erfahrungen und Lösungen, bietet Unternehmen eine Kooperationsplattform, macht best practice-Beispiele bekannt und entwickelt gemeinsam familienfreundliche Projekte. Im Netzwerk sind inzwischen 40 Freiburger Unternehmen aller Branchen und Unternehmensgrößen vertreten.

Beispielhafte Maßnahmen der Netzwerksmitglieder sind:

  • Eine Linkliste mit allgemeinen und lokal relevanten Infos zum Thema Beruf und Angehörigenpflege und ein Informationsordner "Beruf und Angehörigenpflege" mit Broschüren, Übersichtsblättern, Hinweise auf Beratungsstellen etc., die die Unternehmen kostenlos anfordern und betroffenen Beschäftigten zur Verfügung stellen
  • eine Kinderbetreuungsmappe mit Infos zu Kinderbetreuungsmöglichkeiten
  • die Veranstaltungsreihe "Was tun, wenn Angehörige zu pflegen sind", die alle Beschäftigten der Mitgliedsunternehmen kostenlos besuchen können.

Wichtige Faktoren für Erfolg und Nachhaltigkeit des Netzwerks ist das Selbstverständnis als Produktionsnetzwerk, das nicht nur Austausch ermöglicht, sondern laufend konkrete Maßnahmen entwickelt. Durch die Bekanntmachung der best practice-Beispiele bei Veranstaltungen und in der Presse werden immer mehr Unternehmen auf das Thema aufmerksam. Einmal begonnener Austausch und Kooperationen unter den Unternehmen wirken nachhaltig fort und beziehen weitere Themenfelder ein.

Weitere Informationen zum Freiburger Netzwerk Familienbewusste Unternehmen unter www.freiburg.de/familienfreundlichebetriebe


Bürgerschaftliches Engagement

Die Stadt sieht im Bürgerschaftlichen Engagement ein wichtiges Fundament und eine unverzichtbare Ressource für Demokratisierung, Integration und Zusammenhalt in der Gesellschaft. Das Bürgerschaftliche Engagement wird von der Stadt auf den unterschiedlichsten Ebenen gefördert und unterstützt, wie es auch in den Freiburger Nachhaltigkeitszielen gefordert wird.

Zu den beispielhaften und nachhaltigen Strukturen des Bürgerschaftlichen Engagements in der Stadt zählen u.a.

  • 17 Orts- und Lokalvereine. Sie sind Sprachrohr & Interessenvertretung auf Stadtteilebene.
  • Verschiedene verfasste Gremien, die Interessenvertretung für Zielgruppen wahrnehmen: Migranten/-innenbeirat, Behindertenbeirat, Stadtseniorenrat, Ombutsstelle für Wohnungslose, Patientenfürsprecher.
  • Anlaufstelle Bürgerschaftliches Engagement (BE) als zentralörtliche Einrichtung in der Stadt ("Treffpunkt Freiburg"): Am Standort sind 5 Dienste der BE-Förderung unter einem Dach gebündelt: städtisches Agenda 21-Büro; FARBE e.V.; Selbsthilfebüro; Freiwilligen-Agentur, Treffpunkt Freiburg e.V. Die Räume werden von der Stadt zu Verfügung gestellt. Das Angebot zur Nutzung von Räumlichkeiten für Besprechungen und Treffs wird von rd. 100 Gruppen genutzt. Allein durch das Selbsthilfebüro und die Freiwilligenagentur werden über 160 Einrichtungen durch Beratung und Begleitung unterstützt.
  • Stabsstelle Bürgerschaftliches Engagement in der Stadtverwaltung. Die Stelle ist dem Kultur- und Sozialbürgermeister direkt zugeordnet und koordiniert BE-Aktivitäten in der Verwaltung, der Stadt und initiiert Projekte und Aktionen.
  • Netzwerkarbeit in Gremien mit überregionalen Bezug (Bundesnetzwerk Bürgerschaftliches Engagement, Bundesverband Freiwilligendienste, Städtenetzwerk BW, Paritätisches Bildungswerk etc.) und lokalem Bezug (AG Ehrenamt/BE bei der Vereinigung Freiburger Sozialarbeit, Initiativkreis Freiburger Stiftungstag, Initiativkreis Freiburger Freiwilligendienste; Dialog BE mit GemeinderätInnen.

Die Schwerpunkte der Förderung des Bürgerschaftlichen Engagements liegen in den Bereichen: Schaffung von Netzwerken, Öffentlichkeitsarbeit, Wertschätzung, Projektförderung.

Freiburg ist seit 1999 Modellstandort im "Landesprogramm Bürgerschaftliches Engagement" von Baden-Württemberg und ist Partner der hierzu geschaffenen "Städtenetzwerkes".

Weitere Informationen zu Bürgerschaftlichem Engagement in der Stadt Freiburg unter www.freiburg.de/engagement



10. Bildung

In den Nachhaltigkeitszielen hat sich die Stadt zur Förderung der Bildung für Nachhaltige Entwicklung in Schulen und allen Lebenslagen verpflichtet. 

Beispielhafte Projekte zur Umsetzung

LEIF – Leben erleben in Freiburg

Die städtische Nachhaltigkeitsrelevanz im Bereich Bildung für nachhaltige Entwicklung zeigt sich darüber hinaus in einem Kompetenztool vielfältiger Bildungsanbieter/innen und -angeboten. Neben Einrichtungen und Aktivitäten in städtischer Trägerschaft (z.B. KontaktTierKind (KonTiKi) am Mundenhof, Veranstaltungszyklus Nachhaltigkeit als Lebenskunst, Projekt "Fifty-fifty - Energieeinsparung in Schulen") gibt es aktives Engagement / Initiativen nicht staatlicher Einrichtungen und Verbände in den Bereichen Umweltbildung, Bildung für nachhaltige Entwicklung, Globales Lernen, Agenda 21 und kulturelle Bildung (z.B. Ökostation, Eine Welt Forum, Klimabündnis, fesa e.V., Regenwaldinstitut).

Hervorzuheben in Freiburg ist die Initiative "LEIF - Lernen erleben in Freiburg" . LEIF setzt in Freiburg das vom Bund initiierte Modellprogramm "Lernen vor Ort" um. Lernen vor Ort ist ein Strukturprogramm zur Entwicklung und Umsetzung eines kohärenten Bildungsmanagements im kommunalen Raum - für das Lernen im Lebenslauf aller Bürger/innen in der Stadt. Ein Schwerpunkt der Arbeit von LEIF ist u.a. das Handlungsfeld "Bildung für Nachhaltige Entwicklung" durch das verschiedene strukturbildende Vorhaben angestoßen und vorangetrieben werden, um Bildung für nachhaltige Entwicklung im Prozess lebenslangen Lernens zu verankern.

Freiburger Kleeblatt Nachhaltigkeit Lernen

Mit dem "Freiburger Kleeblatt Nachhaltigkeit Lernen" wird ein weiteres Lernangebot entwickelt, um Nachhaltigkeit für alle Bürger/innen erleb- und erfahrbar zu machen. Wesentliches Gestaltungselement ist der interdisziplinäre Charakter zur Behandlung von Nachhaltigkeitsfragen in ihren vielfältigen Dimensionen. Hierzu kooperieren verschiedene Akteure/Anbieter zusammen, stimmen ihre Angebote aufeinander ab und entwickeln ein gemeinsames Lernangebot zu einem Schlüsselthema (z.B. Konsum, regenerative Energien, Klimaschutz, Mobilität, gesunde Ernährung) aus den vier Perspektiven der Nachhaltigkeit (Schutz der natürlichen Umwelt, kulturelle Bildung, nachhaltiges Wirtschaften und soziale Gerechtigkeit). So kann Expertenwissen zusammengeführt, gebündelt und in gemeinsamen Angeboten auf einander abgestimmt werden.

Ein Kleeblatt zum Thema Mobilität für den Kindergarten entstand mit den vier Partnern Polizei, VCD - Verkehrsclub Deutschland, Jugendkunstschule und Mobile Solarwerkstatt und wird aktuell in der Praxis getestet.

Weitere Informationen zur Initiative "LEIF - Lernen erleben in Freiburg" unter:www.leif-freiburg.de

WaldHaus Freiburg und Projekt Schulverwaldung

Ein weiteres spannendes Projekt des WaldHaus Freiburg trägt zur Förderung der Bildung in allen Lebenslagen bei.

Das Projekt Schulverwaldung setzt mit der temporären "Entschulung" an, um auch SchülerInnen in veränderten Lebenssituationen zu erreichen und diesen die Möglichkeit zu geben, sich durch praktische Erfahrungen zu bewähren. Ein Ort für handlungs- und situationsorientiertes Lernen wurde im Freiburger Stadt(Stern)wald geschaffen. Hier werden Bildungsplaninhalte durch praktische Arbeit im Wald erlebbar gemacht und in längerfristigen Projekten umgesetzt. In Teams gelingt es hierüber, SchülerInnen das Erlebnis Wald nahe zu bringen und sich selbst als Teil einer Gemeinschaft zu verstehen.

In den Projekten (z.B. Bau eines Hochsitzes) wird es möglich, real unter Aspekten einer nachhaltigen Forstwirtschaft zu wirtschaften. Die thematischen Projekte reichen von konkreten handwerklichen Maßnahmen praktischer Waldbewirtschaftung über Aspekte von Versorgung (z.B. Zubereitung von Mahlzeiten nach saisonalen Kriterien) bis hin zu Information und Dokumentation im mobilen Waldbüro. Der Nachhaltigkeitsdreiklang kommt in diesem Projekt besonders zum Ausdruck: ökologisch durch die praktische Waldbewirtschaftung, ökonomisch durch die Vermarktung von Waldprodukten/Pflanzschule in Form von Schülerfirmen und Kennenlernen der ökonomischen Waldfunktion, sowie sozial durch die Projektarbeit und Praktika.

Das fächerübergreifende Lernen im Wald fördert wichtige Gestaltungskompetenzen. Um ein praktisches Waldprojekt erfolgreich abzuschließen oder eine Schülerfirma zu betreiben, erfordert es von den Schülern die Fähigkeit, gemeinsam, selbständig und interdisziplinär zu Handeln, vorausschauend Entwicklungen zu analysieren und zu beurteilen und Risiken, Gefahren und Unsicherheiten zu erkennen und abzuschätzen. Für den einzelnen ist es möglich, an kollektiven Entscheidungen teilzuhaben. Immer wieder ist es nötig, sich und andere neu zu motivieren und Empathie für andere zu zeigen.

Im Herbst 2011 wurde das Projekt SchulverWaldung der Stiftung WaldHaus Freiburg durch die deutsche UNESCO-Kommission als offizielles Projekt der UN Dekade "Bildung für nachhaltige Entwicklung" ausgezeichnet. Auch in der Freiburger Schullandschaft ist es bereits fest etabliert und erfreut sich einer hohen Nachfrage. Die Idee des Schulwaldes existiert in Deutschland bereits seit den 90er Jahren. Das Freiburger Projekt SchulverWaldung, welches Schülern das eigenverantwortliche, praktische Wirtschaften im Wald ermöglicht, ist in dieser Form jedoch bis heute auch überregional einzigartig.

Weitere Informationen zum Projekt Schulverwaldung des WaldHaus Freiburg
unter www.waldhaus-freiburg.de/angebote/schulen/schulverwaldung
und allgemein zur Bildungseinrichtung WaldHaus unter www.waldhaus-freiburg.de


11. Klima und Energie

Der breite Bereich Klima und Energie beinhaltet vielerlei Projekte und Maßnahmen. Die Themen reichen von den Baulandpolitischen Grundsätzen und dem Vorantreiben der Energieeffizienz bei Gebäuden bis hin zur Energiegewinnung mittels Biogas.

Beispielhafte Projekte zur Umsetzung

Klimaschutzpolitik

In den Nachhaltigkeitszielen verpflichtet sich die Stadt, Verantwortung für Klimaschutz und Energieeinsparung zu übernehmen: Mit dem ersten Energieversorgungskonzept begann Freiburg 1986 sich strategisch und konzeptionell mit der Frage zukünftiger Energieversorgung auseinander zu setzen

Ein Baustein der Klimaschutzpolitik sind die städtischen Gebäude. Freiburg hat frühzeitig Standards für Einzelgebäude und darauf aufbauend Instrumente für die Bauleitplanung erarbeitet und diese kontinuierlich fortentwickelt. Sie sind nicht nur für einzelne Pilotprojekte, sondern grundsätzlich in den Baulandpolitischen Grundsätzen festgelegt und erfassen somit alle Neubaugebiete. Sie führen zu deutlichen Einsparungen im Energieverbrauch, zur Effizienzoptimierung und zur Nutzung erneuerbarer Energien.

1. Freiburger Niedrigenergiebauweise (NEH):

1992 hat Freiburg für den Verkauf städtischer Grundstücke einen eigenen Energiestandard definiert: 65 kWh m²/a Heizenergieverbrauch. Dieser Standard war 30% effizienter als der Bundesstandard. Zwei neue Modellstadtteile, Vauban und Rieselfeld, sind in diesem Standard errichtet worden, die mit ihren innovativen Entwicklungskonzepten national und international hohe Anerkennung finden und als best practice gelten. Der Standard wurde 2008 fortgeschrieben. Seit 2009 gilt der kfw-55 (Passsivhaus-)Standard, in dem städtische Bauvorhaben aktuell vorbildlich umgesetzt werden. Seit 2012 gilt -bundesweit erstmalig- ein Standard für den Neubau von Bürogebäuden (EnEV-30%).

2. Instrumente Klimaschutz in der Stadtentwicklung:

In Baugebieten sind die Ausrichtung der Gebäude (solare Optimierung) und die Energieversorgung bei neuen Bebauungsplänen zu berücksichtigen. Energiekonzepte untersuchen und bewerten verschiedene Versorgungsvarianten auf Ihre ökologischen und ökonomischen Auswirkungen. Verglichen werden dezentrale und zentrale Lösungen, besonders mit Kraft-Wärme-Kopplung und erneuerbaren Energien.

3. Fortentwicklung der Instrumente - Integration des Bestandes:

Der Gebäudebestand ist aktuell die größte Herausforderung des städtischen Energieverbrauches. Neben einem eigenen Altbau-Förderprogramm werden städtische Gebäude (Schulen & Wohnungsbau) energetisch saniert. In die Instrumente der Bauleitplanung werden auch angrenzende Bestandsgebiete in die Energieversorgungsplanung integriert. Auch wird die Stadt künftig Gebäude in Bestandsstadtteilen modellhaft energetisch sanieren und die Optimierung der vorhandenen Wärmeversorgung forcieren.

Weitere Informationen zu den energetischen Baustandards unter www.freiburg.de/effizienzhaus


Gebäude- und Infrastrukturmanagement

Mit Gründung des Gebäudemanagement Freiburg (GMF) 2006 gestaltet die Stadt seither ein an Effizienzkriterien ausgerichtetes Infrastrukturmanagement mit nachhaltiger Ausrichtung . Ziele sind u.a. eine effizientere Energienutzung und Kostentransparenz. Das GMF ist zuständig für sämtliche städtische Liegenschaften, außer im Wohnungsbereich. Seit das GMF seine Arbeit aufgenommen hat, konnte die Stadt die entsprechenden Kosten für Unterhalt und Investitionen deutlich senken. Als wirkungsvoll haben sich ein Kostenmonitoring sowie langfristige Kosten-Nutzen-Analysen erwiesen.

Vorher waren Bewirtschaftung und Belegungsplanung in der Verantwortung derjenigen Fachämter, die die Gebäude auch nutzten. Da Bau und Unterhalt nun in einer Hand liegen, ist es gelungen, Sach- und Personalkosten für das Gebäudemanagement deutlich zu reduzieren. Das neue Konzept beinhaltet ein sogenanntes Mieter-Vermieter-Modell. Damit stellt das GMF die Räumlichkeiten der 470 Gebäude zur Verfügung, außerdem alle notwendigen Dienstleistungen wie Hausmeister, Reinigung, Reparaturausgaben oder die Energie- und Wasserversorgung. Die "Mieter" erhalten regelmäßig Abrechnungen über Mieten und Nebenkosten. Dieses Modell funktioniert bisher rein virtuell, es müssen - noch - keine realen Mieten bezahlt werden. Dennoch ergreift das GMF gezielt Maßnahmen gegen zu hohe Energieverbräuche. Die Nutzer wiederum senken aufgrund des Feedbacks ihren Verbrauch. Beide Seiten tragen so ganz entscheidend dazu bei, die Ausgaben besser zu steuern.

Um fundiert über Neubauten, Umbauten oder Sanierungen entscheiden zu können, werden zuverlässige Daten benötigt. Diese liefert das computergestützte Gebäudemanagement-System (CAFM). Hier werden die Bestandsinformationen und Verbrauchwerte aller Gebäude eingespeist. So entsteht für jedes einzelne Gebäude eine Übersicht über Angebot und Bedarf und den detaillierten Energieverbrauch. Energiemanagement und Flächenverteilung stehen somit auf einer soliden Datenbasis.

Bevor eine Entscheidung über eine Sanierung oder ein Neubauvorhaben fällt, führt die Stadt Freiburg immer eine Kosten-Nutzen- Analyse durch. Dabei wird zunächst ermittelt, wie groß der tatsächliche Platzbedarf ist und ob sich eher eine Sanierung oder ein Neubau lohnt. In die konkreten Planungen fließen nicht nur die Kosten für den Bau ein, sondern auch die Betriebskosten für die nächsten dreißig bis fünfzig Jahre. Dadurch lassen sich Baumaßnahmen mit hoher Qualität und hohen energetischen Standards rechtfertigen, selbst wenn sie kurzfristig kostspieliger sind. Auf dieser Grundlage haben sich Politik und Verwaltung bisher beinahe immer für die Sanierung der Gebäude entschieden und so die starke politische Orientierung an den städtischen Nachhaltigkeitszielen untermauert.

Beispielhafte Schulsanierung

Zur energetischen Optimierung der baulichen Infrastruktur wurde 2006 ein Maßnahmenpaket an Schulsanierungen geschnürt, das im Rahmen von Eigenfinanzierungen sukzessive abgearbeitet wird.

Auch sämtliche Baumaßnahmen in den Schulgebäuden werden nach den festgelegten Bauleitlinien und energetischen Standards ausgeführt. Als Beispiel wird die Generalsanierung des Theodor- Heuss-Gymnasiums beschrieben.

Inhalt der Maßnahme ist die Realisierung vollständig neuer Grundrisse in zwei Bauteilen mit jeweils neuen Räumen für den Ganztagesbetrieb (Cafeteria, weitere Ganztagesräume, Verwaltung) im Ganztagestrakt, sowie für den Unterrichtsbetrieb (Klassen- und Fachklassenräume) im sog. Klassentrakt, wodurch nicht nur die neuen pädagogischen Anforderungen wie bei einem Neubau ideal erfüllt werden können, sondern auch zusätzliche Raumfunktionen für den Ganztagesbetrieb zusätzliche Ausbildungsinhalte ermöglichen.

Die Realisierung der Anforderungen aus den Bauleitlinien, den Energiestandards und dem pädagogischen Konzept führt hier zu einer ganzheitlichen Erfüllung der genannten Standards und damit zu Nachhaltigkeit im Sinne einer Reduzierung von Energie- und Betriebskosten, der Auswahl nachhaltiger Bauprodukte, der Schaffung idealer Licht- und Beleuchtungssituationen, optimaler akustischer und bauphysikalischer Bedingungen, altersgerechter Möblierung, neuester EDV-Technik etc.. Das Gesamtkonzept bietet optimale Voraussetzungen zur Umsetzung der städtischen Nachhaltigkeitsziele im Themenfeld Bildung.

Aus dem Programm "Klimaschutz +" wurde die Sanierungsmaßnahme vom Umweltministerium Baden-Württemberg zwischenzeitlich für ein Projekt "Modellklassenzimmer" im Rahmen der Gemeinsamen Deutschen Arbeitsschutzstrategie (GDA) ausgewählt, was den modellhaften Charakter der Sanierung bereits heute belegt. Inhalt des Projektes ist voraussichtlich die Begleitung, Dokumentation und Evaluierung einzelner Klassenräume bezogen auf die dort erreichten qualitativen Optimierungen bei Möblierung, Akustik, Farbe, Materialwahl, Belichtung, Beleuchtung und Belüftung durch das Fraunhofer Institut für Bauphysik.

Nutzung Biogas Deponie Eichelbuck

Ein spannendes Projekt zur Umsetzung des Zielbereiches Energie und Klima ist auch die Nutzung des Biogases aus der Deponie Eichelbuck. Das dort gewonnene Gas wird seit über 20 Jahren in einem Blockheizkraftwerk (BHKW) genutzt und versorgt rund 5.000 Haushalte mit Wärme und Strom. Seit 2006 wird hier nicht nur das Gutgas, sondern auch das Schwachgas (mit niedrigerem Methan-Gehalt) über Mikrogasturbinen verwertet und kann somit in Kraft-Wärme-Kopplung genutzt werden. Die Abwärme der Gasturbinen deckt den Wärmebedarf der deponieeigenen Anlage zur Herstellung von Gärsubstrat für Biogasanlagen. Der erzeugte Strom deckt den Eigenbedarf, Überschuss wird eingespeist.

Sinkende Gasmengen werden seit Einführung der separaten Bioabfallsammlung und Deponieschließung inkl. Oberflächenabdichtung spürbar. Bis 2001 waren ca. 90% der Freiburger Haushalte an die Biotonne angeschlossen. Somit wurde der Deponiegasproduktion schon vor über 10 Jahren potentes organisches Material vorenthalten und es mussten kontinuierlich fremde/fossile Brennstoffe zugefeuert werden. Um das schlechter werdende Deponiegas auf die Bedürfnisse des BHKW anzuheben, wird nun das bisher eigens verstromte Biogas derjenigen Anlage genutzt, welche die Bioabfälle von Freiburg und des LK Breisgau Hochschwarzwald verarbeiten. Eine Anbindung der Vergärungsanlage an die bisherige Gasleitung zwischen Deponie und BHKW ist technisch unkompliziert möglich. Am Übergabepunkt entsteht ein Gemisch aus Deponiegas und höherwertigem Biogas. Die Gasqualität und -menge gewährleisten einen durchgängigen Betrieb des BHKW.

Seit der Inbetriebnahme 2011 sichert das System langfristig die umweltfreundliche und energetische Nutzung des Deponiegases. Das Gesamtkonzept ist für eine Vielzahl von Deponien im Bund richtungsweisend.

2011 beschloss die Stadt zudem den Bau einer Photovoltaikanlage auf der ehemaligen Deponie, die mit einer Leistung von 2.571,84 kWp und einer Modulfläche von über 17.500m² zu den größten Anlagen in Baden-Württemberg zählt. Diese Konversionsflächen konkurrieren um keine andere Nutzung und eignen sich hierfür hervorragend. Seit Inbetriebnahme kann der jährliche Stromverbrauch von mehr als 1.000 Haushalten gedeckt werden.

Das Konzept der Deponiegaserfassung/-nutzung und der Photovoltaikanlage auf der Deponie verbindet in vorbildlicher Weise den Recyclinggedanken mit Anforderungen zur Förderung regenerativer Energien und damit zur CO2-Reduzierung.


12. Kultur

Freiburg hat sich in seinem Zielfestlegungsprozess dafür entschieden, das Themenfeld Kultur in die Freiburger Nachhaltigkeitsziele aufzunehmen. Damit hat sich die Stadt verpflichtet, kulturelle Angebote für alle gesellschaftlichen Gruppen zu stärken.

Beispielhafte Projekte zur Umsetzung

Kulturentwicklungsplanung

Als eine der ersten Großstädte begann in Freiburg 2005 eine Kulturentwicklungsplanung neuen Stils, die inzwischen in anderen Städten als Modell nachhaltiger Planungen dient und deren erste Phase derzeit evaluiert wird. Ein breit entwickeltes „Leitbild kulturelle Stadtentwicklung“ und vom Gemeinderat beschlossene „Kulturpolitische Leitziele“ geben dem künftigen kulturpolitischen Handeln auf fachlich fundierter Grundlage eine zielgerichtete Orientierung, basierend auf den Ergebnissen eines sehr breit angelegten Beteiligungsprozesses mit maßgeblichen Akteuren der Kulturszene und der Bürgerschaft.

In zahlreichen Workshops mit fast 500 Akteuren wurden die Bedeutung der Kultur für das Stadtprofil sowie die Relevanz aktueller demografischer und anderer gesellschaftlicher Veränderungen für Freiburg reflektiert, Grundprinzipien unserer Kulturpolitik definiert sowie neue Schwerpunkte und mittelfristige kulturpolitische Ziele festgelegt. In einem zweiten Schritt wurden 2008/2009 beteiligungsorientiert vier Handlungskonzepte (Stadt der Künste, Kulturelles Erbe, Kulturelle und Interkulturelle Vielfalt sowie Kulturelle Bindung) erarbeitet, in denen operative Ziele und insgesamt über 100 konkrete strukturelle Entwicklungsmaßnahmen zur Zielerreichung entwickelt wurden, die bis heute sukzessive umgesetzt werden.

Zentrale Bedeutung haben neben zahlreichen Einzelmaßnahmen die Bereiche Kulturelle Bildung sowie Kulturelle und Interkulturelle Vielfalt mit den Schwerpunkten Interkulturelle Kunst und Kultur sowie Stadtteilkultur. Neue Sachgebiete und stadtweite Netzwerke wurden etabliert und über einen Innovationsfonds mit transparenten Kriterien über Fachjurys neue Impulse gegeben sowie Kooperationen gestiftet und über Konzeptionsförderungen auch mehrjährig gesichert.

Die transparente, zielorientierte und aktivierende Praxis der Kulturpflege und -arbeit des Kulturamts findet bei Freiburger Kulturschaffenden und -einrichtungen hohe Anerkennung. Die kulturpolitischen Ansprüche und Schwerpunkte sind deutlich definiert und für Akteure wie BürgerInnen nachvollziehbar.

Mit 67 Maßnahmen konnte inzwischen ein Großteil der 102 Maßnahmen umgesetzt werden, 31 davon sind als abgeschlossen einzustufen. Die weiteren 36 grundsätzlich umgesetzten Maßnahmen werden noch weiterverfolgt, da mit ihnen meist kontinuierlich zu verfolgende Aufgaben beschrieben sind, die nicht abzuschließen sind.

Weitere Informationen zur Kulturentwicklungsplanung der Stadt Freiburg